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	<title>Citizen Times</title>
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	<description>Das liberale Politikmagazin</description>
	<lastBuildDate>Fri, 18 May 2012 06:36:58 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Enttarnung des frühen Islam - Daniel Pipes bespricht Robert Spencers Buch: Did Muhammad Exist?</title>
		<link>http://www.citizentimes.eu/2012/05/18/enttarnung-des-fruhen-islam/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 May 2012 06:36:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Middle East Forum / Daniel Pipes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Islam und sein Prophet]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

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		<description><![CDATA[Daniel Pipes bespricht Robert Spencers Buch: Did Muhammad Exist? An Inquiry into Islam's Obscure Origins]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Daniel Pipes bespricht Robert Spencers Buch: Did Muhammad Exist?</h3>
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<div id="attachment_5646" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-5646" title="mohammed_wikipedia2" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/01/mohammed_wikipedia2.jpg" alt="" width="600" height="360" />
<p class="wp-caption-text">Persische Darstellung Mohammeds (rechts) vor seinen frühesten Anhängern. Illustration aus Al-Birunis Kompendium Athar al-Baqiya &#39;an al-Qurun al-Khaliya. &#8211; Quelle: Wikipedia</p>
</div>
<p><span class="dropcap">D</span>as Jahr 1880 erlebte die Veröffentlichung eines Buchs, das als wichtigste jemals geschriebene Einzelstudie zum Islam gilt. Es wurde einem jungen jüdisch-ungarischen Forscher namens <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Goldziher" target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia">Ignaz Goldziher</a> und mit dem etwas unscheinbaren Titel <em>Mohammedanische Studien</em> auf Deutsch geschrieben; darin heißt es, dass den <em>Hadithen</em>, dem riesigen Korpus an dem islamischen Propheten Mohammed zugeschriebenen Aussprüchen und Taten historische Echtheit fehlt. Statt verlässliche Einzelheiten über Mohammeds Leben zu liefern, wies Goldziher nach, kamen die Hadithe zwei oder drei Jahrhunderte später in Diskussionen über das Wesen des Islam auf.</p>
<p>(Das ist so, als würden die heutigen Amerikaner über den heiß umstrittenen Zweiten Verfassungszusatz zum Recht Waffen zu tragen diskutierten, indem sie behaupten mündliche Überlieferungen entdeckt zu haben, die auf George Washington und Thomas Jefferson zurückgehen. Offensichtlich würden diese Zitate uns nicht über vor 225 Jahren Gesagtes in Kenntnis setzen, sondern über heutige Ansichten.)</p>
<p>Seid Goldzihers Tagen haben Forscher diesen Ansatz aktiv verfolgt und eine vollständige Darstellung der frühen islamischen Geschichte vertieft und entwickelt &#8211; eine, die fast jedes Detail des Lebens Mohammeds, wie es herkömmlich nachvollzogen wird, anficht: 570 n.Chr. geboren, 610 die erste Offenbarung, 622 Flucht nach Medina, gestorben 632. Doch diese revisionistische Geschichte ist praktisch ein Geheimnis der Spezialisten geblieben. Zum Beispiel schrieben Patricia Crone und Michael Cook, Autoren der Übersicht <em><a href="http://www.aina.org/books/hagarism.pdf" class="lipdf">Hagarism</a></em> (Cambridge University Press 1977) bewusst blumig und versteckten die Botschaft damit.</p>
<p>Jetzt haben aber zwei Forscher unabhängig von einander diese Geheimnistuerei beendet: Tom Holland mit <a href="http://www.amazon.de/In-Shadow-Sword-Global-Empire/dp/0385531354/ref=sr_1_4?ie=UTF8&amp;qid=1337096550&amp;sr=8-4" target="_blank" class="liexternal"><em>In the Shadow of the Sword</em></a> (Im Schatten des Schwertes) und Robert Spencer mit <a href="http://www.amazon.de/Did-Muhammad-Exist-Inquiry-Obscure/dp/161017061X/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&amp;ie=UTF8&amp;qid=1337096654&amp;sr=1-1" target="_blank" class="liexternal"><em>Did Muhammad Exist?</em></a>(Gab es Mohammed überhaupt?). Wie ihre Titel nahe legen, ist Spencer der unerschrockenere Autor, also konzentriere ich mich hier auf ihn.</p>
<p>Seine gut geschriebene, nüchterne und klare Schilderung beginnt er mit der Darstellung der Ungereimtheiten und Rätsel der herkömmlichen Schilderungen zu Mohammeds Leben, dem Koran und dem frühen Islam. Ein Beispiel: Während der Koran darauf besteht, dass Mohammed keine Wunder wirkte, schreiben ihm die Hadithe wundertätige Kräfte zu &#8211; Vermehrung von Essen, Heilung Verletzter, dass er Wasser aus dem Boden und dem Himmel zog und sogar Blitze aus seiner Spitzhacke schickte. Was denn nun? Die Hadithe geben an, dass Makka eine Handelsstadt war, doch die historischen Belege offenbaren, dass dies nicht zutrifft.</p>
<p>Die christlichen Eigenschaften des frühen Islam sind nicht weniger merkwürdig, inbesondere &#8220;Spuren eines christlichen Textes, der dem Koran zugrunde liegt&#8221;. Richtig verstanden verdeutlichen diese Spuren ansonsten unverständliche Abschnitte. Herkömmlich gelesen hört Maria in Sure 19,24 unsinnigerweise, während sie Jesus gebiert: &#8220;Sei nicht traurig. Dein Herr hat dir ein Bächlein fließen lassen.&#8221; Revisionisten überführen dies in das Sinn machende (und christlich fromme): &#8220;Sei nicht traurig, dein Herr hat deine Entbindung legitim gemacht.&#8221; Rätselhafte Verse zur &#8220;Nacht der Macht&#8221;, die an Mohammeds erste Offenbarung erinnern, machen Sinn, wenn sie als Beschreibung von Weihnachten verstanden werden. Sure 97 des Koran lädt die Leser erstaunlicherweise zu einem Abendmahl ein.</p>
<p>Auf dieser christlichen Grundlage aufbauend postulieren die Revisionisten eine radikal neue Schilderung des frühen Islam. Aus der Feststellung, dass Münzen und Inschriften aus dem siebten Jahrhundert weder Mohammed, noch den Koran, noch den Islam erwähnen, schließen sie, dass die neue Religion nicht bis etwa 70 Jahre nach Mohammeds angenommenem Tod aufkam. Spencer stellt fest: &#8220;Das erste Jahrzehnt der arabischen Eroberungen zeigt, dass die Eroberer nicht am Islam festhalten, sondern an einem vagen Bekenntnis [dem Hagarismus, der sich auf Abraham und Ismael fokussiert] mit Verbindungen zu einer Art Christentum und Judentum.&#8221; Sehr kurz gesagt: &#8220;Der Mohammed der islamischen Tradition existierte nicht; oder er war, wenn er denn existierte, erheblich anders als ihn die Tradition dargestellt&#8221; &#8211; nämlich ein antitrinitarisch-christlichen Rebellenführer in Arabien.</p>
<p>Erst um 700 n.Chr., als die Herrscher eines nun riesigen arabischen Reiches das Gefühl hatten eine einende politische Theologie zu benötigen, schusterten sie die islamische Religion zusammen. Die Schlüsselfigur dieses Unternehmens scheint Hajjaj ibn Yusuf, der brutale Gouverneur des Irak gewesen zu sein. Kein Wunder, schreibt Spencer, dass der Islam &#8220;solch eine ungemein politische Religion&#8221; mit einzigartig herausstechenden kriegerischen und imperialen Qualitäten ist. Kein Wunder, dass er mit modernen Gepflogenheiten auf Kriegsfuß steht.</p>
<p>Die revisionistische Schilderung ist keine unproduktive akademische Übung, sondern, so wie beim Judentum und Christentum, die vor 150 Jahren auf die historisch-kritische Methode trafen, eine schwerwiegende, verunsichernde Herausforderung des Glaubens. Sie wird wahrscheinlich den Islam als weniger buchstäblich ausgelegte und doktrinäre Religion mit in seinem Fall besonders vorteilhaften Folgen hinterlassen, der immer noch im Sumpf der Doktrinen des Suprematismus und Frauenhasses versinkt. Also Applaus für das Vorhaben <em>Did Muhammad Exist?</em> in wichtige muslimische Sprachen zu übersetzen und gratis im Internet zur Verfügung zu stellen. Möge die Revolution beginnen.</p>
<p><em>Der Text erschien zuerst auf der deutschen Webseite von <a href="http://de.danielpipes.org/11284/enttarnung-fruehen-islam" target="_blank" class="liexternal">Daniel Pipes</a>. Englisches Original: <a href="http://www.danielpipes.org/11280/uncovering-early-islam" target="_blank" class="liexternal">Uncovering Early Islam</a> (National Review Online, 16. Mai 2012). Übersetzung: H. Eiteneier</em></p>
<p><em>Robert Spencer (2012): Did Muhammad Exist? An Inquiry into Islam&#8217;s Obscure Origins. Delaware: Intercollegiate Studies, 254 Seiten, 19,95 Euro.</em>
<div class="shr-publisher-7021"></div>
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		<title>al-Qaida deeskalieren - Rezension zu André M. Malick: Al-Qa’idas Interpunktion von Ereignisfolgen</title>
		<link>http://www.citizentimes.eu/2012/05/16/al-qaida-deeskalieren/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 06:37:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Dustin Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension zu André M. Malick: Al-Qa’idas Interpunktion von Ereignisfolgen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Rezension zu André M. Malick: Al-Qa’idas Interpunktion von Ereignisfolgen</h3>
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<div id="attachment_7017" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-7017" title="ground-zero2012_KDH" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/05/ground-zero2012_KDH.jpg" alt="" width="600" height="521" />
<p class="wp-caption-text">Ground Zero in New York im April 2012 &#8211; Bild: Karsten Dustin Hoffmann</p>
</div>
<p><span class="dropcap">N</span>ach der Aufdeckung der Neonazi-Mordserie Ende 2011 steht die Auseinandersetzung mit dem Extremismus von Rechts im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses – das ist nur verständlich. Aber: An der Bedrohungssituation durch den islamischen Terrorismus hat sich nichts geändert. Erst im Frühjahr 2011 ermordete ein islamistischer Attentäter am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzte zwei weitere schwer (beim fünften Opfer versagte die Schusswaffe). Offenbar ist dies bereits in Vergessenheit geraten.</p>
<p>Der Forschungsstand über den islamischen Extremismus ist infolge der Anschläge des 11. September 2001 stark angewachsen. Der Hamburger Kriminologe André M. Malick beklagt jedoch einen Mangel an kommunikationsanalytischen Ansätzen, denen er großes Potential zur Entschärfung von Konflikten beimisst. Im Rahmen einer Studie über die Interaktion der Terrororganisation <em>al-Qaida</em> und ihren westlichen Gegnern nimmt er einen Perspektivenwechsel vor und betrachtet die Entwicklungen, die zu den Anschlägen auf das <em>World Trade Center</em> führten, aus Sicht der Terrorgruppe.</p>
