Mahmud Abbas als „Friedensstifter“?

21. Oktober 2013 7

In Mönchengladbach wurde Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas gefeiert – obwohl er eine Anerkennung Israels als jüdischen Staat weiterhin ablehnt

V.l.n.r.: damaliger israelischer Premierminister Ehud Olmert, damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice und Palästinenser-Chef  Mahmud Abbas (2007) - Bild: gemeinfrei

V.l.n.r.: damaliger israelischer Premierminister Ehud Olmert, damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice und Palästinenser-Chef Mahmud Abbas (2007) – Bild: gemeinfrei

Der Initiativkreis Mönchengladbach, ein Zusammenschluss von zurzeit 30 Vertretern aus der Wirtschaftsregion Mönchengladbach, feiert 2013 seinen zehnten Geburtstag. In den letzten Jahren hat dieser Initiativkreis dadurch Bekanntschaft erlangt, international renommierte Persönlichkeiten, beispielsweise Nobelpreisträger, von einem Besuch in Mönchengladbach überzeugen zu können. Und zum Zehnjährigen wurde nun Palästinenser-Chef Mahmud Abbas eingeladen, der sich gerade auf Europa-Reise befindet.

Warum aber Abbas? Man rätselt und bekommt keine Antwort auf die Frage, warum der Initiativkreis ausgerechnet einen Palästinenser-Chef eingeladen hat, der sich mit dem Vorwort zu einem auf seiner Dissertation basierenden Buch den Ruf eines Holocaust-Leugners erworben hat und dessen Rolle bei der Finanzierung des Olympia-Attentates 1972 in München, bei dem elf israelische Sportler und ein bayerischer Polizist durch palästinensische Terroristen ermordet wurden, nie wirklich geklärt wurde. Aber für Mönchengladbach ist der Besuch eines Palästinenser-Führers ein großes Ereignis, fast einem Staatsbesuch gleichkommend. Also fanden sich am Samstagabend neben Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) samt Lebensgefährtin auch viele andere hochrangige Persönlichkeiten der Stadt unter den 700 geladenen Gästen in der ehrwürdigen Kaiser-Friedrich-Halle ein, um Abbas Vortrag zum Thema „Chances of Peace in the Middle East“ zu lauschen.

Am Eingang bekam jeder Besucher eine Anstecknadel mit einer deutschen wie auch einer palästinensischen Flagge. Obwohl die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen nicht-öffentlicher Art war, waren außer Taschen-Kontrollen und Polizei-Präsenz überraschend wenige Sicherheitsmaßnahmen zu erkennen. Was wohl darin begründet ist, dass die Palästinenser die einzigen Menschen auf diesem Planeten sind, die von Linksextremen, Nazis und von den Vertretern des radikalen Islams gleichermaßen geschätzt werden. Und die deutschen Freunde des Staates Israel sind nicht für Gewalt bekannt – somit musste man keinerlei Sorgen vor unfriedlichen Gästen haben. Ein wenig Information gab es auf dem Weg in den Saal, wo fünf große Landkarten verdeutlichen sollten, wie das einstige „Palästina“ im Laufe der Jahre auf den Gaza-Streifen und die Westbank geschrumpft sei. Wer nicht wusste, dass der Begriff „Palästina“ nur die Region bezeichnet und derlei Karten nichts über die Verteilung jüdischer und muslimischer Palästinenser aussagen, der konnte an dieser Stelle Mitgefühl empfinden. Wer es wusste, tat die Karten als dieselbe Propaganda ab, die man seit Jahren von Muslim-Brüdern, Salafisten und Nazis kennt.

Keine Anerkennung Israels als jüdischer Staat

Nach einer gelungenen musikalischen Einlage eines palästinensischen Trios zu Beginn der Veranstaltung, wurde Abbas unter großem Beifall von Ralf Königs, dem Schirmherr des Initiativkreises, als „Friedensstifter“ und „unermüdlicher Kämpfer für den Frieden“ begrüßt und vorgestellt. Und obwohl auch als Chef der Fatah vorgestellt, sprach Abbas in seinem Vortrag immer nur von der PLO, dem terroristischen Vorläufer der Fatah. Danach konnte Abbas im Sessel Platz nehmen, um sich von dem langjährigen ARD-Korrespondenten Werner Sonne interviewen zu lassen. Dessen Fragen waren anfänglich kritischer als erwartet, offensichtlich wollte er sich nicht dem Vorwurf aussetzen, einem umstrittenen Palästinenser-Führer eine Plattform für dessen Propaganda zu geben. Abbas versuchte sich mit Charme herauszureden; er wandte sich ans Publikum und bat dieses darum, vor den vielen Fragen „gerettet“ zu werden.

