Deutsche: weltoffen und islamkritisch

30. April 2013 2

Die Sicht der Deutschen auf den Islam und andere Religionen im Religionsmonitor 2013 der Bertelsmann Stiftung (Teil 1)

Den Islam sehen die meisten Deutschen negativ - Bild: Gerd Altmann  / pixelio.de

Den Islam sehen die meisten Deutschen negativ – Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Der von der Bertelsmann Stiftung herausgegebene Religionsmonitor 2013 zeigt eine aufgeschlossene, aber kritische Haltung der deutschen Bevölkerung gegenüber verschiedenen Weltreligionen. Lediglich den Islam sieht ein Großteil der Befragten als problematisch.

Insgesamt denken die meisten Menschen in Deutschland, dass die Vielfalt der religiösen Gruppierungen eine Bereicherung darstellt (West: 61%, Ost: 57%). Noch etwas mehr sind sich jedoch auch bewusst, dass eben diese zunehmende Vielfalt eine Ursache für Konflikte ist (West: 65%, Ost: 59%). Für die Forscher des Religionsmonitors ein deutliches Zeichen für das angemessene Realitätsbewusstsein der deutschen Bevölkerung:

Man verschließt sich nicht gegenüber den positiven Aspekten der zunehmenden Vielfalt religiöser Gruppen in der Gesellschaft, nimmt aber auch die damit verbundenen Probleme wahr. Weder wehrt man die irritierende Vielfalt des Fremden einfach ab, noch idealisiert man die mit der kulturellen Mannigfaltigkeit verbundenen Gewinne. Man begrüßt die religiöse Vielfalt, bleibt aber kritisch.“

Dem entspricht, dass 80 Prozent der Westdeutschen und sogar 72 Prozent der (vorwiegend konfessionslosen) Ostdeutschen nicht denken, dass Religionen allgemein schädlich sind. Fragt man nach verschieden Religionen, ob sie eher eine Bereicherung oder eine Bedrohung darstellen, wird das differenzierte und realistische Bild der Deutschen noch deutlicher (Abbildung 1): Am besten schneidet erwartungsgemäß das Christentum ab, es wird von drei Vierteln der Westdeutschen und immerhin 64 Prozent der Ostdeutschen als Bereicherung gesehen. Buddhismus und Hinduismus, als „friedensstiftende Religionen“ bekannt, werden ähnlich positiv gesehen, ebenso das Judentum.

Wahrnehmung von religionen - Bild: Religionsmonitor 2013, Bertelsmann Stiftung

Abb. 1: Wahrnehmung von Religionen – Bild: Religionsmonitor 2013, (C) Bertelsmann Stiftung

Lediglich beim Islam kehrt sich das Verhältnis vollkommen um: Nicht einmal ein Drittel der Westdeutschen und ein Fünftel der Ostdeutschen empfinden ihn als Bereicherung. Dafür meinen die Hälfte der Westdeutschen und sogar 57 Prozent der Ostdeutschen, dass der Islam eine Bedrohung darstellt. Wie zahlreiche vorherige Studien zeigt sich ein moderater Zusammenhang von islamkritischen Haltungen mit Alter, Bildung und vor allem religiösem Dogmatismus der Befragten. Die Konfessionszugehörigkeit oder das Geschlecht spielen hingegen keine Rolle.

Dass der Islam durchaus in unsere westliche Welt passt, meinen in den alten Bundesländern gerade einmal 41 Prozent, in den neuen Bundesländern 34 Prozent. Kombiniert man die Zustimmung zu dieser Aussage nun mit der oben gemessenen Einstellung zum Islam, dann zeigt sich wenig überraschend, dass Menschen, die den Islam als eher Bedrohung sehen, ihn auch eher als unvereinbar mit der westlichen Welt verstehen (Abbildung 2).

Vereinbarkeit von Islam und Westen - Bild:

Abb. 2: Vereinbarkeit von Islam und Westen – Bild: Religionsmonitor 2013, (C) Bertelsmann Stiftung

Insgesamt bestätigt sich in der ersten Auswertung des Religionsmonitors 2013 ein Bild der Deutschen, dass sich ähnlich in anderen Studien fand. So zeigte etwa das Langzeitforschungsprojekt GMF-Survey unter dem Stichwort „Islamophobie“ bzw. „Islamfeindlichkeit“, dass die Deutschen vor allem den Islam als Ideologie ablehnen, weil sie ihm Eigenschaften nachsagen wie Frauenfeindlichkeit, Homosexuellenfeindlichkeit, generelle Gewaltbefürwortung, etc. Im Gegensatz dazu bezieht sich die Ablehnung nicht auf die Muslime als Gläubige und hängt auch nicht mit anderen Phänomenen wie Ausländerfeindlichkeit oder Rassismus zusammen.

Alle weiteren Informationen zum Religionsmonitor 2013 finden Sie im Forschungs- und Dokumentationsprojekt www.islamdebatte.de.

An English summary of the Bertelsmann survey by Soeren Kern (Gatestone Institute)

2 Comments »

  1. Ewald 30. April 2013 at 12:27 - Reply

    Bei solchen Studien frage ich mich immer:
    Was versteht man eigentlich unter:
    Die Deutschen?
    Die Migranten?
    Die Ostdeutschen?
    Die Westdeutschen?
    Wird das nach Wohnort oder Stammbaum definiert?
    Wer ist „die Bevölkerung“?
    Und wenn diese ohnehin „bunt“ ist, was brauche ich dann diese geographische Abgrenzung?

  2. Alf 6. Mai 2013 at 23:28 - Reply

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