Happy Wilders

6. September 2013 12

Eine kritische Würdigung zum 50. Geburtstag des niederländischen Islamkritikers

Geert Wilders in Berlin (2011) - Bild: Fabian Hossfeld

Geert Wilders in Berlin (2011) – Bild: Fabian Hossfeld

Geert Wilders wird am heutigen 6. September runde 50 Jahre alt. Grund genug, an dieser Stelle auf sein bisheriges Leben und Wirken zurückzublicken. Dieses soll hier mit verdienter Wertschätzung, jedoch auch kritischer Hinterfragung seiner Popularität geschehen. Meine Kernthese hierbei: Wilders ist eher „Trittbrettfahrer“ denn „Pionier“ der niederländischen Islamkritik.

Denn nicht Wilders‘, sondern Pim Fortuyns Verdienst war es, zur Jahrtausendwende der islamkritischen, aber bis dato schweigenden Mehrheit der niederländischen Bevölkerung eine Stimme verliehen zu haben. Nicht Wilders, sondern Fortuyn war der erste, der die Gefährdung des toleranten europäischen Miteinanders durch den Islam wirksam auf die Agenda setzte. Erst durch Fortuyns plötzliche Ermordung sowie die Ermordung Theo van Goghs bekam Wilders als deren „Erbe“ seinen Platz in der politischen Landschaft der Niederlande. Seitdem seine ähnlich gesinnte damalige Parlamentskollegin Ayan Hirsi Ali ins amerikanische Exil entfliehen musste, fungiert Wilders quasi als politischer „Alleinerbe“.

Zur Jahrtausendwende war Wilders in den Niederlanden noch weitgehend unbekannt. Anders Fortuyn: Der Professor für Soziologie hatte sich in zahlreichen Publikationen immer wieder politisch geäußert. Leidenschaftlich sah Fortuyn seine Berufung darin, die Freiheiten einer „offenen Gesellschaft“ zu bewahren, die er durch „naiven Multikulturalismus“ bedroht sah. Im Hinblick auf seine eigene Homosexualität sprach er sich insbesondere gegen den politischen Islam aus, nachdem ihm ein Rotterdamer Imam gesagt hatte, Schwule seien „weniger wert als Schweine“.

Wilders war in den Niederlanden noch immer bedeutungslos, als Fortuyn im Februar 2002 seine Partei Liste Pim Fortuyn (LPF) gründete. Die politische Ausrichtung ließ sich als „wehrhaft-liberal“ oder „nationalliberal“ einstufen, wurde jedoch in der Presse meist als „rechtsradikal“ verurteilt. Die Medienhetze wurde von den etablierten Parteien unterstützt, teils, um einen unliebsamen Konkurrenten zu diskreditieren, teils, um sich bei der muslimischen Wählerklientel anzubiedern.

Nichtsdestotrotz hatte die LPF Umfragen zufolge reale Chancen, bei der Parlamentswahl im Mai 2002 stärkste Kraft zu werden. Hiermit verbunden war Fortuyns Chance, sogar Ministerpräsident zu werden, denn ein Großteil der niederländischen Bevölkerung sah in ihm – zu Recht – denjenigen Politiker, der offen Probleme ansprach, die zuvor der politischen Korrektheit geopfert worden waren: Parallelgesellschaften, Kriminalität, Verwahrlosung des öffentliches Raumes. In Rotterdam, wo solche Probleme besonders drängten, erhielt Fortuyns Partei im März 2002 aus dem Stand heraus 34 Prozent der Stimmen. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass sie erst einen Monat zuvor gegründet worden war. Auch in den Umfragen zur Parlamentswahl wurden der LPF ähnliche Ergebnisse vorhergesagt.

Dieser rasante Aufstieg machte Fortuyn zur Angstfigur des linken Lagers. Radikale Gruppen zogen sogar Parallelen zum Aufstieg der NSDAP und karikierten den Politiker mit Hakenkreuz-Uniform. Doch bei genaueren Hinsehen hatten Fortuyns Thesen nichts Unredliches an sich.

Europa hatte seit 1990 erhebliche Mühen gehabt, die Folgen des kommunistischen Zusammenbruchs zu verkraften. Menschen aus Staaten des ehemaligen Ostblocks waren zuhauf Richtung Westen gezogen, auch in die Niederlande. Die Krise im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens verstärkte diesen Zustrom insbesondere in der Mitte der Neunziger Jahre. Fortuyn hatte Recht, als er feststellte, „der alte Kontinent“ müsse seine humanitäre Grundhaltung keineswegs aufgeben. Doch niemandem, auch nicht den bereits anwesenden Ausländern, sei damit gedient, wenn zusätzlicher Zustrom aus muslimischen Staaten die Niederlande überstrapaziert.

