„Liberalismus kampagnenfähig machen“

14. Februar 2014 1

CT-Interview mit Hasso Mansfeld, Mitgründer der Initiative FDP Liberté, über Image und Reformbedarf der Liberalen

Eines der Kampagnenmotive von FDP Liberté

Eines der Kampagnenmotive von FDP Liberté

Am 22. September 2013 flog die FDP erstmals seit Gründung der Bundesrepublik aus dem Deutschen Bundestag. Manch ein Liberaler hält der Partei vor, die eigenen Ideale verraten zu haben. Andere denken eher, dass ein Image-Problem vorliegt. Für Citizen Times sprach Felix Strüning mit dem Kommunikationsberater Hasso Mansfeld, FDP-Mitglied und als solches Mitgründer der im Internet sehr aktiven Initiative FDP Liberté über die Problematik, den Wahlkampf und liberale Kampagnenfähigkeit.

Herr Mansfeld, vor genau einem Jahr, ausgerechnet am Valentinstag 2013 haben Sie einen „FDP Hate-Day“ veranstaltet. Was sollte das sein? Und vor allem: Wie kommt man denn bitte auf eine solche Idee?

Hasso Mansfeld: Wenn Sie im Netz als Liberaler unterwegs sind, werden sie schnell merken, dass man auf wenig Liebe stößt. Es ist schon krass, wie heftig man angegriffen und beschimpft wird, wenn man im Netz liberale Positionen vertritt und sich als FDP-Mitglied zu erkennen gibt. Wir haben uns vorgenommen diesen Hass auf die FDP sichtbar zu machen und die Menschen aufgerufen, sich an einem konkreten Tag mit dem Liberalismus auf unserer Facebook-Seite auseinander zu setzen.

Natürlich braucht man für eine solche Aktion ein Datum, was eine gewisse Symbolik beinhaltet. Wir haben es daher für eine gute Idee gehalten, eine solche Veranstaltung am Valentinstag zu machen. Wir wollten damit auch sagen: „Vergesst beim ganzen Haten das Lachen nicht!“

Hat es sich gelohnt?

Mansfeld: Oh ja, wir haben eine enorme Resonanz gehabt. Wir hatten an dem Tag 62.000 Klicks auf unserer Facebook-Seite. Die Menschen haben sich intensiv mit der Kritik an der FDP beschäftigt. Man kann sagen, dass noch nie an einem einzigen Tag von so vielen Menschen über den Liberalismus diskutiert wurde. Interessanterweise gab es an unserem „Hate-Day“ auch viel  Unterstützung für die FDP. Kritik und  Lob hielten sich sogar die Waage. Insgesamt konnten wir sowohl die Kritiker, als auch die liberal denkenden Menschen im Netz mobilisieren. Das war damals im Hinblick auf den bevorstehenden Bundestagswahlkampf ein entscheidender Erfolg. Derjenige der seine Anhänger am besten mobilisieren kann, hat im Wahlkampf einen entscheidenden Vorteil.

Dann erzählen Sie uns doch mal vom größten Lob, der härtesten Kritik und vielleicht auch den sinnvollsten Änderungsvorschlag.

Mansfeld: Das größte Lob war meines Erachtens, dass jemand geschrieben hat: „Die FDP nervt, weil sie eine Politik erwartet, dass ich mich selbst um mein Leben kümmern muss.“ Die härteste Kritik fand ich die Konfrontation der FDP damit, wie wenig von den Steuerreformen, die man vor der Wahl 2009 versprochen hatte, auch wirklich umsetzt wurde. Darin sehe ich denn auch den sinnvollsten Änderungsvorschlag: das was man verspricht, nachher auch zu halten!

Manch ein Kritiker sah sich ja bei der folgenden Bundestagswahl 2013 bestätigt: Die FDP flog erstmals seit 1949 aus dem Parlament. Schon zuvor sagten Sie, damit die FDP ihr Image aufbessere, müsse sie weg von den Ärzten und Apothekern. Aber geht es hier um Image oder um politische Inhalte, die sich ändern müssen?