<p>Der Verfasser analysiert eine Reihe von Originaltexten Osama bin Ladens, seines Mentors Abdullah Azzams und seines Stellvertreters Ayman al-Zawahiris sowie die Reaktionen des Westens auf deren Forderungen. Dabei macht Malick gravierende Mängel in der Kommunikation zwischen den Parteien aus: Während die USA die Drohungen Bin Ladens ignorierten, habe der <em>al-Qaida</em>-Führer insbesondere die Nicht-Reaktion der Amerikaner als Provokation verstanden. Über das grundlegende Problem – die Präsenz der US-Streitkräfte auf muslimischem Territorium und in Bin Ladens Heimatland Saudi-Arabien – sei überhaupt nicht kommuniziert worden. Dieser Zustand dauere bis heute an, daher hält der Verfasser die Militäroperationen des Westens in Afghanistan und im Irak für sehr bedenklich. Sie begünstigten einen <em>homegrown terrorism</em>, wie ihn insbesondere die US-amerikanischen Altkonservativen um Patrick Buchanan befürchten.</p>
<p>Malick ist ein Schüler Sebastian Scheerers, Direktor des <em>Instituts für Kriminologische Sozialforschung</em> in Hamburg, der Terrorismus als <em>askriptives Merkmal</em> ansieht. Der Begriff ließe sich dazu benutzen, diejenigen zu kennzeichnen, mit denen ein Staat aus strategischen Gründen nicht zu Verhandlungen bereit sei. Eine Einschätzung, die Malick zumindest ansatzweise teilt: „Wenn man Terroristen nicht zuhören will, führt genau diese Etikettierung dazu, dass der Terrorist noch lauter werden muss – bis man ihn nicht mehr überhören kann.“ Diese Argumentation erinnert an die der Gegner des Extremismuskonzepts („Es gibt gar keinen Linksextremismus“), die ebenfalls auf die Gefahr des Missbrauchs von Begriffen abstellen. Deswegen sollten die Autoren bedenken: Kein wissenschaftliches Konzept ist davor gefeit, zu politischen Zwecken missbraucht zu werden – den Nutzen stellt dies aber nicht in Frage.</p>
<p>Malick versteht seine Arbeiten als Anregung, kommunikationstheoretische Erkenntnisse stärker als bisher in der wissenschaftlichen Diskussion über islamistischen Terror zu berücksichtigen. Er favorisiert die Methode Watzlawicks. Dessen drittes Axiom beschreibt die „Interpunktion von Ereignisfolgen“, nach der sich beide Kommunikationspartner durch das Verhalten des jeweils anderen zu einer Aktion veranlasst fühlen, die ihrerseits den Konflikt weiter vorantreibt. Da im Sinne Watzlawicks auch die Nicht-Reaktion eine Form der Kommunikation darstellt („Man kann nicht nicht kommunizieren“), sehen sich Terroristen durch die Gesprächsverweigerung von Staaten zu noch drastischerem Handeln gezwungen.</p>
<p>Insgesamt liefert André Malick stichhaltige Argumente für seinen Ansatz. Kommunikationsanalysen können der Deeskalation von Konflikten dienlich sein. Die Anschläge auf das <em>World Trade Center</em> kamen nicht aus heiterem Himmel, wie dies Präsident George W. Bush Jr. gegenüber der Weltöffentlichkeit verkündete. Ob sie durch die Anwendung kommunikationsanalytischer Methoden zu verhindern gewesen wären, erscheint dagegen unwahrscheinlich. Einige Fragen bleiben offen: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um das Gespräch mit einer (potentiellen) Terrorgruppe zu suchen? Muss ein Staat auf alle zugehen, die mit Terror drohen? Wie viele Menschen müssen getötet werden, bis ein Staat sich auf Verhandlungen einlassen sollte?</p>
<p><em>André M. Malick (2011): Al-Qa’idas Interpunktion von Ereignisfolgen. Eine Konfliktanalyse unter kommunikationstheoretischen Gesichtspunkten nach Watzlawick. Frankfurt: Verlag für Polizeiwissenschaft, 147 Seiten, 19,80 Euro. </em>
<div class="shr-publisher-7014"></div>
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		<title>Ayaan Hirsi Ali ausgezeichnet - Bilder von der Verleihung des Axel-Springer-Ehrenpreises an weltbekannte Menschenrechtlerin in Berlin</title>
		<link>http://www.citizentimes.eu/2012/05/11/ayaan-hirsi-ali-ausgezeichnet/</link>
		<comments>http://www.citizentimes.eu/2012/05/11/ayaan-hirsi-ali-ausgezeichnet/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 May 2012 10:42:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Strüning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

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		<description><![CDATA[Bilder von der Verleihung des Axel-Springer-Ehrenpreises an weltbekannte Menschenrechtlerin in Berlin]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Bilder von der Verleihung des Axel-Springer-Ehrenpreises an weltbekannte Menschenrechtlerin in Berlin</h3>
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<div id="attachment_7009" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/05/AHA-AS-Preisverleihung2012_1.jpg" alt="" title="AHA-AS-Preisverleihung2012_" width="600" height="400" class="size-full wp-image-7009" />
<p class="wp-caption-text">Ayaan Hirsi Ali mit ihrem Mann Niall Ferguson &#8211; Bild: Citizen Times/P.S.</p>
</div>
<p><span class="dropcap">A</span>nlässlich des 100. Geburtstages Axel Springers wurde gestern im Rahmen des <a href="http://www.axel-springer-preis.de/" target="_blank" class="liexternal"><em>Axel Springer Preis für junge Journalisten</em></a> erstmals eine Ehrenauszeichnung für besonderen publizistischen Mut verliehen. Der durch Friede Springer spontan mit 25.000 Euro dotierte Preis ging an die weltbekannte Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali. In ihrer beeindruckenden Rede prangerte die Menschenrechtlerin die <a href="http://www.citizentimes.eu/2012/05/11/the-advocates-of-silence/" class="liinternal"><em>Befürworter des Schweigens</em></a> an und warf ihnen vor, mit dem Tabu, Integrationsprobleme mit dem Islam in Verbindung zu bringen, Gewalt und Extremismus zu fördern.</p>
<p>Die Laudatio hielt der niederländische Schriftsteller Leon de Winter, der als einer der engen Vertrauten Hirsi Alis an ihrem Start in die aktive Politik nicht ganz unbeteiligt war. Unter den Gästen befanden sich neben dem bekannten Ehemann der Ausgezeichneten, Prof. Niall Ferguson, u.a. <a href="http://www.citizentimes.eu/2012/05/09/deutsche-juden-sundenstolz/" class="liinternal">Henryk M. Broder</a>, <a href="http://www.citizentimes.eu/2012/01/12/in-beiden-kulturen-zu-hause/" class="liinternal">Sabbatina James</a> und <a href="http://www.citizentimes.eu/2012/03/26/islam-kollektivismus-und-des-pudels-kern/" class="liinternal">Necla Kelek</a>. Für <em>Citizen Times</em> hat der freie Fotograf Philipp Strüning die Preisverleihung dokumentiert:</p>
<div class="ngg-galleryoverview" id="ngg-gallery-1-6998">
<p>	<!-- Slideshow link --></p>
<div class="slideshowlink">
		<a class="slideshowlink" href="http://www.citizentimes.eu/2012/05/11/ayaan-hirsi-ali-ausgezeichnet/?show=slide"><br />
			[Show as slideshow]		</a>
	</div>
<p>	<!-- Thumbnails --></p>
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								<img title="aha-as-preisverleihung2012_p_struening03" alt="aha-as-preisverleihung2012_p_struening03" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/gallery/2012-05-10/thumbs/thumbs_aha-as-preisverleihung2012_p_struening03.jpg" width="100" height="75" /><br />
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			<a href="http://www.citizentimes.eu/wp-content/gallery/2012-05-10/aha-as-preisverleihung2012_p_struening04.jpg" title="Henryk M. Broder (links) mit dem niederländischen Schriftsteller Leon de Winter, der die Laudatio hielt" class="thickbox" rel="set_1" ><br />
								<img title="aha-as-preisverleihung2012_p_struening04" alt="aha-as-preisverleihung2012_p_struening04" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/gallery/2012-05-10/thumbs/thumbs_aha-as-preisverleihung2012_p_struening04.jpg" width="100" height="75" /><br />
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<p><em>Copyright Bilder: Citizen Times/P.S. Bei Interesse an einer Wiederveröffentlichung (auch in Druckqualität) wenden Sie sich bitte an redaktion@citizentimes.eu.</em>
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		<title>The Advocates of Silence - Speech of Ayaan Hirsi Ali on occasion of the Axel Springer Honorary Prize in Berlin</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 09:51:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gastautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[English]]></category>
		<category><![CDATA[Kampfbegriff Islamophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

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		<description><![CDATA[Speech of Ayaan Hirsi Ali on occasion of the Axel Springer Honorary Prize in Berlin]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Speech of Ayaan Hirsi Ali on occasion of the Axel Springer Honorary Prize in Berlin</h3>
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<div id="attachment_7002" class="wp-caption alignnone" style="width: 601px"><img class="size-full wp-image-7002" title="AHA-AS-Preisverleihung2012a" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/05/AHA-AS-Preisverleihung2012a.jpg" alt="" width="591" height="684" />
<p class="wp-caption-text">In Berlin für ihr Engagement geehrt: Ayaan Hirsi Ali &#8211; Bild: Citizen Times/P.S.</p>
</div>
<p><span class="dropcap">T</span>hank you so much for this great honor. The late Axel Springer had four guiding principles, which he later extended to five after the terrorist attacks of September 2001. I want to begin by reminding you of them.</p>
<ol>
<li>Unconditional commitment to German reunification, which he changed to European Union after 1989;</li>
<li>Reconciliation of the Jews and the Germans and support for the state of Israel;</li>
<li>Rejection of any kind of political totalitarianism;</li>
<li>Defense of the free social market;</li>
<li>Support of the transatlantic alliance and solidarity with the USA on the basis of shared values of freedom.</li>
</ol>
<p>It is about the third and the fifth of these priniples that I wish to speak to you tonight. In particular, I want to talk about the freedom of speech &#8211; and the loss of freedom that comes with that silence. [...]</p>
<p>&#8220;People ask me if I have some kind of death wish, to keep saying the things I do. The answer is no, I would like to keep living. However, some things must be said and there are times when silence becomes an accomplice to injustice.&#8221; I wrote those words in 2005. I was alluding to the plight of Muslim women who live in Europe, whose suffering inspired me to make the film <em>Submission</em> with Theo van Gogh. He was shot and stabbed to death by a radical Muslim.</p>
