Der neodeutsche Wahnsinn beginnt

14. Mai 2013 2

Buchauszug: Hansjoachim Bernt (2013): Von einem der auszog, Geert Wilders zu verlegen

Der niederländische Politiker Geert Wilders (PVV) - Bild: Fabian Hossfeld

Der niederländische Politiker Geert Wilders (PVV) – Bild: Fabian Hossfeld

Im September 2012 kündigte der Verleger Hansjoachim Bernt an, eine deutsche Übersetzung des Buches Marked for Death (CT-Rezension des engl. Originals) des niederländischen Politiker Geert Wilders zu veröffentlichen. Die Reaktionen darauf reichten von großer Begeisterung bis hin zur Kündigung von Mietverträgen. Ende Januar 2013 musste sich der Verlag HJB-Fakten schließlich geschlagen geben: Bezüglich zahlreicher Textpassagen war keine Einigung zwischen dem Autor und der Rechtsabteilung von Hansjoachim Bernt (CT-Interview) zu erzielen.

Am 21. Juni 2013 wird nun ein Buch des Verlegers selbst erscheinen, in dem er die widrigen Umstände schildert, wenn man versucht politisch unkorrekte Stoffe zu veröffentlichen: Von einem der auszog, Geert Wilders zu verlegen. Bei Citizen Times lesen Sie schon heute einen exklusiven Auszug aus dem Buch:


28. September 2012

Das LKA Stuttgart hat den „Fall Wilders“ an den Staatsschutz Konstanz weitergereicht. Zwei Polizeibeamte, darunter eine Dame des Staatsschutzes, und zwei Vertreter, die Herren K. und H., der (im Auftrag der Firma Schiesser) für das Handling meines Mietverhältnisses zuständigen Immobilienverwaltungsfirma HESTA, besuchen meine Organisationsleiterin in den Radolfzeller Geschäftsräumen der HJB Kommanditgesellschaft.

Es erfolgt eine Begehung der HJB-Räumlichkeiten und bestimmte Sicherheitshinweise werden vermittelt, alles sehr sachlich und freundlich. Direkte Ansprechpartner bei der örtlichen Polizei werden benannt, es entsteht ein äußerst professioneller Eindruck. Das Gebäude „Schützenstraße 24“ wird ab sofort in die Liste der „gefährdeten Objekte“ aufgenommen und profitiert nun von bestimmten polizeilichen Sicherungsmaßnahmen, auf die ich an dieser Stelle aus verständlichen Gründen nicht im Detail eingehen kann.

Lediglich die Herren K. und H. machen den Eindruck, als ob die Nerven blank liegen. Es ist die Rede davon, daß ich vor der Ankündigung der Veröffentlichungsabsicht des Buches Kontakt zu ihnen hätte aufnehmen müssen. Übertroffen wird diese merkwürdige Forderung noch von der Ansicht Herrn K.‘s, ob die Firma HJB überhaupt von dem Standort in der Schützenstraße aus Bücher verschicken darf, sind doch „nur“ Büroräume und ein Lager gemietet worden. Ich denke, ab einem bestimmten Erkenntnisgrad ist klar, daß ein Lager kein ewig in sich ruhender Pol ist, in dem es niemals Abgänge gibt, vielmehr macht es augenscheinlich eher Sinn, ein Lager anzumieten, um von dort aus – möglicherweise in arglistiger Täuschungsabsicht, heimtückisch und verschlagen, dies alles vor der Welt verheimlichend – auch Bücher zu verschicken. Es ist eigentlich überflüssig zu erwähnen, daß die HJB KG in den letzten sechs Jahren ihres Mietverhältnisses mit HESTA/Schiesser hunderttausende Buchsendungen von eben diesem Lager aus verschickt hat, was vor Ort auch jedem bekannt ist.

Was ich nun schreibe, wird Sie vielleicht erstaunen, bei näherer Betrachtung aber werden Sie mir vielleicht recht geben: Mir war klar, daß die ersten feindseligen Reaktionen nicht von Seiten irgendwelcher verrückter Islamisten ausgehen, sondern von – Deutschen. Daß aber nicht etwa staatliche Behörden die Speerspitze der Anti-Wilders-Bewegung bilden, sondern mein Radolfzeller Vermieter, habe ich nicht erwartet. Aber das ist das eigentlich spannende bei solchen Aktionen, von den Details wird man immer wieder überrascht.

