Als berechtigte Islamkritik tödlich ausging

2. November 2014 2

Zum zehnten Jahrestag des Mordes am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh durch den radikalen Muslim Mohammed Bouyeri

Der Schrei von Jeroen Henneman - Mahnmal für Theo van Gogh und die Meinungsfreiheit – Bild: BetacommandBot (CC BY 2.5), Portrait: Thomas Kist (CC BY-SA 3.0).

Der Schrei von Jeroen Henneman – Mahnmal für Theo van Gogh und die Meinungsfreiheit – Bild: BetacommandBot (CC BY 2.5), Portrait: Thomas Kist (CC BY-SA 3.0).

Zehn Jahre ist es her, dass Amsterdam Schauplatz eines tödlichen Attentats wurde: Am frühen Morgen des 2. November 2004 schoss der radikale Muslim Mohammed Bouyeri den niederländischen Regisseur Theo van Gogh erst vom Fahrrad, um ihm dann grausam die Kehle aufzuschlitzen und weitere Morddrohungen mit einem Messer in die Brust zu rammen. Damit erlebten die Niederlande bereits den zweiten Mord innerhalb von gut zwei Jahren, der im Zusammenhang mit dem Einfluss des Islams und der Idee des Multikulturalismus stand: Am 6. Mai 2002 war der Politiker Pim Fortuyn auf offener Straße niedergeschossen worden.

Ein großartiger Filmemacher im Zeichen des Humanismus

In den 1990er Jahren hatte van Gogh für zwei seiner Filme das Goldene Kalb, den wohl begehrtesten niederländischen Filmpreis erhalten. Der Regisseur glänzte durch ein überzeugendes ästhetisches Talent, was angesichts seiner familiären Herkunft nicht verwundert: Der Bruder eines seiner Urgroßväter war niemand geringeres, als Vincent van Gogh, Begründer der modernen Malerei.

Auf inhaltlicher Ebene profilierte Theo van Gogh seine Filme im Sinne moderner humanistischer Aufklärung. Sein Eintreten für eine liberale offene Gesellschaft verknüpfte er mit Warnungen vor religiösen Einflüssen aller Art. Noch in den 1980er Jahren war das Christentum sein größtes Feindbild – in Tradition der 68er-Bewegung setzte er sich unter anderem für ein liberales Abtreibungsrecht ein.

Im Gegensatz zu den meisten 68ern war von Gogh jedoch ausgewogener. Seine Abneigungen gegen Religionen projizierte er nicht einseitig auf das Christentum sondern erkannte zutreffend, von welcher Seite die weitaus größere Bedrohung für den modernen Humanismus ausgeht: So benannte er, ähnlich wie Fortuyn, den Islam als eine „rückständige Kultur“. Ende der Neunziger Jahre trat van Gogh mehrmals mit dem Soziologieprofessor und späterem Politiker im Fernsehen auf.

Submission – ein Film mit fatalem Ende

Während sein Weggefährte Fortuyn besonders die Homophobie der Muslime verurteilte, legte van Gogh seinen Schwerpunkt auf die Unterdrückung von Mädchen und Frauen im Islam. Genau zu diesem Thema produzierte er im Jahr 2004 den Film Submission, gemeinsam mit einer prominenten Ex-Muslimin: Ayaan Hirsi Ali, in Somalia geboren und von dort aus vor Zwangsheirat und Ehrenmord über Deutschland in die Niederlande geflohen.

Hirsi Ali kritisiert in Publikationen und Vorträgen, zu welchen Repressionen der Islam gegen Mädchen und Frauen führt. Zugleich kritisierte sie die Beschneidung von Jungen und generell die abscheulichen Erziehungsmethoden vieler Muslime. Wegen ihrer Thesen erhielt sie zahlreiche Morddrohungen – diese waren besonders nach Fortuyns Ermordung sehr ernst zu nehmen. Hirsi Ali stand nun permanent unter Polizeischutz und wechselte ständig ihre Wohnorte, die der Öffentlichkeit nicht bekannt waren.

An die niederländischen Politiker gerichtet forderte sie ein Ende der Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Islam und eine Integrationspflicht für Zuwanderer. Entsprechend unzufrieden wurde sie zunehmend mit den Sozialdemokraten, denen sie bis ins Jahr 2002 angehört hatte. Nicht zuletzt aus Protest dagegen, dass diese Partei die Hetzjagd gegen Fortuyn maßgeblich mitbetrieb, beendete sie ihre Mitgliedschaft. Allerdings sah sie in der Partei Fortuyns (LPF) eine „One-Man-Show“ und fand ihre neue politische Heimat stattdessen bei der rechtsliberalen VVD – Volkspartei für Freiheit und Demokratie. Für diese saß sie in den Jahren 2003 bis 2006 als Abgeordnete im niederländischen Parlament.