Die niederländische Parlamentswahl war für den 15. Mai 2002 angesetzt, doch diesen Tag durfte Fortuyn nicht mehr erleben. Am 6. Mai hielt sich der  polarisierende Politiker im Mediapark Hilversum auf, dem Sitz zahlreicher Rundfunkanstalten. Ein öffentlich-rechtlicher Radiosender hatte ihn gerade interviewt, als er gegen 18 Uhr das Studio in Richtung Parkplatz verließ. Auf dem Weg zu seinem Auto trafen ihn fünf Schüsse tödlich. Der Attentäter war ein polizeibekannter Linksextremist, welcher später vor Gericht den „Schutz von Muslimen“ als Motiv angab. Sein Mordopfer sah er als potentielle Gefahr für das multikulturelle Zusammenleben.

Die Niederlande waren erschüttert angesichts dieses ersten politischen Mordes seit dem zweiten Weltkrieg. Tausende von Menschen beteiligten sich in den Folgetagen an Trauerzügen durch die Hauptstadt Amsterdam, durch den Regierungssitz Den Haag sowie durch Fortuyns letzten Wohnort Rotterdam. Vor dem Amsterdamer Nationaldenkmal schloss auch ich mich einer solchen Trauerveranstaltung an. „Freiheitskämpfer Pim Fortuyn“ war auf zahlreichen Transparenten zu lesen. Auch viele seiner Meinungsgegner waren anwesend, die in dem Mord einen Angriff auf einen übergeordneten Grundwert sahen: auf die Meinungsfreiheit. Selbst der damalige Ministerpräsident Wim Kok nahm am Trauerzug teil – obwohl Fortuyn und er als Erzfeinde gegolten hatten. Nun mussten auch Kok und dessen sozialdemokratische Regierungspartei einsehen, wie sehr der Islam die übergeordneten Grundwerte westlicher Kulturen bedrohte.

Dass der Mord an Fortuyn die Menschen mobilisierte, zeigte sich unter anderem in der Wahlbeteiligung, die deutlich höher war als bei den Wahlen zuvor. Die regierenden Sozialdemokraten Koks wurden beispiellos abgestraft: Hatten sie zuvor 45 Sitze im Parlament, so waren es jetzt nur noch 23. Dem bisherigen Koalitionspartner, der linksliberalen Partei Demokraten 66, blieben von zuvor 14 Sitzen nur noch acht. Diese herben Verluste waren eine Quittung dafür, dass die Regierung drängende Fragen mit Mauern politischer Korrektheit  ignoriert hatte. Die von Fortuyn gegründete LPF wurde nach den Christdemokraten (CDA) zweitstärkste Kraft im Parlament. Gemeinsam mit der rechtsliberalen VVD bildeten sie eine Regierung unter dem christdemokratischen Ministerpräsidenten Jan-Peter Balkenende. Die Koalition setzte alsbald verschärfte Zuwanderungsregeln durch sowie Maßnahmen, um die einheimische Bevölkerung vor den negativen Wirkungen der Islamisierung der Großstädte zu schützen.

Bereits zweieinhalb Jahre später wurde Amsterdam zum Schauplatz eines weiteren tödlichen Attentats, ebenfalls in Zusammenhang mit Islamismus. Das Opfer war Theo van Gogh, ein landesweit geschätzter Regisseur. Auf inhaltlicher Ebene hatte er sich im Sinne moderner humanistischer Aufklärung profiliert. So benannte er, ähnlich wie vor ihm Fortuyn und nach ihm Wilders, den Islam als eine „rückständige Kultur“. Für diese Thesen ermordete ihn ein Islamist auf offener Straße.

An seiner Perfidität ließ der Mörder vor Ort nicht zweifeln. Nicht nur, dass er seinem Opfer die Kehle durchschnitt, als dieses schon am Boden lag, er legte zudem ein Bekennerschreiben auf Theo van Goghs Oberkörper und befestigte es mit Messern, die er durch das Papier tief in den Körper hineinstach. Das Schreiben enthielt neben der Erklärung, im Dienste Allahs gehandelt zu haben,  noch eine weitere Morddrohung – gerichtet an Ayaan Hirsi Ali, welche fortan unter Polizeischutz stand und schließlich in die USA „ins Exil“ ging. Damit war die dritte große Islamkritikerin aus den Niederlanden verschwunden.

