Salafismus – konsequent gelebter Islam

28. Februar 2014 3

Rezension zu Ulrich Kraetzer: Salafisten – Bedrohung für Deutschland?

Gebet während der Salafisten-Demonstration in Duisburg Feb. 2014 - Bild: DK

Gebet während der Salafisten-Demonstration in Duisburg Feb. 2014 – Bild: DK

Derzeit beschäftigen sich immer mehr Autoren mit dem Phänomen des Salafismus, einer orthodoxen Auslegung des Islams und zugleich die am stärksten anwachsende Form von politischem Extremismus in Deutschland. Allerdings zeigen sich größere qualitative Unterschiede bei den Publikationen. So enttäuschten beispielsweise die Osnabrücker Islamwissenschaftler Rauf Ceylan und Michael Kiefer mit ihrem Werk Salafismus – Fundamentalistische Strömungen und Radikalisierungsprävention auf ganzer Linie. Umso erfreulicher ist es, wenn der Buchmarkt eine hervorragende Alternative anbietet: Auch das aktuelle Buch des Publizisten Ulrich Kraetzer beschäftigt sich mit Salafisten und stellt gleich im Untertitel die entscheidende Frage nach der Bedrohungslage für Deutschland. Die Beantwortung versucht der Autor mit erfreulicher Differenziertheit, wobei profunde theoretische Kenntnisse mit exklusiven Praxiserfahrungen ansprechend vermischt werden.

Ein solches Werk kommt wahrlich zum richtigen Zeitpunkt: In westdeutschen Großstädten haben Salafisten um Pierre Vogel in den vergangenen Wochen wiederholt öffentliche Veranstaltungen abgehalten und hierbei ihre demokratiefeindliche Ideologie verbreitet (etwa am 22. Februar 2014 in Duisburg). Obwohl 250 radikale Salafisten direkt vor dem Hauptbahnhof der Ruhrmetropole ihre demokratiefeindlichen Gesinnungen zelebrierten, gab es kaum bürgerlichen, geschweige denn „linken“ Widerstand. Hätte es sich stattdessen um eine Neonazi-Kundgebung gehandelt, hätten sich wohl tausende Duisburger und Angereiste vereint im „Kampf gegen rechts“ der Demonstration entgegengestellt und hierbei sogar den Schulterschluss mit dem linksradikalen „schwarzen Block“ nicht gescheut.

So aber blieb die Zahl der Gegendemonstranten recht überschaubar, Teilnehmer wie der an Rhein und Ruhr wohl bekannte und teils geschätzte Islamkritiker Jürgen Grimm mussten für ihre Berichterstattung vor Ort (Videointerview) heftigste Beleidigungen und Bedrohungen über sich ergehen lassen. Grimm wurde unter anderem „völlige Übertreibung“ vorgeworfen, angeblich sei die Salafisten-Veranstaltung ausschließlich von vollkommen friedlichen Menschen besucht worden. Schon zwei Tage später stellte sich heraus, dass Grimm jedoch nicht schlecht lag mit seiner Vermutung, dass terroraffine Gewalttäter unter den Salafisten waren. Der Mönchengladbacher Islamprediger Sven Lau, nach Pierre Vogel der zweitwichtigste Redner auf besagter Veranstaltung, wurde wegen des dringenden Verdachts „der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat“ verhaftet (Focus).

Mitten im Ruhrgebiet startet passenderweise auch Kraetzers Buch: Der Autor hatte sich zu Recherchezwecken in ein salafistisches Islamseminar in Essen eingeschleust, von welchem er in seinem ersten Kapitel authentisch berichtet. Im weiteren Verlauf des Buches bekommt der Leser einen Überblick über die Gefahren das Salafismus, seine historischen Wurzeln und unterschiedliche Strömungen. Dabei wird insbesondere das Verhältnis von Salafismus und Dschihadismus behandelt, was sich als nicht ganz unkompliziert erweist: Eine Salafisten geißeln Gewalt und Terror als schlimmste Sünde überhaupt, andere verherrlichen den „Heiligen Krieg“ als „vergessene Pflicht“. Viele geben sich nur zum Schein friedlich, bestätigt Kraetzer fundiert und behält damit Recht: Auch Vogel und Lau präsentierten sich am 15. Februar 2014 in Dortmund sowie eine Woche später in Duisburg als „Friedensengel“, bevor der Verfassungsschutz am 24. Februar 2014 aufgrund noch geheimer Erkenntnisse zumindest Lau gewaltsam aus dem Verkehr ziehen musste.

Ausführlich analysiert das knapp 300 Seiten starke Buch die Strategien und Inhalte salafistischer Predigergruppen in Deutschland. Es zeigt die Bandbreite zwischen moderaten Salafisten, die Religion als Privatsache betrachten, und Scharfmachern, die vom „Lieben und Hassen für Allah“ predigen. Kraetzer zeigt zudem, wie die von Salafisten beschworene Brüderlichkeit oft in Bruderkämpfe umschlägt – und warum die nur scheinbar homogene Bewegung von Hauen und Stechen geprägt ist. Solche Einblicke dürfte bislang kein anderes Buch geliefert haben. Etwas weniger exklusiv allerdings sind die Inhalte eines Kapitels zur Frage, warum die salafistische Bewegung gerade als Jugendkultur für ihre Anhänger so attraktiv ist. Das Buch schließt mit Empfehlungen, wie man mit der am schnellsten wachsenden radikalen Strömung des Islams umgehen sollte.

Im Gegensatz zu den irrenden Autoren Ceylan und Kiefer oder auch Boualem Sansal (CT-Rezension) verbreitet der deutlich kompetentere Kraetzer keineswegs die Mär, dass Islamismus bzw. Salafismus „Missbrauch“ des Islams sein. Vielmehr stellt Kraetzer völlig sachgerecht und belastbar fundiert heraus, worum es sich beim Salafismus tatsächlich handelt: um eine durchaus konsequente Auslegung des Korans. Die deutschen Islamverbände sollten dieses nicht länger leugnen, so die klare und wichtige Botschaft des Autors.

Ulrich Kraetzer (2014): Salafisten – Bedrohung für Deutschland? Gütersloh/München: Gütersloher Verlagshaus, 288 Seiten, 19,99 Euro. Kaufen bei Amazon.

3 Comments »

  1. Alexander Scheiner, Israel 2. März 2014 at 10:49 - Reply

    Konsequent gelebter Islam? Muessen Buerger aus westlichen Demokratien nun mit islamischem Terror leben?

  2. Karin Bryant 10. März 2014 at 00:09 - Reply

    Die Antwort ist schlicht: Ja, deutsche bürger Werden mit dem Terror des konsequent gelebten Islam leben müssen da der politische Wille fehlt diesem unheiligen Terror ein Ende zu machen.

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