Es ist die Angst zu spüren, die irrationale Angst von Menschen, die sich plötzlich in irgendwelche mysteriösen Vorgänge verwickelt sehen, die sie ansonsten nur cool von ihrem bequemen Fernsehsessel aus betrachten und denen sie wahrscheinlich ein wohliges gleichwie müdes Schauern abgewinnen.

Bei einem anschließenden Telefonat mit Herrn K. fallen dann Äußerungen, die eigentlich zu erwarten waren: „Sie wissen ja gar nicht, was Sie tun“, „Hätte ich Sie doch nur nie als Mieter genommen“, „Vor mir sitzen Mitarbeiter mit bleichem Gesicht“ und dergleichen mehr. Meine Hinweise darauf, daß es sicher ein Novum wäre, würden radikalislamistische Extremisten gegen den Verlag eines entsprechendes Werkes vorgehen, finden keinen Zugang mehr zum logischen Denkvermögen. Es ist die Panik, die nackte Panik, die regiert, und ich gestehe, in gewisser Weise eine leichte Faszination dabei zu empfinden, Zeuge werden zu dürfen, wie Irrationalismus die Realität gestaltet – was generell nicht unüblich zu sein scheint in diesem Lande.

Es gibt Menschen, die ich noch nie für herausragend intelligent gehalten habe. Die nervliche Anspannung, die aus persönlichen Gründen eingeschränkte Möglichkeit zu sachlich-logischer Betrachtung, das fühlbare unkoordinierte Durcheinanderpurzeln an sich elementar vernünftiger Denkprozesse, die aber nicht mehr in logische Ketten einsortiert werden können, all dies führt jedenfalls zu einer weiteren spannenden Menschenstudie – und füllt Zeilen dieses Buches, das in seinen Momentaufnahmen, ganz nebenbei, auch eine Dokumentation über den Zustand der alltäglichen neodeutschen Psyche ist.

Während die Firma HESTA ein Rundschreiben an alle Mieter des Schiesser-Areals verteilt (siehe Anlage 4), die wahrscheinlich für wesentlich mehr Unruhe und weitere sinnlose Angst bei den dort arbeitenden Leuten sorgt als daß sie wirklich etwas nutzt (dennoch aber – zumindest grundsätzlich – eine verständliche Maßnahme ist), verschicke ich meine Pressemitteilung an die Chefredaktion von dpa und buche beim dpa-Presseversanddienst den großen Verteiler. Ich fühle ich mich bestätigt darin, bereits eine Anwaltskanzlei mit meiner generellen Interessenwahrnehmung beauftragt zu haben, die über etliche Anwälte und Mitarbeiter verfügt. Der Wind, der mir bereits in Radolfzell entgegenschlägt, ist derart extrem, daß es sogar mich etwas überrascht.

Wissen Sie, sogenannte extremistische Gesellen setzen sich nicht durch, weil sie selbst die Macht dazu hätten; das Böse, das Schlechte, das Tyrannische hat immer und überall gute Chancen letztlich zu gewinnen, weil der „Normalbürger“, der Feigling, die (Pseudo)elite, eigentlich der „respektable Konservative“ (wie es Alex Kurtagic formuliert) keinen Widerstand leisten – und zuallererst angsterfüllt auf die Mahner für die Freiheit einschlagen. Liegt es daran, daß diese Mahner durch ihre bloße Existenz eine lebendige Anklage darstellen gegen das Weg-Schauen der anderen? Daß diese Mahner in den anderen dieses Gefühl der Scham ob der eigenen Feigheit bewußtmachen? War es nicht schon immer so?

Der von mir verehrte Kaiser, Napoleon Bonaparte, sagte über die Deutschen: „Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann groß genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“ Ein Mann (oder eine Frau) des Kalibers eines Bonaparte fehlt Europa in diesen merkwürdigen Zeiten sowieso.

Erlangten die Nazis nicht wegen des fundamentalen Versagens der verantwortlichen Gestalter des Staatswesens die Macht? Ist vielleicht dieses vorsorgliche Wegducken vor „Repressalien“, die wahrscheinlich gar nicht erfolgen, der Beweis dafür, daß sich eine wie auch immer geartete „islamistische Bedrohung“ bereits als schlußendlicher Sieger fühlen darf, ja muß, weil irrationale Ängste bereits das Umfeld bereitet haben für … was auch immer?

