Gewaltprobleme im Islam offen ansprechen

11. März 2013 2

Diskussions-Papier der Stresemann Stiftung untersucht die Legitimation von Gewalt in Koran und Prophetenbiographie

al-Qaida-Gründer Osama bin Laden - der wohl bekannteste Dschihadist - Bild: CT

al-Qaida-Gründer Osama bin Laden – der wohl bekannteste Dschihadist – Bild: CT

Die Debatten über den Islam und die Integration von Muslimen drehen sich immer wieder um die Frage nach der religiösen Legitimation von Gewalt. Muslime wie Kritiker argumentieren mit einzelnen Koranstellen, um wahlweise die genuine Friedfertigkeit oder Gewalttätigkeit des Islams zu begründen. Doch diese Relativierungen auf der einen und Pauschalisierungen auf der anderen Seite führen weder zu einem Erkenntnisgewinn, noch zu politischen Lösungen. Angesichts der immer häufiger ausbrechenden Konflikte mahnt ein Diskussions-Papier der Stresemann Stiftung an, die Diskussion offen und vorbehaltslos zu führen.

„Solange man auf Seite der Muslime nicht bereit ist, den Koran und die Prophetenbiografie einer historisierenden Neubewertung zu öffnen und gewaltsame Suren außer Kraft zu setzen, kann eine vorurteilsfreie Diskussion zum Thema Gewalt und Islam überhaupt nicht beginnen“, definiert Dr. Thomas Tartsch, Autor des Diskussions-Papiers, einige Voraussetzungen. „Die Anführung einer selektiven Auswahl von friedfertigen Stellen aus der mekkanischen Zeit im Koran reicht eben nicht aus, um daraus eine allgemeine Friedfertigkeit des Islam abzuleiten.“

Gleichzeitig führe auf der anderen Seite auch die Propagierung einer generellen Gewaltbereitschaft des Islam mit der Abarbeitung an der Person Mohammeds nicht weiter, so der Sozialwissenschaftler. Dabei würden oftmals individuelle, subjektive Negativeinstellungen gegenüber dem Islam und den Muslimen insgesamt als angebliche Verteidigung des westlichen Normen- und Wertesystems vorgeblich objektiviert und verallgemeinert, ohne damit zu einer Problemlösung beizutragen.

„Einerseits muss die bisher gepflegte Naivität gegenüber real existierenden Gewalt- und Konfliktpotenzialen innerhalb der Grundgesamtheit Islam aufgegeben werden“, fordert Tartsch. „Andererseits gilt es eine von den bisher prägenden Relativierungen und Generalisierungen befreite Diskussion wieder zu beleben. Dies wird von den involvierten Akteuren freilich Einiges abverlangen, weil man sich von gewohnten Sichtweisen und die Komplexität der Thematik reduzierenden Erklärungsansätzen verabschieden muss.“

Im Diskussions-Papier erläutert der Autor anhand des Korans die Entwicklung der religiösen Legitimation zur Gewaltausübung im Islam, ordnet sie in den historischen Kontext ein und zeigt Bezüge zum heutigen Dschihadismus. Auch die für Muslime vorbildhafte Biografie des Propheten Mohammed unterzieht er einer geschichtlichen Revision. Aufbauend auf diesen Fakten kann schließlich eine zielführende Diskussion geführt werden.

Das Diskussions-Papier kann auf der Webseite der Stresemann Stiftung als PDF heruntergeladen werden: www.stresemann-stiftung.de/islam-gewalt

Weitere Diskussions-Papiere der Stresemann Stiftung zum Thema beschäftigen sich etwa mit dem Kampfbegriff „Islamophobie“ (Englisch: Polemic Term „Islamophobia“) oder beleuchten Intrinsische Hindernisse des islamischen Finanzwesens (English: Instrinsic Barries of Islamic Finance in Germany) und loten bzgl. des Kriegs der vierten Generation neue Strategien gegen den Dschihad aus (Counterinsurgency).

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