Sala-Faschisten in Frankfurt am Main

9. September 2013 4

Bei Veranstaltungen radikaler Islamisten bleibt der linke und liberale Widerstand leider mal wieder aus

Proteste gegen den umstrittenen salafistischen Islamprediger Pierre Vogel in Koblenz 2011 - Foto: Schängel/Wikipedia

Proteste gegen den umstrittenen salafistischen Islamprediger Pierre Vogel in Koblenz 2011 – Foto: Schängel/Wikipedia

Rund 700 faschistoide Salafisten haben an diesem Wochenende in Frankfurt am Main öffentlich getagt. Zu Recht hatte der hessische Innenminister vorab davor gewarnt, dass der Veranstaltungsname „Islamischer Friedenskongress“ eine bloße Tarnung sei und dass es sich in Wahrheit um eine höchst hetzerische und demokratiefeindliche Zusammenkunft handelte. Bedauerlich ist wieder einmal, dass es von linker und bürgerlicher Seite keine Gegendemonstrationen ernstzunehmender Größe gab.

Marschieren 50 deutsche Neonazis in einer beliebigen deutschen Stadt auf, reagieren Linke und Bürgerliche prompt mit gemeinsamen Gegenaktionen. Gewerkschaften, Kirchen und Ratsmitglieder rufen dann geschlossen zum Widerstand auf und mobilisieren zumeist hunderte, wenn nicht sogar tausende Menschen. 50 Neonazis dümpeln dann oft hilflos auf Bahnhofsplätzen vor sich her, während gewaltige Menschenmassen ihnen den Weg versperren und sich für ihren „mutigen Widerstand gegen rechts“ abgöttisch beweihräuchern.

Faschismus im Zeichen des Korans kommt hingegen weitgehend ungeschoren davon. Und das, obwohl die Verfassungsschutzbehörden des Bundes und sämtlicher Bundesländer längst im Islamismus, nicht mehr im Rechtsextremismus die größte Gefahr für unseren Rechtsstaat sehen. Die Anzahl der Salafisten, treffender Sala-Faschisten, verdoppelt sich demnach in Deutschland von Jahr zu Jahr, insbesondere junge Männer fühlen sich angesprochen vom simplen Weltbild „Gut gegen Böse“. Deutsche wie nicht-deutsche Sala-Faschisten sind gar bereit, ihr Leben für Allah zu opfern. Atheisten werden als minderwertige Menschen betrachtet: Wer dem Islam begegnet und nicht zu ihm konvertiert, habe die Todesstrafe verdient. Gerade im letzten Monat haben Medien über eine ganze Reihe von Gerichtsprozessen berichtet, in denen Sala-Faschisten in Nordrhein-Westfalen wegen gefährlicher Gewaltexzesse angeklagt waren und teils auch verurteilt worden sind.

Auch in Frankfurt kann sich wohl kaum jemand damit herausreden, nichts von den gefährlichen Hintergründen des sala-faschistischen Kongresses, der an diesem Wochenende in der Mainmetropole stattgefunden hat, gewusst zu haben. In den Tagen zuvor war nicht nur die bereits oben erwähnte Warnung des Landesinnenministers Boris Rhein durch die regionalen und teils auch überregionalen Medien gedrungen, sondern auch eine gerichtliche Auseinandersetzung.

Vorausgegangen war der Versuch der Stadtverwaltung, diese Veranstaltung verbieten zu lassen. Dieses Verbot war zunächst vom Verwaltungsgericht Frankfurt als rechtswidrig eingestuft worden. Die nächsthöhere Instanz, der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel, hatte daraufhin eine Beschwerde der Stadt Frankfurt gegen diese Entscheidung der ersten Instanz zurückgewiesen. Auch durch diese juristischen Auseinandersetzungen wurde die immer näher rückende sala-faschistische Veranstaltung in den Medien mehr und mehr allgegenwärtig, erfreulicherweise auch verbunden mit Hinweisen auf die wachsende Gefährlichkeit der Islamisten.

Wäre es eine Veranstaltung deutscher Neonazis gewesen, hätten Stadtoberhäupter wohl geschlossen zum „Aufstand der Anständigen“ aufgerufen und ganze Menschenmassen mobilisiert. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass die Anzahl der offiziell angemeldeten Sala-Faschisten 2.000 (in Worten: Zweitausend) betrug. Noch einmal zum Vergleich: Bei einem Aufmarsch deutscher Neonazis reicht schon eine Teilnehmerzahl im unteren zweistelligen Bereich, damit jene Stadtoberhäupter gemeinsam mit Kirchen und Gewerkschaften tausende Gegendemonstranten heranschaffen: Bürgerliche „Vorbilder“ wie Pfarrer und Direktoren entblößen sich dabei regelmäßig an der Seite von gewaltbereiten Autonomen.

