Europäische Aufklärung nicht verraten!

25. November 2013 4

Rezension zu Bruno Tellia, Berthold Löffler: Deutschland im Werte-Dilemma. Kann der Islam wirklich zu Europa gehören?

Deutschland im Werte-Dilemma - Bild: Ausshcnitt des Buchcovers / Olzog Verlag

Deutschland im Werte-Dilemma – Bild: Ausshcnitt des Buchcovers / Olzog Verlag

Vor einiger Zeit rezensierte ich hier bei Citizen Times das Buch Salafismus von Rauf Ceylan und Michael Kiefer. Ich musste vehement beanstanden, dass die beiden Autoren versuchen den Salafismus fälschlicherweise als „Missbrauch“ des Islams darzustellen und implizit den Eindruck vom Islam als „eigentlich vollkommen friedlicher Religion“ zu erwecken. In Wirklichkeit jedoch kann man den Dschihad direkt aus dem Koran ableiten, ebenso zahlreiche weitere Grausamkeiten, welche diametral entgegengesetzt zu den Werten der europäischen Aufklärung stehen.

Wer ein Buch kritisiert, sollte freilich auch Alternativen anbieten. Bereits in besagter Rezension habe ich auf Hartmut Krauss‘ Werk Der Islam als grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung verwiesen. Ergänzend möchte ich nun ein noch umfangreicheres Buch vorstellen, verfasst vom Soziologieprofessor Bruna Tellia und dem Politologieprofessor Berthold Löffler. Letzterer hatte bereits 2011 die beachtenswerte Monographie  Integration in Deutschland. Zwischen Assimilation und Multikulturalismus veröffentlicht. Das aktuelle, gemeinsam mit Tellia publizierte Werk trägt den spannenden Titel: Deutschland im Werte-Dilemma. Kann der Islam wirklich zu Europa gehören? 

Und der Titel hält, was er verspricht: Denn in diesem Buch geht es tatsächlich um Werte. Nämlich um solche Werte, die Einwanderer und Einheimische unterscheiden: „Wertekonflikte sind Kennzeichen für Einwanderungsgesellschaften“, stellen die Autoren eingangs zutreffend klar. Und weiter: „Das Trennende ist mal größer, mal kleiner, und zwar abhängig davon, wie groß die Kluft zwischen der Kultur des Einwanderungslandes und der Kultur der Einwanderer ist.“ Europäische und islamische Werte aber liegen weit auseinander, so Tellia und Löffler.

Die Autoren beschreiben zunächst den in Deutschland offen ausgetragenen Streit um die „Islamisierungsthese“. Diese sagt bekanntlich voraus, dass Europa im Verlauf des 21. Jahrhunderts mehr und mehr islamisch umgeprägt wird. Tellia und Löffler kritisieren die Versuche politisch korrekter „Gesinnungswächter“, berechtigte Islamkritik als „rechtsextrem“ zu diffamieren. Ohne sich selbst im Streit um diese Islamisierungsthese eindeutig zu positionieren – wie es zum Beispiel Thilo Sarrazin tut –, halten die Autoren folgenden Konflikt für unübersehbar:

„Auf der einen, der europäischen Seite, eine Kultur, die sich mit Selbstzweifel und Identitätskrisen herumplagt, auf der anderen Seite ein Islam, der selbstsicher, ja oft sogar selbstgefällig auftritt und mit aller Macht nach sichtbarer Präsenz im öffentlichen Raum strebt. Das belegen nicht nur die zahlreich aus dem Boden schießenden Moscheen oder das allgegenwärtige Kopftuch. Auch der Kampf um islamischen Speisevorschriften in Schulmensen, um Räume für das islamische Gebet in der Schule oder um islamkonformen Unterricht, um muslimische Frauen in öffentlichen Bädern, kurzum der Kampf um die Durchsetzung islamischer Vorschriften und Regeln im öffentlichen Raum verhelfen dem Islam zu einer nicht zu übersehenden Präsenz.“

