Der Schwarze September 2012

11. September 2013 5

Rückblick zwecks Mahnung: Wenn muslimische Proteste gegen die Meinungsfreiheit in Gewalt und Mord ausarten

Die Meinungsfreiheit ist ein bedrohtes Menschenrecht

Die Meinungsfreiheit ist ein bedrohtes Menschenrecht

Heute vor einem Jahr wurde der libysche US-Botschafter Christoph Stevens in Bengasi ermordet, genau elf Jahre nach den Flugzeuganschlägen auf die USA. Damit wurde Stevens am 11. September 2012 zur tragischen Figur inmitten der Höhepunkte brutaler muslimischer Ausschreitungen, welche sich den ganzen Monat über gegen die Errungenschaften der westlichen Zivilisation richteten. Darum an dieser Stelle ein Rückblick auf jenen September 2012, jenen Monat voller muslimischen Angreifer- und westlichen Duckmäusertums.

Christoph Stevens starb im Granatenhagel auf dem Gelände der US-Botschaft in besagter libyscher Hafenstadt Bengasi. Auch drei seiner Landsleute, die bei ihm angestellt waren, hatten inmitten des islamistischen Granatenhagels keine Chance zu überleben. Während des libyschen Bürgerkriegs im Jahr 2011 hatte Stevens als Koordinator für den Nationalen Übergangsrat fungiert. Ausgerechnet dieses Gremium brachte schließlich die Islamisten samt ihrer Scharia-Ideologien an die Macht. Stevens wurde an jenem 11. September 2012 also von Vertretern desjenigen Regimes getötet, dem er selbst zum Leben verholfen hatte.

Anlass des muslimischen Zornes war der Film Die Unschuld der Muslime, der den Propheten Mohammed satirisch aufs Korn nimmt. Produziert worden war dieser Film in den USA. Das islamistische Terrornetzwerk Al-Qaida richtete eine unmissverständliche Aufforderung an alle Muslime der Welt: Möglichst überall sollten US-Botschaften gestürmt und zerstört werden, um diese angebliche „Beleidigung“ des Propheten zu rächen.

Der pakistanische Eisenbahnminister Ghulam Ahmed Bilour setzte ein Kopfgeld auf den Produzenten des Filmes aus: Wer diesen „Gotteslästerer“ töte, solle 100.000 Dollar erhalten. Auch Warnungen und Versprechen für die Zukunft verkündete er großmundig: Wer künftig ähnliche Filme produziere, solle ebenfalls für 100.000 Dollar umgebracht werden. Medien zitierten den hohen Minister der bevölkerungsreichen Atommacht mit den Worten:

„Länder, in denen es eine Meinungsfreiheit gibt, brauchen Gesetze gegen Menschen, die unseren Propheten beleidigen. Wenn sie keine Gesetze erlassen, dann wird die Zukunft sehr gefährlich. Mir ist klar, dass es eine Straftat ist, Menschen zum Mord aufzurufen. Doch es gibt keinen anderen Weg, Gotteslästerern Furcht einzuflößen. Ich würde ihn sogar eigenhändig umbringen.“

Diesen Aufruf nahmen weltweit zahlreiche islamistische Nachahmer zum Vorbild. Noch weiter als der pakistanische Minister ging ein salafistischer Iman in Ägypten. Seinen Worten nach sollten nicht nur Produzenten solcher Filme getötet werden, er weitete den Kreis der Todeswürdigen per Internet-Botschaft sogar noch aus: „Die Macher und Schauspieler des Films sowie alle, die zu seiner Verbreitung beitragen, verunglimpfen den Propheten, und deshalb müsst ihr sie umbringen.“

Bei den gewalttätigen Ausschreitungen kamen im besagten September 2012 weltweit Dutzende unschuldige Menschen ums Leben, am 11. September schließlich auch Christoph Stevens.

