Auf dem islamophilen Irrweg

17. November 2013 3

Rezension zu Rauf Ceylan, Michael Kiefer: Salafismus. Fundamentalistische Strömungen und Radikalisierungsprävention

Wie viel Gewalt steckt im Islam? - Bild: Gerd Altmann  / pixelio.de

Wie viel Gewalt steckt im Islam? – Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Der Salafismus ist eine der gefährlichsten und zugleich die am stärksten anwachsende Form von politischem Extremismus in Deutschland. Hierin ist sich der Bundesverfassungsschutz vollkommen einig mit den Verfassungsschutzbehörden sämtlicher Bundesländer. Die Größe dieser radikalen islamischen Bewegung wird laut Bundesamtsbericht zum Jahr 2012 auf 3.800 Anhänger beziffert, die Anzahl verdoppelt sich von Jahr zu Jahr. Ein simples Weltbild von „gut“ gegen „böse“, verbunden mit dem Heilsversprechen vom Paradies, zieht immer mehr junge Menschen in den Bann, welche das Grundgesetz gewaltsam durch die Scharia ersetzen wollen. Der Salafismus ist der Faschismus des 21. Jahrhunderts, mehr noch als der Rechtsextremismus.

Dennoch werden in unseren Schulen die Kinder und Jugendlichen nach wie vor in erster Linie zum „Kampf gegen rechts“ getrimmt. Der fortbestehende deutsche „Schuldkult“, der einen frevelhaften Kulturrelativismus nach sich zieht, droht geradezu absurde Blüten zu treiben. Sicher ist der „Kampf gegen rechts“ an sich nichts Falsches. Dennoch ist es höchst hinterfragungswürdig, was einige Entscheidungsträger in hohen Positionen für Prioritäten setzen. Der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Arnsberg, Gerd Bollermann (SPD), befürwortete es sogar in einer Pressemitteilung ausdrücklich, wenn Schüler und Lehrer während der Unterrichtszeit die Schule verlassen und stattdessen gegen die islamkritische Partei Pro NRW protestieren und anschließend eine Moschee besuchen. Hat Bollermann jemals auch nur annährend so viel Engagement gegen den Salafismus wie gegen den Rechtsextremismus gezeigt?

Die Osnabrücker Islamwissenschaftler Rauf Ceylan und Michael Kiefer beklagen zu Recht, dass viele Lehrer mit dem Thema Salafismus bis heute überfordert sind. Das drückt sich möglicherweise darin aus, dass Pädagogen dieses Thema verharmlosen oder ignorieren. Auch Unterrichtsmaterialien, z.B. Schulbücher, sind überwiegend auf den „Kampf gegen rechts“ statt auf die viel größere, vom Salafismus ausgehende Gefahr ausgerichtet. Das 180 Seiten umfassende Buch der beiden Osnabrücker Forscher möchte diesem Missstand entgegenwirken und besteht aus fünf Teilen:

Im ersten Teil werden die Entstehung des Islams und seine Entwicklung zur Weltreligion dargestellt. Schon hier zeigt sich die allzu islamophile Perspektive der beiden Autoren: Der Fundamentalismus innerhalb dieser Religion wird als „Produkt der Moderne“ verharmlost. Hiermit wird linksverblendeten „Antifaschisten“ das Wort geredet, welche den radikalen Islamismus als zwangsläufige Folge des bösen Kapitalismus und des Imperialismus ansehen. Beide Autoren scheuen sich einzugestehen, dass grausame Gewaltexzesse wie der Dschihad samt Holocaust an Ungläubigen direkt (!) aus dem Koran abgeleitet werden können.

Der zweite Teil behandelt die koloniale und postkoloniale Phase. Wir erfahren von den muslimischen Reformern des 19. Jahrhunderts, welche den Islam mit der Moderne zu vereinen versuchten. Und schon wieder zeigt sich der islamophile Irrweg beider Autoren, wenn sie schreiben: „Außenpolitische Entwicklungen wie innenpolitische Spannungen infolge von Misswirtschaft, absoluter Armut sowie Demokratiedefiziten bildeten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Nährboden für religiös-politische Gruppen, die viel stärker auf den islamischen Staat als Lösung für alle Probleme hinarbeiteten“. Mit solchen Passagen wird die Schuld einmal mehr den „äußeren“ Umständen zugesprochen. Angemessen wäre jedoch, auch klar auf die vielen totalitären und somit anti-demokratischen Aspekte innerhalb des Korans hinzuweisen.

Der dritte Teil gibt einen Überblick zum salafistischen Milieu, der vierte Teil setzt sich mit Strategien der Radikalisierungsprävention auseinander. Der fünfte Teil gibt Handlungsempfehlungen, differenziert nach Handlungsfeldern wie Gemeinden, Kinder- und Jugendhilfe, politische Bildung, Schule und Universität.

In seiner Rezension für den Humanistischen Pressedienst (hpd) zu dem Buch kritisiert Armin Pfahl-Traughber zu Recht, dass der gesamte Band recht „fragmentarisch“ daherkommt: „Mitunter hat man den Eindruck, einzelne Textteile aus anderen Kontexten seien zu dem Band zusammengestellt worden. So interessant etwa die beiden ideenhistorisch ausgerichteten Kapitel sind, so fehlt es ihnen doch an problemorientierter Anbindung an das eigentliche Thema.“ Ich schließe mich dieser Kritik Pfahl-Traughbers an. Doch die wichtigeren Kritikpunkte liegen ganz woanders. Nämlich an solchen Stellen, zu denen der allzu islamophile Humanistische Pressedienst typischerweise schweigt.

