„Auf der Suche nach politisch unkorrekten Stoffen“

29. Januar 2013 2

Interview mit dem Verleger Hansjoachim Bernt über das Nicht-Erscheinen von Geert Wilders‘ Buch auf Deutsch

Geert Wilders 2011 in Berlin - Bild: Fabian Hossfeld

Geert Wilders 2011 in Berlin – Bild: Fabian Hossfeld

Seitdem der Verleger Hansjoachim Bernt im Herbst letzten Jahres bekannt gab, ein Buch des niederländischen Politikers Geert Wilders auf Deutsch veröffentlichen zu wollen, wurde er medial massiv angegriffen. Nun musste die Publikation endgültig abgesagt werden. Für Citizen Times sprach Chefredakteur Felix Strüning mit dem Verleger über das gescheiterte Buchprojekt und das deutsche Verständnis von Pressefreiheit.

Herr Bernt, wie Sie heute bekannt geben mussten, wird die deutsche Übersetzung von Zum Abschuss freigegeben (dt. CT-Rezension) des niederländischen Politikers und Islamkritikers Geert Wilders nicht erscheinen. Woran lag das?

Hansjoachim Bernt: Der Grund wurde in meiner Pressemitteilung angegeben; es war leider nicht möglich, sich auf eine Druckversion zu einigen, die deutschem Recht entsprochen und zugleich die Prämissen von Herrn Wilders erfüllt hätte.

Können Sie bitte etwas genauer erklären, worüber zwischen Autor und Verlag keine Einigkeit erzielt werden konnte? Vielleicht gibt es ja eine beispielhafte Textpassage?

Bernt: Es gibt sehr viele Textstellen, die ein Problem darstellen, wobei eine gewisse Kompromissbereitschaft erkennbar war. Entscheidend ist sicher gewesen, dass der Islam pauschal als solcher nicht mit bestimmten Implikationen belegt werden darf, da eben dieser Islam seit knapp zwei Jahren vom deutschen „Volksverhetzungsparagraphen“ (§130 StGB) geschützt ist. Die Intention der US-Ausgabe von Marked von Death (engl. CT-Rezension) steht dem drastisch entgegen. Dazu existieren drei anwaltliche Stellungnahmen.

Wie hatte sich denn zuvor der Kontakt mit dem Autor gestaltet?

Bernt:  Grundsätzlich war mein Ansprechpartner mein Vertragspartner, der amerikanische Regnery-Verlag, der wiederrum in Abstimmung mit dem Büro von Herrn Wilders reagierte.

Wie waren Sie überhaupt auf die Idee gekommen, das Buch von Geert Wilders zu übersetzen?

Bernt: Ich bin immer auf der Suche nach Stoffen, die „politisch nicht ganz korrekt sind“, um es einmal so zu formulieren. Ein Kollege von mir kam auf die Idee, eine deutsche Ausgabe von Marked for Death bei HJB zu verlegen.

Nach der Ankündigung im Herbst 2012, Wilders Buch auf Deutsch zu veröffentlichen, haben Sie selbst ja zahlreiche Widerstände und sogar Bedrohungen erfahren. Wie sah das aus?

Bernt: Anwälte, die 350 Euro die Stunde verlangen, wollten mich plötzlich nicht mehr vertreten, ein Hetzartikel im Südkurier, in dem meine Vertreibung aus Radolfzell (aus „hygienischen“ Gründen…) diskutiert wurde, die Kündigung meines Mietverhältnisses in Radolfzell und so weiter. Persönliche Bedrohungen direkter Art habe ich nicht erlebt, bislang. All dies und einige besondere Schmankerl führe ich in meinem Tagebuch zum „Projekt Wilders“ in unterhaltsamer Weise aus.

Dieses „Tagebuch“ über die Ereignisse haben Sie ja bereits vor einiger Zeit angekündigt. Werden Sie diesen Selbstversuch in Sachen Presse- und Meinungsfreiheit dennoch veröffentlichen?

Bernt: Aber sicher, das wird ein schönes Dokument über den Alltag in der real existierenden BRD. Es handelt von allerlei demokratischen Umtrieben, der Beschädigung der Meinungsfreiheit (so wie sie mir von weisen Lehrern in der Schule geschildert und damit versprochen wurde), vom ganz normalen Wahnsinn, den man in einem aufgeklärten, modernen Land erleben kann. In dem Buch werde ich auch auf Details zum Scheitern des Projektes eingehen, natürlich ohne gegen das Gebot der grundsätzlichen Vertraulichkeit von Gesprächen bzw. Verhandlungen der beteiligten Parteien zu verstoßen.

Es ist ja auch nicht so, dass ich jetzt sage, ich hätte Geert Wilders nie verlegen wollen. Ich bedaure sehr, dass es nicht zu einer HJB-Ausgabe gekommen ist! Die Aussagen von Herrn Wilders wären nach meiner Meinung – selbst nach einer Anpassung an spezielle „deutsche Befindlichkeiten“ – noch deutlich genug gewesen, um die Diskussion zum Thema Islam in Deutschland entscheidend zu bereichern.

Nach diesen ganzen Erfahrungen und dem vorzeitigen Aus: Hat es sich gelohnt, von Ihrer üblichen Sparte der Science Fiction auch in den politischen Verlegerbereich zu wechseln?

Bernt: Ich verlege bereits seit fünf Jahren neben Science Fiction-Romanen (Ren Dhark usw.) auch politisch unkorrekte Romane (Stahlfront, Kaiserfront) und einige wenige Sachbücher. Der Sachbuchbereich, das Label HJB-Fakten, wird in 2013 deutlich ausgeweitet werden, so erscheint im März Als Linker gegen Islamismus – Ein schwuler Lehrer zeigt Courage von Daniel Krause (CT-Interview), dessen Fall im Juni 2012 Aufsehen in NRW erregte.

Es ist aber nicht so, dass ich jetzt schwerpunktmäßig „Anti-Islam-Bücher“ verlegen werde; das Thema Islam/Islamismus ist nur eines von vielen, die in der Planung sind. Mein besonderes Interesse liegt generell bei Themen bzw. Problemen, die – so mein Eindruck – von der politischen Klasse nicht wahrgenommen und auch von der Presse teilweise verschwiegen oder sogar falsch dargestellt werden.

2 Comments »

  1. rom 31. Januar 2013 at 13:14 - Reply

    Aber Oriana Fallaci konnte ihre, zum Teil doch in sehr agressiver, diametral anti-islamischer Terminologie geschriebene Bücker „die Kraft der Vernunft oder „die Wut und der Stolz“, doch auch in Deutschland veröffentlichen?!

    Da standen Dinge drin wie „sie (die Muslime) pissen in Taufbecken“ oder “ sie vermehren sich wie die Ratten“uvam.

    Wie kommt’s?

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