War schon dieser Mord schlimm genug, so machten mich die duckmausernden Reaktionen westlicher Politiker  beispiellos fassungslos. Folgende Adjektive bringen zum Ausdruck, wie unter anderem auch höchste deutsche Politiker auf die islamistischen Drohungen und Taten reagierten: verdattert, verängstigt, wegduckend. Nichts war erkennbar vom Geiste wehrhafter Demokratie, vom Geiste der Meinungs- und Kunstfreiheit und sonstiger westlicher Werte:

  • Dem deutschen Innenminister Hans-Peter Friedrich konnte es nicht schnell genug gehen: Der Film sei „geschmacklos“ und gehöre in Deutschland verboten. Hierfür seien alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen.
  • Auch die „mächtigste Frau der Welt“ weichzuklopfen gelang dem islamistischen Terror. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: „Ich kann mir vorstellen, dass es gute Gründe für ein Verbot gibt.“
  • Außenminister Westerwelle warf grundlegende liberale Prinzipien über Bord und äußerte die Auffassung, „dass die Beleidigung von anderen Religionen nicht nur dem Strafgesetzbuch nach untersagt ist, sondern dass das auch eine Frage der Wahrung der öffentlichen Ordnung und auch des öffentlichen Friedens ist“.
  • SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles bevormundete gar private Kinobetreiber: „Die Aufführung des Mohammed-Hetz-Films hier in Deutschland muss mit allen rechtlichen und politischen Mitteln verhindert werden. Dazu gehört auch, dass man Betreiber auffordern kann, sich in die Pflicht zu nehmen und eine Vorführung des Films nicht zu genehmigen.“
  • Hessens Innenminister Boris Rhein wurde in der Presse mit den Worten zitiert, „nichts“ rechtfertige die Verletzung religiöser Gefühle.

Mal ehrlich: Was ist Demokratie noch Wert, wenn verschiedenste Glaubensgruppen durch „Gefühlsbekunden“ unsere Grundrechte immer mehr einengen?

Welches fatale Signal hätte Deutschland mit einem Aufführungsverbot ausgesendet? Man könnte es wie folgt auf den Punkt bringen: Wir weichen der Gewalt, wenn sie nur mörderisch genug daherkommt. Wer glaubt ernsthaft, dass sich Islamisten mit einmal gewaltsam Erreichtem begnügen? Ist gewaltsame Erpressung erfolgreich, ermutigt dies zu immer heftigeren Drohgebärden mit immer anmaßenderen Forderungen. Sprich: Erst verlangt man die Filmfreiheit aufzugeben, später das Frauenwahlrecht, schließlich den Staat Israel.

CSU-Politiker forderten anlässlich des Filmes sogar schärfere  Gesetze, die Gotteslästerung unter Strafe stellen. Johannes Singhammer, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, verlangte allen Ernstes, einen Gesetzentwurf einzubringen. Demnach solle jede öffentliche Beschimpfung eines religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses strafbar sein – selbst dann, wenn der öffentliche Frieden hierdurch nicht gefährdet sei. Mit solchen Vorschlägen wollten einige Christlich-Konservative die muslimischen Ausschreitungen perfide instrumentalisieren – nämlich dahingehend, beiläufig die Ehrfurcht vor christlichen Symbolen gesetzlich festschreiben zu können. Bahnte sich hier ein Teufelspakt zwischen ewiggestrigen Katholiken und randalierenden Islamisten an, um gemeinsam freiheitliche Grundwerte auszuhöhlen? Wie sagte noch Benjamin Franklin: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“

Respekt gegenüber religiösen Gefühlen darf nicht um jeden Preis gezollt werden – erst recht nicht in positiver Korrelation zu angedrohter Gewalt. Andernfalls hätten sich die Länder Europas niemals zu belastungsfähigen Rechtsstaaten entwickelt. Die gesamte Epoche der Aufklärung ist einer Streitkultur zu verdanken, die sich über religiöse Denkverbote hinwegsetzte. Die früheren Verfechter rechtsstaatlicher Prinzipien waren nicht so schmählich  eingeknickt wie es der Innenminister nun forderte. Sonst hätten wir wohl bisher nicht einmal die Hexenverbrennung überwunden. Das Christentum Europas hat sich im Sinne säkularer Aufklärung modernisiert – der Islam steht vielerorts noch im Mittelalter. Dem freien und frechen Wort gegenüber Göttern und Religionen verdanken wir unseren humanistischen Fortschritt. Sollen wir hieran Verrat üben wegen der rückständigen Glaubenswelt des Islams? Wie sagte noch George Orwell: „Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.“

„Medienfreiheit ja – Provozieren nein“ – welch peinliche Parolen schwangen unsere Politiker. Was wäre Meinungs- und Pressefreiheit noch wert, ohne das Recht, zu provozieren? Wessen Worte und Taten jedermann zufriedenstellen, der kann auf Freiheitsrechte getrost verzichten. Die wertvolle Funktion von Freiheitsrechten besteht indes in Folgendem: Schutz für Unangepasstheit, für Abweichendes, für Herausforderndes, für Provozierendes, kurzum: für Fortschrittliches. Und sogar auch für den schlechten Geschmack.