Die Autoren schildern, wie in allen europäischen Einwanderungsländern in den vergangenen Jahrzehnten ethnoreligiöse Infrastrukturen und islamische Ökonomien entstanden sind, von immer stärker wachsenden Halal-Branchen bis hin zum Muslim-Taxi, welches den geschlechtergetrennten Personentransport sicherstellen soll. Das Zwischenfazit der Autoren: „Auf welche islamischen Aktivitäten man auch immer stößt, immer geht es um die Etablierung islamischen Eigenlebens und um die faktische Trennung von der Gesamtgesellschaft.“

Doch nicht nur dieses islamische Vorpreschen, auch unser westlicher Kulturrelativismus wird von den Autoren zu Recht kritisiert: „Unbedingte Werte, deren rechtlicher Ausdruck die Gesetze sind, weicht der Kulturrelativismus spielend auf.“ Im Buch wird etwa auf den „Kulturbonus“ eingegangen, wegen dem „Ehrenmörder“ und andere Täter mit fremdem kulturellen Hintergrund häufig Strafmilderung erhielten. „Die deutsche Justiz knickt ein“, klagen Tellia und Löffler und verweisen auf zahlreiche von ihnen recherchierte und verständlich erläuterte Gerichtsurteile.

„Aber es kommt noch schlimmer: Unter den hilflosen Augen von Justiz und Politik haben sich in Deutschland in aller Stille rechtsfreie Räume entwickelt. Dieses Vakuum füllt eine islamische Paralleljustiz. Viele muslimische Einwanderer akzeptieren die Rechtsordnung ihres Aufnahmelandes nicht, sie verachten oder ignorieren sie, sie misstrauen ihr. Stattdessen treten islamische Friedensrichter auf, die jeglichen Form von Streit regeln. Ihr Gesetz sind die Scharia und die Traditionen ihrer islamischen Herkunftsgesellschaften.“

Wie soll mit diesem Wertekonflikt umgegangen werden? Sollen unsere Grundwerte nicht für alle verbindlich sein, für Einheimische und Einwanderer, gleich, aus welchem Kulturkreis sie kommen? Oder ist die europäische Zukunft ein Wertepluralismus, der andere Werte auch dann noch akzeptiert, wenn sie den eigenen unvereinbar gegenüberstehen? Worin genau diese Unvereinbarkeit des Islams mit europäischen Werten besteht, legen die Autoren theoretisch fundiert und zugleich lebensnah veranschaulicht dar.

So habe Individualität im Islam nur einen geringen Stellenwert: „Nicht individuelle Autonomie und Selbstentfaltung sind die obersten Ziele der Persönlichkeitsentwicklung, sondern die Einordnung in Kollektive; in die Familie, die Sippe, den Stamm, die Umma“. Gerade als Großstadt-Pädagoge kann ich die Einschätzung der Autoren bestätigen, dass dieses Verständnis der Rolle des Individuums und seines Verhältnisses zur Gemeinschaft sich auch in der typisch-islamischen Erziehung wiederspiegelt. Tellia und Löffler stellen bezüglich der islamischen Erziehungsziele fest: „Sie weichen von den deutschen und europäischen gravierend ab“.

Wenn die Autoren dem Islam mangelnde Gleichberechtigung vorwerfen, so beziehen sie sich nachvollziehbar auf mehrere Ebenen: „Der Islam kultiviert nämlich einen dreifachen Sinn für Ungleichheit: Die Ungleichheit zwischen den Freien und den Sklaven, zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen und die zwischen Männern und Frauen.“ Vor allem die Diskriminierung von Frauen ist dasjenige, was viele Europäer zu Recht skeptisch auf den Islam blicken lässt: „Sie widerspricht den europäischen Vorstellungen von der Gleichberechtigung der Geschlechter völlig und belastet daher die Beziehungen zum Islam sogar am allermeisten. Denn der Islam lehnt die Rechtsgleichheit von Frauen und Männern ab.“

Zudem kenne der Islam keine Trennung von Staat und Religion, wie sie für Europas Demokratien essentiell ist: „Der innere Frieden der konfessionell gemischten Länder Europas beruht seit fast fünfhundert Jahren auf eben diesem Prinzip der Trennung von Staat und Religion“. Ein Bruch mit diesem Konsens käme einer Katastrophe gleich und würde die Errungenschaften von Aufklärung und europäischer Moderne in kürzester Zeit zunichtemachen. Die Autoren werden – zum Glück! – nicht müde zu betonen, worin diese Errungenschaften im Einzelnen liegen: Demokratie und Volkssouveränität, Freiheit des Individuums, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Gleichheit, Pluralismus, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit.

