Humanistischer Schulratgeber verschont Islam

27. September 2013 4

Rezension zu Rainer Ponitka: Konfessionslos in der Schule. Ein Ratgeber

No Gods - No Masters – Lehrer Daniel Krause ist bekennend konfessionslos

No Gods – No Masters – Lehrer Daniel Krause ist bekennend konfessionslos

Liberale Humanisten treten für Religionsfreiheit ein, sowohl „positive“ wie „negative“. Positive Religionsfreiheit bedeutet: Jeder hat das Recht, seinem Glauben nachzugehen, soweit er die Rechte anderer Menschen nicht beschneidet. Negative Religionsfreiheit bezeichnet hingegen das Recht, keiner (!) Religion angehören zu müssen, ohne aufgrund dieser „Abstinenz“ diskriminiert zu werden. Aspekte positiver und negativer Religionsfreiheiten können miteinander kollidieren und in Deutschland geht das meistens zu Lasten letzterer.

Wie das Recht auf negative Religionsfreiheit in der Bundesrepublik verletzt wird, sehen wir zum Beispiel beim Thema Beschneidung. Das Geschlechtsteil des kleinen muslimischen Jungen wird ein Leben lang gezeichnet sein von diesem religiösen Ritual, ob das Kind dieses will oder nicht. Auch im Zusammenhang mit dem „Feiertagsgesetz“ wird negative Religionsfreiheit verletzt: nämlich als das Recht, sich nicht von einer religiösen Bevölkerungsgruppe vorschreiben lassen zu müssen, an welchen Tagen das Arbeiten, das Einkaufen oder gar das Feiern verboten ist.

Ein Bereich, in welchem die negative Religionsfreiheit ebenfalls, wenn nicht sogar noch viel stärker verletzt wird, ist zweifelsohne das Schulsystem. Ich bin bekanntlich Lehrer, und ebenso bin ich konfessionslos. Bei der Bewerbung um Lehrerstellen habe ich als bekennender Konfessionsloser Nachteile in Kauf genommen. Gerade in Nordrhein-Westfalen existieren zahlreiche Schulen in kirchlicher Trägerschaft, an denen man als konfessionsloser Lehrer grundsätzlich nicht eingestellt wird. Oftmals müssen sogar Schüler eine konfessionelle Zugehörigkeit ausweisen, um eine solche Schule besuchen zu dürfen. Die Bistümer als Schulträger können selbst verbeamtete Lehrer entlassen, wenn diese nicht ihren Moralvorstellungen entsprechen, in Köln haben wir dieses anhand des ehemaligen schwulen Religionslehrers David Berger erlebt, der heute Chefredakteur des Schwulenzeitschrift Männer ist. 1

Über Lehrerausbildung und Lehrbefugnisse von Religionslehrern sogar an staatlichen Schulen entscheidet die Kirche, obwohl die Finanzierung des Personals durch den Steuerzahler, also auch durch uns Konfessionslose, erfolgt. Selbst die kirchlich betriebenen Schulen finanzieren sich gemäß der gewachsenen Strukturen fast ausschließlich aus der öffentlichen Hand. Wir Steuerzahler sind gezwungen, die Verletzung der negativen Religionsfreiheit im Schulsystem mitzufinanzieren. Doch wie sieht eine solche Verletzung elementarer Rechte im Alltag eigentlich aus?

Schüler befürchten schlechtere Noten, wenn sie vom Schulgottesdienst fernbleiben. Zudem müssen sie oft gegen ihren Willen religiöse Symbole an den Zimmern von Klassenwänden ertragen. Und: Es gibt zwar am Halbjahres- oder zumindest am Schuljahressende Schulgottesdienste für christliche Schüler, pikanterweise zunehmend auch für Muslime (CT berichtete), jedoch keine entsprechenden Veranstaltungen für die atheistischen und agnostischen Schüler. Hier fängt Diskriminierung durch Vernachlässigung an.

Der neue Ratgeber Konfessionslos in der Schule, soeben erschienen im linksliberalen Alibri-Verlag, will betroffenen Schülern, Eltern und Lehrern Mut zum Widerstand machen. Herausgeber Rainer Ponitka äußert im Vorwort die Hoffnung, zu einer Sensibilisierung auch der Schulleitungen beizutragen, welche oft aus Unwissenheit oder gar aus bösem Vorsatz die Rechte von uns Konfessionslosen mit Füßen treten.

Um was für Rechte handelt es sich hierbei überhaupt im Einzelnen? Um hierüber aufzuklären, informiert das erste Kapitel des Buches, verfasst vom ehemaligen Verwaltungsrichter Gerhard Czermak, ausgiebig über die Rechtslage im Bund sowie in den Bundesländern. Wichtige Begriffe wie Gewissensfreiheit und Neutralitätsgebot werden erläutert, Religionsfreiheit wird richtigerweise auch in ihrer besagten negativen Bedeutung hervorgehoben. Dass gegen solche Grundrechte von Atheisten und Konfessionslosen in deutschen Schulen eklatant verstoßen wird, führt Czermak auf die Verflechtungen zwischen Bildungspolitik und Großkirchen zurück.

