Ein Geschmack von Freiheit

2. Februar 2013 0

Sammelrezension zu Gerd Habermann, Gerhard Schwarz: Meisterdenker der Freiheitsphilosophie

Bild: Marvin Siefke  / pixelio.de

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Friedrich Schiller ist wohl jedem Deutschen ein Begriff. Auch Ludwig Erhard dürften die meisten noch kennen, immerhin war der Ordoliberale als Wirtschaftsminister und später Bundeskanzler prägend für die sogenannte „Soziale Marktwirtschaft“. Und immerhin meint inzwischen sogar die von vielen als Kommunistin eingeschätzte Sarah Wagenknecht, stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, sich auf Erhard berufen zu können. Vielleicht können hierzulande auch noch Viele etwas mit dem Namen Friedrich August von Hayek anfangen – oder etwa mit Ludwig von Mises oder Adam Smith. Alexis de Tocqueville oder Edmund Burke kennen wahrscheinlich nur noch Studenten der Philosophie oder Politikwissenschaft. Aber wer weiß, wer Lord Acton, Benjamin Constant, Wilhelm Röpke oder Raymond Aron waren?

Sie alle verbindet, Meisterdenker der Freiheitsphilosophie gewesen zu sein – und in einer gleichnamigen Buchreihe (mit einigen weiteren Autoren) in Auszügen ihrer Texte dem aufgeschlossenen Freigeist von heute präsentiert zu werden. Herausgeben von Gerd Habermann, Vorsitzender der Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft und Gerhard Schwarz, Vorsitzender der Hayek-Gesellschaft, umfassen die Meisterdenker der Freiheitsphilosophie mittlerweile 16 Bände, z.T. in mehreren Auflagen.

Es begann im Jahr 1999, anlässlich des hundertsten Geburtstages Friedrich August von Hayeks. Ein Büchlein sollte zentrale Stellen seines Werkes versammeln, die grundlegenden Gedankenfiguren vorführen. Im Vorwort schrieb Habermann: „Das Brevier soll im Besonderen den Freunden der Freiheit bei der Bemühung helfen, die immer noch bestehende ‚kulturelle Hegemonie‘ des wohlfahrtstaatlichen Denkens im deutschsprachigen Raum zurückzudrängen.“ Dass daraus einmal eine ganze Reihe entstehen würde, ahnte damals niemand.

Natürlich dienen solche Breviere als Sammlung thematisch konzentrierter Textauszüge vorrangig der intellektuellen Erbauung und Genugtuung. Keineswegs können sie die intensive Lektüre der Werke selbst ersetzen. Dennoch kommt den Herausgebern der Reihe Meisterdenker der Freiheitsphilosophie mindestens doppeltes Verdienst zu: Zum einen sind, wie bereits angedeutet, viele der Freidenker im deutschsprachigen Raum nicht besonders bekannt – um es ganz vorsichtig auszudrücken. Eine liberale Geistesgeschichte ist hierzulande weder an Universitäten verankert, geschweige denn medial populär. So musste erst kürzlich der Verlag Bastei-Lübbe bekanntgeben, dass eine mit der Redaktion der Tageszeitung Die Welt geplante Welt-Bibliothek der Freiheit aus wirtschaftlichen Gründen nicht erscheinen wird.

Zum anderen sind etwa im Falle Raymond Arons die ins Deutsche übertragenen Titel nur noch unter größeren Bemühungen antiquarisch erhältlich oder in gut sortierten Universitätsbibliotheken aufzufinden. Hier die originalen Texte wenigstens in Auszügen zur Inspiration zugänglich zu machen, ist nicht nur ehrenhaft, sondern auch sehr sinnvoll. Hinzu kommt, dass die Bände der Freiheitsphilosophen mit kurzen, aber lehrreichen Einführungen höchst bewanderter Kenner versehen sind.

Mit dem für Sommer 2013 geplanten Band über Karl Popper soll sich die Reihe, die derzeit im Verlag Neue Zürcher Zeitung erscheint (früher: ott Verlag), höchstwahrscheinlich langsam einem Ende nähern. Höchstwahrscheinlich bedeutet in diesem Fall, dass die Herausgeber durchaus noch den einen oder anderen Meisterphilosophen der Freiheit auf Lager haben. Denn wer einmal von der Idee der Freiheit infiziert wurde, der wird sie so schnell nicht mehr los. Oder, um mit einem Zitat von Raymond Aron zu enden:

Die Tatsache, dass weder im wirtschaftlichen noch im politischen Bereich die Dialektik von Freiheit und Macht es gestattet, an einem der beiden Dogmatismen festzuhalten, darf indessen nicht dahingehend missverstanden werden, dass der Begriff der freien Gesellschaft überhaupt bedeutungslos wäre. Die Gesellschaften, die wir demokratisch-liberal genannt haben, zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich mit dieser Dialektik abfinden, das heißt anerkennen, dass es so etwas wie eine allein gültige Formel wahrer Freiheit nicht gibt.“ 1

In der Reihe Meisterdenker der Freiheitsphilosophie, herausgegeben von Gerd Habermann und Gerhard Schwarz sind bisher erschienen:

  • Gérard Bökenkamp (2012): Markt, Freiheit und Reform. Ein Milton-Friedman-Brevier. 96 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Matthias Oppermann (2011): Im Kampf gegen die modernen Tyranneien. Ein Raymond-Aron-Brevier, 228 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Alexander Dörrbecker 2010): Geschichte und Freiheit. Ein Lord-Acton-Brevier. 240 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Gerd Habermann (2009, 2. Auflage): Der Weg zum Wohlstand. Ein Adam-Smith-Brevier. 176 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Detmar Doering (2009): Freiheit, Revolution, Tradition. Ein Edmund-Burke-Brevier. 168 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Gerd Habermann (2008, 5. Auflage): Philosophie der Freiheit. Ein Friedrich-August-von-Hayek-Brevier. 150 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Roland Baader (2008, 2. Auflage): Logik der Freiheit. Ein Ludwig-von-Mises-Brevier. 272 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Peer-Robin Paulus (2008): Unter freien Menschen. Ein Wilhelm von Humboldt-Brevier. 132 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Michael von Prollius (2007): Herrschaft oder Freiheit. Ein Alexander-Rüstow-Brevier. 260 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Robert Nef (2006): Dichter der Freiheit. Ein Friedrich-Schiller-Brevier. 160 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Gerd Habermann (2005): Freiheit oder Gleichheit. Ein Alexis de Tocqueville-Brevier. 200 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Gerd Habermann (2005, 2. Auflage): Vision und Tat. Ein Ludwig-Erhard-Brevier. 224 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Gerd Habermann (2005, 2. Auflage): Das Mass des Menschlichen. Ein Wilhelm-Röpke-Brevier. 204 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Detmar Doering (2003): Vernunft und Leidenschaft. Ein David-Hume-Brevier. 128 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Karen Ilse Horn (2004): Die liberale Demokratie. Ein Benjamin-Constant-Brevier. 148 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.
  • Marianne und Klaus Diem (2001): Der Staat – die grosse Fiktion. Ein Claude-Frédéric-Bastiat-Brevier. 176 Seiten, 21 Euro. Kaufen bei Amazon.

Weitere Informationen auch auf der Seite der Hayek-Gesellschaft sowie des NZZ-Verlages.

Notes:

  1. Raymond Aron (1981): Über die Freiheiten. Essay. Stuttgart: Klett-Cotta. Franz. Original: Essai sur les libertés (1965).

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