„Als Homosexueller liebe ich die 68er“

16. Januar 2013 15

Interview mit dem Pädagogen Dr. Daniel Krause über linke Islamkritik, Schwulenhass im Islamunterricht und das Vorbild der Niederlande

Pädagoge Dr. Daniel Krause kritisiert den Islam von links - Bild: Ausschnitt des Covers vom Buch, HJB-Fakten

Pädagoge Dr. Daniel Krause kritisiert den Islam von links – Bild: Ausschnitt des Covers vom Buch, HJB-Fakten

Es sind gerade die Errungenschaften der Linken, die der Islam negiert, meint Daniel Krause, Lehrer in NRW. Doch seine öffentlichen Äußerungen über die Gewaltverherrlichung der islamischen Ideologie brachten ihm Hetze und Bedrohungen seitens Linksextremer ein, bis der 32jährige zu seinem eigenen Schutz vom Dienst suspendiert wurde. Zwar folgten keine beamtenrechtlichen Disziplinarmaßnahmen, doch seit mehr als einem halben Jahr ist der Kölner bei vollem Gehalt vom Dienst freigestellt. Für Citizen Times sprach Felix Strüning mit dem promovierten Soziologen über den Unterschied von „linker“ und „rechter“ Kritik am Islam, über Islamunterricht in NRW, über Thilo Sarrazin, Geert Wilders und Volker Beck.

Herr Krause, weil Sie den Islam öffentlich kritisierten, erhielten Sie Morddrohungen und mussten untertauchen. Was war da passiert?

Daniel Krause: Im Juni 2012 gab es in Köln eine Kundgebung von 1.000 Salafisten mit dem Hassprediger Pierre Vogel. Ich fuhr spontan dorthin, um gegen diesen radikalen Islamismus zu demonstrieren. Ich wusste allerdings nicht, dass auch 30 Anhänger von Pro Köln vor Ort waren. Ich hatte bis dahin nicht in Köln gelebt und kannte diese Partei auch kaum. Ihre Anhänger liehen mir spontan ein Megaphon, durch das ich die Frauenfeindlichkeit und den Schwulenhass der Islamisten anprangerte. Zwar bekannte ich mich dabei als Wähler der Grünen und sagte, dass ich keineswegs Pro Köln wählen wolle. Dennoch stellten mich linksradikale Internetseiten plötzlich in die rechte Ecke. Dadurch wurde enormer Hass gesät. Ich konnte weder auf die Straße noch zur Arbeit gehen.

Nun haben Sie ein Buch geschrieben: Als Linker gegen Islamismus. Was macht denn eine explizit linke Kritik am Islam aus?

Krause: Seit meiner Jugend „brenne“ ich geradezu für „linke“ Werte: Gleichberechtigung von Frauen und Männern, von Homosexuellen und Heterosexuellen, gewaltfreie Kindererziehung und Trennung von Kirche und Staat. Ich liebe die Generation der 68er dafür, diese Werte in Deutschland etabliert zu haben. Dank dieser Werte kann ich als Homosexueller heute weitgehend gleichberechtigt leben. Der politische Islam ist mit diesen Werten unvereinbar.

Und was unterscheidet Sie von anderen Kritikern des Islams, die eher dem konservativen oder vielleicht z.T. „rechten Lager“ zuzuordnen sind?

Krause: „Rechte“ oder christlich-konservative Islamkritiker spielen Religionen gegeneinander aus. Oft verteufeln sie den Islam, während sie das Christentum einseitig verherrlichen. Das finde ich intolerant. Als „Linker“ ist man ausgewogener: Ich kritisiere regelmäßig auch den Papst. Koran und Bibel sind gleichermaßen frauenfeindlich und homophob.

Auch Thilo Sarrazin oder Heinz Buschkowsky gehören durch ihre SPD-Mitgliedschaft zum genuin linken Lager. Was unterscheidet Ihr Buch von deren Büchern?

Krause: Sarrazin und Buschkowsky gehen vorwiegend auf volkswirtschaftliche Gesichtspunkte ein. Sie kritisieren die ökonomischen Belastungen, die unkontrollierte Zuwanderung mit sich bringt, insbesondere für den Sozialstaat. Mein Buch hingegen lässt das Finanzielle bewusst außen vor. Mir geht es um „Kulturkampf“ im Zusammenhang mit Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Sowohl repräsentative Studien, wie auch meine beruflichen Erfahrungen belegen: In muslimischen Subkulturen wird hemmungslos gegen Frauenrechte, gegen Homosexuelle und gegen Juden gehetzt. Hierauf geht Sarrazin gar nicht ein. Im Gegenteil, durch seine Formulierungen schürt er den Judenhass umso mehr.