Bezüglich der Präventionsorientierung bewegen sich Ceylan und Kiefer opportunistisch im politisch-korrekten Mainstream. Sie bleiben ganz der Linie eines ihrer wichtigsten Geldgeber, der Landesregierung, treu. So betonen sie in ihrem Buch beispielsweise immer wieder die Bedeutung des muslimischen Religionsunterrichts für die Präventionsarbeit und beginnen gar zu schwärmen: Im Kampf gegen die Radikalisierung junger Muslime „wird in Zukunft der islamische Religionsunterricht der wichtigste schulische Lernort sein“. Und genau hierbei werden die Länder NRW und Niedersachsen von den Autoren gar als Vorreiter gelobt, insbesondere an der Lehrerausbildung der Universität Münster solle man sich in anderen Regionen Deutschlands orientieren.

Die Wahrheit ist jedoch: Die Ausgestaltung des islamischen Religionsunterrichts in NRW, ähnlich auch in Niedersachsen, stärkt ausgerechnet die radikalen Strömungen innerhalb der deutschen Muslime. Höchst fragwürdige Verbände wie der sogenannte Zentralrat der Muslime oder auch die DİTİB werden vom deutschen Staat dadurch aufgewertet, dass man sie über Lehrplaninhalte und über Lehrerlaubnisse entscheiden lässt. Die liberaleren unter den muslimischen Verbänden in Deutschland bleiben von der Landesregierung hingegen vernachlässigt und die machtgeile Erpressungstaktik von Mazyek & Co macht der Universität Münster schon seit Jahren zu schaffen. Dass von solchen Kreisen eher eine Radikalisierung der deutschen Muslime statt eine wirksame Präventionsarbeit zu erwarten ist, habe ich erst kürzlich hier bei Citizen Times dargelegt.

Lehrern und sonstigen Pädagogen, die sich in die Problematik des Salafismus einarbeiten wollen, sollten um Ceylan und Kiefer eher einen großen Bogen machen. Ich empfehle stattdessen das Buch von Hartmut Krauss Der Islam als grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung (vgl. CT-Interview Teil eins und Teil zwei). Denn der verfassungsfeindliche Salafismus ist keineswegs, wie Ceylan und Kiefer behaupten, ein „Missbrauch“ des Korans, sondern letztlich die konsequente Auslegung dieser heiligen Schrift als normative politische Handlungsgrundlage. Eine Distanzierung von den grund- und menschenrechtswidrigen Teilinhalten des Korans muss am Anfang jeder Präventionsarbeit stehen und zu einer solchen Distanzierung trägt der islamische Religionsunterricht in seiner gegenwärtigen Ausgestaltung keineswegs bei, eher im Gegenteil.

Ceylan und Kiefer haben Recht, wenn sie die Unwissenheit vieler Lehrer zum Salafismus und zum Islam insgesamt beklagen. Vorzuwerfen ist beiden, dass sie diese Unwissenheit der Pädagogen zur islamophilen Irreführung ausnutzen, anstatt konstruktiv aufzuklären.

Rauf Ceylan, Michael Kiefer (2013): Salafismus. Fundamentalistische Strömungen und Radikalisierungsprävention. Wiesbaden: Springer VS Verlag, 180 Seiten, 19,99 Euro. Kaufen bei Amazon.

Im Forschungs- und Dokumentationsprojekt www.islamdebatte.de der Stresemann Stiftung finden Sie zahlreiche Bücher und Studien zu Islam, Islamismus und die Integration von Muslimen in Deutschland:

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3 Comments »

  1. Herr Richter 17. November 2013 at 22:56 - Reply

    Man kann nur allen Leuten davon abraten, dieses islamophile Buch von Ceylan und Kiefer zu kaufen! Dann lieber das im Text empfohlene Buch von Hartmut Krauss: http://gegenislam.wordpress.com/2013/07/07/prazise-analyse-zu-islamfragen-rezensionen-zu-hartmut-krauss/

  2. Pro Veritas 18. November 2013 at 02:10 - Reply

    Wes Geistes Kind die Islamwissenschaftler Kiefer und Ceylan in Wahrheit sind, offenbaren Äußerungen, die beide kürzlich angesichts eines rechtskräftigen Urteils des Bundesverwaltungsgerichts zur Teilnahme muslimischer Mädchen am Schwimmunterricht gemacht haben. (Im September 2013 urteilte das BVG Leipzig, dass muslimische Mädchen dem Schwimmunterricht nicht fernbleiben dürfen, eine Teilnahme in einem Ganzkörperbadeanzug/Burkini sei zumutbar – Az.: 6 C 25.12) So betonte Kiefer lt. NOZ vom 12.11.2013, S. 12, dass die Teilnahme am Schwimmunterricht „keine Frage (sei), die Richter entscheiden müssten. Er schlägt Mädchengruppen für den Schwimmunterricht vor.“:Und Ceylan wird im gleichen Artikel wie folgt zitiert: „ Dieses Verbot ist der falsche Weg. Es ist nicht gut, gass Richter über so eine sensible Frage entscheiden.“
    Beide Islamwissenschaftler sind zwar auf einem gut dotierten Posten an der Universität Osnabrück, aber nicht in der kulturellen Moderne angekommen!

  3. Christian Adrion 18. November 2013 at 15:26 - Reply

    Wer den Koran gelesen hat, weiß dass so etwas nicht in Kinderhände gehört. Ich würde meinen Kindern diese fragwürdige Lektüre unbedingt verbieten.

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