Islam für Schwule tödlich?

27. April 2014 5

Freidenker-Veranstaltung in Wien verteidigte säkulare Werte gegen die Islamisierung

Der Lehrer Dr. Daniel Krause (Mitte) stellte an der Seite von Hartmut Krauss und Mina Ahadi sein neues Buch vor - Bild Lukas Elberfeld

Der Lehrer Dr. Daniel Krause (Mitte) stellte an der Seite von Hartmut Krauss und Mina Ahadi sein neues Buch vor – Bild Lukas Elberfeld

Unter dem Titel „Menschenrechte statt Scharia“ lud der humanistische Freidenkerbund Österreich Ende April 2014 in die Aula der Wiener Universität ein. Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam mit der deutschen Gesellschaft für Aufklärung und Menschenrechte (GAM). Neben zwei Wiener Vertretern des Freidenkerbundes traten drei bekannte islamkritische Buchautoren aus Deutschland als Referenten auf: Die Feministin Mina Ahadi, der Verleger Hartmut Krauss und der Lehrer Dr. Daniel Krause. Letzterer nutze die Chance, sein neuestes Buch mit dem Titel Allahs ungeliebte Kinder – Lesben und Schwule im Islam druckfrisch auf der Veranstaltung zu präsentieren. Entsprechend bestand ein thematischer Schwerpunkt der Veranstaltung auch in Erörterungen zu der Frage, wie der Islam zur Homosexualität steht und wie sich Muslime gegenüber Schwulen und Lesben verhalten.

Doch der Reihe nach: Als Moderator eröffnete Ronald Bilik, stellvertretender Vorsitzender des Freidenkerbundes, die Tagung. Dem teils von weit angereisten Publikum stellte er seinen Verband und die Intention der Veranstaltung vor: Ziel sei eine sachgerechte Annäherung an die bestehende Debatte aus konsequent aufklärerischer und säkularer, sozusagen aus „freidenkerischer“ Sicht. Vor allem gehe es darum, einer größeren Öffentlichkeit die bisherigen Tabuisierungen und Kritikverbote vor Augen zu führen, welche laut des Verbandes nicht nur aus demokratiepolitischer Perspektive problematisch erscheinen, sondern auch eine sachgerechte Diskussion bisher unterbunden haben. Die Debatte bleibe derzeit im traditionellen Links-Schema verhaftet, und die gesellschaftlich notwendige Islamkritik werde endgültig zur alleinigen Domäne rechtspopulistischer bzw. rechtsextremer Gruppierungen – ein Prozess, den der Freidenkerbund gemeinsam mit deutschen GAM abwenden sollte. Die Veranstaltung sollte demokratischen Säkularen Raum geben, die Möglichkeit und auch Notwendigkeit eines „dritten“ Weges darlegen, der Ideologie und Religionskritik klar von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit trennt.

Entsprechend sprach sich auch Hartmut Krauss als Referent sehr ausführlich gegen die Ausbreitung islamischer Herrschaftskultur in Europa und für ein breites Bündnis der fortschrittlich-menschenrechtlichen Islamkritik aus. Die bisherige Islamdiskussion in Deutschland und Österreich sei bislang von einem gravierenden Grundfehler geprägt: Dieser bestehe darin, dass mit einem völlig oberflächlichen, unkritischen und unwissenschaftlichen Religionsbegriff operiert werde. Auf diese Weise erhält der Islam gänzlich unhinterfragt die Weihe der rechtlichen Legitimation und staatlichen Förderung, so Krauss. Betrachte man den Islam aber in seiner orthodoxen Ursprungs- und Grundgestalt, so sei festzustellen: Der Islam verkörpert eine zutiefst autoritäre Weltanschauung mit einem absoluten Geltungsanspruch und einem umfassenden repressiven Regelkanon, der eine vormoderne Herrschaftsordnung festlegt.

Ein so verstandener Islam zeichne sich durch Merkmale aus, welche alle säkular gesinnten Menschen alarmieren müssten: So schließe der Islam eine Gleichberechtigung zwischen Muslimen und Nichtmuslimen grundsätzlich aus und lege stattdessen eine hierarchische Rangabstufung zwischen ihnen fest. „Ungläubige“ werden als minderwertig und unrein definiert und unter islamischer Vorherrschaft entsprechend herabwürdigend behandelt, warnte Krauss. Hierbei würden vor allem Atheisten zutiefst verachtet, mehr noch als Christen und Juden. Der Islam lege zudem repressive Geschlechterbeziehungen fest, in denen Frauen systematisch entrechtet werden, so die Mahnung von Krauss. Zudem schließe der Islam homosexuelle Orientierungen als „krankhaft“ und „gesetzeswidrig“ aus und drohe auch hier mit drakonischen Strafen.

