„Wir dürfen uns nicht verstecken“

11. Juni 2013 1

CT-Interview mit Burschenschafter Malte Schlimper vom BDIC über Rechtsextremismus, Alkohol, die Mensur und Frauen in Männerbünden

BDIC-Treffen in Suderburg - Bild: Saling

BDIC-Treffen in Suderburg – Bild: Saling

Burschenschaften und Studentenverbindungen stehen oft im Verdacht, allzu konservatives oder gar rechtsextremes Gedankengut zu pflegen, dem Alkohol mehr als gut zugetan zu sein und alte Geschlechterrollen zu tradieren. Was an diesen Klischees dran ist, wollte Citizen Times Gastautorin Nilüfer Coşkun im Gespräch mit Malte Schlimper herausfinden, Aktiver des BDIC-Korporationsverbands an deutschen Hochschulen.

Herr Schlimper, der Deutschen Burschenschaft werden derzeit große Probleme mit rechtsextremen Mitgliedern nachgesagt. Ist das nicht ein generelles Problem von Studentenverbindungen? Wie sieht es in Ihrem Dachverband aus ­– haben sie ein Naziproblem?

Malte Schlimper: Nein, dies ist kein generelles Problem. Extremismus entsteht dort, wo sich kleine Gruppen abschotten und keine anderen Meinungen mehr zu lassen. In unseren Bünden pflegen wir eine offene und höfliche Diskussionskultur, da haben es extreme Meinungen auch extrem schwer. Unsere Mitgliedsbünde sind keine politischen Organisationen, aber der politische Diskurs wird gefördert, und wir bieten verschiedene Veranstaltungen zur politischen Bildung an.

Der Streit in der Deutschen Burschenschaft eskalierte, weil einige nicht hinnehmen wollten, dass ein chinesisch-stämmiger junger Mann in ihren Reihen aufgenommen worden war. Wäre dieser Mann in ihrem Verband willkommen?

Schlimper: Die Herkunft eines Menschen ist in keinem unserer Mitgliedsbünde ein Aufnahmekriterium. In unseren Bünden sind Mitglieder aus verschiedenen Teilen der Welt versammelt.

Dann müsste sich Ihr Verhältnis zur Deutschen Burschenschaft ja in den letzten Wochen verschlechtert haben…

Schlimper: Das offizielle Verhältnis zur DB ist seit deren Austritt aus dem Convent deutscher Akademikerverbände schwieriger geworden. Aber einige unserer Mitgliedsbünde stehen nach wie vor in Kontakt zu Bünden der DB.

Der Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA), von dem sie sprechen, war in den fünfziger Jahren der größte Zusammenschluss von Verbindungsstudenten in Deutschland. Heute vertritt er statt der ursprünglichen 300.000 gerade einmal nach 7.000 Personen. Ist die Zeit der Studentenverbindung nach altem Muster nicht vielleicht einfach vorbei?

Schlimper: Studentenverbindungen waren in den vergangenen 200 Jahren immer wieder mit verschiedensten Problemen konfrontiert und haben sich doch immer durchgesetzt. Das Prinzip der lebenslangen Freundschaft hat sich bewährt und fasziniert auch weiterhin junge Menschen. Wir bieten unseren Mitgliedern ein seltenes Gut: Gemeinschaft, außerdem feste Regeln, Sitten und Bräuche. Sie geben unseren Mitgliedern Halt und lassen enge Freundschaften entstehen – auch über Generationen, Studiengänge und andere vermeintliche Grenzen hinweg. Nur wenige unserer Bünde haben eine zweistellige Zahl neuer Mitglieder pro Jahr, aber unsere Veranstaltungen für Erstsemester sind immer gut besucht.

Sie zeichnen naturgemäß ein sehr positives Bild. Ihnen ist aber schon klar, dass in den Medien vor allem andere Behauptungen über Studentenverbindungen kursieren?

Schlimper: Nämlich welche?

Dass es sich um politisch rechtsstehende Männerbünde handelt, die Alkoholexzesse feiern, die Gleichberechtigung ablehnen und archaische Männlichkeitsrituale pflegen.

Schlimper: Da haben Sie so ziemlich alle kursierenden Vorurteile in einem Satz untergebracht. Das Bild der Studentenverbindungen in der Öffentlichkeit wird leider von Verbindungsgegnern gezeichnet. Wir haben uns jahrzehntelang zurückgezogen und mit uns selbst beschäftigt. Aber wir dürfen uns nicht verstecken! Zumal diese Vorurteile über Studentenverbindung einfach blanker Unsinn sind.

Ich kann natürlich nur für meinen Verband sprechen, aber den Großteil unserer Mitglieder würde ich noch nicht einmal der gemäßigten Rechten zuordnen, sondern der Mitte. Es gibt sogar einige, die ich eher links einordnen würde. Wir haben viele Mitglieder, die sich bei den Grünen oder in der SPD engagieren. Ähnlich verhält es sich mit dem Vorwurf der Alkoholexzesse. Auf Studentenfeten wird nun mal Alkohol getrunken – da sagt niemand etwas. Aber sobald einer der Beteiligten ein buntes Band trägt ist das plötzlich unmoralisch?

Ist es denn moralisch, wenn sich junge Menschen mit scharfen Säbeln duellieren bis das Blut fließt?

Schlimper: Das darf jeder für sich selbst entscheiden.

Aber ausschließlich Männer. Warum dürfen Frauen nicht Mitglied ihres Verbandes werden?

Schlimper: Unsere Verbindungen sind aus Ingenieurkorporationen entstanden, da stellte sich diese Frage bis in die 1970er Jahre gar nicht. Und heute haben wir ja auch manchmal Veranstaltungen mit Damen. Ich habe es aber noch nicht erlebt, dass eine Frau ernsthaft eine Mitgliedschaft in Betracht gezogen hätte.

Das heißt wenn ich wollte, würden Sie mich in ihre Burschenschaft aufnehmen? Das glauben Sie doch selbst nicht…

Schlimper: (lacht) Ich glaube, Sie wollen auch gar nicht, sonst wären Sie ja schon Mitglied in einer Damenverbindung oder einer gemischten Verbindung. Aber Spaß beiseite, wir fühlen uns als Männerbund wohl und haben nicht vor, das zu ändern. Natürlich würden wir uns dennoch freuen, Sie bei einer unserer Veranstaltungen begrüßen zu dürfen, insbesondere die Seminare und Vorträge unseres gemeinnützigen Bildungswerkes kann ich Ihnen da empfehlen.

Malte Schlimper - Bild: privat

Malte Schlimper – Bild: privat

Malte Schlimper (*1978) studierte von 2001 bis 2006 Schiffbau und Meerestechnik in Bremen und ist heute für ein international operierendes Unternehmen in diesem Sektor tätig. Schlimper ist Senior des BDIC-Korporationsverbands/Landesverband Nord.

Der BDIC-Korporationsverband an deutschen Hochschulen (BDIC steht für Bund Deutscher Ingenieur-Corporationen) ist ein Dachverband von derzeit 32 Studentenverbindungen an 24 deutschen Hochschulen mit 2.349 Mitgliedern.  Dabei handelt es sich ausschließlich um Männerbünde mit Lebensbundprinzip. Eine Mensur ist nicht Pflicht.


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