Sonne bohrte trotzdem weiter nach, ganz besonders bei der Frage, ob Abbas bereit sei, Israel als jüdischen Staat anzuerkennen. Abbas schwamm, eierte herum, verwies darauf, auch der damalige US-Präsident Harry S. Truman hätte Israel 1948 als Staat, nicht jedoch als jüdischen Staat anerkannt. Als ihm ein Mitarbeiter schnell ein Blatt Papier reichte, das nach seinem Bekunden eine Kopie von Trumans Schreiben von 1948 gewesen sein sollte, hatte er die Lacher im Saal auf seiner Seite. Die Nachdenklichen im Publikum aber nahmen zur Kenntnis, dass Abbas auch weiterhin nicht bereit ist, Israel als jüdischen Staat anzuerkennen. Denn im Gegensatz zu den Palästinensern hat Truman auch nie davon gesprochen, Israel zu zerstören oder Juden ins Meer zu werfen – womit es 1948 auch ohne jeden Belang war, ob er Israel als Staat oder als jüdischen Staat anerkennt.

Abbas Botschaften waren einfach: Palästinenser wollen und suchen Frieden, mit Olmert hätte man Frieden machen können, aber Netanjahu will keinen Frieden. Immer wieder benutzte Abbas die Begriffe „Frieden“ und „Gerechtigkeit“ – Vokabeln, auf die Deutsche bekanntlich sehr empfänglich reagieren. Verstörend wurde es, als Abbas Sonnes Frage danach, wie denn ein Staat mit zwei getrennten Territorien funktionieren solle, mit der Aussage beantwortete: „Ich sage nicht, warum die Palästinenser getrennt sind. Aber Sie kennen den Grund dafür.“ An dieser Stelle hätte Sonne nachhaken müssen, denn die Erklärung dafür ist simpel: Die muslimischen Palästinenser in der Westbank und im Gaza-Streifen sind deshalb voneinander getrennt, weil im israelisch-palästinensischen Krieg von 1948/49, bei dem Israel am Tag seiner Gründung von den arabischen Staaten angegriffen wurde, die ägyptische Armee den Gaza-Streifen und die jordanische die Westbank besetzt hatte. Der historische Verlauf dieses Konflikts jedoch wurde an diesem Abend komplett ausgeblendet, es wurde lediglich die „Nakba“ (Katastrophe) beklagt. Allerdings ohne dem Mönchengladbacher Publikum zu erklären, was mit „Katastrophe“ wirklich gemeint ist: die Staatsgründung Israels.

Kein Terrorismus gegen Israelis, nirgends

Auch der Terrorismus gegen Israelis, der trotz der Friedensverhandlungen in Washington noch immer kein Ende genommen hat, kam nicht zur Sprache – das Wort „Terrorismus“ wurde nicht einmal in den Mund genommen. Es gab nur „Extremismus“, aber damit hatte Abbas nach eigenem Bekunden nichts im Sinn. Hinterfragt wurden seine Aussagen nicht: Als Abbas unter großem Beifall „Ich liebe Frieden“ sagte, verzichtete Sonne darauf, ihn zu fragen, wie er denn zu den bis in die Gegenwart hineinreichenden Terror-Anschlägen seiner Fatah gegen Israelis stehe. Kein Wort zu den jüngsten israelischen Toten, kein Wort dazu, dass erst in diesem Monat ein ehemaliger israelischer Armeeoffizier von mehreren Palästinensern mit Eisenstangen traktiert und totgeschlagen wurde (Israel National News), nichts. Sonnes anfängliche Bemühungen um kritische Fragen ließen spürbar nach; so wurde es dann doch zu einer Propaganda-Plattform für einen umstrittenen Palästinenser-Präsidenten.

Insgesamt zeigte sich Abbas mit den 100 Millionen Euro, die seine „friedenssuchenden“ Palästinenser jedes Jahr vom deutschen Steuerzahler bekommen, recht „zufrieden“. Als Sonne provokant danach fragte, gab es vereinzeltes Lachen im Publikum: Dass die Fatah nach jahrelangem Prassen leere Kassen hat und dass das der tiefere Grund von Abbas Europa-Reise gewesen sein dürfte, ist auch dem Nahost-unkundigen Publikum bekannt. Die direkte Frage danach schien Abbas zu irritieren, der dann aber schnell versicherte, wie „dankbar“ man doch für diese Hilfen sei. Abbas sparte nicht mit freundlichen Worten für die Deutschen – bei leeren Kassen verärgert man keine Geldgeber.

