Der Islam als revolutionäres Konzept

18. April 2013 2

Der Prophet des Islam: Maududis Verständnis des Dschihad zur Überwindung allen menschlichen Elends

Der Islam soll nach Ansicht von Dschihadisten weltweiten Frieden bringen - Bild: UpstateNYer / Wikipedia

Der Islam soll nach Ansicht von Dschihadisten weltweiten Frieden bringen – Bild: UpstateNYer / Wikipedia

Ein kürzlich von der Stresemann Stiftung veröffentlichtes Diskussions-Papier zur Gewaltlegitimation im Koran und der Prophetenbiografie hob die Bedeutung des universellen Dschihad beim pakistanischen Denker Abul Ala Maududi (1903-79) hervor. Das Dokumentationsprojekt Der Prophet des Islam hat dies zum Anlass genommen, einen 1939 in Lahore gehalten Vortrag des islamischen Vordenkers ins Deutsche zu übersetzen und zu kommentieren.

Jegliche Regierung und Autorität welche sich der Ideologie und Umsetzungsstrategie des Islam – wo immer und wer immer – entgegenstellt wird vom Islam eliminiert werden. Der Islam steht für die Vorherrschaft seiner eigenen Ideologie und Konzepte. Er kümmert sich auch nicht im Geringsten darum wer ihn unterstützt oder welche Einrichtungen und Autoritäten in diesem Prozess überwunden werden (müssen). Der Islam verlangt nicht irgend ein Stück Land sondern die Vorherrschaft über den ganzen Erdball.“ (Abul Ala Maududi)

Abul Ala Maududi erkennt in der koranischen Botschaft, so wie sie Mohammed von Allah empfangen hat, einen göttlichen revolutionären Auftrag zur Überwindung von menschengemachtem Unrecht, geistiger und ökonomischer Ausbeutung, sozialer Ungerechtigkeit, menschlicher Machtanmaßung und den Schöpfer verachtendem Götzenkult. Dieser Auftrag bezog sich nicht nur auf die offenbar üblen Verhältnisse, welche Mohammed im Mekka des 7. Jahrhunderts angetroffen hat; er transzendiert vielmehr Zeit und ist global zu verstehen. Durch die Hinwendung aller Menschen – ausnahmslos – zu Allahs irdischer Weltordnung Scharia wird das Böse insgesamt und damit jegliches Unrecht endgültig überwunden. Diesen islamischen Idealstaat unter dem Gesetz der Scharia gilt es anzustreben. Das ist Allahs Auftrag an die Muslime.

In diesem Kontext bekommt der Begriff Dschihad (Anstrengung) eine ganz neue Bedeutung. Es ist nicht einfach ein Krieg zur Glaubensverbreitung. Durch die Ergänzung „auf dem Wege Allahs“ (fisabililah) wird klar, dass unter Dschihad „die größtmögliche Anstrengung“ – und zwar die völlig uneigennützige – für die Sache Allahs verstanden wird. Dieser Dschihad kann bzw. muss selbstredend auch gewalttätig sein. Wenn für die Rechtleitung der Menschheit und die Errichtung des islamischen Idealstaates die Ausübung von Gewalt vonnöten ist wird sie angewendet. Schuld daran sind die verblendeten Ungläubigen.

Es ist hilfreich, hier noch zwei Erläuterungen von den beiden Islamwissenschaftlern Bassam Tibi und Majid Kadduri zum Thema der Notwendigkeit des islamischen gerechten Krieges gegen die Ungläubigen anzufügen.

Kadduri bezeichnet die islamische Sichtweise von nicht-muslimischen Gemeinschaften als „Naturstaaten“, denen die kulturelle und ethische Kompetenz schlicht fehlt, um mit islamischen Staaten auf Augenhöhe zu kommunizieren:

Die den islamischen Staat umgebende Welt, welche aus all den Nationen und Territorien besteht, die noch nicht unter der Oberhoheit des Islam stehen, wird allgemein als ‚Territorium des Krieges‘ (dar al-harb) bezeichnet. Letzteres war das Objekt, nicht das Subjekt des islamischen Rechtssystems und es war die Pflicht der muslimischen Herrscher, es unter islamische Alleinherrschaft zu bringen, wenn sie dazu in der Lage waren. Die Gemeinschaften des dar al-harb wurden als ‚Naturstaaten‘ betrachtet, denn es fehlte ihnen auf einer Basis von Gleichstellung und Reziprozität die rechtliche Kompetenz mit dem Islam zu kommunizieren, weil sie dem ethischen und juristischen Standard (des Islam) nicht entsprechen können. Folglich müssen die Vereinbarungen zwischen dar al-islam und dar al-harb notwendigerweise von kurzer Dauer sein, denn sie tragen keine implizite Anerkennung deren Status unter dem islamischen Recht in sich.“ 1