<p>Today, the problem of how to integrate Muslim immigrants into European society is, if anything, even more complex and challenging than it was then. There are, of course, still the advocates of silence. They say that an honest discussion of the challenges posed by some Muslim immigrants to European society will lead to a build-up of hatred against those immigrants: A hatred so vile and so strong as to translate into violence. A violence carried out by lone renegades like the Norwegian Anders Breivik, now on trial for his horrific spree in Oslo last year, or a more organized violence by neo-Nazi groups.</p>
<p>The advocates of silence also warn that honest discussion will encourage the emergence and rise of populist parties whose only political issue is immigration and Islam. They fear the election through non-violent means of politicians with a violent agenda that they will apply to Muslims as soon as they get into office. Advocates of silence conjure up terrifying visions of fascistic regimes that will implement mass deportations of Muslims, mass imprisonment of Muslims, the closing of their mosques, the shutting down of their businesses, the exclusion of Muslims from education and employment, and other types of discrimination.</p>
<p>When voicing these fears, the advocates of silence point, implicitly or explicitly, to the history of Germany between the world wars. The argument is often made that those intellectuals who wrote about “the Jewish question” – not all of whom were self-consciously anti-Semitic – paved the way for Hitler’s rise to power, for his policies of discrimination against Jews – not to mention homosexuals and the handicapped – and the ultimate horrors of the Holocaust. Here in Berlin, more than anywhere else in the world, such fears cannot and should not be lightly dismissed.</p>
<p>Citing this history of intolerance and genocide, the advocates of silence demand that no specific references be made to Islam or Muslims when discussing the issue of integration. They demand that only social and economic aspects of the problem be highlighted and only social and economic policies be implemented. They also urge that cultural demands made by some Muslim leaders be accommodated without complaint. Animal rights groups are asked to look the other way when it comes to the ritual slaughter of sheep, cows and chickens. Women’s rights groups are told to look for other issues when they agitate against women’s only swimming pools, the veil, forced marriages, genital mutilation and even honor killings. Activists may condemn the killing of women and the forcing of girls into marriage, but they may not link it to the religion of Islam or the community of Muslims.</p>
<p>Assaults on Jews or homosexuals may be the responsibility of Muslim youths, indoctrinated by agents of radical Islam to express their religious beliefs in this way, but advocates of silence say once again: “Condemn the act, but do not in any way relate it to the religion of Islam or Muslims.” They argue that these acts of intolerance are relatively small in number and are committed by a fringe of the Muslim immigrant population.</p>
<p>There is a growing resentment all over Europe towards the dependence on the welfare state of Muslim immigrants. The high rate of drop-outs from education. Everywhere in Europe Muslims are a minority, but in some prisons and in many women’s shelters they are shockingly overrepresented.</p>
<p>The advocates of silence warn us that publishing these facts or debating them in the media and in parliament will transform the existing resentment towards Muslims into violent behavior. The sentiment of xenophobia, they argue, is irrational and cannot – or will not – tell the difference between a good Muslim and a bad Muslim. The xenophobes will persecute Muslims regardless of their guilt or innocence and hurt them.</p>
<p>Censorship and silence, we are told, are the best preventive remedies against hatred and violence.</p>
<p>I believe that the advocates of silence are wrong, profoundly and dangerously wrong.</p>
<p>I do not dispute that some Europeans are xenophobic, and that the tendency to scapegoat others is prevalent in many places. I understand that this tendency is more pronounced in times of economic hardship, such as much of Europe outside Germany is experiencing. I can see, too, that a major part of the difficulty if integration Muslims into European society has a social and economic explanation. Most immigrants of Muslim countries into Europe these days come from segments of society in their country of origin with little education and little or no job skills.</p>
<p>However, there are also cultural issues that I believe are more important to understand. In fact, the poverty, the school dropout rate, the welfare dependence, the crime and the violence against women are better explained by understanding the habits, the customs, the religious beliefs and the values of the people involved than simply focusing on the social and economic symptoms of these cultural mechanisms. To be silent about this, in my view, is counterproductive.</p>
<p>First, silence does nothing to help those affected by the failure of integration. A poor man needs food and shelter, and ideally employment. But what he needs even more is to understand why he is poor while another is rich. He needs to understand what he himself can do to improve his situation.</p>
<p>Secondly, silence empowers rather than weakens the populists and the extremists. When the political mainstream censors itself, the populists and extremists can represent themselves as the only people capable of addressing one of the major issues of our time. By breaking the taboo, they win trust and respect on that issue even as the parties of the establishment lose trust. Some newspapers – I will not mention them by name – may choose not to publish critical voices, but those in society for whom the presence of Islam is a problem can now simply click on their favorite blogs.</p>
<p>Thirdly, and perhaps most seriously, silence empowers the Islamists, the radical agents of hatred. The young Muslim dropout, who is morally confused, is approached by a confident Islamist with a not so hidden agenda. The Islamist’s potential rivals in the struggle of hearts and minds – the Christians and the humanists – have been silenced by the kind of inhibitions I have already described. Muslim ghettoes in Europe today are exposed without censorship to the siren song of jihad, of martyrdom, of Sharia law, of hatred and self-exclusion. Here is an extreme ideology just as abhorrent as the neo-fascism of a Breivik. Yet to speak out against radical Islamism is to be condemned as an Islamophobe.</p>
<p>Fourthly and finally, that one man who killed 77 people in Norway, because he fears that Europe will be overrun by Islam, may have cited the work of those who speak and write against political Islam in Europe and America – myself among them – but he does not say in his 1500 page manifesto that it was these people who inspired him to kill. He says very clearly that it was the advocates of silence. Because all outlets to express his views were censored, he says, he had no other choice but to use violence.</p>
<p>Decades of informal censorship in Europe have led not to the promised integration of Muslim immigrants but to a culture of evasion and avoidance which has allowed extremism – both Jihadism and neo-Nazism – to flourish amid a general impotence of the established parties.</p>
<p>Ferdinand Lassalle, the early German socialist leader one said: “All great political action consists of and begins with, speaking out about that which is. All political petty-mindedness consists of being silent and covering up that which is.”</p>
<p>The good news is that recently the leaders of established conservative parties in Europe have broken the pact of silence: one after the other Chancellor Angela Merkel, Prime Minister David Cameron and (now former) President Nicolas Sarkozy have declared that the decades-long policy of multiculturalism has failed.</p>
<p>For there to be a real answer to Europe’s biggest cultural problem since World War II, I believe it is vitally important that we resist the impulse to shut ourselves up.</p>
<p>Thank you very much.</p>
<p><em>More on Ayaan Hirsi Ali at Citizen Times: </em></p>
<ul>
<li>Pictures of the <a href="http://www.citizentimes.eu/2012/05/11/ayaan-hirsi-ali-ausgezeichnet/" class="liinternal">award in Berlin</a><br />
<em></em></li>
<li><em>Book: Nomad (<a href="http://www.citizentimes.eu/2010/07/11/islam-itself-is-the-problem-as-the-muslim-use-of-sex-money-and-violence-prevents-integration/" class="liinternal">review in English</a>).</em></li>
<li><em>Buch: Ich bin eine Nomadin (<a href="http://www.citizentimes.eu/2010/07/07/muslimischer-umgang-mit-sex-geld-und-gewalt-verhindert-integration/" class="liinternal">Rezension auf Deutsch</a>)</em></li>
<li><em>Buch: Mein Leben, meine Freiheit (<a href="http://www.citizentimes.eu/2007/03/15/vom-islam-zum-staatsburger-und-zur-freiheit/" class="liinternal">Rezension auf Deutsch</a>)</em></li>
</ul>
<div class="shr-publisher-6990"></div>
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		</item>
		<item>
		<title>Deutsche, Juden, Sündenstolz - Rezension zu Henryk M. Broder: Vergesst Auschwitz</title>
		<link>http://www.citizentimes.eu/2012/05/09/deutsche-juden-sundenstolz/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 06:32:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Strüning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension zu Henryk M. Broder: Vergesst Auschwitz. Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Rezension zu Henryk M. Broder: Vergesst Auschwitz</h3>
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<div id="attachment_6987" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-6987" title="davidstern_Dieter-Schuetz-p" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/05/davidstern_Dieter-Schuetz-p.jpg" alt="" width="600" height="473" />
<p class="wp-caption-text">Die Deutschen und ihr schwieriges Verhältnis zu den Juden &#8211; Bild: Dieter Schütz / pixelio.de</p>
</div>
