Rockerkriege im Gutmenschenland

17. April 2014 2

Rezension zu Stefan Schubert: Gangland Deutschland. Wie kriminelle Banden unser Land bedrohen

Buchcover (Ausschnitt) - Bild: Riva Verlag

Buchcover (Ausschnitt) – Bild: Riva Verlag

Bücher über die organisierte Kriminalität in Deutschland erfreuen sich blühender Konjunktur, auch dank immer hochkarätigerer Autoren und deren zunehmendem Mut zu politischer Inkorrektheit. Ein besonders erfreuliches Werk in diesem Sinne ist das Ende 2013 erschienene Werk des pensionierten Richters des Kölner Landgerichts, Egbert Bülles: Deutschland – Verbrecherland? Verschiedenste Sparten der organisierten Kriminalität von Zigeunerkinderbanden bis hin zu sizilianischen Mafiastrukturen werden darin fundiert beleuchtet – auch vor dem Hintergrund, dass eine effektive Bekämpfung des Problems durch politisch korrektes Gutmenschentum in Politik, Justiz und Presse torpediert wird.

Einer ganz speziellen Sparte der organisierten Kriminalität widmet sich nun das neue Buch von Stefan Schubert: Gangland Deutschland. Wie kriminelle Banden unser Land bedrohen. Der „Aussteiger“ Schubert, der einst mit seinem Doppelleben als Polizist und Gangmitglied für Furore sorgte, zeichnet in diesem Buch ein äußerst düsteres und pessimistisches Bild von der Lage in Deutschland.

Dem Leser präsentiert Schubert ein – möglicherweise etwas überzeichnetes – Portrait von vermummten und bewaffneten Rollkommandos, die in Horden über verfeindete Gangs herfallen und erst von ihren Opfern ablassen, wenn deren Schädel aufgeplatzt seien und Gehirnmasse austrete. Von Drive-Shootings mit Maschinenpistolen, Handfeuerwaffen, selbst mit Handgranaten. Von Messerangriffen auf konkurrierende Türsteher. Von Schutzgelderpressungen und Folterungen, mit der ausstiegswillige Gangmitglieder drangsaliert werden. Von Gewalt, die auch vor gezielten Attacken auf Staatsorgane und Polizisten nicht haltmacht. Von Drogenhändlern, die aus den Gang-Milieus heraus längst gewerbs- und bandenmäßige Ausmaße von Gewaltwellen und Verbrechensfluten gegen Unbeteiligte ausgelöst haben. Dazu Blutrache und Selbstjustiz, Brandanschläge, Machetenhiebe, Schießereien, Mord, Totschlag, ausbeuterische Zuhälterei, Zwangsprostitution, Vergewaltigungen und Menschenhandel. Die Gangs schrecken vor keiner Straftat mehr zurück, so die unmissverständlich daherkommende Botschaft.

Im Gegensatz zu einem deutlich belegreicher argumentierenden Autor wie Bülles mangelt es dem Buch von Nicht-Akademiker Schubert zwar vielerorts an statistischen und anderen Belegen für die teils sehr steilen Thesen, unglaubwürdig ist es dennoch nicht, wenn der Ex-Polizist das Bild von „Alibirichtlinien der Journalisten“ zeichnet, die politisch korrekt die Täternationalitäten verschweigen. Oder von einer „Integrationsindustrie“, die verharmlose – und scheitere. So werde ein sinnvolles Vorgehen gegen die gewalttätigen Gangs erheblich durch politische Korrektheit, Gutmenschentum, Problemverleugnung und Kuscheljustiz erschwert. In die „rechte“ Ecke sollte man Schubert nicht rücken, zumal er z. B. auch die Homophobie im Rockermilieu glaubhaft kritisiert.

Neben den erwähnten Mängeln an Belegen besteht eine weitere Schwäche des Buches im allzu additiven Aufbau. Einzelnen Gruppierungen wie Black Jackets, Outlaw Motorcycle Gangs, Bad Legion und United Tribuns widmet der Autor jeweils eines von mehreren aneinandergereihten Kapitel, ohne hierbei hinreichend die Chancen zu fruchtbarer Quervernetzung zu nutzen. Durch höhere Leistungen seitens des Lektorats hätte dieses Buch das Potential gehabt, eine ebenbürtige Ergänzung und Vertiefung zu Bülles zu werden.

Stefan Schubert (2014): Gangland Deutschland. Wie kriminelle Banden unser Land bedrohen. München: Riva Verlag, 240 Seiten, 19,99 Euro. Kaufen bei Amazon.

2 Comments »

  1. ribi 13. Juli 2014 at 14:06 - Reply

    lieber herr dr kraus: in ihrem sehr lesenwerten buch “ als linker gegen islamismus“ belegen sie gar keine zahlen/fakten. man muss doch wissen, wo sie es gelesen haben! kleine und kurze literaturhinweise- auch zum weiterlesen- wären hilfreich!

  2. ribi 15. Juli 2014 at 14:36 - Reply

    wer andere nücher kommentiert, müsste es auch zulassen, dass seine kritisiert werden, zumal ich den inhalt sehr lobe!herr dr. krause belegt eben seine fakten/zahlen nicht, mir ist klar, dass diese von der richtung stimmen, er muss sie aber mit literaturnagbane belgen, sonst darf er nicht andere autoren, z.b. die von alg-2-buch- kritisieren, welche im gegensatz zu ihm belegen!

Leave A Response »