Gibt es überhaupt Schnittmengen zwischen – wie Sie es nennen – „linker“ und „rechter“ Islamkritik und könnten die verschiedenen Akteure zusammenarbeiten?

Krause: In Deutschland sehe ich dafür noch keine Chance. Ich distanziere mich in meinem Buch ausdrücklich von Pro Köln und deren Schwesterparteien. In diesen Parteien wimmelt es nur so von verkappten, abscheulichen Nazis, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht sieht. Etwas differenzierter muss man die Partei Die Freiheit sehen. Diese hatte mit liberalen Ideen begonnen, wurde dann aber „von rechts“ unterwandert. Mein Buch zeigt auf, was in Deutschland geschehen muss, damit demokratische Linke und demokratische Rechte künftig besser miteinander kooperieren. Doch das ist hierzulande noch ein weiter Weg.

Sie thematisieren explizit die Situation in den Niederlanden und setzen sich mit den Ideen von Pim Fortuyn, Theo van Gogh und Geert Wilders auseinander. Was läuft dort anders?

Krause: Pim Fortuyn war ein offen schwuler Politiker, der die Homophobie vieler Muslime anprangerte. Linke Medien begannen daraufhin eine Hetzjagd gegen Fortuyn und stigmatisierten ihn als „Nazi“. Diese geistige Brandstiftung führte dann vor zehn Jahren zur Ermordung Fortuyns.

Später wurde auch der Filmemacher Theo van Gogh ermordet, weil dieser die Frauenunterdrückung im Islam kritisierte. Mittlerweile tut es Hollands Linken leid, indirekt schuld an diesen Morden zu sein. Inzwischen gelten Fortuyn und van Gogh als große Volkshelden. Geert Wilders setzt die Fortuyn-Agenda vor. Er verteidigt die Rechte von Frauen und Schwulen gegen den Islam, ohne dabei das Christentum zu verherrlichen. Mit Wilders kann man auch als Linker kooperieren.

Schauen wir mal auf die Muslime selbst: Warum sitzen in deutschen Gefängnissen so überproportional viele muslimische Jugendliche? Oder anders ausgedrückt: Was macht einen jungen Muslim besonders gewalttätig?

Krause: Eine große Rolle spielt das reaktionäre Männerbild vieler Imame. Gewalttätig zu sein gilt mitunter als positiver  „Ritterschlag“ für Männlichkeit. Es gibt repräsentative Studien zur Grundhaltung muslimischer Religionslehrer, die im deutschsprachigen Raum an staatlichen Schulen unterrichten. Demnach ist diese Lehrerschaft geradezu verseucht von Israelfeindlichkeit und radikalem Islamismus.

Eine muslimische Religionslehrerin hat nachweislich im Unterricht gefordert: Homosexuelle sollen verbrannt werden! An manchen der privaten Koranschulen könnte es ebenfalls schlimm zugehen. Schon vierjährige Kinder werden nachmittags in solche Schulen geschickt. Ich kann nur sagen: Wehret den Anfängen!

In Ihrem Bundesland NRW ist muslimischer Religionsunterricht seit diesem Schuljahr ein reguläres Unterrichtsfach. Wie schätzen Sie die Chancen und Risiken ein?

Krause: Die Intention der Landesregierung ist lobenswert: Es ist besser, die Kinder lernen an staatlichen Schulen, als in gefährlichen Hinterhof-Moscheen. Problematisch ist die konkrete Umsetzung: Denn über Unterrichtsinhalte und Lehrbefugnisse lässt das Land NRW ausgerechnet erzkonservative muslimische Verbände entscheiden. Liberale Muslime wie z.B. Aleviten beklagen zu Recht, vernachlässigt worden zu sein.

Die Landesregierung muss aufpassen, den Bock nicht dauerhaft zum Gärtner zu machen. Bereits jetzt setzen die erzkonservativen Islamverbände das Land NRW erpresserisch unter Druck. Deshalb wurde der liberale muslimische Professor, der für die gesamte Lehrerausbildung zuständig war, durch einen erzkonservativen Nachfolger ersetzt. Auch dieses perfide Vorgehen der Islamverbände durchleuchtet mein Buch im Detail.

Sie sprachen vorhin von „Kulturkampf“. Wie haben Sie diesen als Lehrer im Schulalltag erlebt? 

Krause: Man kann sich das an einem ganz einfachen Beispiel vor Augen führen: Deutsche Kinder wachsen zunehmend bei lesbischen und schwulen Paaren auf. In der Schule treffen sie dann auf radikal muslimisch erzogene Kinder. In deren Familien wird Gewalt gegen Homosexuelle oftmals befürwortet. Würden sich zwei schwule Schüler auf den Schulhof küssen, begäben sie sich mancherorts in akute Lebensgefahr.