Erste positive Stimmen erreichen mich: Journalistenwatch, Citizen Times, Bürgerrechtspartei DIE FREIHEIT und PI freuen sich über das Buchprojekt. DPA ruft mich an, um die eingereichte Pressemitteilung auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

Ich frage bei meinen Staranwälten nach einem Termin, um die ersten Vorbereitungen zu treffen im Hinblick auf gewisse Irritationen, die zwangsläufig in einer modernen demokratischen Gesellschaft einhergehen mit der Ankündigung, tatsächlich rücksichtslos Gebrauch zu machen von dem jedem Bürger zugestandenen persönlichen Grundrecht und zudem, in meiner Eigenschaft als Verleger, dem der Pressefreiheit.

Rechtsanwaltstermin?

Mir wird vorgeschlagen, einen Termin in der nächsten Woche erhalten zu können, da trotz eines Honorarstundensatzes von 350 Euro „meine“ neuen Anwälte noch nicht darüber entschieden haben, ob sie mich wirklich vertreten wollen… Verehrte Leser, das ist gelebte Demokratie, so wie sie mir begegnet, das ist die westliche Freiheit, in der der Gesinnungsterror der politisch korrekten Tyrannen die Menschen dazu erzogen hat, bereits in das eigene Leben, in die Auswahl der Klienten selbstregulierend einzugreifen, was und wer genau zur Freiheit dazugehört – und wer nicht.

Es scheint angemessener zu sein, eine Strafverteidigung für einen Mörder, illegalen Waffenhändler,  Drogendealer und Vergewaltiger einzufordern (Halten Sie das für übertrieben? Ich nicht: Was glauben Sie denn, wer sich üblicherweise Anwälte mit diesen Stundensätzen leisten kann? Was glauben Sie, welche Leute normalerweise eine Kanzlei auswählen, die alleine fünf Strafverteidiger beschäftigt?) statt für einen Bürger wie mich. Zur Durchführung der Selektion ist bei dem Selbstläufer Gesinnungsterror die persönliche Anwesenheit eines „großen Bruders“ gar nicht erforderlich! Alles funktioniert aus sich selbst heraus bereits bestens…

Langsam beginne ich zu verstehen, wie es sein konnte, daß zig Millionen Deutsche beim Nationalsozialismus mitmachten – die würden bei allem mitmachen! Immer und immer wieder! Nazi-Deutschland, DDR, egal. Früher habe ich darüber gelacht, wenn Leute meinten, der NS (im Sinne eines Synonyms für Totalitarismus) könne sich wiederholen. Das kann er nicht in dem bekannten braunen Gewande, aber in einem anderen, einem verspielt rose-grünen oder blutig-hoffnungsfrohen Tiefrot 1 ohne Probleme.

5. Oktober 2012

Es findet sich ein geheimnisvoller Unbekannter in Radolfzell im Gebäude Schützenstr. 24 ein, der einen Rucksack trägt. Er wird von einer aufmerksam um sich spähenden Mitarbeiterin entdeckt, die bei einer anderen im Gebäude ansässigen Firma arbeitet. Sofort informiert sie ihren Vorgesetzten, der den mystery man zur Rede stellt, der sich – so die Formulierung in einer E-Mail, die kurz darauf im Hause herumgeistert – als „Mitarbeiter einer Fremdfirma“ vorstellt, die „für die Arbeitssicherheit des HJB-Verlages zuständig“ sei.

In der Abteilung, in der die Meisterdetektivin und ihre Kollegen sicher auch noch anderen Tätigkeiten nachgehen, bricht Panik aus. Es werden dort Stimmen laut: „Wo ist der versprochene Sicherheitsdienst?“, „Wer sorgt für unsere Sicherheit?“, „Interessiert es überhaupt jemanden, was im Gebäude passiert?“ Eine ganze Abteilung mit 80 Personen gerät in Unruhe. Die detektivisch tätig gewesene Mitarbeiterin war derweil „völlig tränenaufgelöst und musste erst einmal beruhigt werden“.

