Das Herz der bürgerlichen Mitte

20. September 2013 1

Die AfD – eine echte Alternative für Deutschland? Teil VIII: Monti Arendt erklärt, was die Partei besser macht, als frühere politische Projekte

Die AfD - kurz vor dem Einzug in den Bundestag? - Bild: Andrea Damm  / pixelio.de

Die AfD – kurz vor dem Einzug in den Bundestag? – Bild: Andrea Damm / pixelio.de

Als in den letzten Wochen die ersten gewalttätigen Aktionen linker Faschistenbanden gegen die Alternative für Deutschland (AfD) an die Oberfläche der medialen Aufmerksamkeit kamen, erinnerte ich mich an die Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im Herbst 2011. Zu dieser Zeit war ich für eine Partei aktiv, die ebenfalls zahllosen Anfeindungen und auch physischen Angriffen ausgesetzt war, die in den Medien überhaupt nicht thematisiert wurden.

Im ziemlich aktiven und umtriebigen Bezirk Pankow war ich dieser neuen Partei beigetreten, weil sie einen der Themenbereiche ansprach, die aus meiner Sicht für den Fortbestand unserer freiheitlichen Gesellschaft von essentieller Wichtigkeit sind: Die Expansion des Islam in unserem Land. (Auf die in meinen Augen überflüssige Differenzierung zwischen Islam und „Islamismus“ einzugehen, so wie sie die gleichgeschalteten Medien betreiben, verzichte ich hier.)

In meinem persönlichen Wertekanon war das Thema Islam aber notabene nur ein Thema unter vielen anderen. Da jeder Mensch durch seine sozialen Prägungen eine ganz individuelle Vorspannung mit in jede Situation des Lebens trägt, war meine gekennzeichnet durch besonderes Interesse an den Themen Wissenschaft, Technologie und Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Die hierdurch tangierten Bereiche Energieversorgung, Umweltschutz und Zukunftstechnologien waren aus meiner Sicht ebenso durch ideologische Scheindebatten und Nebelkerzenwürfe belastet, wie das Thema Islam.

Auch hier wurde und wird seitens der Parteien, der Medien und der berüchtigten antihumanen „NGOs“ konzertierte und unablässige Desinformation betrieben – unterstützt vom zentralistischen Regelungsmonstrum namens EU. Auch hier ist die Zukunftsfähigkeit und vor allem die Freiheit unseres Volkes massiv gefährdet. Also dachte ich, den Mitstreitern bei der Parteigründung noch weitere Munition liefern zu können, mit der sie beim Wähler punkten können würden, wenn es Richtung Wahlen ging. Dort wollte (zumindest bei den Verantwortlichen) davon aber keiner was hören. Ich bekam nur einmal für einen Abend das Podium, um ein paar Schlaglichter auf die unvorstellbare Volksverdummung zu werfen, die uns die Parteien z.B. im Bereich „Klimaschutz“ zumuten. Danach interessierte das niemanden mehr, was dazu führte, daß ich mich aus dem Parteiprojekt wieder zurückzog (worüber ich bei CT bereits berichtete).

Wie wir inzwischen wissen, war das Ergebnis dieser Partei bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus erbärmlich und nur in Promille zu messen. Inwieweit dies der gezielten Hetzkampagne der vereinten Linksmedien in Berlin und der Republik zuzurechnen ist, sei dahingestellt – es steht jedenfalls zu vermuten, dass der große Einfluß der Massenmedien und die Angst des Großteils der Bevölkerung vor der Rassismuskeule hier eine mitentscheidende Rolle gespielt haben.

Viel wichtiger ist aber aus meiner Sicht, das es nicht gelang, den Teil des Wählerspektrums anzusprechen, der für die tatsächliche „öffentliche Meinung“ (nicht zu verwechseln mit der durch die Medien „veröffentlichten Meinung“) das größte Gewicht hat, und der von allen Parteien mehr oder weniger offen und erfolglos hofiert wird: Die bürgerliche Mitte.

Bei den vielen Versammlungen der AfD, denen ich in der Zwischenzeit als Mitglied beiwohnen konnte, ebenso wie bei der Mitarbeit in den Arbeitsgruppen zeigt sich für mich deutlich, worin der Unterschied im Impetus zwischen AfD und anderen Parteigründungen im bürgerlichen Lager besteht, und mithin auch, woran die meisten schon im Ansatz ihres Wahlkampfes scheiterten: Nämlich an der begrenzten intellektuellen Kompetenz vieler ihrer Frontleute und an deren mangelnder Verwurzelung in den gebildeten Schichten des Bürgertums. Das klingt zunächst ziemlich überheblich, hat aber einen komplexen Kern. Ich nehme die bereits angesprochene Gewalt gegen die politischen Frontleute der beiden Parteien als Beispiel zur Erläuterung.