Mansfeld: Sowohl als auch. Sicherlich ist das Image schlechter, als die politischen Inhalte es sind. Oder besser gesagt: Das Image-Defizit ist größer als das Inhalts-Defizit. Eins der größten Probleme der FDP ist ihre wahrgenommene Nähe zu den freien Berufen und den Industrie- und Handelskammern (IHK). Die deutsche Kammerorganisation ist jedoch die Fortführung des mittelalterlich Zünfte- und Ständewesens. Das ist so ziemlich das komplette Gegenteil von dem was ich liberal empfinde. Aus der Nähe zu einzelnen Berufen und Organisationen speist sich der immer wieder vorgetragene Vorwurf der Klientelpartei. Eine liberale Partei hat keine Lobbyarbeit – für wen auch immer – zu leisten, sondern ist ihren Idealen verpflichtet, ohne die es keine Demokratie und keinen zivilisatorischen Fortschritt gäbe. Die FDP war und ist eine Bürgerpartei: Für Bürgerrechte und für Toleranz, aber gegen Gängelei und Behördenallmacht.

Wenn wir schon dabei sind: Wie würden Sie die FDP gerne „reformieren“, so dass sie es bei den nächsten Wahlen wieder in den Bundestag, vielleicht sogar die Regierung schafft?

Mansfeld: Ehrlich gesagt halte ich es für angebracht, die Parteistrukturen zu demokratisieren. Ich weiß, jetzt werden einige Menschen mit den Augen rollen, aber ich bin für eine deutliche Erhöhung der Delegiertenzahlen auf Parteitagen. Auch finde ich schriftliche Stimmrechtsübertragungen ganz schlimm und undemokratisch. Ich wünsche mir mehr Partizipation der einfachen Mitglieder, die Technik dafür ist längst vorhanden.

Sehen Sie für Ihre Haltung und Ihre Initiative FDP Liberté eine Zukunft innerhalb des heutigen deutschen Liberalismus?

Mansfeld: Selbstverantwortung ist unbequem. Und es ist immer einfach, die Schuld für eigenes Versagen anderen zuzuweisen. Die Opferrolle ist ungemein attraktiv, weil dem Opfer nicht zuzumuten ist, über seine eigene Schuld zu reflektieren. Der Liberalismus hat es in Deutschland nicht geschafft, in Kongruenz zur christlichen Botschaft zu stehen. Er kommt als kalt daher. Dabei ist es doch geradezu das Zentrum der christlichen Botschaft dem Menschen Hoffnung zu geben. Und zwar so wie ich es verstehe:  Hoffnung, dass er sich zwar auf Solidarität verlassen kann, er aber durchaus in der Lage ist, sich selber zu entfalten und zum Ausdruck zu bringen.

Eine kleine Partei wie die FDP tut im Übrigen gut daran, sich nicht an den Durchschnitt zu wenden. Eine Zukunft hat unsere Initiative dann, wenn sie erfolgreich ist. Bisher waren wir das und ich denke wir werden es auch bleiben. Die politische Partizipation wird mit Sicherheit verstärkt via Internet stattfinden. Ein Medium in dem unsere Initiative beheimatet ist. Bleiben wir erfolgreich, das heißt: haben wir Traffic auf unserer Seite und steigen unsere Fanzahlen, dann werden wir auch innerhalb der FDP ein Rolle spielen.

One Comment »

  1. K.R. 23. März 2014 at 22:40 - Reply

    Ein bisschen infantilen Wirbel im Internet machen und ansonsten seichtes Gelabere. Man kann den Antworten des „Kommunikationsberaters“ nicht entnehmen, wohin es mit der FDP gehen soll. Dass die FDP zu einer reinen Klientelpartei verkommen ist, sei nur ein Wahrnehmungsfehler der Wähler. Aha! Und wenn man dem Lobbyismus abschwören und wieder Bürgerrechtspartei sein will, dann wäre es doch eine Aufgabe, sich für eine plebiszitäre Demokratie einzusetzen, Herr Mansfeld! Vorbild Schweiz! Übrigens: Die FDP hat nicht das Alleinvertretungsrecht für den Liberalismus in Deutschland. Da gibt es doch noch eine andere Partei mit der Farbe blau. Die haben Sie in ihrer Grafik vergessen!

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