Im zweiten Kapitel von meinem Lehrerkollegen Gerhard Rampp bekommt der Leser handfeste Orientierung für die humanistische Gegenwehr im Schulalltag: Wie setzt man die Abmeldung vom Religionsunterricht durch? Wie reagiert man als Schüler oder Elternteil, wenn religiös motivierte Lehrer auch in anderen Fächern ihre Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität verletzen? Was tun, wenn sich die Schule weigert, das Kruzifix endlich abzuhängen?

Das dritte Kapitel, vom Herausgeber selbst verfasst, beschäftigt sich noch einmal intensivierend mit der fragwürdigen Rechtsform der „staatlichen Bekenntnisschulen“, welche im Buch zu Recht als „Relikt aus vordemokratischen Zeiten“ bezeichnet wird. Das vierte Kapitel besteht aus Erläuterungen Gerhard Czermaks zu ausgewählten Gerichtsentscheidungen, es folgt ein Anhang mit Internetfundstellen und Adressen von Lehrerverbänden.

Mit seinen nur knapp hundert Seiten handelt es sich leider eher um ein Büchlein, statt um ein Buch. Dieses ist vor allem deshalb schade, weil es zum aufgerissenen Thema durchaus genügend weiteren „Stoff“ gibt, welcher leider unberücksichtigt bleibt. Ich denke dabei an all jene Probleme, welcher die zunehmenden Islamisierungstendenzen im deutschen Schulsystem mit sich bringen. Gerade als „Großstadtlehrer“ hätte ich den Umfang dieses Buches in Zusammenhang mit dem Islam durchaus verdoppeln können. Hier nur ein paar Beispiele für Ansatzpunkte:

Neuerdings werden – sogar an Gymnasien – offenbar streng-gläubige muslimische Eltern als „Sittenwächter“ auf Klassenfahrten mitgenommen. Damit soll offenbar überwacht werden, dass sich deutsche Jungen den muslimischen Mädchen nicht zu sehr annähern. Zu Recht beklagen sich deutsche Eltern an den betroffenen Schulen gegen eine solche Überwachung, welche sie verständlicherweise als aufdringlich und anmaßend empfinden. 2

Viele muslimische Eltern melden ihre Kinder scheinbar immer dann „krank“, wenn Schwimmunterricht ansteht. Hiermit soll ebenfalls der vermeintlich „gefährliche“ Sichtkontakt zu freien Oberkörpern von Gleichaltrigen des anderen Geschlechts vermieden werden. Über diese absurden, ja perversen religiösen Wahnvorstellungen habe ich bereits kürzlich hier auf CT berichtet.

Erst kürzlich klagte eine junge Mutter bei mir darüber, dass aus Rücksicht auf die vielen Muslime in der Schule zunehmend auch nicht-muslimische Schüler zunehmend „halalisiert“ werden: Ja, es muss „halal“ (=islamisch erlaubt) sein, alles andere lohnt sich offenbar für die Schulküche nicht mehr. Viele Kinder wollen jedoch verständlicherweise niemals Tiere essen, die auf derart grausame Weise niedergemetzelt wurden, nur weil ein umstrittener Prophet das so wollte.

Muslimische Schülerinnen dürfen zwar Kopftücher im Unterricht tragen, deutsche Jungs aber absolut keine Cappy – selbst dann nicht, wenn der Augenkontakt mit der Lehrkraft (und das sollte maßgeblich sein) durch jene Cappys gewährleistet bleibt. Ist das gerecht?

Laut einer im deutschsprachigen Raum durchgeführten repräsentativen Studie sind muslimische Lehrer zum großen Teil ausgewiesene Feinde (!) unserer Demokratie (taz). Eine muslimische Religionslehrerin hatte im Unterricht sogar gefordert, dass Homosexuelle verbrannt werden müssen. Werden Schulbehörden dem berechtigten Anspruch von Schülern und Eltern gerecht, dass man solche islamofaschistischen Lehrer durch gründliche Vorauswahl rechtzeitig „aussiebt“? Offenbar nicht, wie der Fall eines sala-faschistischen Lehrers im Ruhrgebiet zeigt. 3

Viele nicht-muslimische Schüler fühlen sich zu Recht von aggressiv anmutenden Gebeten gestört, die manche strengen Muslime auf dem Schulhof oder mitten in den Gängen in Arabisch abhalten. Richter haben solche Gebete aufgrund von Beschwerden teils untersagt (CT berichtete). Doch laut Gericht kommt es immer auf den Einzelfall an, so dass hier noch viel Klärungsbedarf zur Rechtslage und zur Durchsetzung der negativen Religionsfreiheit besteht.