<p><span class="dropcap">D</span>ie einen verstehen sich als schlechtes Gewissen der Nation und leiern ihr „Wehret den Anfängen“ bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit herunter. Er hingegen hält uns lieber den Spiegel vor und zeigt uns die schwarze Seele. „Vergesst Auschwitz“, ist seine polemische Antwort. Denn: „Die Deutschen sind dermaßen damit beschäftigt, den letzten Holocaust nachträglich zu verhindern, dass sie den nächsten billigend in Kauf nehmen.“</p>
<p>Doch was wie Satire klingt, ist bitterer Ernst – wie eigentlich immer bei Henryk M. Broder. Denn seine Persiflagen treffen immer die Probleme der Zeit und die Natur der Deutschen. So wie Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow alias Loriot uns jahrzehntelang den gesellschaftlichen Spiegel vorhielt, macht es Broder heutzutage politisch – und vielleicht etwas derber. Aber die Herausforderungen unserer Zeit sind ja neben dem immer noch währenden Geschlechterkrieg auch etwas schärfer geworden.</p>
<p>Beleidigen kann Broder jedenfalls sehr gut und auch mit Absicht, zeigt doch ein Beleidigter meist sein wahres Gesicht hinter der Maske, wie man bei jeder Veröffentlichung einer Karikatur des angeblichen Propheten Mohammeds sehen kann. Nach <em>Hurra, wir kapitulieren</em> und <em>Kritik der reinen Toleranz</em> hat sich Broder nun des deutschen Antisemitismus angenommen und kehrt damit zu seinem Hauptwerk von 1986 (<em>Der ewige Antisemit</em>) zurück. „Die toten Juden sind die Lieblingsjuden der Deutschen – allein schon deswegen, weil sie bei Gedenkritualen nicht stören“, hält er uns vor und stellt den gesamten Erinnerungswahn infrage, da er in der Gegenwart politisch lähme.</p>
<p>Vor allem aber demaskiert Broder den vermeintlichen Antizionismus und Rassismusvorwurf an die Israelis (nicht nur der <a href="http://www.citizentimes.eu/category/schwerpunkt/linksextremismus/" class="liinternal">Linkspartei</a>) als uralte, aber verschleierte deutsche Judenfeindschaft. Denn die Empörung all der (linken) selbsternannten Menschenrechtler über die Selbstverteidigung der Israelis gegenüber Palästinensern und nun auch gegenüber dem Iran verliert jegliche Glaubwürdigkeit, wenn die gleichen Menschenrechtler bei Verbrechen wie etwa in Tibet fröhlich wegschauen. „So muss man vermuten, dass den Antizionisten auch die Palästinenser egal sind, dass sie nur als Alibi und Ausrede benutzt werden, um Israel auf der Anklagebank halten zu können.“ Zu Recht wundert sich Broder darüber, dass der angebliche Völkermord an den Palästinensern diese immer mehr anwachsen lässt – ein inverser Genozid mit guter Lobby.</p>
<p>Wie die Faust aufs Auge hat der ewige Gutmensch Günter Grass kurz nach Erscheinen des neuen Broder’schen Pamphlets alle Klischees mit seinem Gedicht <em>Was gesagt werden muss</em> bestätigt. Verwunderlich ist das für Broder freilich nicht, hält er doch nicht besonders viel von dem Mann, der das sozialistische Experiment hinter der Mauer gerne länger als 1989 beobachtet hätte: „Wahrscheinlich verdankt der Dichter seine Popularität eher der Begabung, auf der Klaviatur des Sündenstolzes so virtuos zu spielen, als seinem literarischen Œuvre.“</p>
<p>Dieser deutsche Sündenstolz, den die 1968er populär gemacht haben, führt jedoch direkt in einen neuen nationalen Sozialismus, so Broder. Dieser wolle zwar nicht mehr erobern, aber Gleichheit und Sicherheit für alle: „Freiheit und eigene Verantwortung erscheinen dagegen zweitrangig.“ Das <a href="http://www.citizentimes.eu/category/schwerpunkt/zwischen-ideal-und-ideologie/" class="liinternal">Moralische</a> hat in Deutschland den wahren Protest ersetzt und das schlechte Gewissen ist zum Motor der Gesellschaft geworden. In der <em>postheroischen Gesellschaft</em> (<a href="http://www.citizentimes.eu/2012/03/31/traktat-uber-den-spieser/" class="liinternal">Herfried Münkler</a>) ersetzen Mülltrennen und der Bioladen die echte Verantwortung und „die Freude, einen Castor-Transport ein paar Stunden aufgehalten zu haben, bringt die Aktivisten gefühlt in die Nähe der Geschwister Scholl.“</p>
<p>Und abschließend, treffender kann man es nicht ausdrücken: „Die größte deutsche Spezialität ist es, zu wissen, was anderen guttut und was für sie ‚kontraproduktiv‘ ist, ein Talent, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn die Holländer, die Dänen oder die Schweden sich bei den Wahlen nicht so entscheiden, wie es die deutschen Kommentatoren für richtig halten. Wir sind nicht nur die Weltmeister der Herzen, wir sind auch die Weltbesten im Erteilen von Ratschlägen.“</p>
<p><em>Henryk M. Broder (2012): Vergesst Auschwitz. Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage. München: Knaus, 176 Seiten, 16,99 Euro. </em>
<div class="shr-publisher-6983"></div>
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		<title>Linksextreme Parteien im Aufwind - Rezension zu Tom Mannewitz: Linksextremistische Parteien in Europa nach 1990</title>
		<link>http://www.citizentimes.eu/2012/05/08/linksextreme-parteien-im-aufwind/</link>
		<comments>http://www.citizentimes.eu/2012/05/08/linksextreme-parteien-im-aufwind/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 08 May 2012 05:23:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Dustin Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Linksextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.citizentimes.eu/?p=6975</guid>
		<description><![CDATA[Rezension zu Tom Mannewitz: Linksextremistische Parteien in Europa nach 1990. Ursachen für Wahlerfolge und -misserfolge]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Rezension zu Tom Mannewitz: Linksextremistische Parteien in Europa nach 1990</h3>
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<div id="attachment_6979" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-6979" title="linksextremer-aufkleber4" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/05/linksextremer-aufkleber4.png" alt="" width="600" height="424" />
<p class="wp-caption-text">Linksextremer Aufkleber der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend in Berlin &#8211; Bild: Felix Strüning</p>
</div>
<p><span class="dropcap">N</span>ach dem Untergang der kommunistischen Regime in Osteuropa rechneten Politik und Wissenschaft mit einer Desillusionierung linksextremistischer Akteure und einem deutlichen Rückgang ihrer Aktivität. Diese Einschätzung erwies sich als falsch. Zwar setzte nach der Wende eine Periode der Passivität ein, aber in nahezu allen europäischen Staaten konsolidierten sich kommunistische und sozialistische Parteien schon nach wenigen Jahren. In einigen Ländern sind sie stärker als je zuvor – wie etwa in Griechenland: Bei den jüngsten Parlamentswahlen am 6. Mai 2012 erreichte die kommunistische KKE 8,2 Prozent, das <em>Bündnis Syriza</em> wurde mit 16,8 Prozent sogar zweitstärkste Fraktion. Aber auch in Deutschland ist <em>Die Linke</em> – trotz der Wahlniederlage in Schleswig-Holstein – stärker als je zuvor.</p>
<p>Wenn in den Medien von Linksextremismus die Rede ist, konzentriert sich die Berichterstattung allerdings auf militante subkulturelle Strömungen. Von ihnen gehen ohne Zweifel erhebliche Gefahren für ihre Gegner aus; Steinwürfe und Brandanschläge dürfen nicht verniedlicht werden. Aber: Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung verabscheut Gewalt als politisches Mittel. Eine Reihe von Extremismusforschern geht deswegen davon aus, dass eine Gefährdung der Demokratie gerade nicht primär von militanten linken Strömungen ausgeht, sondern von Parteien. Deren moderat erscheinender „weicher“ Extremismus (Eckhard Jesse) stoße eher auf Akzeptanz und habe es daher leichter, Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen.</p>
<p>Einer dieser Forscher ist der erst 25-jährige Turbo-Student Tom Mannewitz, der in seiner vor kurzem erschienenen Dissertation nach den Erfolgsbedingungen für linksextremistische Parteien in Europa fragt und dafür Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Österreich, Polen, die Schweiz, die Slowakei und Tschechien exemplarisch unter die Lupe nimmt. Im Gegensatz zu Eckhard Jesses und Tom Thiemes Sammelband <em>Extremismus in den EU-Staaten</em> (2011) liefert der Verfasser keine isolierten Länderporträts, sondern einen systematischen Vergleich mithilfe der <em>Qualitative Comparative Analysis</em> (QCA).</p>
<p>Mannewitz sieht linksextreme Parteien als potentielles Problem. Zwar seien sie in den ersten zwanzig Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs relativ erfolglos geblieben, aber dies sei kein Grund zur Entwarnung: Zum einen stelle der parlamentsorientierte Linksextremismus weniger auf institutioneller Ebene denn auf der kulturellen ein Problem dar. Zum anderen lasse die Globalisierung und die damit entstandene Möglichkeit „dominoartiger Ausbreitungen von Arbeitsmarktkrisen“ Linksextremismus zu einer Gefahr für alle europäischen Staaten werden.</p>
<p>Es überrascht nicht, dass Mannewitz insbesondere eine hohe Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit mit der Demokratie als Voraussetzungen für den Erfolg linksextremer Formationen ermittelt hat. Weitaus interessanter ist die Feststellung, dass linksextreme Parteien in Westeuropa nur dann erfolgreich sind, wenn sie von „starken Rechtsaußenparteien“ und einem „antifaschistischen Wahlkampf“ profitieren können. Dabei kritisiert der Autor die unterschiedliche Gewichtung von Rechts- und Linksextremismus sehr deutlich: Die westeuropäischen Staaten betrachteten Linksextremismus kaum als Problem und seien eher „antirechtsextremistisch“ ausgerichtet (anders als die osteuropäischen Staaten). „Das demokratietheoretische Dilemma besteht bei beiden Formen des Extremismus, nur wird es beim Rechtsextremismus wahrgenommen, beim Linksextremismus häufig nicht.“</p>
<p>Was die Zukunft angeht, zeigt sich Mannewitz pessimistisch. Man werde sich in Europa an Wahlerfolge links- und rechtsextremistischer Parteien gewöhnen müssen. Daher stellt sich die Frage, wie mit dieser Entwicklung umzugehen ist. Der beste Demokratieschutz bestehe in einer aktiven Sozialpolitik, erklärt der Autor, nicht in einer totalen Ausgrenzung der Linksextremen. Dort, wo sie in die Parlamente gewählt werden, sollten sie seiner Meinung nach auch an der Regierungsbildung beteiligt werden. Für den Politologen stellen die Parteien trotz ihres undemokratischen Charakters ein „Korrektiv“ dar, das verhindere, „dass die gesellschaftliche ‚Schere‘ allzuweit aufgeht.“ Bislang sei jede linksextreme Partei durch eine Machtübernahme entzaubert worden. Keine habe es anschließend geschafft, erneut in eine Regierung gewählt zu werden.</p>