Gerade letzterer Punkt ist zu vertiefen. Politiker untermauerten seinerzeit Verbotsforderungen auch mit der „Idiotie“ und „Vulgarität“ des vermeintlich geschmacklosen Filmes. Und ich gebe zu, hinsichtlich Regie und Intellekt wirkt dieser Film keineswegs wie eine vorbildliche Glanzleistung. Doch hätten sich die Islamisten bei einem filmischen Meisterwerk eines Oscar-Preisträgers etwa friedlicher verhalten? Wie auch immer: Kunstfreiheit darf weder von Gemütslagen religiöser Fanatiker noch von ästhetischen Kriterien abhängig sein. Kunstfreiheit schützt auch „schlechte“ Filme.

Mitte September drangen muslimische Randalierer im Sudan in die deutsche Botschaft ein. Sie zerschlugen Fenster, traten Möbel kaputt und legten  loderndes Feuer. Sie rissen das deutsche Wappen herunter und trampelten demonstrativ darauf herum. Dann hielten sie ein schwarzes Banner hoch:  „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet!“ Medienberichten zufolge war die Polizei anwesend, ohne jedoch einzuschreiten. Das Außenministerium des zentralafrikanischen Staates lieferte hierfür eine Erklärung: Schuld am Angriff auf die Botschaft trage die deutsche Bundeskanzlerin. Denn Frau Merkel habe die Beleidigung des Propheten Mohammeds in Deutschland nicht verboten. Ähnliches war nach Angriffen auf US-Botschaften zu hören. An denen sei Präsident Obama Schuld. Denn dieser habe die Produktion des Filmes Die Unschuld der Muslime nicht verhindert. Mit solchen Vorhaltungen entlarven  muslimische Vertreter ein zutiefst anti-demokratisches, diktatorisches Weltbild. In ihren Augen hat ein Staatsführer die Allmacht. Königin Merkel und König Obama müssen weder auf Parlamente noch auf Grundrechte Rücksicht nehmen.

Deutschlands „gemäßigten“ Muslimen bot sich eine große Chance: Ihre Verbände hätten durch Zurückweisung jeglicher Zensurforderung endlich Demokratiefestigkeit und Rechtsstaatssinn beweisen können. Doch entspricht dieses überhaupt ihrer Gesinnung? Zweifel hieran sind berechtigt:

  • Aiman Mazyek beharrte auf einem strikten Filmverbot – der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime warnte gar vor Straßenschlachten. Diese seien unvermeidlich, wenn das vermeintliche „Schmähvideo“ öffentlich gezeigt würde.
  • Diesem Angriff auf die Kunstfreiheit schloss sich auch Ali Kizilkaya an. Die Unschuld der Muslime sei „grundgesetzwidrig“, so der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland.

Diesen Forderungen nachzugeben wäre ein Todesstoß für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Islamisten würden immer höhere, noch anmaßendere Forderungen erheben. Die Pressefreiheit stünde immer stärker zur Disposition. Hierauf deutet schon hin, dass neben besagtem Film auch Karikaturen in Zeitschriften zu Ausschreitungen führten.

Noch im gleichen Monat, also besagtem September 2012 veröffentlichte Charlie Hebdo, eine französische Satirezeitschrift, neue Mohammed-Karikaturen. Mit der betreffenden Ausgabe erreichte die Zeitschrift einen neuen Verkaufsrekord. Chefredakteur Stephane Charbonnier schrieb im Vorwort: „Die Freiheit, uns ohne Zurückhaltung über alles lustig zu machen, gibt uns das Gesetz.“

Erneut überboten sich deutsche Politiker beim Duckmäusern. Ihre Empfehlung: Angesichts akuter Gefahr für Leib und Leben sollten die Pressemacher freiwillig auf eine solche Satire verzichten. Mit der geforderten Zurückhaltung würde man keineswegs die Meinungsfreiheit verraten – vielmehr bedeute dies einen souveränen, verantwortungsbewussten Umgang mit unserem Grundrecht. Doch degradieren derlei Forderungen unser Freiheitsrecht nicht zu einem „Schönwetter-Wert“? Frei nach dem Motto: Grundrechte gelten nur, solange man uns nicht mit Gewalt droht.

