16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund

18. Dezember 2013 2

Statistisches Bundesamt zum Internationalen Tag der Migranten: Zuwanderung hat in der Bundesrepublik Deutschland eine lange Tradition

Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland 2012 - Bild: statista

Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland 2012 – Bild: statista

Im Jahr 2012 lebten in Deutschland 16,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Internationalen Tag der Migranten (Vereinte Nationen) am 18. Dezember 2013 weiter mitteilt, sind 10,9 Millionen von ihnen selbst nach 1949 aus dem Ausland zugewandert, weitere 5,4 Millionen wurden als deren Kinder in Deutschland geboren. Vergleichbare Daten zu Menschen mit Migrationshintergrund liegen seit 2005 vor; seither stiegt deren Zahl um 1,3 Millionen oder 8,5 Prozent an. Zu den Menschen mit Migrationshintergrund zählen

alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil.“

Insgesamt sind 190 Staaten der Welt in Deutschland vertreten. Dennoch wird die Zuwanderung vorrangig durch Europa geprägt: 70,6 Prozent der Migranten und deren direkte Nachkommen haben ihre Wurzeln in einem europäischen Land, vor allem in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union (31,6 %). Hierbei ist jedoch zu beachten, dass das Statistische Bundesamt die Türkei zu Europa zählt, obwohl der überwiegende Teil der Landmasse zu Asien gehört und die Türkei als islamisch geprägtes Land auch nicht dem europäischen Kulturraum zugerechnet werden kann. Tatsächlich stammen aber die meisten Personen mit Migrationshintergrund aus der Türkei (18,3%), gefolgt von Polen (9,4%), der Russischen Föderation (7,4%) und Italien (4,6%).

Außereuropäische Zuwanderer kommen vornehmlich aus dem asiatischen Raum (15,7 %), gefolgt von Afrika (3,5 %) und Amerika (2,5 %). Die Bedeutung von Australien und Ozeanien ist dagegen gering (0,2 %). Insgesamt 7,4 % der Menschen mit Migrationshintergrund lassen sich nicht eindeutig nach Herkunftsländern zuordnen, zum Beispiel weil sie als Deutsche mit beidseitigem Migrationshintergrund Eltern aus unterschiedlichen Herkunftsländern haben.

Insgesamt zwei Drittel zählen zur Bevölkerung mit eigener Migrationserfahrung (10,9 Mio.). Von allen Personen mit Migrationshintergrund sind weniger als die Hälfte, nämlich 7,4 Mio. oder 9 Prozent der Bevölkerung Ausländer. Personen mit Migrationshintergrund sind deutlich jünger als jene ohne Migrationshintergrund (35,5 gegenüber 46,4 Jahre), weitaus häufiger ledig (45,9% gegenüber 38,8%) – die klassische Familie mit Eltern und Kindern kommt bei ihnen aber häufiger vor (56,7% gegenüber 36,6%). Ehepaare ohne Kinder, Alleinerziehende oder alternative Lebensformen sind bei ihnen dagegen erheblich seltener. 15,7 Mio. von ihnen leben im früheren Bundesgebiet und in Berlin (96,3% gegenüber 81,5%), 610.000 in den neuen Ländern ohne Berlin (3,7% gegenüber 18,5%). Bei den unter Fünfjährigen stellen Personen mit Migrationshintergrund inzwischen 35,4 Prozent der Bevölkerung.

Personen mit Migrationshintergrund unterscheiden sich auch weiterhin deutlich hinsichtlich der Bildungsbeteiligung von jenen ohne Migrationshintergrund; 13,9% haben keinen allgemeinen Schulabschluss und 40,1% keinen berufsqualifizierenden Abschluss (Personen ohne Migrationshintergrund: 1,8% bzw. 15,5%), wobei in allen Fällen die sich noch in schulischer und beruflicher Ausbildung Befindenden unberücksichtigt bleiben. Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 65 Jahren sind etwa doppelt so häufig erwerbslos als jene ohne (8,6% gegenüber 4,5% aller Erwerbspersonen) oder gehen ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach, z.B.
einem Minijob (11,3% gegenüber 6,7% aller Erwerbstätigen).

Oft wird die Ankunft der ersten Gastarbeiter ab Ende der 1950er Jahre mit dem Beginn der Einwanderung in Deutschland gleichgesetzt, obwohl es bereits seit 1950 auch einen durchaus bedeutsamen Zuzug von Aussiedlern beziehungsweise Spätaussiedlern gab. Seither wechseln sich Jahre mit höheren und niedrigen Zuwanderungszahlen ab. Auch die Zuwanderungsmotive veränderten sich im Laufe der Zeit: Anfangs war es die Arbeitsmigration der Gastarbeiter, gefolgt von der Familienzusammenführung. In den 1980ern prägten Asylbewerber das Bild, ab 1990 vor allem die Spätaussiedler aus Osteuropa. In den letzten Jahren spielt die europäische Niederlassungsfreiheit eine wichtige Rolle: Sie beeinflusst den Zuzug aus den osteuropäischen und den von der Euro-Krise besonders betroffenen südeuropäischen Mitgliedsländern der EU.

Die Zuwanderung in der Bundesrepublik Deutschland hat damit eine lange Tradition. Dies lässt sich auch gut daran erkennen, dass in den letzten Jahren in Deutschland vor allem der Anteil der zweiten Generation zugenommen hat – die Migranten haben die Elternrolle übernommen. Seit der Jahresmitte 2011 nimmt auch die Zuwanderung wieder deutlich zu. Im Jahr 2012 wanderten erstmals mehr Menschen nach Deutschland ein, als Migranten der zweiten Generation geboren wurden.

Ausführliche Informationen liegen in der destatis-Publikation Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus (Fachserie 1 Reihe 2.2 – 2012) vor.

2 Comments »

  1. Karl 24. April 2014 at 15:45 - Reply

    Die Zahlen sind offensichtlich geschönt.

    Bei all den Manipulationen verspricht man sich dann doch mal.

    Lesen sie was die RP schrieb als es um Türkisch Unterricht ging:

    In Nordrhein-Westfalen leben 4,3 Millionen türkischstämmige Bürger.

    http://www.rp-online.de/nrw/landespolitik/tuerkisch-unterricht-an-allen-gymnasien-aid-1.3613050

    Also alleine in NRW leben mehr als der Staat für ganz D. angibt!

    Bitte recherchieren sie.Fragen sie unsere Politiker wie diese unterschiedlichen Zahlen möglich sind.

  2. Anna 9. Januar 2015 at 11:26 - Reply

    In dem RP Bericht steht „In Nordrhein-Westfalen leben 4,3 Millionen Bürger mit Migrationshintergrund“, d.h. es gibt insgesamt 4,3 Mio Bürger mit Migrationshintergrund in NRW. Allerdings wird im Artikel keine Zahl zu den Bürgern mit türkischem Migrationshintergrund genannt.

Leave A Response »