Die für das Immobilienmanagement zuständige Firma ersucht den Eigentümer, die Firma Schiesser, um Hilfestellung bei – ich weiß auch nicht, bei was. Schließlich, etwa dreieinhalb Stunden (!) nach dem ursächlich „bedrohlichen“ Vorfall, nimmt die Polizei Radolfzell dazu Stellung und übt – berechtigter Weise – Kritik daran, nicht sofort verständigt worden zu sein. Tja, so sieht es dann aus, wenn man Flugblätter verteilt, deren Inhalt leider nicht ungeeignet ist, die Leute noch verrückter zu machen als so mancher ohnehin bereits eher eine ängstliche Natur zu sein scheint (um höflich zu bleiben). Die Polizei stellt im Übrigen fest, daß es nach den Erfahrungen der ersten Tage nach Veröffentlichung der Pressemeldung aktuell keinen besonderen Grund zur Besorgnis gibt.

Habe ich bereits erwähnt, daß der mysteriöse Unbekannte sich als Mitarbeiter des TÜV ausgegeben hatte, der sich schlichtweg erdreistete, einen abgesprochenen Termin bei der Firma HJB wahrnehmen zu wollen?

Eine Rückfrage bei meiner Organisationsleiterin hätte hier sicher zu einer schnellen Klärung beigetragen, aber es mag sein, daß E-Mails, stundenlang herumgeschickt und im Radolfzeller Nirvana herumgeisternd, eine bessere Hilfe darstellen, als ein Anruf bei HJB oder im Zweifelsfalle bei dem für die Betreuung des Falls „HJB/Wilders“ zuständigen Mitarbeiter der örtlichen Polizei.

Natürlich habe ich dennoch vollstes Verständnis für solche panikgenerierten Aktionen, sah der unheimliche, im Hause herumschleichende TÜV-Mitarbeiter auch gar bedrohlich aus; blond (sicher gefärbt), blaue Augen (gefärbte Kontaktlinsen), helle Haut (angemalt), spricht perfekt Deutsch (einstudiert), dies allerdings mit einem verdächtigen badischen Dialekt (besonders perfider Täuschungsversuch, ein Einheimischer zu sein), zivile Kleidung (seine Ninja-Kutte trug er sicher aus Tarnungsgründen an diesem Tage nicht), ich kombiniere: angemeldeter Eindringling, will Arbeitssicherheit bei HJB im üblichen, vernünftigerweise gesetzlich vorgeschriebenen jährlichen Turnus kontrollieren – sagt er; geschickte Ausrede. In Wirklichkeit ist der Mann brandgefährlich. 2

08. Oktober 2012

Die juristische Brisanz des Inhaltes von „Zum Abschuss freigegeben“, forciert durch deutsche Gesetze, die andere Grenzen der Meinungsfreiheit ziehen als dies etwa in den USA der Fall ist, erfordert einen weiteren (sündhaft teuren) rechtsanwaltlichen, spezialisierten Beurteilungs- und Korrekturdurchgang. 3

Es ist jetzt klar, daß der Veröffentlichungstermin der deutschen Ausgabe in den Januar 2013 rutschen wird.


Hansjoachim Bernt (2013): Von einem der auszog, Geert Wilders zu verlegen. Radolfzell: HJB-Fakten, 176 Seiten, (voraussichtlich) 12,90 Euro. Erscheint am 21. Juni 2013. Vorbestellen bei Amazon.

Notes:

  1. Weitere Farbkombinationen sind denkbar. Der Leser ist angehalten, sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen.
  2. Lieber TÜV-Mitarbeiter: Bitte verzeihen Sie nochmals die merkwürdige Situation, in die Sie unverschuldet hineingeraten sind.
  3. Den in Auftrag zu geben, der schwerste Fehler war, wie sich im nachhinein herausstelle.

2 Comments »

  1. Max 15. Mai 2013 at 23:48 - Reply

    Ein Anschlag wäre auch eher von Linken ans Moslems zu befürchten…

    • hubert 17. Mai 2013 at 04:02 - Reply

      Du hast da insgesamt wohl was falsch verstanden.. Linke und (vorsichtig ausgedrückt ) Moslems sind fast das gleiche!!! Zumindest arbeiten die Hand in Hand…

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