Die Verantwortung der Linken

15. März 2013 3

Rezension zu Daniel Krause: Als Linker gegen Islamismus. Ein schwuler Lehrer zeigt Courage

Da war doch was mit dem Islam in Deutschland? – Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Was haben die Gleichberechtigung von Frau und Mann oder von Homosexuellen und Heterosexuellen, gewaltfreie Kindererziehung sowie die Trennung von Kirche und Staat gemeinsam? Es sind alles linke Werte – und sie widersprechen dem politischen Islam. So zumindest will es der promovierte Pädagoge Daniel Krause (CT-Interview) sehen. Schon der Titel seines Büchleins soll zwei Punkte klarmachen, die in Deutschland im Argen liegen: Es scheint ungewöhnlich, als Linker den Islam zu kritisieren und als Schwuler braucht man dafür offensichtlich besonders viel Mut.

Nun hat es in den letzten Jahren durchaus Autoren des politisch linken Lagers gegeben, die sich kritisch mit dem Islam bzw. mit der Integration von Muslimen auseinandergesetzt haben. Die prominenntesten Beispiele sind Thilo Sarrazin oder etwa der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Im Gegensatz zu ihnen behandelt Krause jedoch weniger die wirtschaftspolitischen Folgen der Integration, als vielmehr den entstandenen Kulturkonflikt unter besonderer Berücksichtigung des bei Muslimen weitverbreiteten Schwulenhasses.

Klar zu trennen sei zwischen Islam und Islamismus, zwischen Muslimen und Islamisten, beteuert der Autor mehrfach auf den gut 170 Seiten seiner teils autobiografischen Schrift: „Diese beiden Begriffe unterscheiden sich für mich genauso stark voneinander wie die Begriffe ‚Deutsche‘ und ‚Nazis‘.“ Worin jedoch genau dieser Unterschied liegen soll, macht Krause leider an keiner einzigen Stelle deutlich. Vielmehr bemängelt er unablässig die bei Muslimen und insbesondere den islamischen Verbänden fehlende Distanzierung von Gewalt und Homophobie.

Noch mehr aber kritisiert Krause das Versagen der Linken in Deutschland, wenn es um die Verteidigung der eigenen Werte ginge und zeigt „die Widersprüchlichkeit des linksliberalen Deutschlands auf, welches seine mühsam erkämpften Errungenschaften an deren ärgste Feinde verrät.“ Stattdessen würden sich die Akteure der linken Szene in Deutschland darin überbieten, Islamkritiker als Nazis zu beschimpfen und mit den übelsten Methoden aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen.

Die fälschliche Stigmatisierung jeglicher Islamkritik als ‚rechtsradikal‘ begünstigt nicht nur eine gefährliche Untätigkeit gegenüber dem politischen Islam. Sie kann sogar geistige Brandstiftung gegenüber jenen bedeuten, die humanistische westliche Werte verteidigen.“

Sehr deutlich wird an Krauses Buch das Unbehagen, sich als politisch Linker nicht über ein eigentlich typisch linkes Thema äußern zu dürfen: die Kritik an einer Religion. Doch viel zu sehr hat die linke Gleichheits-Ideologie ihr Stiefkind des Multikulturalismus geprägt, als dass sie noch verstehen könnte, dass Toleranz gegenüber Intoleranz nur zu einem führen kann: zu Intoleranz. Und hier genau speist sich das Missverständnis so Vieler bei uns im Westen. Der politische Islam oder der gewaltsame Dschihadismus sind kein Missbrauch des Islams, sondern ebenso durch Koran und Sunnah (die Prophetenbiografie) begründbare Auslegungen, wie ein rein spiritueller Glaube an Allah und seinen Propheten. Einen Islamismus gibt es aus Sicht der Muslime nicht, weil der Islam eben keine Religion, sondern eine das ganze Leben überformende Handlungsanweisung ist.

Die entscheidende Unterscheidung ist also nicht die zwischen Islam und Islamismus, sondern die zwischen der Ideologie und den Gläubigen. Denn natürlich ist nicht jeder Muslim gewalttätig oder homophob. Doch um eine menschenfeindliche Ideologie zu kritisieren, muss man weder links noch rechts noch schwul sein. Islam, Sozialismus und Nationalsozialismus haben alle eines gemeinsam: Sie unterwerfen das Individuum unter ihre Vorstellungen von Gut und Böse – und zwar absolut und immer. Deswegen nennt man sie auch totalitär.

Als Linker gegen Islamismus endet mit einigen konkreten Vorschlägen des Autors, wie jeder Einzelne beginnen kann, sich für mehr Freiheit und weniger Islam(ismus) einzusetzen. Sie alle haben damit zu tun, Mut zu haben und einen (ersten) Schritt gegen den Mainstream zu machen. Daniel Krause hat ihn bereits getan. Bleibt zu hoffen, dass sein abschließender Appell Folgen haben wird:

Der faschistoiden Bewegung des Nationalsozialismus war Deutschland bereitwillig gefolgt. Hieraus ergibt sich unsere historische Verantwortung. Der radikale Islamismus ist der moderne Faschismus […]. Ein Deutschland, das aus seiner Geschichte gelernt hat, muss den weltweiten Widerstand anführen.“

Daniel Krause (2013): Als Linker gegen Islamismus. Ein schwuler Lehrer zeigt Courage. Radolfzell: HJB-Fakten, 176 Seiten, 12,90 Euro. Kaufen bei Amazon.

Einzelne inhaltliche Kritikpunkte von Daniel Krause finden Sie in seinem Offenen Brief.

3 Comments »

  1. Tanja Krienen 16. März 2013 at 09:46 - Reply

    Es ist mir unbegreiflich, wie man diese Schrift so bejubeln kann. Wir sollen also alle Dekadenz-Werte inklusive der Abtreibung bis zum 7. Monat als westliche Werte adaptieren, damit wir dem intoleranten Islam als moralische Instanz entgegen treten können. Das aber ist eine Lose-Lose-Situation. Wenn wir DIESE Werte verteidigen, haben wir von vornherein verloren. Das Buch ist eine peinliche Lobeshymne auf SPD, Grüne und Co. und nichts als die peinliche Bitte, diese mögen doch endlich auch Islam-Kritik üben, denn dann wäre die Welt ist schönster Ordnung.

  2. Lukas 17. März 2013 at 18:48 - Reply

    Ich kenne Daniel Krause persönlich und weiß daher: Er würde lieber „Islam“ statt „Islamismus“ sagen. Aber aus beamtenrechtlichen Grünen ist er sehr vorsichtig. Als Beamter ist er da ja viel eingeschränkter als die meisten anderen Leute.

    Und das es rechtlich sehr heikel ist mit den Begriffen, zeigt ja auch der Streit innerhalb seinen Verlages – hier ein sehr guter Bericht dazu: http://islamkritisch.wordpress.com/2013/01/29/hjb-verlag-ruckt-nach-links-wilders-gefeuert-krause-bleibt/

  3. Tanja Krienen 18. März 2013 at 14:37 - Reply

    Sogar die Säuberung in Richtung Wilders bejubelt Krause. Ich lach mich weg über diese Paktiererei…

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