„Bitcoin könnte noch mehr verändern als das Internet“

7. Januar 2014 0

CT-Interview mit Aaron Koenig über die dramatischen Kursentwicklungen der digitalen Währung, Schutz vor staatlich legitimiertem Raub und eine wirklich freie Marktwirtschaft

Kursentwicklung des Bitcoins in den letzten sechs Monaten, ermittelt aus aktuellen Handelspreisen und Bitcoin Charts verschiedener Marktplätze und Börsen – Quelle: www.bitcoin.de (Screenshot)

Kursentwicklung des Bitcoins in den letzten sechs Monaten, ermittelt aus aktuellen Handelspreisen und Bitcoin Charts verschiedener Marktplätze und Börsen – Quelle: www.bitcoin.de (Screenshot)

Hunderte, wenn nicht Tausende Formen von alternativen Währungen sind bereits erfunden worden und meist ebenso schnell gescheitert – oder sie fristen ein recht überschaubares Dasein regionaler oder kommunaler Anwendung im tiefsten Bayern. Eine Währung macht jedoch seit Monaten immer wieder von sich reden, und zwar weltweit: der digitale und dezentrale Bitcoin, unabhängig von jeder Zentralbank dieser Erde. Eine Entwicklung, die wohl nicht mehr zu stoppen ist und die sich staatlicher Kontrolle bestmöglich entzieht. So zumindest sieht es Aaron Koenig, Gründer der Bitcoin Exchange Berlin. Felix Strüning befragte ihn für Citizen Times über die Vorteile der Internet-Währung und wo man was dafür kaufen kann.

Herr Koenig, Bitcoins sind derzeit – wieder einmal – in aller Munde. Die Währung hat im Verlauf des Jahres 2013 eine Aufwertung von 6.500 Prozent erfahren. Derzeit kostet ein Bitcoin zwischen 600 und 700 Euro. Wie kam es zu solch dramatischen Entwicklungen?

Aaron Koenig: Der Bitcoin ist als knappes Gut angelegt. So wie es nur eine begrenzte Menge Gold auf diesem Planeten gibt, werden nur 21 Millionen Bitcoins jemals existieren. Zurzeit kommen alle zehn Minuten 25 neue Bitcoins hinzu, so ist es im Bitcoin-Protokoll festgelegt. Das Anwachsen der Geldmenge ist im Unterschied zum staatlichen Scheingeld auf lange Sicht voraussehbar und streng limitiert. Die Nachfrage nach Bitcoins steigt hingegen sehr stark an, weil es immer mehr sinnvolle Anwendungen dafür gibt und immer mehr Menschen ihr Geld in Sicherheit bringen möchten. Insofern ist es nur logisch, dass der Bitcoin-Preis steigt.

Dennoch sieht die Kursentwicklung des Bitcoin so aus, als würde die Internet-Währung gerade massiv überschätzt. Droht damit nicht auch ein Währungsabsturz?

Koenig: Der Bitcoin wird nicht über- sondern in seiner Wirkung von vielen deutlich unterschätzt. Bitcoin hat das Potenzial, die Welt noch viel stärker zu verändern als das Internet. Freie, dezentrale Zahlungssysteme wie Bitcoin machen eine globale Wirtschaft möglich, in der jeder Mensch auf der Welt mit jedem anderen direkt Handel treiben kann, ohne dass zentrale Machthaber dies einschränken könnten. Das bedeutet einen Zuwachs an Freiheit für das Individuum, den man sich bisher kaum vorstellen kann. Die Macht von Regierungen, die Menschen zu unterdrücken und auszurauben, wird dadurch fundamental eingeschränkt. Eine wirklich freie Marktwirtschaft, die von Machthabern nicht mehr zu ihren Gunsten manipuliert und verzerrt werden kann, wird zu einem weltweit steigenden Wohlstand führen.

Ähnlich argumentierten Sie bereits im März 2013, als Sie in einem CT-Artikel Bitcoins als einzigen wirksamen Schutz gegen staatliche Enteignung bezeichneten, so wie sie damals gerade in Zypern stattfand. Warum ist das so? 

Koenig: Bitcoin-Konten können nicht eingefroren werden. Es gibt keinen zentralen Bitcoin-Server, den man gewaltsam abschalten, keine Bitcoin-Zentrale, die man stürmen und schließen könnte. Das Bitcoin-Netzwerk wurde bewusst so angelegt, dass es unverwundbar ist.