<p>In der Theorie ist dies sicherlich eine gute Idee. In der Praxis hat Deutschland schon frühzeitig schlechte Erfahrungen mit der Einbindung extremistischer Parteien in Regierungen gemacht. Eine Entzauberung kann – sie muss aber nicht das Ergebnis sein. Daher bleibt diese Methode ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, denn – wie auch Mannewitz einräumt – es ist unwahrscheinlich, dass die Ideologen von ihrem revolutionären Projekt gänzlich Abstand nehmen.</p>
<p>Gerade im Hinblick auf den kaum nennenswerten Forschungsstand über Linksextremismus ist die Arbeit ein Gewinn für die Wissenschaft. Wer sich jedoch spektakuläre neue Fakten über die ausgewählten Parteien erhofft, dürfte enttäuscht werden, denn der Politikwissenschaftler arbeitet stringent an seiner Fragestellung. Im Hinblick auf die Verkaufszahlen wäre es ihm zu raten gewesen, einen dramatischeren Titel zu wählen. Aber Tom Mannewitz hat sich für die neutral-wissenschaftliche Variante entschieden. Das spricht für ihn.</p>
<p><em>Tom Mannewitz: Linksextremistische Parteien in Europa nach 1990: Ursachen für Wahlerfolge und -misserfolge, Nomos, Baden-Baden 2012, 506 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 74 Euro </em>
<div class="shr-publisher-6975"></div>
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		</item>
		<item>
		<title>Deutschland bringt keine Wissenschaft hervor - Europäische Vorurteile gegenüber Deutschland und den Deutschen (V)</title>
		<link>http://www.citizentimes.eu/2012/05/07/deutschland-bringt-keine-wissenschaft-hervor/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 13:19:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jeroen Zandberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Vorurteile gegenüber Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

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		<description><![CDATA[Europäische Vorurteile gegenüber Deutschland und den Deutschen (V)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Europäische Vorurteile gegenüber Deutschland und den Deutschen (V)</h3>
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<div id="attachment_6972" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-6972" title="reagenzglaeser_matchka-pixe" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/05/reagenzglaeser_matchka-pixe.jpg" alt="" width="600" height="450" />
<p class="wp-caption-text">Können Deutsche ordentlich forschen? &#8211; Bild: matchka / pixelio.de</p>
</div>
<p><span class="dropcap">I</span>m letzten Teil der Serie über die <a href="http://www.citizentimes.eu/category/schwerpunkt/europaische-vorurteile-gegenuber-deutschland/" class="liinternal">Vorurteile gegenüber Deutschen</a> wird die vermeintliche Unwissenschaftlichkeit hierzulande beleuchtet und warum das unsere Wissenschaftler auf eine Stufe mit der Religion stellt.</p>
<blockquote><p>Manuskripte von Deutschen ziehen oftmals ohne nennenswerte Forschung breit gefächerte Konklusionen. […] Deutsche begründen deduktiv, Briten und Amerikaner induktiv.“  <a href="#note-6969-1" class="simple-footnote" title="Geert Hofstede und Gert Jan Hofstede (1991, hier 21. Auflage von 2006): Allemaal andersdenkenden, omgaan met cultuurverschillen, Seite 204. Englisches Original: Cultures and Organizations - Software of the Mind: Intercultural Cooperation and Its Importance for Survival, auf Deutsch: Lokales Denken, globales Handeln: Interkulturelle Zusammenarbeit und globales Management, München: dtv 2011." id="return-note-6969-1"><sup>1</sup></a></p></blockquote>
<p>Die hier aufgeführten Aussagen beziehen sich auf die Wissenschaft bzw. auf den Mangel an selbiger in Deutschland. Mit anderen Worten: Forschungsberichte von Deutschen sind unwissenschaftlich und in ihrer Essenz wertlos. Das gesamte Wesen der modernen Wissenschaft besteht darin, dass sie auf umfangreicher Forschung basiert, in der sich daraufhin vorsichtig Muster entdecken lassen, die zur weiteren Analyse genauer untersucht werden müssen, usw.</p>
<p>Eine Voraussetzung um zu verstehen, weshalb Deutsche im Vergleich zu anderen westlichen Völkern als weniger wissenschaftlich angesehen werden, bedeutet zunächst einmal eine genaue Definition dessen zu haben, was Wissenschaft bedeutet. Wissenschaft verweist einerseits auf ein System von Wissensansammlung gemäß der wissenschaftlichen Methode und umfasst andererseits die Gesamtheit des Wissens, die hieraus hervorgeht. Was heute unter Wissenschaft verstanden wird, wurde erst vor gar nicht allzu langer Zeit <em>erfunden</em>. Wie die vorigen Abschnitte bereits verdeutlichten, war die Aufklärung ein ausschlaggebender Moment für die westliche Zivilisation, wobei das Dogma des Glaubens, der Offenheit und Unbefangenheit der Ratio wich. Die heutige Wissenschaft ist der direkte Erbe der Aufklärung und könnte ohne dieses neue Paradigma nicht bestehen.</p>
<p>Die Wissenschaft ist ein Erbe der Aufklärung, gleichzeitig aber auch aus der westlichen Philosophie entstanden. Diese philosophische Tradition blickt auf eine mehr als 2500-jährige Tradition zurück, die bis hin zu Plato und Sokrates reicht. Dennoch besteht ein großer Unterschied zwischen der Philosophie und der modernen Wissenschaft. Dieser Unterschied ging aus den neuen Erkenntnissen der Aufklärung hervor.</p>
<p>Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die moderne Wissenschaft geboren. Die neuen Erkenntnisse über das Verständnis der Welt entstammten stets mehr Forschungen auf der Grundlage der neuen wissenschaftlichen Methodik. Diese Methodik kennzeichnete sich durch empirische Forschung, auf deren Grundlage Wissenschaftler eine Hypothese als mögliche Erklärung des Wahrgenommenen destillieren. Diese Hypothesen werden daraufhin als Grundlage für experimentelle Studien verwendet, um so den Wahrheitsgehalt der Hypothesen zu überprüfen, etc. Auf diese Weise häuft die Wissenschaft in einem evolutionären Prozess stets mehr Wissen an. Dies bildet einen Gegensatz zu anderen theoretischen Forschungsmethoden, die nicht auf vorhergehenden Forschungsergebnissen basieren und/oder sich keinerlei Forschungsergebnisse bedienen, denen direkt wahrnehmbare Beobachtungen wie z.B. empirische Forschung zugrunde liegen.</p>
<p>Die Anschuldigung, dass deutsche Forschungsberichte publizieren, die nicht auf ausgiebiger Forschung basieren, daraus aber dennoch weit reichende Rückschlüsse ziehen, bedeutet auch, dass es für die Deutschen keinen Platz in der wissenschaftlichen Tradition gibt. Jegliche deutsche Forschung kann daher auch unmittelbar als minderwertig und überholt disqualifiziert werden. In der modernen Gesellschaft hat das selbstverständlich einschneidende Folgen, da wissenschaftliche Theorien die Basis sämtlicher moderner Technologien darstellen, von Autos, Computern und Fernsehmedien bis hin zur modernen Medizin. Ohne die moderne Wissenschaft wäre die heutige Welt nicht möglich, und den Vorurteilen der Europäer und Amerikaner zufolge hat Deutschland hierzu praktisch keinen Beitrag geleistet.</p>
<p>Die zweite Aussage über die mangelnde Wissenschaftlichkeit von Deutschland betrifft die vermeintliche Methode des Denkens und Handelns von Deutschen. Es ist keineswegs überraschend wenn hier angemerkt wird, dass die Deutschen auch hier wieder negativ abschneiden. Um zu begreifen, warum dies so ist, folgt nun zunächst eine kurze Beschreibung der Bedeutung deduktiver und induktiver Schlussfolgerung und deren Zusammenhang mit (einem Mangel an) Wissenschaftlichkeit.</p>
<p>Gemäß der Enzyklopädie <em>Wikipedia</em> ist die Definition von Deduktion das „Anwenden einer allgemeinen Regel auf eine spezielle Situation.“ Induktion wird hier definiert als „das Ableiten allgemein möglicher Regeln aus einer Sammlung spezifischer Fälle.“</p>
<p>Die obigen Definitionen erscheinen bezüglich einer möglichen Bewertung der Verwendung von Deduktion oder Induktion in der Wissenschaft in erster Linie neutral. Dies ist leider nicht der Fall. Das Problem ist die Art und Weise der Schlussfolgerung. Bei deduktiver Argumentation geht man von der Tatsache aus, dass die Schlussfolgerung die notwendige Folge der vorausgehenden Annahme ist. Zur Verdeutlichung das folgende Beispiel: Wenn wir die Aussagen „Schwäne sind Vögel“ und „Alle Vögel können fliegen“ als wahr ansehen, können wir hieraus die Schlussfolgerung ziehen, dass Schwäne fliegen können.</p>
<p>Deduktive Schlussfolgerung wird häufig in der Mathematik zur Darstellung eines Systems absoluter Wahrheiten verwendet, welche die Wirklichkeit beschreiben. Deduktion hat einen großen Nachteil. Dieser Nachteil liegt in der Tatsache verborgen, dass die mithilfe der Deduktion erreichte Schlussfolgerung abhängig ist von der Richtigkeit der Annahme. Bei Deduktion führt eine verkehrte Annahme immer und unwiderruflich zu einer verkehrten Schlussfolgerung. Nehmen wir in unserem Beispiel nun an, dass wie zum ersten Mal einen Vogel Strauß sehen. Wir verfügen über die Annahme, dass „alle Vögel fliegen können“ und wir wissen, dass ein Vogel Strauß ein Vogel ist. Gemäß deduktiver Argumentation müsste ein Vogel Strauß demnach fliegen können.</p>
<p>Da die Deduktion von absoluten, unumstößlichen Wahrheiten ausgeht und da diese möglicherweise irrtümlichen Annahmen unvermeidbar zu verkehrten Schlussfolgerungen führen, wird Deduktion ausschließlich in eindeutig definierten Situationen wie in der theoretischen Mathematik verwendet.</p>
<p>Induktion unterscheidet sich fundamental von der Deduktion, da beim Einsatz induktiver Argumentation die Schlussfolgerung von den Annahmen unterstützt wird, ohne dass deren Verbindung absolut ist. Beim Einsatz der induktiven Argumentation mithilfe der wissenschaftlichen Methode werden unterschiedliche Beobachtungen gemacht, aus denen daraufhin eine allgemein gültige vorläufige Wahrheit destilliert wird. Auf diesen Schlussfolgerungen können andere später wieder aufbauen. Bei der Induktion wird von der Wahrheit der vorherigen Erfahrungen ausgegangen, beispielsweise dass man im Dezember eine dicke Jacke tragen muss, weil es kalt ist. Gemäß der Induktion kann man aus den Erfahrungen, dass es in den vorherigen Dezembermonaten kalt war schließen, dass es in den kommenden Dezembermonaten auch kalt werden wird. Gemäß deduktiver Argumentation ist dies nicht möglich, da es keine absolute Verbindung zwischen Dezember und Kälte gibt, schließlich könnte der Dezember durch die Klimaveränderungen plötzlich nicht mehr kalt sein.</p>