Dieses war der Moment, in welchem Geert Wilders seine Gunst der Stunde kommen sah und zu nutzen wusste. Fortuyns hinterlassene Partei LPF hatte sich längst mangels starker Führung zerstritten, zugleich war jedoch das Bedürfnis nach wirksamer islamkritischer Politik in der niederländischen Bevölkerung nach den beiden Morden größer denn je. Geert Wilders bewies Gespür für diese Belange der Wählerschaft und gründete die PVV, seine Partei für die Freiheit, mit welcher er die Fortuyn-Agenda weitgehend übernahm und sie teilweise, zumindest in der Art und Weise der Proklamation, sogar noch radikalisierte.

Zudem ergänzte Wilders mit seiner starken Solidarität mit Israel noch einen bedeutsamen Punkt in dieser Agenda. Geboren im Jahr 1963 hatte Wilders als Teenager die islamische Welt bereist. Dort entsetzte ihn die religiöse Unterdrückung von Menschen – ganz anders als in Israel, wo er längere Zeit arbeitete. Für diesen Staat entwickelte er einen  ausgeprägten „Schutzinstinkt“, ebenso für das gesamte Judentum. In diesem Punkt unterschied sich Wilders einmal mehr von „echten Rechten“ europäischen Populisten wie Le Pen oder Jörg Haider. Wilders‘ Partei zog bei den Wahlen 2006 mit sechs Prozent der Stimmen ins Parlament ein. Somit erfolgte der Aufstieg etwas zögerlicher als bei Fortuyn. An die charismatische und zugleich hoch intellektuelle Ausstrahlung von jenem Soziologie-Professor kam Wilders nie heran.

Wilders verstand es jedoch, durch das Mittel der Provokation auf sich aufmerksam zu machen – sei es mittels des Vergleichs des Korans mit Hitlers Mein Kampf oder – noch wirksamer – mit dem Kurzfilm Fitna, welcher 2008 weltweit für Furore sorgte. Fitna (arab.: Versuchung, schwere Prüfung) zeigt Bilder islamistischer Gewalttaten, zum Beispiel von den Anschlägen in New York am 11. September 2001 oder vom Mord an Theo van Gogh. Jene Anschläge bringt der Film in Verbindung mit Zitaten aus dem Koran. Die Darstellungen sind dabei nicht nur vollkommen sachgerecht, sondern auch durch die Meinungsfreiheit gedeckt – juristisch festgestellt vom Gericht in Den Haag, vor welchem Wilders wegen Volksverhetzung angeklagt wurde. Die Meinungsfreiheit gehöre zu den Fundamenten der Demokratie, betonte das Gericht. Wilders habe mit seinen Äußerungen provoziert, aber nicht zu Hass und Gewalt gegen Muslime aufgerufen. Dieses hatten Vertreter der damaligen Regierung sowie islamische Verbände dem Filmemacher zu Unrecht vorgeworden.

Nach wie vor ist Fitna im Internet anzuschauen. Für jedermann erkennbar weist der Film auf die reale Unterdrückung von Frauen und Homosexuellen hin, wie sie in islamistischen Subkulturen alltäglich ist. Schwule müssten getötet und „von hohen Häusern“ geworfen werden, ruft ein islamistischer Aktivist, zu sehen in Originalaufnahmen. Ebenfalls sind Islamisten bei ihrer Hetze gegen Juden zu sehen, was vollkommen der Realität im arabischen Raum entspricht, teilweise auch der Realität in den Niederlanden. So stellt sich bezüglich dieses Films die gleiche – rhetorische – Frage wie bezüglich meiner Äußerungen, die zu meiner Suspendierung als Lehrer führten: Ist es nationalistisch oder rassistisch, vor der Frauenfeindlichkeit, der Homophobie und dem Antisemitismus des radikalen Islams zu warnen?