Und die deutschen Gastgeber wollten nett sein zu Mahmud Abbas. Wie man zu jeder internationalen Persönlichkeit nett ist, die den Weg nach Mönchengladbach findet. Also wurde Abbas zum Abschied ein Trikot von Borussia Mönchengladbach überreicht, als er unter großem Beifall den Saal verließ, wurde John Lennons „Imagine“ gespielt. Für all jene, die sich Frieden wünschen und keine Kenntnis von der Historie und Gegenwart dieses Konflikts haben, war es ein gelungener Wohlfühlabend. Und welcher Mensch wünscht sich schon keinen Frieden?

Wer aber nur ein bisschen Kenntnis über diesen Konflikt und seine Realitäten hatte, der blieb verstört zurück und musste mit der Erkenntnis nach Hause gehen, dass Mahmud Abbas auch weiterhin nicht bereit ist, Israel als jüdischen Staat anzuerkennen. Womit der Frieden für Israelis und Palästinenser trotz offizieller Friedensverhandlungen auch weiterhin kaum Chancen haben dürfte.

7 Comments »

  1. Peter 21. Oktober 2013 at 23:27 - Reply

    Und hier die Geschichte Israels
    http://tangsir2569.wordpress.com/2010/11/10/wem-gehort-das-land-israel/

    mit vielen Zitaten von Arabern wie diese hier:
    Der Generalsekretär der Arabischen Liga bemerkte 1951, dass sein Vorgänger Azzam Pasha „den Arabischen Völkern versicherte, dass die Besetzung von Palästinas und Tel Aviv so einfach sei wie ein Spaziergang … und dass die Millionen, welche die Juden für den Landerwerb ausgegeben hätten und in die Entwicklung der Wirtschaft investiert hätten, eine leichte Beute sein würden, denn es würde ein Leichtes sein, die Juden ins Mittelmeer zu werfen.“ /Arutz Sheva_29.02.2004/

    „Unsere Führer sind verantwortlich für die Flucht der Dorfbewohner, weil sie falsche und über­triebene Gerüchte von jüdischen Verbrechen und Greueltaten wie Mord an Frauen und Kindern verbreiteten, um die Araber aufzuhetzen … Die Araber in Palästina wurden so lange in Furcht und Schrecken versetzt, bis sie flohen und ihre Häuser, Hab und Gut dem Feind überließen“ /Jordanische Tageszeitung AL URDUN, 9.4.1953, aus /Fa/

    „seit 1948 fordern wir die Rückkehr der (paläs­tinensischen) Flüchtlinge, obwohl wir es sind, die sie zur Flucht zwangen ..“ /Khaled al-Asm, ehem. syrischer Premierminister, in seinen Memoiren 1973, Haschiwah 4-1993/

    Walid Shoebat, ein früherer PLO Terrorist erkannte, dass er für eine Lüge kämpfte:

    “Wir betrachteten uns selbst als Jordanier bis die Juden nach Jerusalem zurückkehrten. Dann waren wir plötzlich Palästinenser. Sie entfernten den Stern von der jordanischen Flagge und ganz plötzlich hatten wir eine palästinensische Flagge.”

  2. Jürgen Grimm 22. Oktober 2013 at 17:57 - Reply

    Meine Solidarität gilt dem jüdischen Staat Israel. Dem gegenüber will die Fatah, und somit auch Mahmud Abbas den Staat Israel zerstören. Dies wurde vielfach bewiesen: Flugzeugentführungen, Mord an Juden, Attentate in Israel, Morde während der Olympischen Spiele 1972.
    Wie kann dieser Feind Israels in Deutschland geehrt werden? Aber was sage ich da, geehrt werden auch Milli Görüs oder Muslimbrüder für ihre Integrationsleistungen. Was macht da die Ehrung eines Judenhassers?

  3. corpus 22. Oktober 2013 at 23:07 - Reply

    Die Hamas ist der palästinensische Zweig der ägyptischen Muslimbrüder. Ihr Ziel ist die Bekämpfung des Staates Israel und des Zionismus durch den Djihad.

    Dokumentation: Auszüge aus der Charta der Hamas:

    Die Charta Gottes: Plattform der Islamischen Widerstandsbewegung (Hamas)

    http://www.matthiaskuentzel.de/contents/sprache-der-vernichtung

  4. Jürgen Grimm 23. Oktober 2013 at 13:47 - Reply

    Hamas, Al Kaida, Muslimbrüder, Lifemakers und Salafisten führen Krieg in Syrien. Die brutalisierten Kämpfer kommen danach auch nach Deutschland, weil sie hier gut versorgt werden. Aber wo sie schon mal dabei sind den Dschihad mit Gewalt in Syrien zu betreiben, wer kann da ausschließen, dass sie in Deutschland das Gleiche versuchen könnten?

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