Dass gewaltsame Aktionen gegen politische Meinungsäußerung und Werbung inakzeptabel ist und von jedem anständigen Menschen verurteilt werden sollte, ist unbestritten. Selbst radikale Splittergruppen wie etwa die Pro-Bewegung oder die noch weiter rechts außen hängende NPD, die sich aus einer verschwindend kleinen, völlig unbedeutenden, grenzdebilen Randgruppe unserer Gesellschaft bildet, haben in unserem Rechtsstaat den Anspruch darauf, dass ihr Grundrecht auf freie Meinungsäußerung geachtet wird. Jeder aufmerksame Beobachter weiß, dass selbst die strunz-dämlichen Nazis schlau genug sind, auf ihren Umzügen gewaltlos zu bleiben, was dann besonders deutlich unterstreicht, dass die politischen Gewalttäter in Deutschland aus der linken Ecke kommen.

Entscheidend ist aber, wie die Angegriffenen auf diese Gewaltakte reagieren. Die Partei reagierte fast durchgängig mit larmoyanten Krakeelereien im Stile eines Michael Stürzenberger, den man sich mit ein paar Photoshop-Tricks auch problemlos mit Bart und Koran vorstellen kann. Das Echo in der Öffentlichkeit war nach meiner Empfindung stets ein Kopfschütteln, unterstützt durch den Gedanken, dass das zwar verurteilungswürdig sei, die Betroffenen aber schließlich selbst dafür verantwortlich seien und damit selbst zurecht kommen müßten.

So ein Gedanke kommt einem natürlich nur, wenn man sich selbst nicht betroffen fühlt. Im Falle der Gewalt gegen die Partei fühlten die allermeisten sich wohl deswegen nicht betroffen, weil Ihnen die Identifikationsoberfläche fehlte, der common ground der politischen Überzeugungen. Weil die neue Partei nämlich aufgrund des bereits angesprochenen eingeschränkten Horizontes und der Einengung ihres politischen Fokus auf das Thema Islam keine hinreichend große Bandbreite an Themen bot, vermochte sie mithin auch nicht genügend große Schichten der Bürger zu potentiellen Wählern zu machen. Denn selbst dann, wenn man den Islam mit all seiner Rückständigkeit, Frauenverachtung und Freiheitsfeindlichkeit als grundsätzliche Bedrohung der westlichen Gesellschaft sieht, muss man deswegen noch lange nicht hinter jedem türkischen Gemüsestand einen bärtigen Bombengürtelträger vermuten. Da gibt es noch eine Menge anderer Gefährdungen für unser Land, die den bürgerlichen Wähler mindestens ebenso direkt ansprechen und ihm Sorgenfalten machen. Aber auf dem Gebiet war einfach nur Fehlanzeige zu vermerken. Darum zuckte der Bürger mit den Schultern, wenn die Funktionäre was auf die Mütze bekam.

Wie anders ist das bei der AfD! Dort wird nämlich auf dem Podium kein kettenrauchender geschaßter Ex-CDU-Hinterbänkler angegriffen, sondern ein hochintelligenter, allseits geachteter und äußerst medienwirksam-eloquenter Mann. Und die Themen, für die er auf dem Podium steht, umfassen zwar auch linkssensible Hätschelthemen wie die ungezügelte, unqualifizierte Zuwanderung in die Sozialsysteme (mithin wohl der Erstauslöser für die Gewalt der roten SA), aber vor allem eben solche Fragen, die die große Mitte unserer Gesellschaft betreffen und die die Zukunft unseres Landes in den entscheidenden Punkten bestimmen werden. So etwa die Fragen nach den katastrophalen Folgen der Währungsunion, nach der Souveränität unseres Landes, nach unserer Zukunftsfähigkeit bei Forschung und Wissenschaft, nach der Unterstützung von Familien als Grundlage bürgerlichen Seins.

Diese Themen berühren eben viel mehr Menschen, und sie berühren eben auch viele Menschen, die in diesen Bereichen Wissen mitbringen, akademische Bildung, Berufserfahrung und Herzblut. Und darum sind sie eben auch alle betroffen, wenn Bernd Lucke vom Podium gestoßen wird. Seine überaus „normale“ Reaktion, sich nach dem Auswischen der tränenden Augen und dem Verdauen des Schrecks wieder an seine Zuhörer zu wenden und ihnen in Bezug auf die Abscheu gegenüber der erlebten Gewalt aus dem kollektiven Herzen zu sprechen, war der entscheidende Unterschied.