Geert Wilders und ich haben einen entscheidenden Erfolg gemeinsam: Wir beide haben unsere Gerichtsprozesse gewonnen. Im Gegensatz zu mir hatte Wilders gemäß des niederländischen Rechts die Möglichkeit, seine Schlussrede vor Gericht öffentlich im Fernsehen übertragen zu lassen. Als geschickter Selbstdarsteller machte er hiervon liebend gern Gebrauch und so ist seine Rede noch heute im Internet zu sehen, übrigens auch mit deutschen Untertitel versehen. Mir persönlich gefallen die ersten beiden Minuten dieser Rede besonders gut:

Skandalös war, was im Februar 2010 am Londoner Flughafen Heathrow passierte: Wilders war der Bitte eines britischen Abgeordneten gefolgt; auf dessen Einladung hin sollte der Niederländer seinen Film Fitna im Parlament zeigen. Kurz nach seiner Landung wurde Wilders unvermittelt verhaftet – die Labour-Regierung hatte kurzfristig ein Einreiseverbot verhängt. Wilders gefährde die öffentliche Sicherheit, so die Begründung. Denn Islamisten hatten zu Mordanschlägen auf den Niederländer aufgerufen. Dieser Eklat am Flughafen brachte Wilders weltweit auf die Titelseiten zahlreicher Zeitungen. Der Höhepunkt seiner Bekanntheit war erreicht.

Wilders klagte gegen besagtes Einreiseverbot, und das Londoner Gericht gab ihm Recht. Acht Monate später durfte er schließlich ins Vereinigte Königreich reisen. Und das ist gut so: Wir dürfen Grundrechte nicht einschränken, nur um Islamisten nicht zu reizen. Bei den Wahlen 2010 wurde Wilders‘ Partei mit 15,5 Prozent drittstärkste Kraft hinter Rechtsliberalen und Sozialdemokraten. Von nun an duldete die PVV zwei Jahre lang die Regierung des rechtsliberalen Ministerpräsidenten Mark Rutte.

Bei den Neuwahlen im September 2012 erlitt die PVV wiederum eine herbe Schlappe, sie stürzte auf zehn Prozent ab. Hatte sie sich durch eigene Erfolge aus Wählersicht überflüssig gemacht? Tatsächlich hatten die übrigen Parteien aus Wilders’ Erfolg ähnlich gelernt, wie zehn Jahre zuvor durch Fortuyn. Rechtsliberale und die Christdemokraten praktizierten unter Wilders’ Duldung eine zunehmend strengere Einwanderungspolitik. Diese bestand unter anderem in beschleunigten Asylverfahren, verschärfter Nachzugsregelung und zahlreichen kommunalen Maßnahmen.

Ein besondere Verdienst von Wilders war in dieser Zeit die Durchsetzung des Burka-Verbots: Seit 2012 dürfen Frauen in den Niederlanden nicht mehr vollverschleiert auf offenen Plätzen unterwegs sein, auch nicht in Schulen oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei Verstößen gegen die Vorschrift drohen Geldbußen von bis zu 390 Euro. Mit der Einführung des Burka-Verbots folgten die Niederlande den Beispielen Belgiens und Frankreichs – auch dort ist Vollverschleierung in der Öffentlichkeit längst verboten.

Wie einst Fortuyn kämpft Wilders für die Rechte von Frauen und für die Rechte von Homosexuellen. Diesbezüglich positioniert er sich „links“ von Rechtsliberalen und Christdemokraten, deren Regierung er von 2010 bis 2012 duldete. Im November 2011 stimmte er mit seiner PVV gegen diese beiden Parteien, als es um eine Abstimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe ging. Ein Gesetzesentwurf der Linksgrünen verbot Standesbeamten, homosexuellen Paaren die Eheschließung aus religiösen Gewissengründen zu verweigern. Die Kirchen beharrten auf diesem Verweigerungsrecht – christliche Standesbeamte hatten hiervon Gebrauch gemacht. Als Lesben- und Schwulenrechtler fiel Wilders den beiden Regierungsparteien in den Rücken und stimmte mit der linken Opposition.

In Anbetracht dessen sowie der politischen Morde sollte man vorsichtig damit sein, Wilders als rechtsextrem zu stigmatisieren. Doch genau das geschah durch niederländische wie auch internationale Medien. Der PVV-Chef steht fortdauernd unter Polizeischutz, er übernachtet in wechselnden, hochgesicherten Kasernen. Diese Maßnahmen kosten jährlich rund zwei Millionen Euro, berechnete die holländische Presse. Mit der Erwähnung dieser Zahl mache ich den ganzen Aufwand keineswegs Wilders zum Vorwurf. Im Gegenteil: Staatliche Aufgabe ist durchaus der Schutz von Meinungsfreiheit, und hierfür dienen auch Steuergelder. Wir täten den Teufel, würden wir dieses Grundrecht aus Kostengründen einschränken. Damit würde der Staat letztlich vor islamistischen Gewaltdrohungen kapitulieren – eine Katastrophe für demokratisches Selbstverständnis.