<p>Diese Flexibilität der induktiven Argumentation ermöglicht, dass man auf früheren Erfahrungen aufbauen kann, dieses Wissen aber auch gleichzeitig anpassen kann, wenn diese Annahmen verkehrt bzw. nicht allgemeingültig sind. Es sollte deutlich sein, dass die Tatsache, dass Engländer und Amerikaner induktiv argumentieren, ihnen einen enormen Vorsprung im Bereich der Wissenschaft beschert. Dies gilt auch für praktisch alle Lebensbereiche, da die einzige Sicherheit ist, dass es keine Sicherheit gibt. Die Toleranz gegenüber Unsicherheit und die Offenheit der Briten und Amerikaner kommen hier wieder deutlich zum Vorschein. Die Deutschen sind im Vergleich hierzu also bürokratisch, engstirnig, kurzsichtig und weltfremd. Die Deutschen sind gefangen in ihrer eigenen Wahrheit, ohne die Möglichkeit ihre Annahmen über die Welt anpassen zu können, laufen also wie Blinde einer gefährlichen Zukunft entgegen. Dieser Weg hat die Deutschen bereits entlang des Nationalsozialismus an den Rand des Abgrunds gebracht, was gemäß der obigen Argumentation eine logische und unvermeidbare Folge einer kulturellen Denkweise war, welche die Deutschen dazu verdammt, ihre Fehler immer und immer wieder zu wiederholen.</p>
<p>Auch die Aussagen über den deutschen Mangel an Wissenschaftlichkeit stehen in dem Kontext, dass Deutschland die Aufklärung verpasst hat und somit kein integraler Bestandteil Europas und des Westens ist. Deutsche Wissenschaft ist keine echte Wissenschaft gemäß der Definition des 21. Jahrhunderts. Die deutsche Wissenschaft steht in der Tradition der Zeit vor der Aufklärung und steht auf dem gleichen Niveau wie die Wahrheitsfindung in prä-modernen Gesellschaften und großer Religionen, wie dem Christentum und dem Islam.</p>
<p>Wir behandeln nun zunächst den Vergleich, dass deutsche Wissenschaft und Argumentationsweise mit dem Weltbild in prä-modernen Gesellschaften vergleichbar ist. Wir können dies die philosophische Methode nennen.</p>
<p>Die Philosophie wird auch „der Große Dialog über die Jahrhunderte hinweg&#8221; genannt. Durch diesen Dialog können Philosophen auf die Ideen anderer reagieren und die Philosophie auf diese Weise weiterbringen um eine bessere Einsicht in die Welt zu bekommen. Leider gelten in der Philosophie wesentlich weniger strikte Methoden um einen solchen Dialog zu führen, als in der modernen Wissenschaft mit ihrer wissenschaftlichen Methode. Der Mangel an deutlichen philosophischen Standards führt dazu, dass man nicht direkt auf neuen Einsichten aufbauen kann. Man kann es kommentieren und für nicht wahr ansehen, da es keine allgemein akzeptierte Methode gibt, welche gute philosophische Wissenschaft erfüllen muss. Dies führt dazu, dass der Fortschritt in der Philosophie nur sehr schleppend vorankommt, wobei das Paradigma sich häufig gänzlich verschiebt und man auf der Grundlage neuer Annahmen völlig neu beginnen muss. Das Bild, dass Deutschland das <em>Land der Dichter und Denker</em> sei, weckt daher auch nicht wirklich positive Konnotationen, da damit zum Ausdruck gebracht wird, dass Deutsche zwar philosophisch, aber nicht wissenschaftlich sind. Die Errungenschaften, die auf diese Weise erworben wurden sind zwar ganz nett, haben jedoch keinen wirklichen Mehrwert.</p>
<p>Der zweite Vergleich wird zwischen Deutschland und dem Islam gezogen. Laut der Vorurteile haben beide ein vergleichbares Weltbild und eine vergleichbare Argumentationsweise. Diese kann man als die <em>theologische Methode</em> bezeichnen. Ein solche Art und Weise zu Argumentieren ist auch nicht-wissenschaftlich und führt unwiderruflich zu verkehrten Schlussfolgerungen.</p>
<p>Seit jeher hat der Mensch versucht, die Welt mithilfe eines religiösen Denkbildes zu erklären. Als Erstes gab es die Naturreligionen, bei denen die Welt über Naturgeister erklärt werden sollte, die sich in Naturphänomenen äußerten. Mit dem Aufkommen des monotheistischen Glaubens wurde die Erklärung des Funktionierens der Welt und des Lebens verschoben zu einem unsichtbaren, allmächtigen Gott. Gemäß der drei wichtigsten monotheistischen Religionen, dem Judentum, dem Christentum und dem Islam ist Gott allmächtig und hat der Menschheit seinen Willen durch heilige Schriften, durch die Thora, die Bibel und den Koran offenbart. Diese Bücher stehen stellvertretend für <em>das Wort Gottes</em> und dienen als Grundlage zum Verständnis der Welt.</p>
<p>Die Aufklärung wird oftmals als der Wendepunkt zwischen irrationalen Denkmustern, wie von den Religionen vorgeschrieben, und der humanistischen Ratio angesehen. Dies wird gelegentlich in der Weise falsch interpretiert, dass Religion nicht rational sei. Das ist oftmals sehr wohl der Fall, allerdings in eingeschränktem Maße. Der Grund, dass die Religion gleichzeitig rational und irrational sein kann, entsteht durch die Annahme, dass die <em>Heilige Schrift</em> in ihrem Kern die Wahrheit repräsentiert. Diese Wahrheit lässt sich manchmal nicht eindeutig aus dem Text lesen, da die <em>Heiligen Schriften</em> von Menschen geschrieben wurden, letztlich enthalten Thora, Bibel und/oder der Koran jedoch die einzige Wahrheit. Aus dieser Annahme heraus wird die Welt betrachtet und dies bildet den Anfangspunkt aller Forschung. Ein zweiter entscheidender Fehler, den prä-moderne religiöse <em>Wissenschaftler</em> oftmals begehen bzw. begingen, war die Verwendung von Deduktion an Stelle von Induktion beim Betreiben von Forschung. Wie bereits erwähnt, folgt bei der Verwendung deduktiver Argumentation die Schlussfolgerung immer einem Absolutum der Annahme. Eine verkehrte Annahme führt daher auch immer zu einer falschen Schlussfolgerung, ohne dass dabei die Möglichkeit besteht, aus den Fehlern zu lernen.</p>
<p>Ein derartiger Tunnelblick verhindert die Erlangung neuer Erkenntnisse. Im Kontext des Islams ist es daher nicht möglich zu einem modernen Weltbild zu gelangen, ohne von der Annahme abzulassen, dass der Koran die Wahrheit wiedergibt. Eigentlich ist es für den Islam nur dann möglich, sich an die moderne Wissenschaft anzupassen, wenn er sich selbst verleugnet. Das Gleiche gilt den Vorurteilen der Europäer und Amerikaner zufolge auch für Deutschland und die deutsche Kultur. Nur durch die Auflösung oder das Abschaffen der deutschen Kultur können die Deutschen wirklich in die moderne Zeit eintreten. Bis zu diesem Zeitpunkt leben die Deutschen unter einem Schleier der Unwissenheit und sind sie Gefangene ihrer eigenen Wahrheit.
<div class="shr-publisher-6969"></div>
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<div class="simple-footnotes">
<p class="notes">Notes:</p>
<ol>
<li id="note-6969-1">Geert Hofstede und Gert Jan Hofstede (1991, hier 21. Auflage von 2006): Allemaal andersdenkenden, omgaan met cultuurverschillen, Seite 204. Englisches Original: Cultures and Organizations &#8211; Software of the Mind: Intercultural Cooperation and Its Importance for Survival, auf Deutsch: Lokales Denken, globales Handeln: Interkulturelle Zusammenarbeit und globales Management, München: dtv 2011.  <a href="#return-note-6969-1" class="liinternal">&#8617;</a></li>
</ol>
</div>
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		<item>
		<title>Linker Rand, rechter Rand - Rezension der Schriftenreihe zur Extremismus- und Terrorismusforschung herausgegeben von Armin Pfahl-Traughber</title>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 07:01:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Dustin Hoffmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Linksextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension der Schriftenreihe zur Extremismus- und Terrorismusforschung herausgegeben von Armin Pfahl-Traughber]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Rezension der Schriftenreihe zur Extremismus- und Terrorismusforschung herausgegeben von Armin Pfahl-Traughber</h3>
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<div id="attachment_6964" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-6964" title="linksextremer-aufkleber3" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/05/linksextremer-aufkleber3.png" alt="" width="600" height="478" />
<p class="wp-caption-text">Aufkleber der linksextremen Antifa in Berlin &#8211; Bild: Felix Strüning</p>
</div>
<p><span class="dropcap">N</span>och ein Jahrbuch? So könnte man denken, denn das <em>Jahrbuch</em> <em>Extremismus- und Terrorismusforschung</em> (JET) steht in Konkurrenz zu gleich drei ähnlichen Publikationen: Dem <em>Jahrbuch Extremismus &amp; Demokratie</em> (Jesse/Gallus/Backes), dem <em>Jahrbuch Öffentliche Sicherheit</em> (Möllers/van Ooyen) und dem <em>Jahrbuch Antisemitismusforschung</em> (Benz). Aber im Vergleich zeigt das JET einen Vorteil: Während die Jahrbücher der Konkurrenz bei knapp 50 Euro pro Band liegen – und damit selbst in vielen sozialwissenschaftlichen Bibliotheken nicht erhältlich sind –, steht das JET zum kostenlosen Download bereit (siehe Artikelende). Das Layout ist zudem druckerfreundlich ohne unnötige Farbspielereien gestaltet. Insgesamt dürften die Texte deswegen eine deutlich größere Breitenwirkung entfalten.</p>
<p>Aber auch inhaltlich hat das JET, das sich zu gleichen Teilen in die Themenbereiche Grundsatzfragen, Rechtsextremismus, Linksextremismus, Islamismus und Terrorismus unterteilt, einiges zu bieten:  Das Spektrum der Autoren reicht vom Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge (exponierter Gegner der Extremismusforschung) bis zu seinem Gegenspieler Eckhard Jesse (exponierter Befürworter der Extremismusforschung). Während Butterwegge im JET 2009/2010 einmal mehr die Gelegenheit nutzt, um den Extremismusbegriff insgesamt infrage zu stellen und dessen Funktion zur Diskreditierung der Linkspartei zu beklagen, untersucht Jesse die <em>Vier-Säulen-Strategie</em> der NPD („Kampf um die Köpfe, Kampf um die Straße, Kampf um die Wähler, Kampf um den organisierten Willen“), misst dieser im Ergebnis jedoch wenig Erfolgschancen bei. Gerade weil mit dem ehemaligen Vorsitzenden Udo Voigt eine deutliche Radikalisierung erfolgte, fehle der Partei die gesellschaftliche Akzeptanz, um zu Wahlerfolgen zu gelangen.</p>
<p>Einem ebenso spannenden Thema widmet sich Thomas Pfeiffer. Der Rechtsextremismus-Experte analysiert Berichte von Aussteigern aus der rechtsextremen Szene, mit dem Ziel, das Einsteigen von Jugendlichen in die Szene verhindern. Der Schluss, den Pfeiffer aus seinen Ergebnissen zieht, ist überraschend: Die Handlungsmaxime <em>gegen rechts</em> greife zu kurz, da insbesondere Integrationserfahrungen von außen die Ablösung von der Szene begünstigten. Pfeiffer fordert daher ein stärkeres gesellschaftliches <em>Wir-Gefühl</em>, um den anfälligen Jugendlichen Halt bieten zu können. Notwendig ist also das Zugehen auf Rechtsextremisten – und zwar nicht so, wie es militante Linke zelebrieren. <em>Nazis raus</em> ist keine Lösung des Problems, sondern eine im Grunde sinnlose Parole.</p>