Die komplexe Begegnung des Islam mit dem Westen habe nicht dazu geführt, dass sich ein „liberaler“ oder „aufgeklärter“ Islam durchgesetzt habe; vielmehr sei eine erweiterte Reproduktion einer vormodernen religiösen Herrschaftsideologie mit modernen Mitteln zu beobachten, etwa in Gestalt des „Internet-Dschihad“. Krauss konnte zahlreiche Studienergebnisse anführen, welche statt einer Mäßigung eher eine fortlaufende Radikalisierung von Muslimen in aller Welt einschließlich der islamischen Parallelgesellschaften im Westen belegen. Demnach stellt ein erschreckend großer Teil der Muslime in Deutschland – sicher auch in Österreich – die Regeln der Scharia über die rechtsstaatliche Verfassung.

Indes stellte Krauss auch klar, dass das Auftreten rechtsradikaler Kräfte zu verurteilen sei, die das Islamthema für ihre generell anti-emanzipatorischen Interessen, teils sogar für christlich-fundamentalistische Propaganda instrumentalisieren. Viele der österreichischen Zuhörer im Publikum dürften sich an die FPÖ erinnert gefühlt haben, auch wenn Krauss die Partei nicht direkt erwähnte. Die weitere Analyse von Krauss: Die einheimischen „rechten“ Gegner der Aufklärungskultur werden von den ebenso, wenn auch andersartig reaktionären Unterstützern des grund- und menschenrechtswidrigen Islam als Popanz missbraucht, um generell auch die progressiv-emanzipatorische Islamkritik als „rassistisch“ und „islamophob“ etc. zu verleumden. Einer der aus Wien stammenden Zuhörer im Publikum machte deutlich, dass aus seiner Sicht besonders die in Österreich regierende SPÖ eine solche Verleumdungstaktik fahre.

Hartmut Krauss fordert eine nachhaltige Änderung der öffentlichen Debattenkultur über den Islam: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam auf emanzipatorisch-menschenrechtlicher Grundlage muss nicht nur erlaubt sein, sondern sollte zur fortschrittlich-demokratischen Staatsräson werden. Moderne, an den Ideen der Aufklärung orientierte, säkular-demokratische Gesellschaften könnten sich schon aus ihrem Interesse der Selbsterhaltung heraus keine Neutralität gegenüber totalitären Weltanschauungen leisten, auch dann nicht, wenn diese in einem religiösen Gewand auftreten. Anstelle jeglichen konfessionell gebundenen Religionsunterrichts fordert Krauss für alle öffentlichen Schulen die Einführung eines Schulfachs „Religions- und Weltanschauungskunde“, das die Heranwachsenden neutral und sachlich sowohl über alle religiösen Weltanschauungen wie auch über die philosophisch-humanistische Religionskritik und säkulare Ethik informiert.

Dieser Forderung schloss sich auch Ronald Bilik in seinem Vortrag an, welcher zudem schwerpunktmäßig auf die schwierige Lage säkularer Bewegungen in Österreich Bezug nahm. Gerhard Engelmayer, Vorsitzender des Freidenkerbundes, präsentierte – wenngleich sehr speziell wirkende – Vorschläge zur Verbesserung der Position säkularer Menschen im Alltag. So müsse beispielsweise darauf hingewirkt werden, dass die in Österreich noch immer übliche Grußform „Grüß Gott“ den Kindern in Österreich nicht länger anerzogen werden dürfe. Eine gesellschaftliche Abgewöhnung dieser Grußformel zugunsten einer „neutraleren“ wäre – auch in Richtung der Muslime – ein starkes Symbol zugunsten von Säkularität. Nicht allen Anwesenden im Publikum gefiel, wie insbesondere die beiden österreichischen Referenten neben dem Islam auch das Christentum sehr stark angriffen. Offenbar war das Publikum mitnichten in gleicher Eindeutigkeit säkular ausgerichtet wie die fünf Referenten.

Schließlich trieb Mina Ahadi das Publikum in ihrem Vortrag mit flammender Emotionalität zur Begeisterung. Ihr Schwerpunkt hierbei: die Situation im Iran, welche von westlichen Medien sträflichst ignoriert werde, insbesondere betreffend die massive Unterdrückung von Mädchen und Frauen, aber auch von Homosexuellen. Entgegen westlicher Hoffnungen habe der Regierungswechsel im Iran bisher keine hinreichenden Zeichen auf Besserung der Lage gebracht. Auch die Beschneidung von Jungen griff Ahadi scharf an, insbesondere mit Hinblick auf die seit Ende 2012 in Deutschland geltende „beschneidungsfreundliche“ Rechtslage; Ahadi versprach, auch in diesem Jahr am 7. Mai gemeinsam mit Sinnesgenossen vor dem Kölner Landgericht zu demonstrieren. Dieser Ort hat für Beschneidungsgegner eine immense Bedeutung – am 7. Mai 2012 hatten die Kölner Richter Beschneidung als Körperverletzung eingestuft, worauf dieses säkular ausgerichtete Urteil durch den Bundestag mit einem neuen Gesetz torpediert worden war.