Darum konnten auch die Medien dieses Ereignis nicht ignorieren: Zu viele Menschen, die das Stammpublikum unserer öffentlichen Bühnen bilden – in Universitäten, Behörden, Konzernen und Verbänden – waren betroffen und machten ihrer Verachtung Luft.


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Inzwischen haben auch einige der Massenmedien gemerkt, dass die bei anderen Parteigründungen so erfolgreiche Strategie des Ignorierens bei der AfD nicht zieht. Die geschickte und dem Anspruch der breiten bürgerlichen Unterstützung innewohnende und entsprechende, moderne Strategie der Kommunikation hat nämlich dazu geführt, dass im Gegensatz zur damaligen Parteigründung, die nur ein internes und klägliches Forum betrieb und ansonsten auf „Gefällt mir“-Klicks bei Facebook hoffte, die AfD in so ziemlich allen medialen Kanälen äußerst präsent ist – und online sogar mit großem Abstand die etablierten Parteien übertrumpft.

Politische Umfragen, die auf der Online-Mitwirkung von Medienkonsumenten aufbauen, gehen in immer größerer Zahl zugunsten der AfD aus, und zwar mit Abständen, die Zehnerpotenzen umfassen. Es ist abzusehen, dass am Wahlabend die komplette Riege der sogenannten „Meinungsforscher“ ziemlich belämmert aus der Wäsche gucken wird, wenn die AfD den Sprung in den Bundestag geschafft hat und Herr Lucke in der abendlichen Elefantenrunde den anwesenden Einheitspolitikern die unbequemen Fragen stellen wird. Inzwischen ist es undenkbar, dass es sich ein Sender leisten könnte, Herrn Lucke nicht dazu einzuladen. Der Aufschrei der Öffentlichkeit wäre zu groß.

Und somit zeigt sich die unbarmherzige Logik politisch erfolgreicher Programmatik: Der damaligen Berliner Lokalpartei, die quasi mit nur einem Thema gegen die Medien in den Wahlkampf zog und auf diesem Thema immer wieder angezählt wurde, traute am Wahltag niemand mehr zu, auch nur annähernd in die Nähe der 5 Prozent zu kommen. Der AfD, die die veröffentlichte Einheitsmeinung auf breiter Front, für jedermann verständlich und jedermann betreffend angreift, und gegen die die Einheitsmedien deswegen einen immer schwereren Stand haben, trauen immer mehr Bürger zu, endlich etwas zu bewegen und am Wahlabend den großen Sprung zu schaffen.

Dies ist ein bekannter Sogeffekt. Einen solchen dauerhaften Strudel erreicht man aber eben nur, wenn man in der ganzen Badewanne rührt, nicht nur in einer Ecke, wo ein paar barttragende oder verschleierte Quietscheentchen herumdümpeln. Was nichts daran ändert, daß die Entchen trotzdem nerven.

Die AfD hat es geschafft, das große Rad zu drehen. Und zwar dauerhaft, verständlich und souverän, mit entsprechend intelligenter Medienpräsenz. Das ist der Schlüssel zum Erfolg, und es ist zu hoffen und zu wünschen, dass Herr Lucke ihn am Abend des 22. September ins Schloß stecken und umdrehen wird.

One Comment »

  1. K.R. 20. September 2013 at 02:43 - Reply

    Der AfD laufen aus allen Richtungen Wähler zu, nicht nur von der CDU/CSU und der FDP, sondern auch von den Grünen und der Linkspartei. Es hat lange gedauert: aber langsam dämmert auch den Blockparteien, Öffentlich-Rechtlichen und „Meinungsforschern“, dass ihre Strategie der Ausgrenzung dieses Mal nicht funktionieren wird. Ihre Versuche hierin waren ja auch ziemlich erbärmlich und von vielen Wählern der Mitte leicht zu durchschauen. So ist es halt, wenn pure Arroganz auf geballte, fachliche Kompetenz trifft. Anders die FAZ, die seit der Parteigründung ausgesprochen sachlich und fair über die AfD berichtet hat. Das sollte man an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen. Die FAZ ist für viele Konservative und Liberale immer noch das Leitmedium schlechthin. Aber den Hauptanteil am wahrscheinlichen Erfolg der AfD hat sicherlich die Politik der Staatsratsvorsitzenden A.M. Es ist halt doch nicht alles alternativlos!

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