Geschlechterpolitische Inkorrektheit?

7. März 2014 2

Rezension zu Arne Hoffmann: Not am Mann – Sexismus gegen Männer

Wie steht es um die Politik der Geschlechter in Deutschland? - Bild: Thommy Weiss / pixelio.de

Wie steht es um die Politik der Geschlechter in Deutschland? – Bild: Thommy Weiss / pixelio.de

Ende 2013 veröffentlichte des Umfrageinstitut IfD Allensbach die Studie Der Mann 2013. Arbeits- und Lebenswelten. Wunsch und Wirklichkeit. Demnach erklärten 64 Prozent der deutschen Männer, „es reiche“ inzwischen mit der Gleichberechtigung der Frauen; 28 Prozent der Männer sagten: „Was da passiert, ist übertrieben“. Drei von vier Männern fühlten sich „wenigstens ab und zu gegenüber Frauen“ benachteiligt. Genau diesen Männern möchte Arne Hoffmann mit seinem neuen Buch Not am Mann aus der Seele sprechen und sieht sich hierbei als mutiger Vorkämpfer einer (geschlechter-) politischen Inkorrektheit: „Wer heute vom allgemeinen Glaubensbekenntnis vom Unterdrückergeschlecht Mann und dem Opfer Frau abweicht, bricht ein Tabu, das mit Klauen und Zähnen verteidigt wird.“

Sein 250 Seiten umfassendes Buch beginnt nach Hoffmanns eigenem Verständnis mit einem „Problemaufriss“ – allerdings eher im Charakter eines pauschalisierenden Rundumschlags über „alltäglichen Sexismus gegen Männer“. Der Autor führt die Problematik auf gezielte politische Umerziehungsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte zurück und kritisiert hierbei z. B. scharf Formulierungen in Grundsatzprogrammen von Parteien und Verbänden. In den Medien würden Männer überwiegend „als Gewalttäter, Kriminelle, Mörder, Missbrauchstäter, Perverse und verantwortungslose Rabenväter“ gezeigt, so die – zweifelsohne unseriös überspitzte – Einschätzung Hoffmanns.

Jungen und Männer würden diskriminiert, da man ihre Anliegen politisch übergehe: Jungen erhielten für die gleichen Leistungen schlechtere Noten, Männer würden vor Gericht für das gleiche Vergehen stärker bestraft usw. usw. „Und während es im akademischen Bereich hierzulande mehr als 200 Lehrstühle für Frauenforschung gibt, existiert kein einziger für Männerforschung“, beschwert sich der Autor. Fragwürdig werden Hoffmanns Ausführungen jedoch spätestens im dritten Kapitel, wo er biologische Ursachen für die ungleiche Lebenserwartung pauschal leugnet (!) und auch hier die vermeintliche Männerdiskriminierung in der Gesellschaft als Ursache anführt.

Auf den folgenden Seiten häufen sich weitere Unseriositäten in Gestalt einseitiger Fokussierungen und willkürlicher Ausblendungen: So beklagt Hoffmann einerseits die höhere Arbeitslosigkeit bei Männern, vernachlässigt jedoch den deutlich geringeren Durchschnittsverdienst und die extremst geringeren Durchschnittsrenten bei Frauen. Er bedauert das „Verschweigen“ von männlichen Opfern sexuellen Kindesmissbrauchs, obwohl gerade dieses Thema im Zuge der Skandale in der katholischen Kirche sowie in der Odenwaldschule stärker denn je auf der Agenda stand. Er kritisiert anhand von Beispielen die „Ausgrenzung“ von Politikern, die sich für Männer einsetzen und blendet dabei die enorme Unterstützung aus, die gerade Rainer Brüderle im sogenannte „Sexismus-Skandal“ (#Aufschrei) von der Mehrheit der Bevölkerung erhielt.

Nicht zuletzt verhält sich Hoffmann extremst kulturrelativistisch: Kein einziges Wort widmet er der Unterdrückung von Frauen und Mädchen in den immer stärker anwachsenden muslimischen Subkulturen in Deutschland. Angesichts der immensen Benachteiligung des weiblichen Geschlechts in diesen zahlenmäßig explodierenden Bevölkerungsteilen handelt es sich bei den von Hoffmann aufgerissenen Sachverhalten – sofern sie überhaupt zutreffen – wahrlich um Luxusprobleme. Und wo wir schon beim Thema Religion sind: Was ist eigentlich mit dem Zugang von Frauen zum Priester- oder Papstamt? Und hiervon abgesehen: Wie steht es denn nach wie vor um den Frauenanteil in den Vorstandsetagen großer Unternehmen? Und haben sich die wenigen Frauen bei Deutschlands großem Arbeitgeber Bundeswehr ihre Erfahrungen mit sexistischer Diskriminierung nur ausgedacht?

Hoffmanns zentrale Forderung: „Wir brauchen nach vier Jahrzehnten einseitiger Geschlechterpolitik, die vor allem die Anliegen von Frauen im Auge hatte, endlich einen ganzheitlichen Ansatz, der den Bedürfnissen beider Geschlechter dient.“ Im Sinne dieses Ziels gibt es allerdings weitaus qualifiziertere, weil konstruktivere und ausgewogenere Literatur, als das Buch von Hoffmann. Beispielhaft sei das ebenfalls sehr aktuelle Buch Männer. Frauen. Zukunft von Mechthild M. Jansen, Angelika Röming und Marianne Rohde genannt. Hierbei handelt es sich um einen Sammelband diskursiv im Austausch stehender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – und nicht nur um die lamentierende Klageschrift eines polarisierenden Bloggers wie Hoffmann, der möglicherweise aus einem persönlichen Problem eine öffentliche Angelegenheit macht.

Arne Hoffmann (2014): Not am Mann – Sexismus gegen Männer. Gütersloher Verlagshaus, 256 Seiten, 19,99 Euro. Kaufen bei Amazon.

2 Comments »

  1. Antifeministin 8. Mai 2014 at 13:12 - Reply

    Das Buch wurde ja auch nicht über die Ungerechtigkeiten geschrieben, die Frauen widerfahren, sondern ist auf die Männer konzentriert, warum also sollte der Autor auf die Frauen genauer eingehen?

  2. Jizzyb 3. August 2014 at 17:56 - Reply

    Herr Krause scheint sich mit Männerdiskriminierung nie befasst zu haben. U.a. ist die Leugnung der biologischen Ursache in Bezug auf die Lebenserwartung ist nämlich korrekt, siehe Klosterstudie.
    Und warum muss sich jedes Buch, welches sich auf die Ungerechtigkeiten der Geschlechter bezieht, IMMER von Frauen handeln? Über deren tatsächliche und angebliche Benachteiligungen gibt es Bände! Wird dort im jeden Band die Diskriminierung der Männer erwähnt?
    Ich wage es zu bezweifeln!

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