Der Lehrer Daniel Krause schließlich verdichtete in seinem Vortrag die Botschaft seines neuen Buches Allahs ungeliebte Kinder – Lesben und Schwule im Islam. Seine These: Anhand des Themas Homosexualität lasse sich besonders deutlich der Unterschied zwischen einem immer toleranter werdenden Westen und einem immer intoleranter werdenden Islam aufzeigen. Die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen habe sich zu einem Merkmal moderner westlicher Gesellschaften entwickelt: Homo-Ehe, Adoptionsrecht und Antidiskriminierungsgesetze seien in Westeuropa und Amerika zunehmend selbstverständlich, in westlicher Politik sowie in westlichen Medien mischten Lesben und Schwule ganz oben mit. Hingegen sei in muslimischen Kulturen ein gegenläufiger Trend feststellbar: Nicht Emanzipation, sondern Diskriminierungen, Verfolgungen und Ermordungen von Homosexuellen nähmen zu. Weltweit seien Lesben und Schwule auf der Flucht vor der lebensbedrohlichen Islamisierung.

Betroffen seien neben islamisch regierten Staaten auch muslimische Parallelwelten inmitten westlicher Länder: Familien begehen religiöse „Ehrenmorde“ an ihren lesbischen Töchtern, islamische Straßengangs attackieren Schwule auf offener Straße, Salafisten drohen Homosexuellen mit weltweitem „Holocaust“, so das Szenario. Hier ein immer toleranter werdender Westen, dort eine zunehmend reaktionäre Islamwelt – dieses Auseinanderklaffen der Kulturen zeige sich nirgendwo eklatanter, als im Umgang mit sexuellen Minderheiten, so Krause. Die Gleichgültigkeit westlicher Lesben- und Schwulenbewegungen gegenüber dem Leiden muslimischer Homosexueller sei wiederum ein erschütterndes Beispiel für leidbringenden Kulturrelativismus. Krause sparte nicht mit Provokationen: „Früher war AIDS die schlimmste Seuche in der Schwulenszene – heute ist es der Kulturrelativismus.“ Der Lehrer verteidigte im nächsten Satz diesen Vergleich: Schließlich könnte Kulturrelativismus gerade angesichts der Homophobie im Islam für Schwule selbstzerstörerisch enden – wie eben einst die Immunschwäche.

Homosexuelle Meinungsführer wie Volker Beck würden andauernd nur Russland kritisieren, obwohl die Lage in muslimischen Ländern – und das schon seit langer Zeit – deutlich schlimmer sei. So habe sich insbesondere der sogenannte „Arabische Frühling“ aus Sicht von Frauen- und Homosexuellenrechten als „Schwarzer Herbst“ erwiesen. Schwule islamfreundliche Politiker wie Volker Beck oder Klaus Wowereit würden sich noch wundern, wie ihr vermeintlicher „Freund Islam“ mit ihnen umgehen werde, wenn diese Polit-Religion eines Tages die Oberhand in Deutschland gewinne. „Dann landen solche Sozialdemokraten womöglich schnell im KZ“, so die düstere Prophezeiung Krauses.

Der Freidenkerbund hat angekündigt, dass in Kürze Videos von den Vorträgen der fünf Referenten online zu sehen sein werden.

5 Comments »

  1. Maria Stückler 29. April 2014 at 16:10 - Reply

    „So müsse beispielsweise darauf hingewirkt werden, dass die in Österreich noch immer übliche Grußform „Grüß Gott“ den Kindern in Österreich nicht länger anerzogen werden dürfe.“

    Offenbar haben die „Freidenker“ massive Probleme mit der Freiheit.

    Überall die gleiche Unduldsamkeit und der gleiche Hang alle anderen nach den eigenen hirnrissigen Vorstellungen umerziehen und jeden den Mund zu verbieten zu müssen, der nicht genauso denkt wie er selbst.

    Dringende Empfehlung:
    Lesen sie die Erklärung zu den Allgemeinen Menschenrechten!

  2. BernauER 2. Mai 2014 at 15:56 - Reply

    Eine aufbrausende Kommunistin, ein verkopfter Neomarxist und dazu ein Radikalliberaler, der Abtreibung bis kurz vor der Geburt erlauben will. Wenn das die Speerspitze deutscher Islamkritik sein soll, dann gute Nacht.

Leave A Response »