Altkluges für Geschichtslehrer 60plus

18. Februar 2014 2

Rezension zu: Harald Roth: Was hat der Holocaust mit mir zu tun?

Wie finden junge Menschen Zugang zum Holocaustgedenken? - Bild: Katharina Roßbach  / pixelio.de

Wie finden junge Menschen Zugang zum Holocaustgedenken? – Bild: Katharina Roßbach / pixelio.de

Was hat der Holocaust mit mir zu tun? 37 Antworten – So lautet der Titel eines neuen Buches, herausgegeben vom pensionierten Lehrer Harald Roth. Die knapp 40 Beiträge des Bandes versuchen auf ganz unterschiedliche Art und Weise, die im Titel aufgeworfene Frage zu beantworten. Roth verspricht einleitend, dass sich „insbesondere junge Menschen“ von seinem Buch angesprochen fühlen dürften. Ein Anspruch, dem dieses Werk mitnichten gerecht wird.

Zu Wort kommen unter anderem Überlebende, die im hohen Alter Zeugnis ablegen und der Nachwelt ihr Testament hinterlassen: Inge Deutschkron, Max Mannheimer, Otto Dov Kulka, Joel Berger, Alfred Grosser und Edward Koosoy. Des Weiteren berichten Experten aus Wissenschaft und Gedenkstätten zum Forschungsstand bezüglich des Holocausts, während Journalisten und Politiker in ihren Beiträgen aufzeigen, welche Konsequenzen unser Bildungs- und Rechtssystem aus dem Zivilisationsbruch ziehen sollten. Nicht zuletzt suchen junge jüdische und nicht-jüdische Autoren und Filmemacher nach möglichen Zugängen zum Holocaust und erörtern die Bedeutung dieser Thematik für die eigene Identität.

Leider erfährt man durch die abgedruckten Zeitzeugenberichte nichts Neues. Das meiste erinnert an die Inhalte, von denen junge Menschen heutzutage durch schulischen Geschichtsunterricht schon mehr als übersättigt sind. Noch peinlicher kommt im Buch jedoch die gutmenschelnde Oberlehrerhaftigkeit von Vertretern der Nachkriegsgeneration daher. Trauriger Höhepunkt ist der Beitrag vom (ebenfalls pensionierten) Antisemitismusforscher Wolfgang Benz, welcher den genervten Leser mit erhobenem Zeigefinger vor vermeintlicher „Muslimfeindlichkeit“ in Deutschland warnt und frevelhaft Parallelen zum historischen Antisemitismus suggeriert:

Das auf Ressentiments gegründete, mit Stereotypen agierende, verbreitete Ängste instrumentalisierende Feindbild Islam hat sich auf einem politisch-sozialen Aktionsfeld etabliert, das Impulse von Moscheebau-Projekten, aus Debatten über Kopftuch und Zwangsehe, über die von obskuren Publizisten beschworene Gefahr einer Islamisierung Europas erhält und der inzwischen uralten Projektion vom Untergang des Abendlandes folgt. Die Parallelen von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sind so unverkennbar, wie sie mit Inbrunst bestritten werden.“

Mit selbstherrlicher Gutmenschenpenetranz ignorieren solche Beiträge, dass gerade Juden (!) in Deutschland heutzutage durch das Voranschreiten des orthodoxen Islams mit Leib und Leben bedroht sind. Ebenso wird völlig unter den Tisch fallen gelassen, dass es gefährliche Kooperationen zwischen Nationalsozialismus und Islam gegeben hat, was sich noch heute darin niederschlägt, dass zahlreiche Muslime eine immense Sympathie für Adolf Hitler und dessen Antisemitismus bekunden.

Linksverirrte Politiker bzw. Publizisten wie Wolfgang Thierse bzw. Heribert Prantl nutzen das Buch einmal mehr für ihre endlosen Quengeleien darüber, dass der Rechtsextremismus in Deutschland zu wenig bekämpft werde. So werde zu stark auf den Extremismus von links fokussiert, Extremismus von rechts hingegen auf die leichte Schulter genommen. Hinreichende Belege, sollte es sie überhaupt geben, liefern Prantl und Co. für solche Behauptungen allerdings nicht. Stattdessen beschwert sich Michael Verhoefen seitenlang über Michael Stürzenbergers „Missbrauch“ des Namens Weiße Rose, ohne jedoch zu erkennen oder gar zu würdigen, dass Stürzenberger ein Symptom dafür ist, dass unsere politisch korrekte Elite berechtigte Überfremdungsängste der Bevölkerung permanent ignoriert.

Einziger Lichtblick im Buch ist der Beitrag von Cem Özdemir, welcher ausdrücklich vor Antisemitismus im „Einwanderungsmilieu“ warnt. Leider ist Özdemirs Beitrag der kürzeste des Buches und kann das Werk somit keineswegs „retten“.

Fazit: Der Lehrer Harald Roth hat einen altklugen Sammelband veröffentlicht, welcher zwar sein eigenes Selbstwertgefühl bereichern mag, jedoch keinen neuen Wert für die Öffentlichkeit darstellt. An den Interessen und der Erfahrungswelt der von Roth bekundeten Zielgruppe – „junge Menschen“ – geht dieses Buch meilenweit vorbei. Dass einige Mainstream-Medien das Werk überwiegend positiv bewerten, hat einen einfachen Grund: Deren Rezensenten haben genauso wenig wie Roth noch hinreichend Empathie für die Lebenswelt junger Menschen und deren mögliche Zugänge zum Holocaust. Es handelt sich nicht um ein Buch für junge Menschen, sondern eher für Geschichtslehrer Generation 60+.

Harald Roth (Hg.) (2014): Was hat der Holocaust mit mir zu tun? 37 Antworten. München: Pantheon Verlag, 304 Seiten, 14,99 Euro. Kaufen bei Amazon.

2 Comments »

  1. Infidel 18. Februar 2014 at 16:50 - Reply

    Immerhin wurde „Die weiße Rose“ zusammen mit dem letzten (zu der Zeit) noch lebenden Mitglied „Susanne Zeller-Hirzel“ wiedergegründet. Das sollte auch verbohrtesten Linksideologen zu denken geben.
    Tut es aber nicht weil es nicht in ihr Weltbild paßt das „Die weiße Rose“ eben keine Ansammlung von Sozialisten war. Und im Gegensatz zu den heutigen sogenannten „AntiFaschisten“ war sie dabei und hat die Zeit selbst erlebt. Sie hatte den Mut gegen die Nazis zu opponieren als diese an der Macht waren.
    Ob die heutigen sogenannten „Antifaschisten“ den auch hätten bezweifel ich ehrlich gesagt. Nein, ich glaube eher das diese strammen Schrittes mitmarschiert wären. Zumindest ähneln deren „Aktionen“ doch deutlich denen die sie eigentlich zu bekämpfen vorgeben.

    Geschichte wiederholt sich eben doch!

  2. egon sunsamu 19. Februar 2014 at 13:14 - Reply

    Danke Daniel!
    Linkspopulistische Lügner wieder einmal entlarvt.

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