Dennoch sehe ich Wilders‘ Entwicklung in der letzten Zeit zunehmend skeptisch. So traf er sich in 2013 leider zu Gesprächen mit ausgewiesenen Rechtsextremisten wie der Französin Marine Le Pen (Front National) und dem Österreicher Heinz-Christian Strache (FPÖ), um über eine Kooperation mit deren Parteien zu beraten. Und hierbei handelt es sich leider um Parteien, die – anders als Wilders selbst – traurige Traditionen hinsichtlich des diskriminierenden Umgangs mit Homosexuellen sowie gefährlichem Antisemitismus aufweisen.

Ebenso bedenklich stimmte es mich, dass Wilders die Veröffentlichung einer deutschen Ausgabe seines Buches Zum Abschuss freigegeben Anfang dieses Jahres platzen ließ, weil der Verleger Hansjoachim Bernt angeblich auf einer „zu islamfreundlichen“ Übersetzung beharrte. Bernt hatte durchaus gute Gründe, bestimmte Stellen des Wilders-Buches in der deutschen Übersetzung „entschärfen“ zu wollen (siehe CT-Interview). Als „islamophilen Gutmenschen“ kann man diesen Verleger gewiss nicht bezeichnen, ich habe ihn eher als Nationalliberalen kennengelernt. Ich bekam intensive Einblicke in den Schriftverkehr des Verlegers bezüglich Wilders‘ Buchs. Zu Recht wies Bernt darauf hin, dass zahlreiche Stellen im Buch mit seiner Ethik als Verleger nicht vereinbar waren. Ein gewisser Teil dieser Stellen widersprach sogar dem deutschen Recht.

Meines Erachtens hätte Wilders das Projekt einer deutschen Buchausgabe durchaus „retten“ können, indem er (durchaus zumutbare) Kompromisse eingegangen wäre, etwa durch das stellenweise Ersetzen des Begriffs „Islam“ durch „Islamismus“. Ich selbst habe hier bei Citizen Times dargelegt, warum ich in meinem eigenen Buch zwischen „Islam“ und „Islamismus“ unterscheide, ohne damit Verrat an meiner islamkritischen Überzeugung zu üben.

An dieser Stelle wird eine vehemente Schwäche von Wilders deutlich, nämlich mangelnde Teamfähigkeit, eventuell auch mangelnder Gestaltungswille. Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass es sich bei der PVV um eine Ein-Mann-Partei handelt, die per Satzung die Aufnahme weiterer Mitglieder ausschließt. Auch für eine längerfristige Regierungsbeteiligung scheint Wilders aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur nicht geeignet zu sein. Sein Element ist das provokante Opponieren, weniger das konstruktive Mitgestalten. So hatte er die Mitte-Rechts-Koalition 2012 nach zwei Regierungsjahren platzen lassen und Neuwahlen bewirkt. Diese Neuwahlen versuchte er mit dumpfer populistischer Hetze gegen die Europäische Union zu gewinnen, aus welcher die Niederlande seiner Meinung nach schleunigst austreten sollten. Dieses Konzept ging nicht auf, die PVV wurde vom Wahlvolk abgestraft. Wilders schien als „Dauerprovokateur“ entlarvt zu sein. Dauerquerulanten haben es in der niederländischen Politik niemals zu dauerhaften Wahlerfolgen gebracht.

Der wahre Volksheld der neuzeitlichen Niederlande ist und bleibt also Pim Fortuyn. Einen Politiker wie ihn hatte das Land dringend gebraucht. Augenscheinlich passte er zwar nicht in das traditionell weltoffene Holland, doch er  verkörperte eine „produktive“ Abweichung, welche das Land wieder auf Kurs brachte. Denn ungesteuerte, übermäßige Einwanderung war in den Neunziger Jahren ein Zeichen dafür, dass das Land davon abgekommen war. Geert Wilders erwies sich entsprechend als „Kurswächter“. In dieser Funktion hat Wilders eine Zeit lang durchaus sinnvoll gewirkt. Ob Wilders weiterhin eine passable Rolle im politischen Betrieb der Niederlande findet, bleibt fraglich.