Großmundig kündigte die Hamburger Satirezeitschrift Titanic dann ebenfalls Mohammed-Karikaturen für ihre nächstfolgende Ausgabe an, blamierte sich jedoch mit Weichspülerei: „Der Westen in Aufruhr – Bettina Wulff dreht Mohammed-Film“, hieß es auf der Titelseite. Diese zeigte die frühere First Lady mit Turban und Krummsäbel. Chefredakteur Leo Fischer erläuterte die harmlose Bildaussage: „Es könnte sein, dass Bettina Wulff anfängt, mit billiger Islamkritik die Stimmung anzuheizen.“ Bilder mit weiteren Mohammed-Bezügen fehlten in der Titanic. Mich wurmte diese Mutlosigkeit.

Gegenüber dem Christentum agierte die Zeitschrift stets weniger zimperlich: Zeichnungen präsentierten Jesus als devoten Klorollenhalter, Fotomontagen den Papst als ferkelhaften Hosenpisser. Weitere Steilvorlagen boten katholische Missbrauchsfälle im Jahr 2010: Hochroten Kopfes hängt Jesus am Kreuz, vor seinem Penis ein Priester in Oralsex-Pose. Gegen diese und andere Darstellungen zog die Kirche energisch vor Gericht. Doch das machte die Zeitschrift nur noch angriffslustiger. Sie gewann die Prozesse und nutze sie für Werbezwecke.

Warum dann diese untypische Zurückhaltung gegenüber dem Islam? Möchte jener nicht gleichberechtigt sein mit den beiden großen christlichen Konfessionen? Muss er dann nicht auch die gleichen satirischen Zumutungen  aushalten können? Von dieser Belastungsprobe blieb „dank“ der Titanic-Feigheit Deutschland leider verschont. Auch zu einer Aufführung von Die Unschuld der Muslime kam es hierzulande nicht. Das Duckmäusern der Titanic entspricht exakt der Mentalität des linksliberalen Deutschlands: Papst-Ächtung hui, Islamkritik pfui.

Trotz der Harmlosigkeit des Titanic-Covers kommentierte Guido Westerwelle nach dem Erscheinen der Zeitschrift wichtigtuerisch: „Manchmal lautet die Frage nicht, ob man etwas tun darf, sondern ob man etwas tun sollte. Meinungsfreiheit umfasst nicht das Recht, Andersgläubige oder Andersdenkende zu beleidigen und damit absichtsvoll den öffentlichen Frieden zu stören.“ (In diesem Sinne äußerte sich übrigens auch Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, ebenfalls Vertreter der sogenannten Freien Demokratischen Partei.) Man lese und staune: Kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2005 hatte Westerwelle versprochen, weltweit die Rechte von Frauen und Schwulen voranzutreiben. Ländern, welche diesen Gruppen diskriminieren, wollte er gar die Entwicklungshilfe streichen. Wie würde Westerwelle nun wohl auf folgende Aussage reagieren: „Manchmal lautet die Frage nicht, ob sich eine Frau ihren Mann selbst aussuchen darf, sondern ob sie es selbst tun sollte. Das Recht auf selbstbestimmte Sexualität umfasst nicht das Recht, frauenfeindliche Kulturen zu verärgern und damit absichtsvoll den öffentlichen Frieden zu stören.“

Frieden ist kein oberster Wert. Frieden verdient nicht den Status eines Selbstzwecks. Frieden darf nicht hergestellt werden unter Aufgabe vieler anderer, rechtsstaatlich unverzichtbarer Werte. Es ist beispielsweise das Recht jeder Frau, mit einem Mini-Rock auf die Straße zu gehen. Wird sie vergewaltigt, liegt die Schuld beim Täter, nicht bei ihr selbst. Sollten Frauen also ihr Recht auf das Tragen eines Mini-Rocks verlieren, damit Männer nicht „gereizt“ werden und der Frieden gewahrt bleibt?