Tatsächlich offenbarte erst kürzlich wieder einmal eine Umfrage unter Türken in Deutschland, dass ein Großteil von ihnen Homosexualität für eine Krankheit hält. Wie steht es da um homosexuelle Jugendliche in muslimischen Familien?

Krause: Studien belegen, dass die Suizidrate homosexueller Jugendlicher in Deutschland viermal höher ist als bei heterosexuellen Jugendlichen. Bei muslimischen Jugendlichen, die homosexuell sind, dürfte die Suizidrate hundertfach höher sein. Mein Buch schildert meine langjährige Erfahrung in der schwul-lesbischen Jugendarbeit, insbesondere mit muslimischen Mädchen. Sie unterlagen dem Kopftuchzwang, sollten mit fremden Männern zwangsverheiratet werden, waren jedoch lesbisch. Die Mädchen hatten natürlich akut Angst vor „Ehrenmorden“. Diese tragischen Schicksale beleuchtet mein Buch ausführlich. Allerdings sind die Kapitel wahrlich nichts für schwache (und dazu politisch korrekte) Nerven.

Wenn Islam und Homosexualität solche Widersprüche sind, warum wird dann die Schwulen- und Lesbenszene in Deutschland nicht besonders islamkritisch aktiv?

Krause: Das liegt unter anderem an denjenigen Leuten, die innerhalb dieser Szene die Meinungsführerschaft innehaben. Der schwule Grüne Volker Beck ruft regelmäßig zu Protesten gegen die katholische Kirche auf. So protestierten beim Papstbesuch in Berlin 10.000 Menschen gegen die Homophobie im Vatikan. Wenn jedoch 5.000 homophobe und dazu noch gewaltbereite Islamisten hierzulande ihre Kongresse abhalten, dann schweigt Volker Beck. Auch Claudia Roth, Klaus Wowereit und Guido Westerwelle schweigen dann. Wir brauchen einen Pim Fortuyn in Deutschland.

Dieses Jahr wählen die Deutschen einen neuen Bundestag. Mit einer kritischen Haltung gegenüber der Ideologie des Islams tun sich die großen Parteien aber eher schwer. Was denken Sie, welche Rolle der Islam und die damit einhergehenden Probleme im politischen Agenda-Setting 2013 spielen werden?

Krause: Muslime sind für diese Parteien zum wichtigen Wählerklientel geworden. Darum wird der Islam durchaus eine große Rolle spielen. Allerdings nicht auf die Weise, die aus humanistischer Sicht dringend nötig wäre.

Daniel Krause (2013): Als Linker gegen Islamismus. Ein schwuler Lehrer zeigt Courage. Radolfzell: HJB-Fakten, 176 Seiten, 12,90 Euro. Kaufen bei Amazon (erscheint Mitte März 2013).

15 Comments »

  1. Lukas 17. Januar 2013 at 11:16 - Reply

    Oh, eigentlich wollte ich dieses Link hier empfehlen, wo viel über Krauses Buch steht http://islamkritisch.wordpress.com/

    Dieser Text hier ist auch gut: http://www.blu-news.org/2013/01/15/verteidiger-westlicher-toleranz/

    Und natürlich das PAZ-Interview: http://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/westliche-toleranz-verteidigen.html

    Und wer Facebook hat, es gibt auch dort eine Fan-Seite: http://www.facebook.com/danielkrause.autor

  2. Pseudonis Pseudopoulos 17. Januar 2013 at 11:26 - Reply

    „…bis der 32jährige zu seinem eigenen Schutz vom Dienst suspendiert wurde.“

    Das las sich in der lokalen Presse vor einem Jahr anders. Demnach hat das Kollegium die Bezirksregierung geradezu angefleht, Dr. Krause aus dem Schuldienst zu entfernen.

    „seit mehr als einem halben Jahr ist der Kölner bei vollem Gehalt vom Dienst freigestellt.“

    Das allerdings ist ein äußerst starkes Stück. Da wird der Kollege für’s Nichtstun bezahlt!

  3. Lukas 17. Januar 2013 at 13:33 - Reply

    Die Pressemeldungen waren damals sehr widersprüchlich. Der stellvertretende Schulleiter, der distanzierte sich sehr stark von Krause. Der richtige Schulleiter war damals noch erkrankt. Als dieser wieder gesund war, stellte er sich schützend vor Krause und betonte, dass die Suspendierung vorrangig Schutzzwecken diene.
    Jeder konnte sich selbst ein Bild davon machen, dass Krauses Aussagen gegen die Salafisten-Demo damals vollkommen grundgesetzkonform waren und keine Suspendierung i.S. einer „Strafe“ rechtfertigten. Wohl aber zum Zwecke von Schutz.
    Dass er sein volles Gehalt bekommt, ist normal in so einer Situation! Denn er hat sich die Situation „nicht ausgesucht“. Er kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass ihn Linksradikale und Islamisten bedrohen und ihn somit zwingen, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen.

