Silicon Valley im Bitcoin-Fieber

22. Mai 2013 1

Von der neuen Währung zum libertären Stadtstaat? Aaron Koenig berichtet von der Bitcoin-Konferenz in San José

Auf der Bitcoin-Konferenz 2013 - Bild: Aaaron Koenig

Auf der Bitcoin-Konferenz 2013 – Bild: Aaaron Koenig

Die Atmosphäre auf dem Funded Entrepreneurs-Podium ist ausgelassen. Wie Schuljungen albern die vier Panelisten herum, die alle schon lange in der Bitcoin-Szene aktiv sind. Zu ihrer guten Laune trägt sicher bei, dass alle vier vor kurzem mit frischem Venture Capital versorgt wurden. In San José herrscht Goldrausch-Stimmung.

„Vor zwei Jahren haben wir von den VCs nur Absagen bekommen“, erzählt Peter Vessenes, Gründer des Bitcoin-Gateways Coinlab und Präsident der Bitcoin Foundation. „Vor einem Jahr haben sie zwar abgesagt, aber unter der Hand gefragt, ob sie nicht ein paar Bitcoins kaufen können. Und jetzt gibt es mehr Venture Capital auf der Suche nach guten Investments als Bitcoin-Start-Ups.“

Die zahlreichen anwesenden Investoren, die wie die meisten im Publikum Jeans und T-Shirt tragen, bestätigen das. Bitcoin ist zur Zeit eines der heißesten Themen im Silicon Valley. „Aber es wird nicht enden wie der Dot-Com-Boom der späten Neunziger“, glaubt Tony Gallippi, der es mit seinem Unternehmen BitPay bereits über 7000 Online-Shops ermöglicht hat, Bitcoins anzunehmen. „Keiner gibt mehr Geld für eine bloße Idee, die Investoren wollen jetzt valide Geschäftsmodelle sehen. Wir arbeiten bereits profitabel und brauchen das Venture Capital nur, um noch schneller wachsen zu können.“

Mehr als 1000 Teilnehmer aus aller Welt sind ins San José Convention Center gekommen, um die letzten Neuigkeiten über Bitcoin zu erfahren, nach Geschäftspartnern und Investoren zu suchen und Spaß zu haben. Während die vorige Bitcoin-Konferenz in London mit rund 300 Teilnehmern sich noch eher anfühlte wie ein etwas chaotisches Hackertreffen, ist dieses Event hochprofessionell organisiert und hat nicht nur Investoren, sondern auch Washingtoner Rechtsanwälte und Fund-Manager angelockt.

In vier Konferenzsträngen wird über wirtschaftliche, legale, politische und technische Aspekte der neuen digitalen Währung diskutiert. Roger Ver gibt die Einführung für Geschäftsleute und ist sicher: „Bitcoin ist die revolutionärste Erfindung seit dem Internet“.

Das Geschäftsmodell seines Bitcoin Stores ist verblüffend einfach: er bietet Laptops, Digitalkameras, Bildschirme, MP3-Player und sonstige elektronische Geräte deutlich billiger an als irgendwer sonst. Das ist möglich, weil bei der Zahlung mit Bitcoin – im Gegensatz zu Kreditkarten oder PayPal – keine nennenswerten Gebühren anfallen. Außerdem fallen die hohen Ausfallquoten durch Kreditkartenschwindel weg, die die Händler einpreisen müssen. Doch vor allem verzichtet Roger Ver auf eine Gewinnmarge: „Ich behalte einfach so viele Bitcoins wie möglich und rechne damit, dass sie weiter im Preis steigen.“

Mit langfristig steigenden Bitcoin-Kursen rechnen hier in San José alle. Wird der Bitcoin, dessen Wert sich in den letzten Monaten verzehnfacht hat, am Jahresende bereits bei 1000 Dollar stehen? Oder noch höher? Finanzberater Tuur Demeester rechnet eher langfristig mit deutlich höheren Werten: „Bitcoin ist kein Spekulationsobjekt, sondern eine neue Technologie. Man muss seine Adoptionskurve mit der von revolutionären neuen Produkten wie dem Fernseher, dem PC oder dem Handy vergleichen, dann sieht man, dass das Bitcoin-Wachstum erst ganz am Anfang steht.“

Zahlreiche Aussteller präsentieren auf der Konferenz im einem Messebereich ihre Lösungen, um Bitcoin noch nützlicher und nutzerfreundlicher zu machen. Besonders umlagert sind zwei Geldautomaten, an denen man Bitcoins gegen Dollar tauschen kann. Überall werden neue Bitcoin-Wallets, Sicherheits-Speicher und Mining-Rechner angepriesen, es ist schwer, den Überblick zu behalten. Besonders emsig wird an neuen Bitcoin-Börsen gearbeitet, denn alle sind sich einig, dass Mt Gox als wichtigste Börse der Bitcoin-Welt ausgedient hat.

Mt Gox kann nur 3000 Trades pro Sekunde abwickeln, unsere Lösung hingegen 250 000“, sagt Margaux Avedisian, Gründerin der neuen Bitcoin-Börse AlphaPoint mit Sitz in New York. „Die ersten Bitcoin-Börsen sind als Hobbyprojekte gestartet, aber das reicht jetzt nicht mehr. Wall Street stellt ganz andere Ansprüche an elektronische Handelsplätze.“

AlphaPoint wurde von Programmierern mit Wall-Street-Erfahrung entwickelt, ist technisch fertig, aber noch nicht gestartet, weil man noch auf die Lizenzen der Regulierungsbehörden wartet. Das kann dauern und ist teuer. In jedem einzelnen Bundesstaat der USA muss eine eigene Lizenz beantragt werden, vom Rest der Welt ganz zu schweigen.

„Die Regulierungsbehörden sind von Bitcoin überfordert, sie wissen nicht, ob sie es als Währung, als Sachwert oder als Zahlungssystem behandeln soll, denn es hat von allen drei etwas“, sagt Joe Cutler von der Anwaltskanzlei Perkins Coie. „Es ist ein bisschen wie zur Anfangszeit des Automobils, als alle Verkehrsregeln für Pferdekutschen gemacht waren, aber für Autos nicht mehr passten.“

Um solche nervigen Hindernisse in Zukunft zu umgehen, bietet die Elevator Group libertären Pionieren etwas Neues an: sie will in Mittelamerika einen eigenen Stadtstaat nach dem Vorbild Hong Kongs oder Singapurs gründen, mit größtmöglicher Freiheit für alle Bürger und Unternehmer. Auf Einkommens- und Unternehmenssteuern wird der neue Freistaat verzichten, die extrem schlanke Stadtregierung finanziert sich durch Gebühren für konkrete Leistungen und die Verpachtung des Bodens. Und natürlich wird die Währung des neuen Traumstaates der Libertarians, von dem noch nicht verraten wird, wo er genau liegt, der Bitcoin sein.

Zuerst veröffentlicht bei Mount Knox – Bitcoin für Einsteiger.

One Comment »

  1. dr. who 24. Mai 2013 at 08:47 - Reply

    schnarchcoins ….

Leave A Response »