Tausende Muslime zogen durch Deutschlands Großstädte. Sie demonstrierten gegen den Film Die Unschuld der Muslime sowie gegen die Mohammed-Karikaturen. Zwei dieser Demonstrationen beobachtete ich aus nächster Nähe. Die erste in Münster am 21. September 2012, die zweite tags darauf in Dortmund. „Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet!“ Unter diesem Motto marschierten Hunderte stundenlang durch Münsters Innenstadt. Auf Transparenten verlangten sie Ehrfurcht gegenüber dem Islam. „Niemand hat das Recht, unseren Propheten zu beleidigen!“ In Dortmund drängten sie Passanten ein Flugblatt auf, welches Gesetze gegen Blasphemie forderte. Das Verspotten heiliger Symbole müsse unter Strafe gestellt werden.

In beiden Städten überboten sich die regionalen Zeitungen mit Wohlwollen gegenüber diesen Aufmärschen. Diese hätten angeblich „nicht friedlicher“ verlaufen können. Verschwiegen wurde der offensichtliche Sexismus: Frauen mussten vorne laufen, Männer geschlossen hinten. Hatten die Zeitungen ahnungslose Erstsemester als freie Mitarbeiter geschickt? Niemand von ihnen vermochte zu erkennen, welche Symbole die Demonstranten teils mit sich führten: In Münster trugen junge muslimische Männer die Flagge der radikal-islamistischen Hisbollah. In Dortmund hielt ein Teilnehmer das hierzulande verbotene Logo des antijüdischen Fernsehsenders Al-Manar hoch. Hiermit war zu rechnen gewesen, denn unter anderem ein Aufruf des Hisbollah-Anführers Hassan Nasrallah hatte die Demonstranten mobilisiert.

So entlarvte jener „Schwarze September 2012“ auch einmal mehr die Widersprüchlichkeit des linksliberalen Deutschlands:

  • Rechtsradikale Symbole werden von Journalisten und Passanten überall mit Argusaugen geortet. Antifa-Gruppen veranstalten gar Workshops zur Entlarvung solcher teils verschlüsselten Symbole.
  • Gegenüber islamistischen Symbolen zeigt man sich unbekümmert. Meine Leserbriefe mit entsprechenden Hinweisen wurden weder veröffentlicht noch beantwortet.

Die Kommentatoren der Regionalpresse zeigten sich einig: Es sei das gute Recht der Muslime, Respekt gegenüber ihrer Religion einzufordern. Auch Christen und Juden wollten schließlich nicht, dass ihr Glaube beleidigt werde. Und: Gerade Deutsche stünden in der historischen Verantwortung, die Ansprüche religiöser Minderheiten zu achten. – Die Tatsache, dass der Islam seinerseits mit religiösen Minderheiten nicht zimperlich umspringt, klammerten die Schreiber ganz und gar aus. Gerade gegen das Judentum verbreiten arabische Medien tagtäglich Hasstiraden. Würden Christen und Juden gleiche Maßstäbe anlegen wie demonstrierende Muslime, müsste die Mehrheit der Deutschen pausenlos auf die Straße gehen. Zu besten Sendezeiten wimmelt es nur so von Hetzsendungen gegen Westliches und insbesondere Jüdisches.

In meinem kürzlich erschienenen Artikel „Judenklatschen unter deutschen Muslimen“ habe ich bereits Beispiele für antijüdische Programminhalte aufgelistet:

  • Eine Moderatorin fragt ein vierjähriges Mädchen, was es über Juden wisse. Antwort: „Sie sind Affe und Schwein.“ Von wem das Kind dieses wisse? „Von Allah im Koran!“ Die Moderatorin lobt das Mädchen als Vorbild für die arabische Jugend.
  • Eine Zeichentrickserie erzählt die Geschichte der Juden als die eines widerspenstigen Volkes. Dieses wollte dem Propheten Mohammed nicht gehorchen und wurde darum in Affen und Schweine verwandelt.
  • In einer Rateshow fragt der Moderator: „Ein Jude ist … a) eine Schlange, b) ein Schwein oder c) eine Kakerlake.“
  • Ein Zeichentrickfilm zeigt Juden beim Tunnelbau unter einer Moschee. Ziel dieser unterirdischen Operation: Sprengung der Moschee und Tötung möglichst vieler Muslime.
  • Ein Spielfilm stellt die Juden als grausame Ritualmörder dar, die Kinderblut zum Brotbacken nutzen.
  • In einem Musikvideo trampeln Kinder auf einer israelischen Flagge herum, die am Strand im Sand liegt. Immer mehr Kinder kommen hinzu, man wirft so lange Sand auf die Flagge, bis diese nicht mehr sichtbar ist. Gesungen wird dazu: „Jerusalem gehört uns Arabern, und das verfluchte Zion wird vernichtet!“ Flaggen arabischer Länder werden hochgehalten.