  4. veganedge 18. Januar 2013 at 07:13 - Reply

    Pim Fortuyn kein Faschist und Kooperation mit Wilders??? WTF!!! Aufwachen, Junge! Rechtsradikale hatten noch nie vor Homophobie zu bekämpfen, sich mit diesen Leuten zu verbrüdern ist Ausdruck einer Blindheit gegenüber Faschismus und Unterdrückung die von diesen Kreisen angestrebt wird.

  5. Dustin Goldberg 18. Januar 2013 at 21:14 - Reply

    Das Kollegium hatte sich damals überhaupt nicht geäußert, es waren einzelne Elternvertreter, die sich damals in den Vordergrund drängten, teils aus homophober Motivation. Betrachtet man das Ganze juristisch-nüchtern, hat sich Dr. Krause nichts, aber wirklich gar nichts zu schulden kommen lassen. Er wurde das Opfer medialer Vorverurteilung. In solchen Fällen ist eine Suspendierung zu Schutzzwecken bei vollem Gehalt das, was üblich ist. Als NRW-Gymnasiallehrer dürften das knapo 3000 netto sein. Bemitleiden muss man ihn also wirklich nicht, doch Vorwürfe deswegen wären gegem ihn ebenso unangebracht.

  6. K.R. 7. Februar 2013 at 00:40 - Reply

    Dass sich die 68er nun auch auf ihre Fahnen schreiben dürfen, in Deutschland die „Trennung von Staat und Kirche etabliert zu haben“. Der ging ja nun eine längere historische Entwicklung
    voraus, an der auch andere gesellschaftliche Kräfte, nicht nur Linke, beteiligt waren. Das gilt ja auch für die Gleichberechtigung von Frauen und Männer und die Idee einer gewaltfreien
    Kindererziehung. Was lernt man heute eigentlich an den Universitäten?

  7. Tina Möller 20. November 2013 at 20:09 - Reply

    Die Parteien in Deutschland wollen von den Moslems gewählt werden, das stimmt wohl. Bis es die erste islamische Partei ins Parlament geschafft hat, dann sind die Stimmen wohl weg.
    Ich verstehe nicht, warum Islam-Kritik immer sofort auf Rechts- oder Linkslastigkeit abgeklopft wird? Ich werde keinem rechts- und keinem links gesinnten Politiker absprechen, dass er eine Religion kritikwürdig finden darf. Was soll das? Vermutet man Fremdenfeindlichkeit unter dem Deckmantel der Religionskritik? Man wird wohl noch erkennen können, ob eine Kritik ernst zu nehmen ist oder nicht. Da wird doch etwas ganz gewaltig instrumentalisiert. Ich wünsche mir mehr Leute, die sich das nicht mehr gefallen lassen. Zu den 68er-Errungenschaften: schade, dass das heute kaum noch jemand richtig würdigt. Früher gab es diese verlogene Tolleranz gegenüber totalitären Ideologien nicht.
    Man geht ja hierzulande so weit, auch Moslems, die Kritik am Islam äußern, als intollerant zu beschimpfen. Davon kann sich jeder überzeugen, der bei Facebook die Kommentare liest, die diese Leute dort von Deutschen erhalten. Es ist kaum zu ertragen, das zu lesen und ich bewundere die Leute, die sich dieser verlogenen Hatz aussetzen.

  8. Tina Möller 20. November 2013 at 20:29 - Reply

    Dazu will ich noch anfügen: sachliche Kritik ist nicht mit Haß gleichzusetzen. Kritik ist im Islam absolut nicht vorgesehen und unter Strafe gestellt. Wenn sogar alle Anders- oder Nichtgläubigen Kritik vermeiden und die Moslems, die es riskieren, Kritik an ihrer Religion zu äussern, auch von uns nur Ablehnung, statt Unterstützung erhalten, wie soll sich diese Reilgion jemals verändern? Ich will sagen, dass Kritik nicht negativ sein muss, sondern oft notwendig ist, damit sich etwas entwickeln kann.
    Der Islam gibt vor, eine runde Sache zu sein, ein göttliches Gebilde, das absolut fehlerfrei und somit nicht kritisierbar sei. Es gibt aber Mißstände, die geändert werden müssen, wenn der Islam nicht mit unseren Grundrechten kollidieren soll. Und da geht man bis jetzt hierzulande einen verdammt bequemen Weg. Und wie das so ist, wenn man ein Problem verdrängt … macht es sich irgendwann mit voller Wucht bemerkbar.

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