Zu Theo van Goghs Kurzfilm Submission steuerte Hirsi Ali das Drehbuch bei. Der Film handelt von Zwangsheirat sowie davon, dass eine Frau von einem Verwandten des Ehemannes vergewaltigt wird. Die Familie verdrängt dieses Verbrechen und beschließt sogar, die Frau wegen vermeintlichen  Ehebruchs zu bestrafen. Bezug genommen wird im Film auf Koranverse, die in exponierter Position zu sehen sind – nämlich geschrieben auf den nackten Körpern von Frauen. Diese erscheinen hierdurch als sexualisierte Objekte einer Männerwelt, welche ihren Anspruch auf Dominanz aus dem Koran ableiten. Hirsi Alis Rechtfertigung:

Sie können das im Koran nachlesen. Mohammed stahl Sayneb, die Frau seines Jüngers, und behauptete, das sei Allahs Wille. Er verliebte sich in Aisha, die neunjährige Tochter seines besten Freundes. Ihr Vater bat ihn zu warten, aber Mohammed wollte nicht warten. Was passiert also? Er erhält eine Botschaft von Allah, die sagt, dass Aisha sich für ihn bereithalten soll. Mohammed ist ein Tyrann.“

Im Dienste Allahs

Mit diesem Film zogen van Gogh und Hirsi Ali den Zorn radikaler Muslime auf sich, sie erhielten Morddrohungen per Post oder öffentlich im Internet. Beide solle das gleiche Schicksal wie Fortuyn heimsuchen, forderten anonyme Hetzer. Hirsi Ali behielt ihre Strategie bei, sich unter Polizeischutz an unbekannten wechselnden Wohnorten aufzuhalten. Theo van Gogh hingegen gab sich betont gelassen, er zeigte sich weiterhin in der Öffentlichkeit, insbesondere in Amsterdam.

Die Drohungen wegen Submission nahm er sogar zum Anlass, seinem politischen Engagement einen neuen Schwerpunkt zu geben: Verteidigung der Kunst- und Meinungsfreiheit. Diese Freiheiten seien unabdingbare Basis der Demokratie und dürften nicht vor gewalttätigen Fanatikern weichen. Um dieses leibhaftig zu untermauern, mischte sich van Gogh weiter öffentlich unters Volk, suchte direkte Gespräche mit möglichst vielen Menschen. Einladungen zu Diskussionen nahm er bereitwillig an, mal in dieser, mal in jener Stadt, um Kontakt mit Menschen aus allen politischen Lagern zu halten. Im Gegensatz zu Fortuyn vermied van Gogh jeglichen Spott gegenüber dem linken Lager, um dieses für die „gemeinsame Sache“ zu gewinnen.

Wer mag van Gogh vorwerfen, die vom radikalen Islam ausgehende Gefahr überschätzt zu haben? Das Gegenteil erwies sich als richtig – die Bedrohung seiner eigenen Person hatte er geradezu verharmlost. Van Goghs fortwährendes unbeschwertes Agieren in der Öffentlichkeit war tödlicher Leichtsinn. Sein Weg zum Filmstudio am 2. November 2004 sollte für ihn der letzte sein. Für den 26-jährigen Islamisten Mohammed Bouyeri war es ein Leichtes, van Gogh auf offener Straße aufzulauern.

Der junge Marokkaner sah durch Submission seine Religion beleidigt und fühlte sich im Dienste des Propheten Mohammeds, als er den Regisseur per Fahrrad abpasste. Wie immer war auch Theo van Gogh mit dem Drahtesel unterwegs, als Mohammed Bouyeri unvermittelt begann, auf ihn zu schießen. Der Filmemacher versuchte noch zu fliehen, was ihm jedoch nur wenige Meter weit gelang – der Attentäter beschoss ihn weiter, bis das Opfer zu Boden sackte.

An seiner Perfidität ließ der Mörder vor Ort nicht zweifeln. Nicht nur, dass er seinem Opfer die Kehle aufschlitzte, als dieses schon am Boden lag. Er legte zudem ein Bekennerschreiben auf van Goghs Oberkörper und befestigte es mit Messern, die er durch das Papier tief in den Körper hineinstach. Das Schreiben enthielt neben der Erklärung, im Dienste Allahs gehandelt zu haben, noch eine weitere Morddrohung – gerichtet an Hirsi Ali.

Bis zu seinem Tod hatte van Gogh daran gearbeitet, das Lebenswerks Fortuyns zu verfilmen. Zudem nahm seine Dokumentation Cool immer mehr Gestalt an – hierin ging es um marokkanische Jugendliche. Mit diesem Film fokussierte van Gogh die gleichen Probleme wie einst Fortuyn: Parallelgesellschaften, Kriminalität, Verwahrlosung des öffentlichen Raumes.

Zehn Jahre danach – was haben die Niederlande gelernt?

Bouyeri wurde im Mai 2005 zu lebenslanger Haft verurteilt – wegen des Mordes an van Gogh sowie der Todesdrohung gegenüber Hirsi Ali. Der Angeklagte habe eindeutig in terroristischer Absicht gehandelt, stellte das Gericht in Amsterdam fest. Bouyeri kündigte an, bei einer Freilassung „genau dasselbe wieder zu tun“, weil es der „Auftrag Allahs“ sei, jede Beleidigung des Propheten mit dem Tod zu bestrafen. Auch bei späteren Anlässen, zu denen er sich aus dem Gefängnis zu Wort meldete, bekräftigte er diese Haltung.