12 Comments »

  1. Spandauer 6. September 2013 at 10:13 - Reply

    Mal sehen, ob auch PI an den 50. Geburtstag von Wilders denkt 🙂
    Bisher (Stand: 9 : 12 Uhr) habe ich da noch nichts darüber gelesen – Citizen Times ist offenbar viel aufmerksamer 🙂

  2. Fahni 6. September 2013 at 13:04 - Reply

    Das Buch von Wilders ist reine Hetze. Habe es in der englischen Version gelesen. Es isf nicht schade drum, dass die deutsche Veröffentlichung gescheitert ist.Ja, ich sehe es auch so wie der Autor des Artikels, dass Wilders seine besten Jahre hinter sich hat. Das Treffen mit Strache ist da schon so ne Art Bankrotterklärung gewesen.

    • arek 7. September 2013 at 21:22 - Reply

      Und wie würden sie dann den Koran und den „Propheten“ beschreiben der für JEDEN Moslem ein Vorbild IN ALLEM ist?

      Waren Churchill und Ghandi dann auch Hetzer?

  3. Björn 7. September 2013 at 07:05 - Reply

    Gratulation an Geert Wilders zum Geburtstag. Der Mann ist eine Ikone der Freiheit und lässt sich (zum Glück) den Mund nicht verbieten (daher braucht er auch keinen Unterschied zwischen Islam und Islamismus zu machen, den es nicht gibt).

    Seine Annäherung an Marine Le Pen (Front National) und HC Strache (FPÖ), die ganz bestimmt nicht ‚rechtsextrem‘ sind, ist positiv – man muss nicht in jedem Punkt 100%ig übereinstimmen, um zusammenzuarbeiten – das tun nicht mal CDU und CSU! Schade nur, dass D’land weiterhin Lichtjahre davon entfernt ist, dass eine islamkritische Partei bei Wahlen 10, 15% und mehr % bekommt. Stattdessen wird selbst die AfD als rechtsextrem verteufelt!

    Weiterhin alles Gute an GW – der Kampf gegen die islamische Okkupation geht immer weiter und verlieren ist keine Option!

    • Fahni 8. September 2013 at 19:51 - Reply

      Die Verteufelung der Afd als rechtsextrem ist wirklich unangemessen, keine Frage.

  4. Klaus Franke 9. September 2013 at 01:11 - Reply

    Habe schon wieder jemandem an Islamophobie
    leidenden Schreiberling und Wichtigtuer aus gemacht.

  5. HenriFox 9. September 2013 at 16:50 - Reply

    Je mehr ich von Daniel Krause lese, desto skeptischer sehe ich seine Entwicklung.
    Übrigens hat Mc Donalds auch nicht den Hamburger erfunden. Aber ist Mc D. deshalb ein Trittbrettfahrer.

  6. Karl 9. September 2013 at 20:48 - Reply

    Nur weil jemand nach einem kommt ist er kein Trittbrettfahrer,denn dann hätte er sich auch ein anderes Thema suchen können und müsste nicht Jahrelang in Kasernen leben.

    OT oder doch nicht?
    http://islamversuseurope.blogspot.ca/2013/09/military-policewoman-suspended-for.html

    Und hier die Kosten die Einwanderer in Norwegen verursachen-nur Schweden,Deutsche,Dänen und Briten bringen einen Gewinn!Wie sieht es wohl hier aus?

    http://islamversuseurope.blogspot.ca/2013/09/norway-third-world-immigration-economic.html

  7. Klaus Franke 10. September 2013 at 01:22 - Reply

    Daniel krause nimmt in Kauf, das durch seine Moslem feindliche Hetze besonders die Antideutschen und Nazis unter ihnen bestätigt fühlen und ihn laut zu jubeln und schulterklopfend um ihn herum versammeln. Endlich können sie ihren Hass freien Lauf lassen und unverblümt von Hitler schwadronieren.
    http://vimeo.com/43787184

  8. Sonja S. 13. September 2013 at 22:38 - Reply

    *Klaus Franke: Dass die Antideutschen sich durch Daniel Krause bestätigt fühlen, wird ihn selbst wohl freuen, so wie ich ihn kenne. Nazis allerdings fühlen sich durch ihn nicht bestätigt. Schließlich ist Krause gegen (!) den Islam. Nazis und Islam vertragen sich hingegen gurt, schon in der NS-Zeit war das so. Im KZ Sachsenhausen gibt es eine ganze Austellung zur Kooperation zwischen Himmler und Muslimen aus dem Balkan und Nordafrika. Außerdem schreibt Krause viel Pro-Israel. Wer glaubt, dies gefalle den Nazis, hat von Nazis keine Ahnung oder bentuzt den Begriff „Nazi“ inflationär.

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