Die Volksrepublik China verbietet seit Dezember letzten Jahres seinen offiziellen Finanzinstituten den Umtausch in die landeseigene Währung Renminbi, was zu deutlichen Kursverlusten des Bitcoin führte. Da stellt sich die Frage, ob Staaten die digitale Währung oder den Handel damit nicht gänzlich verbieten könnten, so wie man in den USA 1933 den privaten Goldbesitz verbot?

Koenig: So ein Verbot wäre ja sehr leicht zu umgehen, denn Bitcoin kann man viel leichter vor gewaltsamen Zugriffen verstecken als Gold. Ich denke aber nicht, dass es in zivilisierten Ländern zu so einem Verbot kommen wird, denn Bitcoin ist eine innovative Technologie mit riesigen Vorteilen, die ein großes Wachstumspotenzial für Unternehmen bietet, was viele neue Arbeitsplätze bedeutet. Kein vernünftiger Politiker kann es sich leisten, so eine Chance für die Wirtschaft zu verderben. Wenn einzelne Staaten den Fehler machen, restriktiv gegen die Bitcoin-Wirtschaft vorzugehen, dann gehen die Firmen eben woanders hin und die Arbeitsplätze entstehen dort.

Angenommen ich vertraue Ihren Aussagen zur Politik. Wie muss ich mir das mit den Bitcoins konkret vorstellen? Wie handhabt man eine rein digitale Währung?

Koenig: Sehr einfach. Jeder Teilnehmer benötigt eine so genannte Wallet, eine kostenlose Software, die man sich auf seinen Computer oder sein Handy laden kann. Insbesondere für den Umgang in der realen Welt, z. B. beim Bezahlen in Geschäften oder Restaurants, sind die mobilen Wallets wichtig. Für die sichere Lagerung größerer Mengen empfiehlt es sich hingegen, seine Bitcoins – oder genauer die geheimen Schlüssel dazu – auf Papier auszudrucken und sie in analoger Form an einem sicheren Platz zu verwahren, zum Beispiel in einem Tresor. Oder man speichert sie auf einem Computer, der niemals Zugang zum Internet hat. Am besten beides, dann ist man auf der sicheren Seite.

Wo kann ich online oder auch im stationären Handel schon mit Bitcoins bezahlen?

Koenig: Zum Beispiel kann man Essen bei mehr als 25.000 Restaurants über Dienste wie Lieferservice.de oder Takeaway.com bestellen. Oder man mietet sich private Zimmer und Wohnungen über 9flats.com. Oder man bucht Flüge über BTCtrip.com. Jeden Tag kommen neue Einkaufsmöglichkeiten für Bitcoin-Nutzer hinzu. Allein der Zahlungs-Anbieter Bitpay hat innerhalb eines Jahres die Zahl der von ihm betreuten Online-Shops von 1.000 auf 12.000 steigern können, die Gesamtzahl dürfte also um ein Vielfaches höher liegen.

Am 18. Januar werden Sie bereits zum siebten Mal die Bitcoin Exchange Berlin (BXB) durchführen. Wenn es doch eine digitale Währung ist – warum trifft man sich dann vor Ort?

Koenig: Die einfachste und sicherste Weise, Bitcoins zu erwerben, ist von Person zu Person gegen Bargeld. Ich empfehle, im normalen Alltag dafür die Plattform Localbitcoins.com zu nutzen, auf der viele tausend Bitcoin-Händler überall auf der Welt aufgelistet sind. Der Vorteil einer festen Veranstaltung ist, dass man sich nicht extra mit einem Händler verabreden muss, dadurch wird die Einstiegsschwelle für Neulinge noch niedriger. Die BXB ist aber mehr als nur als eine Börse, wir haben zum Beispiel stets Gäste da, die interessante Vorträge halten. Beim nächsten Mal ist es Margaux Avedisian aus New York, die die Bitcoin-Börse Tradehill mit aufgebaut hat und jetzt für Bitcoin Capital Partners im großen Stil mit Bitcoins handelt.

Weiterer Linktipp: Die Webseite Coinmap.org bietet einen Überblick, in welchen Geschäften und Restaurants man mit Bitcoin bezahlen kann.

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