Haben die Niederlande aus den Morden an Fortuyn und van Gogh hinreichend gelernt? War nun Schluss mit naivem Multikulturalismus und blinder Appeasement-Politik? Wurden Menschen, die vor der Islamisierung der Niederlande und Europas warnten, fortan ernstgenommen statt gebrandmarkt? Die Antwort lautet: mitnichten.

Positiv ist festzustellen, dass im März 2006 ein strenges Einwanderungsgesetz in Kraft trat. Wer in das Land einwandern will, muss seitdem eine dreiteilige Prüfung erfolgreich bestehen. Zwei Bereiche drehen sich um die Fähigkeiten auf der sprachlichen Ebene, schließlich ist Sprache ein entscheidender Faktor des Zusammenlebens. Wer die niederländische Sprache beherrscht, hat bessere Chancen auf Ausbildung, Arbeit und sozialen Anschluss – kurzum: bessere Chancen auf Integration.

Je besser die Integration in die niederländische Kultur, desto geringer die Anfälligkeit für religiösen Extremismus, so die Erfahrungen. Im dritten Teil der Prüfung wird Grundwissen über die niederländische Gesellschaft verlangt. Wer diese Prüfung bestehen will, kommt zum Beispiel nicht um folgendes Wissen herum: Homosexuelle Paare dürfen sich auf holländischen Straßen küssen, Menschen dürfen Religionen wechseln oder ganz abschwören, Frauen und Männer sind gleichberechtigt, an einigen Stränden dürfen Frauen wie Männern völlig unbekleidet liegen und herumgehen…

Die Prüfungen können auch im Ausland abgelegt werden – in den niederländischen Botschaften und Konsulaten. Dort sind eigens Räume dafür eingerichtet, ausgestattet mit Computern, die an Telefone angeschlossen sind. Gegen Bezahlung ist in allen niederländischen Botschaften und Konsulaten ein Übungspaket erhältlich, das mit DVD- und Buchmaterial auf Inhalte der Prüfung vorbereitet. Die Prüfung an sich kostet 350 Euro – für die Kosten müssen die Prüflinge selbst aufkommen. Seit Einführung dieser Pflichttests ging die Zahl derjenigen, die aus muslimischen Ländern in die Niederlande einwandern wollen, deutlich zurück.

Mittlerweile gehört zum Inhalt der Prüfung auch, dass in den Niederlanden ein Burka-Verbot besteht. Seit 2012 dürfen Frauen nicht mehr vollverschleiert im öffentlichen Raum unterwegs sein, auch nicht in Schulen oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei Verstößen gegen diese Vorschrift drohen Geldbußen in Höhe von bis zu 390 Euro. Mit der Einführung des Burka-Verbots folgten die Niederlande den Beispielen Belgiens und Frankreichs – auch dort ist Vollverschleierung in der Öffentlichkeit längst verboten.

Trotz dieser Fortschritte im politischen Umgang mit Muslimen gab es zwischenzeitig auch immer wieder bedenkliche politische Vorgänge. So distanzierte sich die niederländische Regierung im Jahr 2008 panikartig von dem Kurzfilm Fitna, produziert vom Politiker Geert Wilders. Diese Distanzierung geschah offensichtlich in vorauseilendem Gehorsam gegenüber Kritik aus islamischen Ländern. Fitna zeigt Bilder islamisch legitimierter Gewalttaten, zum Beispiel von den Anschlägen in New York am 11. September 2001.

Jene Gewalttaten zeigt der Film in Verbindung mit Zitaten aus dem Koran. Die Darstellungen waren nicht nur vollkommen sachgerecht, sondern auch durch die Meinungsfreiheit gedeckt – juristisch festgestellt vom Gericht in Den Haag, vor welchem der Filmemacher Wilders wegen Volksverhetzung angeklagt war. Die Meinungsfreiheit gehöre zu den Fundamenten der Demokratie, betonte das Gericht. Wilders habe mit seinen Äußerungen provoziert, aber nicht zu Hass und Gewalt gegen Muslime aufgerufen. Dieses hatten Vertreter der damaligen Regierung dem Filmemacher zu Unrecht vorgeworfen.

Van Gogh hätte sich angesichts dieses politischen Prozesses im Grab umgedreht. Müssen weitere politische Morde geschehen, damit Politiker in Europa endlich die nötigen Einsichten in die Gefährlichkeit des radikalen Islams haben?

2 Comments »

  1. Alexander Scheiner, Israel 14. November 2014 at 14:35 - Reply

    Als (übrigens gläubiger) Jude darf ich alles in meiner Religion hinterfragen, sogar anzweifeln und ablehnen. Ich werde dafür nicht bestraft, also keine Auspeitschung, Steinigung, Erhängen oder Köpfen. Ich könnte mich sogar taufen lassen, Kardinal werden und Schweinsrippchen essen. Niemand wird mich deshalb umbringen.
    Zu befürchten ermordet zu werden nur aus dem einen Grund, weil ich Jude bin. In Frankreich, Belgien und in der Schweiz wurden Juden allein deshalb von Muslimen ermordet.

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