Islamophile Studie voll methodischer Mängel

10. Februar 2014 1

Rezension zu Detlef Pollack: Grenzen der Toleranz. Wahrnehmung und Akzeptanz religiöser Vielfalt in Europa

Gehört der Islam zu Deutschland? Oder nur die Muslime? - Bild: Gerd Altmann  / pixelio.de

Gehört der Islam zu Deutschland? Oder nur die Muslime? – Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Unter dem Titel Grenzen der Toleranz ist im Januar 2014 eine europaweite Studie zur Religionsvielfalt in Buchform erschienen, deren zentrales Ergebnis islamophilen Gutmenschen das Wort redet: Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack und sein Team kommen zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Deutschen relativ abwertend gegenüber Muslimen eingestellt sei und dass solchen „Vorurteilen“ am besten durch persönliche Kontakte zu Muslimen vorgebeugt werden könne. Bereits lange vor der Veröffentlichung dieses Buches ist diese Studie in Politik und Medien auf breite Beachtung gestoßen. Dieses verwundert nicht, angesichts der Steilvorlagen, welche der sehr medienzugewandte Pollack unserer politisch korrekten Elite zur islamophilen Umerziehung der Bevölkerung liefert.

Anspruch dieses neuen Buches ist „eine ausführliche und differenzierte religionssoziologische Auswertung des Zahlenwerks“ und vertiefende Analysen darüber, „wie Menschen in Europa Muslime, Juden, Buddhisten, Hindus und Atheisten wahrnehmen und individuellen und gesellschaftlichen Faktoren ihre Bereitschaft zur religiösen Toleranz beeinflussen.“ Pollack und sein Team gehen der Frage nach, unter welchen Bedingungen die Menschen in ausgewählten westeuropäischen Ländern religiöse Vielfalt in ihrem Land akzeptieren oder ablehnen, wobei der Schwerpunkt auf Deutschland und dessen Haltung zu Muslimen liegt.

Der veröffentlichende Verlag Springer VS ist bereits vor wenigen Monaten durch ein peinlich-islamophiles Werk der Islamwissenschaftler Rauf Ceylan und Michael Kiefer aufgefallen (CT-Rezension). Das Werk von Pollack und Team ist noch weitaus gefährlicher, zumal die lslamophilie darin noch deutlich perfider daherkommt. Wissenschaftlich wenig versierte Leser dürften kaum durchschauen, wie diese Studie bereits in ihrer empirischen Herangehensweise grundlegende Begriffe durcheinanderbringt. Insbesondere zwischen den Begriffen „Islam“ und „Muslime“ ist bei der Befragung der Probanden nicht hinreichend differenziert worden. Diese fatale Schwäche zieht sich wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk.

Eines von vielen Beispielen hierfür ist die Tabelle „Indikatoren zum Modell von Toleranz“. Zur Messung der Toleranz gegenüber Muslimen wurden vier Einstellungsformen postuliert: Ablehnung, Duldung, Respekt, Akzeptanz. Entsprechend wurden alle Items auf einer vierstufigen Zustimmungs-Skala gemessen und als metrische Variablen verstanden. Die Einstufung als „Ablehnung“ wurde zum Beispiel dann vorgenommen, wenn ein Proband folgender Aussage zustimmte: „Die Ausübung des islamischen Glaubens in Deutschland muss stark eingeschränkt werden.“ Die Einstufung als „Respekt“ erfolgte beispielsweise dann, wenn ein Proband Folgendem zustimmte: „Mädchen sollten in der Schule ein Kopftuch tragen dürfen, wenn es ein Teil ihrer religiösen Tradition ist.“ Die Einstufung der „Akzeptanz“ wurde etwa unterstellt bei Zustimmung zu folgender Aussage: „Der Islam passt durchaus in unsere westliche Welt.“

Was hieran so ungeheuer unseriös ist, lässt sich wie folgt erklären: Bekanntlich handelt es sich bei der „Religion“ des Islam mitunter um eine politische Ideologie mit gefährlichen Elementen von Menschenverachtung und -unterdrückung. Progressive Islamkritiker – zu denen der Rezensent sich zählt – sehen in den Muslimen (also in den gläubigen Menschen) die bemitleidenswertesten Opfer des Islams (also der Ideologie). Akzeptanz gegenüber Muslimen bedeutet folglich, Muslime in ihren universellen Menschenrechten anzuerkennen und sie von jenem Islam zu befreien, welcher sie in der Ausübung dieser Rechte behindert. Dieses geht nur über die Einsicht, dass der Islam nicht (!) in unsere westliche Welt passt. Mit anderen Worten: Je mehr ein westlicher Bürger den Islam als „Teil der westlichen Welt“ akzeptiert, desto stärker behindert er die hier lebenden Muslime daran, ihre religiösen Fesseln abzulegen und sich frei zu entfalten. Akzeptanz von Muslimen als Menschen (mit allen Menschenrechten) kann daher schwerlich mit Akzeptanz des Islam einhergehen.

Wie bereits erwähnt, wurde die Zustimmung zur Aussage „Mädchen sollten in der Schule ein Kopftuch tragen dürfen, wenn es ein Teil ihrer religiösen Tradition ist“, als „Respekt“ eingestuft. In Wahrheit ist es gegenüber den jungen Musliminnen als Menschen (!) jedoch ungeheuer respektlos, wenn das Kopftuch als Symbol religiöser Unterdrückung nicht radikal aus den Schulen verbannt wird. Pollack und sein Team schlagen engagierten türkischstämmigen Menschenrechtlerinnen wie Serap Cileli mitten ins Gesicht, welche seit vielen Jahren auf die Unvereinbarkeit zwischen Frauenrechten und Islam (einschließlich des Kopftuchs) hinweisen (z. B. in Die Welt).

Pollacks Team suggeriert, wir Deutschen seien „gegen Muslime“ eingestellt, während sich unsere Vorbehalte in Wahrheit gegen den „Islam“ als Ideologie richten und eben nicht (!) automatisch gegen die Menschen.

Von den insgesamt fünf Autoren des Buches sticht vor allem der wissenschaftliche Mitarbeiter Alexander Yendell mit peinlicher begrifflicher Schwammigkeit negativ hervor. Die von Yendell verfassten Teile fallen besonders stark durch die besagte Vermengung der Begriffe „Islam“ und „Muslime“ auf. Zudem beginnt er das vierte Kapitel mit der Thematisierung der „Ablehnung von Fremden“. Wird hierbei mit grober Absicht der Eindruck erweckt, dass Islamkritik automatisch auch Fremdenfeindlichkeit bedeutet?

Pollacks neue Studie ist ein Paradebeispiel dafür, wie Wissenschaft wahrlich nicht sein sollte. Vier der fünf Autoren, Pollack eingeschlossen, sind übrigens an der Universität Münster tätig. Diese Hochschule hat zurzeit mit gefährlichen Islamisierungstendenzen zu kämpfen. Haben diese sich möglicherweise jetzt schon in der vorliegenden Studie niedergeschlagen?

Detlef Pollack (u.a.) (2014): Grenzen der Toleranz. Wahrnehmung und Akzeptanz religiöser Vielfalt in Europa. Wiesbaden: Springer VS, 260 Seiten, 39,99 Euro. Kaufen bei Amazon.

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