<p>Der aktuelle (vierte) Band der Schriftenreihe mit dem Untertitel <em>Antisemitismus im Extremismus</em> enthält nicht allein – wie der Titel vermuten lässt – Texte zum Thema Antisemitismus. Der Politikwissenschaftler Manfred Brocker etwa untersucht, ob religiöser Fundamentalismus mit den Grundprinzipien der liberalen Demokratie vereinbar ist und gelangt zu einem differenzierten Ergebnis. Einen äußerst kontroversen Beitrag leistet der Rechtswissenschaftler Horst Meier, daher weist der Herausgeber den Text ausdrücklich als Minderheitenposition aus. Unabhängig davon, wie man der Auffassung des Autors gegenübersteht, ist sein Text <em>Sonderrecht für Neonazis?</em> in jedem Fall mutig, denn er muss mit deutlichem Widerspruch rechnen. Meier hält die Rechtfertigung von Sonderrechten gegen Rechtsextremisten und damit die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts für den „Sündenfall schlechthin“ und prognostiziert „schwere Kollateralschäden für die Bürgerrechte“. Die derzeitige Gesetzgebung steht nach Meinung des Verfassers nicht im Einklang mit dem Grundgesetz.</p>
<p>Die Texte zum Thema Antisemitismus stammen allesamt von Herausgeber Armin Pfahl-Traughber. Das hat den Vorteil, dass rechtsextremistischer, linksextremistischer und islamistischer Antisemitismus einem einheitlichen Analyseraster unterworfen werden – allerdings wären auch andere Blickwinkel wünschenswert gewesen. Abgesehen von der Verwendung des vielgeschmähten Extremismus-Begriffs, dürfte die Auseinandersetzung mit antijüdischen Ressentiments im linken Spektrum auch von linken Gruppen als legitim angesehen werden. Denn obwohl dieses – im Grunde rechtsextreme – Ideologiefragment nicht mit linken Ideen kompatibel ist, kommt es immer wieder zu nicht tolerierbaren Vorgängen. So etwa im Herbst 2009 in Hamburg, als Aktivsten des antiimperialistischen Zentrums B5 die Aufführung eines proisraelischen Films im Szenekino <em>B-Movie</em> gewaltsam verhinderten.</p>
<p>Insgesamt zeichnet sich die Schriftenreihe <em>E+T</em> durch eine Vielzahl kontroverser Standpunkte aus, ohne sich dabei auf eine politische Richtung festzulegen. Sie ist kein politisches Mittel, sondern ein breit aufgestelltes Expertenforum. Der etwas unsystematische Aufbau könnte zu allerlei bibliographischer Verwirrung führen, denn der zweite Band des JET stellt gleichzeitig den dritten Band der Schriftenreihe dar. Eine Trennung hätte zu mehr Übersichtlichkeit verholfen. Dennoch stellen die Schriften zur Extremismus- und Terrorismusforschung ohne jeden Zweifel einen Gewinn für Wissenschaft und Gesellschaft dar.</p>
<p><em>Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung (JET) zum Download: </em></p>
<ol>
<li>Gerhard Hirscher/Armin Pfahl-Traughber (Hg.) (2008): Was wurde aus der DKP? Beiträge zu Geschichte und Gegenwart der extremen Linken in Deutschland. 184 Seiten. <a href="http://www.fhbund.de/nn_15672/SharedDocs/Publikationen/50__Veroeffentlichungen/20__Schriften__Extremismus__Terrorismusforschung/band__1,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/band_1.pdf" class="lipdf">PDF</a></li>
<li>Armin Pfahl-Traughber (Hg.) (2008): Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung 2008. 562 Seiten. <a href="http://www.fhbund.de/nn_15672/SharedDocs/Publikationen/50__Veroeffentlichungen/20__Schriften__Extremismus__Terrorismusforschung/band__2,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/band_2.pdf" class="lipdf">PDF</a></li>
<li>Armin Pfahl-Traughber (Hg.) (2010): Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung 2009/2010. 645 Seiten. <a href="http://www.fhbund.de/nn_15672/SharedDocs/Publikationen/50__Veroeffentlichungen/20__Schriften__Extremismus__Terrorismusforschung/band__3,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/band_3.pdf" class="lipdf">PDF</a></li>
<li>Helmut Fünfsinn/Armin Pfahl-Traughber (Hg.) (2011): Extremismus und Terrorismus als Herausforderung für Gesellschaft und Justiz. Antisemitismus im Extremismus. 202 Seiten. <a href="http://www.fhbund.de/nn_15672/SharedDocs/Publikationen/50__Veroeffentlichungen/20__Schriften__Extremismus__Terrorismusforschung/band__4,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/band_4.pdf" class="lipdf">PDF</a></li>
</ol>
<p>&nbsp;
<div class="shr-publisher-6959"></div>
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		</item>
		<item>
		<title>Kampfzone Straße &#8211; Zuckerbrot und Peitsche - Buchvorstellung in Neukölln mit Karlheinz Gaertner und Fadi Saad</title>
		<link>http://www.citizentimes.eu/2012/04/26/kampfzone-strase-zuckerbrot-und-peitsche/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 21:04:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ehssan Khazaeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.citizentimes.eu/?p=6947</guid>
		<description><![CDATA[Buchvorstellung in Neukölln mit Karlheinz Gaertner und Fadi Saad: Jugendliche Gewalttäter jetzt stoppen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Buchvorstellung in Neukölln mit Karlheinz Gaertner und Fadi Saad</h3>
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<div id="attachment_6954" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-6954" title="buchvorstellung-neukoelln2012-04-26_ehssan-khazaeli02" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/04/buchvorstellung-neukoelln2012-04-26_ehssan-khazaeli02.jpg" alt="" width="600" height="445" />
<p class="wp-caption-text">Buchvorstellung in der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln &#8211; Bild: Michael Leh</p>
</div>
<p><span class="dropcap">A</span>m Neuköllner Himmel haben sich an diesem Donnerstagabend graue, schwere Wolken zusammengezogen. Schwül-warme Luft hängt in der Aula der <em>Rütli-Schule</em> im Norden Neuköllns. An die 220 Menschen drängen sich in den völlig überfüllten Raum. Das LKA und ein Mann mit langem, dunklem Bart sorgen für die Sicherheit. Im Publikum sitzen Jugendarbeiter, Lehrer, Polizisten und junge Mädchen mit Kopftüchern.</p>
<p>Seit Tagen ist diese Veranstaltung ausgebucht, schrieb der <em>Tagesspiegel</em>-Journalist und heutige Moderator, Gerd Nowakowski. Vorgestellt wird hier ein Buch, dessen Autoren kaum unterschiedlichere Lebensläufe haben können:</p>
<p>Auf der einen Seite sitzt Karlheinz Gaertner, seit Jahrzehnten Polizist, auf der anderen Seite Fadi Saad. Er hatte sich mit Messern bewaffnet, stand vor Gericht und endete im Jugendarrest. Erst dieses Erlebnis, wird er später sagen, habe ihn auf die richtige Spur geleitet. Der Familienvater arbeitet heute als Streetworker im Berliner Problembezirk Wedding. Gemeinsam wollen die beiden Lösungsansätze gegen Jugendgewalt liefern.</p>
<p>Heinz Buschkowsky, seines Zeichens Bürgermeister von Neukölln (SPD), kommt gerade von einer Veranstaltung, die er nur kopfschüttelnd verlassen konnte, sagt er in seiner Eröffnungsrede. Thema war das Problem der Armutswanderung aus südosteuropäischen Staaten. Es fehlte bei Veranstaltungsteilnehmern an der Fähigkeit, überhaupt erst Probleme einzugestehen. Genau das aber haben die beiden Autoren getan. Ihr Buch beschäftigt sich mit der Gewalt, die in Städten entsteht, die sich selbst überlassen werden.</p>
<p>Wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Religionen, unterschiedlicher Wertvorstellungen, unterschiedlicher Kulturen und unterschiedlicher Bildungsstände zusammen träfen, das sei die Keimzelle für Probleme, sagt Buschkowsky. Die Gesellschaft zieht sich in eine beobachtende Rolle zurück und fragt sich nach Jahren der Fehlentwicklung, wie das passieren konnte. Doch ohne die Fähigkeit, sich Probleme einzugestehen, muss man auch keine Lösung liefern, sagt der wohl bekannteste Bezirksbürgermeister Deutschlands in dem über 100 Jahre alten Gebäude.</p>
<p>Die verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig habe gegen solche Zustände aufbegehrt, so wie die beiden Autoren, die jetzt an seiner Seite sitzen. Sie würden ihren Beitrag dazu leisten, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen, unterschiedlicher Religionen und unterschiedlicher Bildungsstände in Frieden zusammenleben könnten.</p>
<p>Die <em>Rütli-Schule</em> sei der Beweis, dass die Anstrengungen einer intervenierenden und lenkenden Gesellschaft Änderung herbeiführen können. Noch vor einigen Jahren war hier <em>kein Abschluss</em> der häufigste Schulabschluss. Im vergangenen Jahr verließen nur noch zwei Schüler die Schule ohne einen solchen. Von den 120 Schulabgängern haben im vergangenen Jahr immerhin 35 die Berechtigung erhalten, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen. Auch das in Nord-Neukölln gelegene <em>Albert-Schweizer-Gymnasium</em> sei mittlerweile sehr begehrt bei Eltern und Schülern. Es gebe bereits Wartelisten. Diese Entwicklung habe es nicht umsonst gegeben, warnt Buschkowsky. 220.000 Euro kosten die Maßnahmen jährlich. Oder anders gerechnet, sagt er, fünf Knastplätze.</p>
<p>Zum Ende richtet er einen leidenschaftlichen Appell an die Jugendlichen im Raum: Die Gesellschaft bietet einen Raum und eine Chance für die jungen Menschen aus Neukölln. Ein gelungenes Beispiel sei Fadi Saad, der auf dem Podium sitzt.</p>
<p>Gaertner liest aus seinem Buch vor, das es in dem kleinen Vorraum zu kaufen gibt. Bis zu viermal täglich setzen Jugendliche und Kinder in Neukölln ein Messer bei Straftaten ein. Zugestochen wird selbst dann noch, wenn beispielsweise die abgezogene Jacke erbeutet ist. Die Motive seien eine gewisse Gruppendynamik oder einfach das Verlangen nach einem Machtgefühl. Wirtschaftliche Gründe spielen seltener eine Rolle, betont Gaertner.</p>
<p>Die Justiz, kritisiert Gaertner, greife nicht hart genug durch. Er schildert einen Fall: Zwei türkischstämmige Männer verlangten in der Notaufnahme eines Neuköllner Krankenhauses sofort von einem Arzt wegen ihrer Kopfschmerzen behandelt zu werden. Eine Krankenschwester erläuterte freundlich, dass zunächst die Patienten behandelt werden, die schon am längsten warten. Daraufhin setzten die beiden Männer zu übelsten verbalen Ausfällen an.</p>
