Liberalismus ohne Werte

7. April 2013 0

Libertäre Revolution fragt: Liberalismus – und alles geht?

Von der Facebookseite der Libertären Revolution

Von der Facebookseite der Libertären Revolution

In einigen Kreisen treibt immer noch die Ansicht ihr Unwesen, Libertäre seien für die Freiheit, alles Mögliche zu glauben und zu machen. Wenn sich daher Menschen etwa verachtenswerten Traditionen unterwerfen oder rumhuren und „freien Lebensstilen“ nachgehen, so sagt man, habe der liberale Mensch dies mit Verweis darauf, dass sie es ja freiwillig täten und keinen verletzten, gut zu heißen, zu tolerieren. Doch:

Libertarianism is not the same thing as libertinism. It is true that libertarianism will not admit the physical restraint or physical punishment of acts that do not aggress against others but it nowhere implies moral approval of such acts or rules out their restraint by other methods such as exhortation, boycotting or loudly expressed disapproval.” 1

Zugegeben, das Nichtaggressionsprinzip ist der Kern des Liberalismus. Daraus folgt aber nicht ein völliger Werterelativismus. Wir stimmen daher völlig überein mit Ayn Rand, die sagt:

The man who refuses to judge, who neither agrees nor disagrees, who declares that there are no absolutes and believes that he escapes responsibility, is the man responsible for all the blood that is now spilled in the world. Reality is an absolute, existence is an absolute, a speck of dust is an absolute and so is a human life. Whether you live or die is an absolute. Whether you have a piece of bread or not, is an absolute. Whether you eat your bread or see it vanish into a looter’s stomach, is an absolute.

There are two sides to every issue: one side is right and the other is wrong, but the middle is always evil. […] In any compromise between food and poison, it is only death that can win. In any compromise between good and evil, it is only evil that can profit.” 2

Und:

The spread of evil is the symptom of a vacuum. Whenever evil wins, it is only by default: by the moral failure of those who evade the fact that there can be no compromise on basic principles.“ 3

Die westliche Tradition der Freiheit

Wir sind – im Anschluss an Murray Rothbard und andere – der Ansicht:

that liberty is great and we don’t wish to weaken or dilute it by one iota, but that for us, at long last, it’s simply not enough. We are still hard-core libertarians, but we now are not willing to settle, as a movement, for liberty alone. We insist upon liberty plus.“

Und:

We have said that a certain cultural matrix is essential to liberty.“ 4

Eine funktionierende freie Gesellschaft fällt nicht einfach so vom Himmel. Wir sind der Ansicht, dass in der gesamten Menschheitsgeschichte nur die auf der griechisch-römischen Antike und dem Christentum fußende, durch Humanismus und Aufklärung geprägte europäische Zivilisation eine freie Gesellschaft möglich hat werden lassen.

Roland Baader hat in einem seiner Werke die Gründe beschrieben, warum dieser Glücksfall sich gerade in Europa ereignet hat:

So ist […] Europa zur Wiege der Freiheit und der abendländischen Kultur und Zivilisation geworden, weil hier – im Gegensatz zu den despotischen Großreichen in anderen Gegenden der Welt – jahrhundertelang ein Wettbewerb der politischen Konzeptionen stattgefunden hat. Die europäische Kleinstaaterei, der Streit zwischen Staat und Kirche, das Ringen zwischen Adel und Bürgertum, das Aus- und Einwandern der Menschen weg von repressiven Herrschafts- und Wirtschaftsstrukturen und hin zu jeweils freieren Regionen und besser aufgeklärten Fürsten, die Unabhängigkeit der klösterlichen Geistigkeit von den Denk- und Sitten-Schablonen an den Höfen, die Gegensätze zwischen Rittern und Kaufleuten: Durch diesen Wettbewerb um Vorherrschaft und Vorsprung, um Einfluss und Prestige ist im Laufe der Zeit das Wunder der abendländischen Bürgerfreiheit entstanden. […] Natürlich hat das Christentum mit seiner Lehre von der Einzigartigkeit der Person und der Würde und vom Wert eines jeden Individuums ganz wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen.“ 5

Wir halten aus diesem Grund – wohl wissend, dass es sich bei der Freiheit in der westlichen Welt gegenwärtig mehr um ein Potential als um die Realität handelt – die westliche Zivilisation für unbedingt erhaltenswert. 6

Ein Ernstfall: Einwanderung

Nehmen wir einen Fall, um die paläolibertäre Sicht zu verdeutlichen: die Einwanderung. Hierbei geht es nicht so sehr darum, dass durch die gegenwärtigen Einwanderungswellen die europäischen Länder massiv unter den Einfluss des Islams geraten. Dies ist natürlich bereits ein Problem für sich. Der Islam ist – bei allen internen Differenzen, die es gibt – ein zutiefst kollektivistisches Gesellschaftssystem, das es nirgends auf der Welt auch nur im Ansatz zu einer freien Gesellschaft mit garantierten Menschenrechten gebracht hat. Die Kritik am Islam ist daher auch selbst dann legitim, wenn man nur das Nichtaggressionsprinzip und die sich daraus ergebenden Individualrechte gelten lassen will.