Auch arabische Printmedien behandeln das Judentum nicht mit Samthandschuhen. Ins Auge stach mir die Karikatur einer iranischen Zeitung: Ein Jude war als große Ratte gezeichnet, an deren Zitzen massenhaft Soldaten saugen. Ohne Übertreibung lässt sich feststellen: Solche  Judenfeindlichkeit steht jener im NS-Propagandablatt Der Stürmer in nichts nach. Die Mohammed-Karikaturen, die Pro NRW gerne zeigt, wirken vergleichsweise gegenstandslos.

Wer Respekt verlangt, muss ihn auch zollen. Diese einfache Regel menschlichen Miteinanders lege ich demonstrierenden Muslimen dringend nahe. Auf den konkreten Fall angewandt: Wer Respekt vor der eigenen Religion verlangt, muss auch Andersgläubigen Respekt zollen. Und welche Seite hierbei am Zuge ist, darüber geben die besagten Medieninhalte „kinderleicht“ Aufschluss.

Lesen Sie zum Thema auch das neue Diskussions-Papier der Stresemann Stiftung: Menschenrecht Meinungsfreiheit. Wie islamische Akteure unsere Grundrechte bedrohen.

5 Comments »

  1. Fahni 11. September 2013 at 14:32 - Reply

    Was die antiwestliche Hetze in muslimischen Medien betrifft: Wären wir Deutschen genauso empfindlich wie die Muslime, müssten wir tagtäglich massenhaft demonstrieren.

  2. Ian 11. September 2013 at 18:07 - Reply

    Ich bin beeindruckt, ein hervorragender Artikel mit treffenden Analysen. Da spürt man die Freiheitsliebe des wehrhaften Liberalismus. Auch stilistisch hervorragend!

  3. Sonja S. 13. September 2013 at 22:25 - Reply

    Besonders gut gefällt mir der Abschnitt mit der Erläuterung dazu, dass Frieden ja tatsächlich kein oberster Wert ist, wie viele Leute leider völlig hohl suggerieren. Ja, der Artikel ist insgesamt hervorragend. Polarisierend wie Broder, aber nicht polemisierend wie Broder.

  4. K.R. 14. September 2013 at 22:55 - Reply

    Sehr guter Beitrag! Der in diesem Zusammenhang oft verwendete Begriff „appeasement“ läßt an die Beschwichtigungspolitik gegenüber Hitler denken. Man trifft auf einen Gegner, der, quasi in Arbeitsteilung, einerseits mit beängstigender Radikalität, mitunter erschreckender Brutalität auftritt (Mob), anderseits mit geschmeidiger, heuchlerischer Schlauheit
    (Funktionäre). Beschwichtigen muß man, wenn man Angst hat und sich der eigenen Stärken nicht sicher ist. Die psychologische Komponente wird oft nicht ausreichend beleuchtet: Das satte und überalterte Europa hat Angst. Man sucht daher in den gewohnten Ritualen der Konsenspolitik (Islamkonferenz) Sicherheit. Und dort, wo es keinen echten Mut braucht, weil der Gegner sich an die demokratischen Regeln hält oder keine wirklich große Gefahr ist (Neonazis in Deutschland – soll keine Verharmlosung ihrer Gewalt sein!), zeigt man Flagge. Pure Heuchelei!

  5. Enrico E. 16. September 2013 at 16:32 - Reply

    Sehr guter Artikel!
    Hebt sich wohltuend von dem gesamten Rest der Einheitsbericherstattung ueber dieses Thema ab.

    Und das von jemanden der auf der linken Seite des politischen Spektrums steht. Haette ich nicht gedacht. Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen Herr Krause.

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