Adieu Familie?

15. Mai 2013 0

Internationaler Familientag 2013: Nicht einmal die Hälfte der deutschen Bevölkerung lebt in einer Familie

Vater, Mutter und zwei Kinder?  - Foto: Wilhelmine Wulff  / pixelio.de

Vater, Mutter und zwei Kinder? – Foto: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Immer weniger Menschen in Deutschland leben in Familien. Im Jahr 1996 waren es noch 57 Prozent der Bevölkerung, die diese klassische Form der Keimzelle der Gesellschaft bildeten, 2011 war es nur noch knapp die Hälfte (49 %). Als Familienmitglieder gelten beim Statistischen Bundesamt (Destatis) Mütter und/oder Väter (auch Stief-, Pflege- oder Adoptiveltern) und die mit ihnen in einem Haushalt zusammen lebenden minder- oder volljährigen Kinder. 1

Bevölkerungsanteil, der in Familien lebt (BRD 1996-2011)

Bevölkerungsanteil, der in Familien lebt (BRD 1996-2011)

1996 hatten noch Mecklenburg-Vorpommern (63%), Brandenburg (62%) und Thüringen (61%) den höchsten Familienanteil. Es sind aber gerade die neuen Bundesländer, wo dieser Lebensentwurf am stärksten rückläufig ist. So sank der Anteil der Familien im ehemaligen Osten (inklusive Berlin) um durchschnittlich 15 Prozent, in den alten Bundesländern nur um fünf Prozent.

Im bundesdeutschen Vergleich lebt mittlerweile in Baden-Württemberg und Bayern (jeweils 53%) der größte Anteil der Bevölkerung in Familien. Am wenigsten favorisiert wird das Familienleben hingegen in Berlin (40%) sowie Bremen und Sachsen (jeweils 41 %).

Im Gegenzug dazu stieg der Anteil der Paare ohne Kinder innerhalb der anderthalb Jahrzehnte leicht von 26 auf 29 Prozent an. Vor allem aber nahm die Zahl der Alleinlebenden in Deutschland deutlich zu. Im Jahr 1996 lebten noch knapp 16 Prozent der Bevölkerung in sogenannten Einpersonenhaushalten, 2011 betraf dies schon fast ein Fünftel. 53 Prozent der Alleinlebenden waren Frauen, die Alleinlebendenquote der Frauen lag mit 21 Prozent etwas höher als die der Männer (19%). Personen mit Migrationshintergrund leben seltener allein, nur knapp 13 Prozent führen einen Einpersonenhaushalt (vgl. auch die Studie Türken in Deutschland).

Insgesamt belegt Deutschland in der EU nach Schweden (24% Alleinlebendenquote) den zweiten Platz (zusammen mit Finnland und Dänemark). Durchschnittlich lebten im Jahr 2010 in den 27 Ländern der Europäischen Union 13 Prozent der Menschen allein. 2

Familienpolitik politisch umkämpft

Der Bereich der Familienpolitik und Geschlechterrollen gilt als einer der am ideologischsten aufgeladenen in der BRD. Offensichtlich stehen sich in den politischen Lagern vollkommen gegensätzliche Sichtweisen gegenüber. Problematisch ist an (sehr) konservativen wie linken Positionen gleichermaßen, dass sie individuelle Lebensentwürfe ignorieren und versuchen, sich in den grundgesetzlich geschützten Bereich der Familie einzumischen. Hinzu kommt, dass die meisten Maßnahmen der Familien- und Geburtensteuerungspolitik als gescheitert betrachtet werden müssen.

In ihrer Analyse gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen hält die Stresemann Stiftung deswegen fest:

Die Gleichberechtigung der Frau und der selbstverständliche Respekt vor Frauen – auch in Wirtschaft und Gesellschaft – sind unverzichtbare Grundlagen unserer Gesellschaft. Gleichstellung kann aber nicht bedeuten, die Ideologie traditioneller Rollenbilder durch ein Korsett neuer Ideologien zu ersetzen. Vielmehr sollte eine Vielfalt persönlicher Lebensentwürfe selbstverständlich sein – insbesondere im Hinblick auf Familienkonstellationen, Geschlechterrollen und Erziehungsstile. Gleichzeitig muss die soziale, wirtschaftliche und räumliche Umwelt so gestaltet sein, das sie den Bedürfnissen von Erziehenden und Kindern entspricht.

Aus der Analyse gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen zur Ideologisierung insbesondere der Politikfelder Zuwanderung & Integration, Extremismusbekämpfung, Europäische Union & nationale Selbstbestimmung, Familienpolitik & Geschlechterrollen, Umwelt- und Klimaschutz sowie Umverteilung & soziale Durchlässigkeit hat die Stresemann Stiftung ihre Mission zur Erreichung ihrer Vision formuliert.

Notes:

  1. Die Familie im statistischen Sinn umfasst – abweichend von früheren Veröffentlichungen zum Mikrozensus – im Lebensformenkonzept alle Eltern-Kind-Gemeinschaften, d.h. Ehepaare, nichteheliche und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sowie allein erziehende Mütter und Väter mit ledigen Kindern im Haushalt. Einbezogen sind in diesen Familienbegriff – neben leiblichen Kindern – auch Stief-, Pflege- und Adoptivkinder ohne Altersbegrenzung. Damit besteht eine statistische Familie immer aus zwei Generationen: Eltern/-teile und im Haushalt lebende ledige Kinder (Zwei-Generationen-Regel). Kinder, die noch gemeinsam mit den Eltern in einem Haushalt leben, dort aber bereits eigene Kinder versorgen, sowie Kinder, die nicht mehr ledig sind oder mit einer Partnerin oder einem Partner in einer Lebensgemeinschaft leben, werden im Mikrozensus nicht der Herkunftsfamilie zugerechnet, sondern zählen statistisch als eigene Familie bzw. Lebensform. Vgl.: Destatis (2012): Haushalte und Familien. Ergebnisse des Mikrozensus – Fachserie 1 Reihe 3 – 2011, S. 22, online verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/HaushalteMikrozensus/HaushalteFamilien2010300117004.pdf?__blob=publicationFile, zuletzt geprüft am 15.05.2013.
  2. Vgl.: Destatis (2012): Alleinlebende in Deutschland – Ergebnisse des Mikrozensus 2011, online verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2012/Alleinlebende/begleitmaterial_PDF.pdf?__blob=publicationFile, zuletzt geprüft am 15.05.2013.

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