Unsere Ansicht geht jedoch weiter: Wir lehnen die gegenwärtige Einwanderung an sich ab. Denn sie ist einzig und allein das Produkt einer mit staatlichen Mitteln durchgeführten und mit Steuergeldern finanzierten Politik, einer Politik, die ihre Kompetenzen – nach jeglichen liberalen Grundsätzen – weit überschreitet. Bei der gegenwärtigen Masseneinwanderung handelt es sich nicht um die Einwanderung von einzelnen Menschen und Familien, wie sie zu allen Zeiten stattgefunden hat; nicht um Einwanderung von Menschen, die auf der Grundlage individueller Verträge im Gastland Eigentum erwerben und für ihren Unterhalt aufkommen (oder eingeladen werden). Die gegenwärtige Einwanderung ist nur möglich, weil die sozialistische Nomenklatura sich als Herr über das „öffentliche Eigentum“ aufspielt und mit dem geraubten Geld ihrer Bürger nach Gutdünken Menschen in Massen einwandern lässt. So werden „Massen unterlegener (wenig produktiver) Einwanderer … einheimischen Eigentumsbesitzern aufgezwungen, die, wäre ihnen die Entscheidung überlassen geblieben, scharf diskriminiert und ganz andere Nachbarn ausgesucht hätten.“ 7 Das ist nicht „freie“ Einwanderung, sondern, wie Hoppe ausführt, erzwungene Integration.

Was die gegenkulturellen Libertären nicht erkennen und was echte Libertäre nicht genug betonen können, ist, dass die Wiederherstellung privater Eigentumsrechte und einer Laissez-faire-Wirtschaft eine scharfe und drastische Zunahme sozialer ‚Diskriminierung‘ bedeutet und die meisten, wenn nicht alle, multikulturell-egalitären Lebensstilexperimente, die den linken Libertären so sehr am Herzen liegen, schnell beendet würden. Mit anderen Worten, Libertäre müssen radikale und kompromisslose Konservative sein.“ 8

Als Paläolibertäre glauben wir an die natürliche Ordnung. Und wir sind bereit, die Probe aufs Exempel zu machen. Schafft den Staat ab oder fahrt ihn auf ein Minimum zurück, und kein Mensch käme auf die Idee, in der multiethnischen Gesellschaft die Gesellschaft der Zukunft zu sehen.

Fazit

Werte zu haben, diese rational begründen zu können und auch anzuwenden, d.h. abweichende Werte zu kritisieren, ja zu bekämpfen, ist kein Mangel an Liberalität, sondern die Voraussetzung dafür, dass es Freiheit gibt und geben wird.

Liberalismus ohne Werte ist Selbstzerstörung.

Libertäre Revolution ist eine Gruppe von Aktivisten bei Facebook. Dort ist zu dem Artikel eine aufschlussreiche Diskussion nachzulesen.

Notes:

  1. Gerard Casey: Libertarian Anarchy. Against the State, London – New York 2012, S. 6.
  2. Galt’s Speech, zit. nach: Ayn Rand: Fort the new Intellectual, New York 1963, S. 194.
  3. Ayn Rand: Capitalism. The unknown Ideal, New York 1967, S. 163.
  4. Murray N. Rothbard: Why paleo?, in: Rothbard-Rockwell Report, May 1990, S. 3. (http://www.unz.org/Pub/RothbardRockwellReport-1990may-00001)
  5. Roland Baader: Das Kapital am Pranger, Gräfelfing 2005, S. 95f.
  6. Vgl. Lew Rockwell: The Case for Paleo-Libertarianism, Liberty Magazine, January 1990, S. 35. (http://mises.org/journals/liberty/Liberty_Magazine_January_1990.pdf)
  7. Hans-Hermann Hoppe: Demokratie. Der Gott, der keiner ist, Waltrop – Leipzig 32009, S. 287f.
  8. Ebd., S. 390.

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