Gerade angesichts der deutschen Vergangenheit ist es nicht hinnehmbar, dass sich aus den besagten medialen Warnungen vor den Sala-Faschisten kein hinreichender Widerstand in Gestalt von Gegendemonstrationen ergeben hat. Vom Islamismus geht für Juden und Homosexuelle in Deutschland die größte Gefahr seit dem Nationalsozialismus aus. Gerade die Schwulenverbände protestieren lieber gegen Harmlosigkeiten wie die vor einigen Monaten geplante CSD-Teilnahme der kleinen Kommunalpartei Pro-Köln (einer Partei, die Schwule in ihren eigenen Reihen vollkommen akzeptiert, CT-Bericht & CT-Interview) als gegen die blutrünstigen Sala-Faschisten (bei deren Machtergreifung Juden und Schwule möglicherweise wieder einmal in Gaskammern landen würden).

Anfang dieses Monats haben bereits in Dortmund hunderte Sala-Faschisten, ähnlich wie nun in Frankfurt, getagt und ihre menschenverachtenden Parolen verbreitet. Linker und liberaler Widerstand blieb auch in der Ruhrmetropole weitgehend aus. Einen Tag zuvor hatten in Dortmund deutsche Neonazis eine Veranstaltung abgehalten, und Linke und Liberale marschierten hiergegen massenhaft auf und erklärten Dortmund, wieder mal voller Selbstbeweihräucherung, zur „Hauptstadt des Widerstands gegen rechts“. Die Sala-Faschisten dürften sich ins Fäustchen lachen angesichts dieser einseitigen Gewichtung des linken und liberalen Widerstands.

4 Comments »

  1. Mathias Reuter 9. September 2013 at 09:47 - Reply

    Lieber Herr Krause,

    Rassisten und Faschisten können für Linke und Antifa nur weiße Deutsche sein. In den Kommentaren auf der Seite einer MdL-Piratin zu dem Überfall auf eine Bürgerversammlung in Duisburg (Stichwort Problemhaus (Sinti und Roma)) las ich vor Wochen den schönen Satz eines linken Extremisten vom „endemischen Rassimus des deutschen, weißen Mannes“. Das dokumentiert die simple Weltsicht der Antifa überaus prägnant. Ich könnte jetzt auch das Pippi Langstrumpf Lied anstimmen, aber die Nähe zur grenzdebilen Nahles wäre mir sehr peinlich. Das Böse in Deutschland ist deutsch. Wenn es doch durch nichtdeutsche Hand passiert, dann wurde diese Hand erst von Deutschen („fehlende Willkommenskultur“) zum Bösen gezwungen. Dieser kranke Selbsthass verhindert, dass man in Deutschland auch dann Arschlöcher als Arschlöcher benennen darf, wenn diese keine Eingeborenen sind. Oder haben Sie schon mal eine Gegendemo gegen die Versammlung von 1000en Faschisten (aka Graue Wöfe) gesehen? Genauso läuft es mit Islamisten. Die Katholen beschmeißt man gerne – und oftmals auch zu Recht – mit Dreck, Islamisten erfahren – wenn überhaupt – nur sanfte Kritik und niemals ohne zu betonen, dass diese ja nicht den wahren Islam repräsentieren. Die Titanic druckt „mutig“ einen alten Mann mit Pissefleck auf der Soutane , zieht aber den Schwanz gewaltig ein, wenn es um Mohammed geht. Das alles ist schon ziemlich krank.

  2. Spandauer 10. September 2013 at 00:12 - Reply

    Ja, die Titanic ätzt gern gegen die katholische Kirche, aber kuscht vor dem Islam. Sehr inkonsequent. Da ist das französische Satiremagazin viel mutiger.

  3. Sonja S. 13. September 2013 at 22:27 - Reply

    Frankreich ist ja auch hinsichtlich Burka-Verbot und so viel weiter als Deutschland. Für ein Magazin wie Charlie Hebdo ist Deutschland noch nicht weir genug.

  4. Sonja S. 13. September 2013 at 22:29 - Reply

    Ich wohne übrigens auch in Köln und habe die Veranstaltung in Deutz damals am Rande mitgekriegt. Im Stadtanzeiger stand ein guter Kommentar zum Ausbleiben des linken und liberaen Widerstands, ganz ähnlich wie der Artikel von Daniel Krause: http://www.ksta.de/debatte/salafisten-wo-bleibt-euer-protest-,15188012,16446456.html

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