Gemäßigt-muslimische Schüler müssen vor der orthodoxen Auslegung ihrer eigenen Religion geschützt werden. Insofern ist es höchst fragwürdig, wenn muslimische Gottesdienste in staatlichen Schulen ausgerechtet von Imamen orthodox-konservativer Verbände abgehalten werden. Für Medienaufruhr sorgte insbesondere ein Gottesdienst des umstrittenen Imams Ahmad Aweimer vom verfassungsbedenklichen Zentralrat der Muslime am Dortmunder Stadtgymnasium. 4 Viele humanistische Kritiker sehen in Aweimer einen ausgewiesenen „Sexisten“, weil er das Tragen von Burkinis als „religiöse Pflicht“ ansieht. 5 „Liberale“ muslimische Kreise sollten dahingehend beraten werden, wie sie ihre „gemäßigt“ erzogenen Kinder in der Schule vor solch ungewollter Beeinflussung bewahren können.

Das Beispiel des Imams Aweimer weist zudem auf mangelnde Sachkunde vieler Schulleitungen hin. Diese Wissenslücke mancher Direktoren hat zum Beispiel Wissenbloggt sehr sensibel aufgegriffen. Selbst wenn Schulleiter es „gut meinen“, laufen sie Gefahr, ausgerechnet an die lobbykräftigen orthodoxen Verbände anstatt an liberalere Alternativen zu gelangen. Hier tut Rat wahrlich Not!

Viele Eltern haben Angst vor pädophilen Übergriffen von Lehrern auf ihre Kinder. Manche Eltern sind diesbezüglich besonders gegenüber muslimischen Lehrern besonders skeptisch. Ich kann mich gut in die Sorgen jener Eltern hineinfühlen, denn schließlich hat der Prophet Mohammed bekanntlich ein neunjähriges Mädchen „flachgelegt“. Auch wenn die Sorgen jener Eltern nicht in jedem Fall berechtigt sein mögen, so sollte man solche Eltern nicht voreilig als „rassistisch“ stigmatisieren.

Bekanntlich rief der Prophet Mohammed zum Massenmord an Ungläubigen auf. Ich kann – vorsichtig ausgedrückt – „es niemandem verbieten“, deswegen Vergleiche zu Adolf Hitler zu ziehen. Manche Eltern fragen sich: „Was ist wohl schlimmer an der Klassenzimmerwand? Das Bild eines sich selbst aufopfernden Jesus oder das Bild eines Massenmord-Anstifters?“ Ich sage hiermit keineswegs, dass ich die Sorgen jener Eltern teile. Doch sollte sichergestellt werden, dass Schulkinder nicht in unangemessen-verherrlichendem Ausmaß mit jenem hinterfragungswürdigen Propheten konfrontiert werden.

Die Tatsache, dass ich vom zu rezensierenden Buches abgeschweift bin und noch viel weiter abschweifen könnte, zeigt: Der Inhalt dieses Buches ist zwar an und für sich schlüssig und zustimmungswürdig, jedoch haben die Autoren entweder nicht verstanden oder aber aus politischer Korrektheit bewusst ausgeblendet, was vielen Eltern heutzutage auf der Seele brennt. Die Angst vor muslimischer Überfremdung hätte man im Rahmen dieses Buches durchaus aufgreifen und im humanistischen Kontext produktiv kanalisieren können. Weil dieses nicht geschehen ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass „andere“ Kreise in diese Lücke stoßen – vielleicht durch Bücher mit Titeln wie Islamfrei in der Schule?

Rainer Ponitka (Hrsg.) (2013): Konfessionslos in der Schule: Ein Ratgeber. Aschaffenburg: Alibri, 117 Seiten, 10 Euro. Kaufen bei Amazon.

4 Comments »

  1. Ian 27. September 2013 at 21:54 - Reply

    In der PAZ von heute steht: Daniel Krause hat vor wenigen Tagen nun auch in zweiter Instanz vorm Oberlandesgericht den Rechtsstreit um seine Suspendierung gewonnen. Warum wird nicht darüber hier berichtet statt über so’n unwichtiges Buch?

  2. Lisje Türelüre aus der Klappergasse 27. September 2013 at 22:00 - Reply

    In meiner Staat betreibt das Domkapitel seit Jahrzehnten eine private Grundschule für Jungen – contra legem – also gegen das Schulrecht NRW, deswegen mit einer Ausnahmegenehmigung. Die Begründung lautet, daß der Domchor Knabenstimmen brauche – die Jungens erhalten eine Sonderförderung in Musik-. Seit ein paar Jahren nimmt die Grundschule auch Mädchen auf und der Dom hat auf einmal auch einen Mädchenchor.
    Wir machen mal ein Ratespiel: wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen?
    1. Das Domkapitel hat den Feminismus entdeckt.
    2. Die Eltern haben alle zum Glauben gefunden.
    3. Die Eltern wollen eine Schule ohne Schüler mit einem gewissen Hintergrund.
    Fazit: Zu glauben Konfessionsschulen seien auf dem absteigenden Ast, ist ein Fehlschluß.

  3. Spiritus 28. September 2013 at 10:26 - Reply

    Ja, wir können sehen, was die europäische ‚Kultur‘ mit der Hilfe der Linksliberalen ohne Gott in den letzten 120 Jahren erreichte. Danke. Wir möchten davon nicht mehr haben.

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