Dem widerspreche die traditionelle islamische Auffassung über das Verhältnis von Staat und Religion, so die beiden Professoren: „Der Idealfall ist nach orthodoxem Verständnis die weitgehende Deckung der Religionsgesetze mit den allgemeinen Gesetzen des Staates. Den Säkuralismus westlicher Gesellschaftsordnungen setzt der Mainstream-Islam mit Gottlosigkeit, Irrglauben und Dekadenz gleich.“ Die individuellen Freiheiten, besonders die Gewissens- und Religionsfreiheit seien für die islamischen Verbände subversive Mittel, mit denen der Westen versuche, die wahre Religion zu zersetzen:

„Im islamischen Staat müssen Muslime die Regierungsgewalt ausüben. Keinesfalls dürfen Nichtmuslime über Muslime regieren. Nichtmuslime haben nicht die gleichen Rechte wie Muslime. In einem solchen Staat dürfen Nichtmuslime, wenn überhaupt, nur beschränkt staatliche Ämter bekleiden. Da im Islam Staat und Religion untrennbar miteinander verbunden sind, hat das auch Konsequenzen für das Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen. Grundrechte und individuelle Freiheitsrechte, die im Westen verfassungsrechtlich verankert sind, sind nur so lange garantiert, wie die Muslime in der Minderheit sind und der Islam daran gehindert wird, seine politischen Ansprüche zu verwirklichen.“

Solche Kernaussagen sind für uns Islamkritiker nicht unbedingt neu. Auch der Kölner Kardinal Meisner ist etwa für seine folgende Formel bekannt: „Der Islam ist nur tolerant, so lange er in der Minderheit ist.“ Dennoch lohnt sich die Lektüre des beachtlichen Werkes von Tellia und Löffler aufgrund der umfassenden theoretischen Fundierung und lebensnahen Anbindung, mit welcher die Kernaussagen auf 270 Buchseiten belastungsfest untermauert werden.

Als Linksliberaler habe ich jedoch auch einen Kritikpunkt zu äußern: So überzeugt mich keineswegs, mit welcher Entschlossenheit die Autoren auf das Wiedererstarken christlicher Werte zur Eindämmung des Islams setzen. Denn das, was wir heutzutage gegen den Islam verteidigen müssen, z.B. die Rechte von Frauen, Schwulen und Atheisten, haben unsere Vorfahren in jahrhundertelangen Auseinandersetzungen zunächst mühsam gegen das Christentum erkämpfen müssen.

Bruno Tellia, Berthold Löffler: Deutschland im Werte-Dilemma. Kann der Islam wirklich zu Europa gehören? München: Olzog Verlag, 270 Seiten, 27,90 Euro. Kaufen bei Amazon.

Mehr Literatur zum Thema Islam, Islamismus und der Integration von Muslimen in Deutschland gibt es im Forschungs- und Dokumentationsprojekt www.islamdebatte.de der Stresemann Stiftung:

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4 Comments »

  1. K.R. 28. November 2013 at 02:08 - Reply

    Das ist alles nicht neu, wie Sie ja auch sagen, Daniel Krause. Aber muss man denn Islamkritiker sein, um diese Zusammenhänge zu erkennen? Die Ignoranz unserer Politiker ist einfach unerträglich. Die gerade bekannt gewordenen Koalitionsvereinbarungen der „GroKo“ (Großes Kotzen!) beschleunigen die Entwicklung
    noch. Die C-Parteien haben die letzten Bastionen geräumt. Von der Kirchen kann man nichts zu erwarten. Heute hat Papst Franziskus „in Demut“ (sic!) um Religionsfreiheit in den arabischen Länder gebeten. Ein Wiedererstarken christlicher Werte als Gegenmittel, was man ja nicht mit der Aufgabe der erkämpften Rechte gleichsetzen muß (sagen das die Autoren etwa?), wird es nicht geben. Düster, düster, düster…

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