Auch Bassam Tibi weist darauf hin, dass die widerständigen Ungläubigen letztlich die Schuld für Krieg tragen:

Die Haltung der Muslime betreffend Krieg und Gewaltlosigkeit kann kurz folgendermaßen zusammengefasst werden: es gibt keine islamische Tradition von Gewaltlosigkeit und keinen Vorbehalt gegenüber dem Krieg. Dieser wird jedoch nicht glorifiziert sondern lediglich als letzten Ausweg betrachtet, um dem Ruf von da’wa zu folgen und den Islam zu verbreiten. Krieg wird dann nötig, wenn die Ungläubigen sich weigern, unter die Fuchtel der islamischen Herrschaft zu gelangen. Es gibt mit anderen Worten keinen islamischen Pazifismus.“ 2

Die Ausführungen von Maududi zum Dschihad beinhalten demnach Folgendes:

  • Der Islam ist eine internationale revolutionäre Bewegung.
  • Nur der Islam bringt den Menschen die einzig richtige, nämlich die von Allah definierte irdische Rechtleitung Scharia.
  • Jeglicher nicht-islamischen sittlich-religiösen Ordnung ist mit vollständiger Ablehnung und Verachtung zu begegnen.
  • Der koranische Auftrag zur weltweiten Implementierung eines theokratischen islamischen Einheitsstaates als irdische Rahmenbedingung zur Umsetzung der Scharia ist zwingend.
  • Die vollständige Unterwerfung jedes einzelnen Menschen unter den Willen Allahs muss erreicht werden.
  • Islamische Freiheit heißt Freiheit von Störungen durch Ungläubige.
  • Dschihad ist der vorzüglichste Weg, sich dem Willen Allahs zu unterwerfen.
  • Dschihad beinhaltet die Legitimierung von Gewalt zur Durchsetzung der islamischen Ordnung.
  • Das Böse wird durch die Installation von Allahs Rechtleitung auf der Welt vollständig und endgültig eliminiert.
  • Das Opfer seines Lebens „für die Sache Allahs“ ist das höchste Ideal für einen Muslim „um Allah zu gefallen“.

Maududis gesamter Text ist auf Deutsch bei Der Prophet des Islam nachzulesen, das englische Original gibt es hier.

Notes:

  1. Majid Khadduri: The Islamic Law of Nations, The John Hopkins Press, Baltimore, Maryland, 1966, Seite 12.
  2. Bassam Tibi: The Ethics of War and Peace: Religious and Secular Perspectives, herausgegeben von Terry Nardin (Princeton University Press, 1996) Seiten 128-145, zitiert nach: Andrew Bostom: The Legacy of Jihad, Prometheus Books, New York, 2005.

2 Comments »

  1. Alexander Scheiner, Israel 22. April 2013 at 12:13 - Reply

    Ich empfinde den Islam als eine Ideologie, die zwei Konzepte hat:

    1. Israel zu vernichten
    2. Dies mit globalem Terror durchsetzen

  2. Geo Vasil 22. April 2013 at 14:42 - Reply

    „1999 erklärte der Imam von Izmir: „Dank eurer Gesetze werden wir euch beherrschen.“ (Kelek: Die fremde Braut. S. 253).
    Prophetisch sagte Dr. Carlo Schmidt, Abgeordneter des Parlamentarischen Rates, in seiner Rede über das Grundgesetz am 8. Sept. 1948: „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Ja, ich möchte weiter gehen. Ich möchte sagen: Demokratie ist nur dort mehr als ein Produkt einer bloßen Zweckmäßigkeitsentscheidung, wo man den Mut hat, an sie als etwas für die Würde des Menschen Notwendiges zu glauben. Wenn man aber diesen Mut hat, dann muss man auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen.“
    Möge der Mut zu dieser Intoleranz und zum Widerstand gegen die Islamisierung und deren fortschreitende Verharmlosung wachsen, damit sich die Voraussage des Imam von Izmir nicht realisiert. Möge die Aufklärung über die Politreligion Islam die Erkenntnisblindheit und die unkritischen Kräfte besiegen“.

    Dr. Hiltrud Schröter, Sept. 2008. „Islam – Politreligion und totalitäre Ideologie?“

    http://schroeter.wordpress.com/2008/09/30/islam-politreligion-und-totalitare-ideologie/

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