<p>Ein Krankenpfleger wurde auf die Situation aufmerksam, mischte sich ein. Einer der beiden Männer zog daraufhin ein Messer, stach dem Krankenpfleger in den Rücken. Auch als dieser am Boden lag, traten die beiden weiter auf ihn ein. Das Opfer verbrachte mehrere Wochen auf der Intensivstation. Die beiden Täter waren nach vier Stunden ihrer polizeilichen Vernehmung bereits auf freiem Fuß. Die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Tiergarten fand erst anderthalb Jahre später statt. Nachdem einer der Angeklagten sich ordnungswidrig von der Hauptverhandlung entfernte, erließ der Vorsitzende Richter einen Haftbefehl. Gaertner schüttelt den Kopf. Für die Stiche und Tritte gab es keinen Haftbefehl, aber das Fernbleiben von einer Hauptverhandlung sei ein ausreichender Grund für einen Haftbefehl und Untersuchungshaft.</p>
<div id="attachment_6955" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-full wp-image-6955" title="buchvorstellung-neukoelln2012-04-26_ehssan-khazaeli03" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/04/buchvorstellung-neukoelln2012-04-26_ehssan-khazaeli03.jpg" alt="" width="300" height="286" />
<p class="wp-caption-text">Fadi Saad, einer der beiden Autoren &#8211; Bild: Michael Leh</p>
</div>
<p>Auch sogenannte Experten – wie Politiker und Kriminologen – kritisiert Gaertner: Sie würden Fakten nennen, die nur bestätigen, dass Probleme bestehen – gelegentlich liefern sie auch Erklärungsansätze. Selten aber Lösungen. Deswegen mahnen die beiden Autoren eine engere Vernetzung von Behörden, und Eltern an, auch die Jugendlichen müssten mit einbezogen werden. Allerdings stellen die beiden ebenso fest, dass Patentrezepte nicht vorhanden seien, weil nicht alle Jugendlichen gleich sind. Von der Politik fordern die Autoren ein generelles Waffen-, zumindest aber ein Messerverbot. Saad betont aber, dass seine Jungs ganz gut wissen würden, was für Messer sie haben dürfen, und welche nicht. <em>Feststehende Klinge</em> sei allen Jungs auf der Straße ein Begriff. In ihrem Buch schlagen Gaertner und Saad ferner kleinere Klassengrößen vor, um die individuelle Betreuung zu verbessern.</p>
<p>Die beiden können allerdings bisher nur auf eine negative Bilanz zurückblicken: Die Zahl der brutalen Taten hat stetig zugenommen, sagt Gaertner. Das Intensivtäterprogramm – bei dem ein Polizist und ein Staatsanwalt dauerhaft für denselben Täter verantwortlich sind – reicht dabei noch nicht aus. Es sei noch viel mehr nötig. Gaertner kritisiert vor allem den scharfen Datenschutz. So könne er über <em>Facebook</em> mehr über den Täter herausfinden, als über das polizeieigene System.</p>
<p>Saad weist auf die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe: So gäbe es im arabischen nicht das Siezen, und auch das <em>Bitte</em> so wie wir es kennen, gebe es im arabischen Sprachraum nicht. Deshalb schlage er immer vor, Jugendliche, die wie Männer auftreten, auch als solche zu behandeln.</p>
<p>Eine Lehrerin aus dem Publikum widerspricht. Selbst Schüler haben sie dazu aufgefordert, auch einmal im Unterricht, wenn es nicht mehr anders geht, zu brüllen. Doch sie möchte das nicht. Schüler, die sie einmal an der Schulter gezogen hat, um sie zu einem Gespräch zu leiten, drohten ihr mit einer Anklage. Einer Kollegin sei es bereits passiert, dass die Eltern eines Schülers zum Anwalt gegangen sind. Saad fordert sie auf, die Schüler anfangs anzubrüllen, denn die würden von zu Hause nichts anderes kennen. Sie müsste die Schüler dort abholen, aber mit der Zeit zeigen, dass das nicht der richtige Weg ist. Höflichkeit, erläutert Saad, gilt bei den Berliner Arabern als Schwäche. Nur wer laut und stark ist, verdient Respekt. Auch müsse den Jugendlichen das Machogehabe ausgetrieben werden, es bringt zwar hübsche Mädchen, aber keinen Abschluss, sagt Saad.</p>
<p>Gaertner wiederum verlangt, dass Jugendliche viel schneller angesprochen werden. „Das Gutmenschentum“, wie er sagt, dürfe nicht so lange fortgeführt werden, bis der Jugendliche ins Wasser gefallen sei. So ginge er immer wieder sprachlos aus Schulkonferenzen. So forderten die Eltern von Schülern auch nach zwei- oder dreijähriger Betreuung weitergehende Betreuung, auch wenn das in der Vergangenheit nicht gewirkt habe. Zwei bis drei Schüler seien in jeder Klasse ohnehin nicht beschulbar. Gaertner fordert diese zusammenzufassen in ein bisschen geschlosseneren Einrichtungen.</p>
<p>Über Neukölln haben sich mittlerweile die Wolken noch dichter zusammengezogen. Vor der Schule stehen zwei Polizisten, die die Veranstaltung schützen sollen. Blaulicht ist in einer Seiten Straße zu sehen. Außerhalb der <em>Rütli-Schule</em> ging der Neuköllner Alltag unterdessen weiter. Ob die Forderungen der beiden in der Realität ankommen werden, weiß noch niemand. Es liefert aber gute Denkanstöße, die aus der Realität zweier Männer stammen, die unsere Gesellschaft hoffentlich verändern.</p>
<p><em>Karlheinz Gaertner, Fadi Saad (2012): Kampfzone Straße. Jugendliche Gewalttäter jetzt stoppen. Freiburg: Herder, 220 Seiten, 14,99 Euro.</em></p>
<div id="attachment_6956" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-6956" title="buchvorstellung-neukoelln2012-04-26_ehssan-khazaeli04" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/04/buchvorstellung-neukoelln2012-04-26_ehssan-khazaeli04.jpg" alt="" width="600" height="352" />
<p class="wp-caption-text">Publikum bei der Buchvorstellung in Neukölln &#8211; Bild: Michael Leh</p>
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<div class="shr-publisher-6947"></div>
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		<title>Am Ende bleiben Fragen - Die Islamkonferenz 2012 beschließt Selbstverständliches - aber das liegt natürlich nicht am Islam</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 10:25:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ehssan Khazaeli</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Islamkonferenz 2012 beschließt Selbstverständliches - aber das liegt natürlich nicht am Islam]]></description>
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<div id="attachment_6940" class="wp-caption alignnone" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-6940" title="dik2012_dik" src="http://www.citizentimes.eu/wp-content/uploads/2012/04/dik2012_dik.jpg" alt="" width="600" />
<p class="wp-caption-text">Innenminister Hans-Peter Friedrich auf der DIK 2012 &#8211; Bild: Dirk Enters / Deutsche Islam Konferenz</p>
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<p><span class="dropcap">V</span>ergangene Woche tagte das jährliche Plenum der <em>Deutschen Islamkonferenz</em> (DIK). Die Teilnehmer verabschiedeten nach sechs Jahren eine <a href="http://www.deutsche-islam-konferenz.de/cln_101/nn_1319566/SubSites/DIK/DE/Geschlechtergerechtigkeit/ErklaerungHaeuslicheGewalt/erklaerung-gewalt-node.html?__nnn=true" target="_blank" class="liexternal">Erklärung gegen häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung</a> – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die keiner Erklärung bedarf. Darin heißt es, jeder habe ein Recht auf „körperliche und seelische Unversehrtheit sowie das Recht, aus eigenem Entschluss und im Rahmen der geltenden Gesetze eine Ehe einzugehen oder dies zu unterlassen“. Wieso jedoch für eine solche im europäischen Recht verankerte Selbstverständlichkeit eine Erklärung abgegeben werden muss, blieb am Ende offen. Vor der Presse erklärte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, Zwangsehen und Gewalt hätten aber nichts mit dem Islam zu tun. Warum ausgerechnet die islamischen Verbände dann eine solche Erklärung abgeben, lies er offen.</p>
<p>Friedrich sei stolz darauf, „dass so viele muslimische Verbände und Einzelpersonen eine solche Erklärung unterschrieben hätten“, kann man bei <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,828536,00.html" target="_blank" class="liexternal"><em>Spiegel-Online</em></a> nachlesen. Gut, man kann auf jede Selbstverständlichkeit stolz sein, das steht Herrn Friedrich frei. Ich wäre stolz, wenn die Menschen mit muslimischem Migrationshintergrund  nicht mehr die Spitze der <em>Berliner Kriminalitätsstatistik</em> belegen, wenn sie wenigstens an die durchschnittlichen Abiturquoten der Hauptstadt kommen und keine überdurchschnittliche Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen vorweisen würden. Und letzten Endes könnte derjenige stolz sein, der beantworten kann, was diese Konferenz bisher gebracht hat.</p>
<p>Anlässlich der DIK betonte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz, es dürfe nicht immer nur über extremistische Gruppierungen gesprochen werden. Auch die große Mehrheit der friedlichen und gesetzestreuen Muslime müsse wahrgenommen werden. Damit hat sie vollkommen Recht. Nur braucht es dazu dann wirklich noch eine Islam-Konferenz? Oder anders gefragt: Hätten dann nicht die zugewanderten, mehrheitlich friedlichen und gesetzestreuen Polen, Spanier, Italiener usw. auch einen Anspruch auf eine Konferenz beim Bundesinnenminister?</p>
<p>Es scheint nicht daran zu liegen, dass die Muslime eine durchschnittlich schlechter integrierte Bevölkerungsgruppe darstellen, als andere Zuwanderungsgruppen. Würde es danach gehen, könnte gefragt werden, wann Sinti und Roma endlich ihre eigene Konferenz beim Bundesinnenminister bekommen. Der Fehler der anderen Zuwanderergruppen mag darin liegen, dass sie keine Sonderrechte beanspruchen, keine extra Feiertage einfordern und bei der gelegentlichen Zurückweisung ihrer Forderungen nicht gleich beleidigt reagieren.</p>
<p>Kurz vor Beginn des DIK-Plenums widersprach der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder erneut dem ehemaligen Bundespräsidenten Wulff und sagte: „Der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität in Deutschland und gehört somit nicht zu Deutschland.“ Die Muslime hingegen gehörten als Staatsbürger selbstverständlich zu uns. Dafür fing er sich Kritik des Vorsitzenden der <em>Türkischen Gemeinde in Deutschland</em>, Kenan Kolat, ein: „Jeder darf Schwachsinn erzählen in diesem Land. In der Demokratie ist das möglich.“ Eine inhaltliche und damit konstruktive Auseinandersetzung  mit Kauders Aussage ist das freilich nicht. Muss ja auch nicht sein. Nur könnte man das Gleiche auch Özoguz entgegnen.</p>
<p><em>Lesen Sie auch das passende <a href="http://www.citizentimes.eu/2012/04/19/kein-vollstandiger-sieg-uber-den-jihadismus/" class="liinternal">CT-Interview</a> mit dem Politikwissenschaftler Dr. Thomas Tartsch. </em>
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