Libertarismus als Idee und Praxis der Freiheit

19. Oktober 2012 2

Der Freidenker Andreas Pokladek antwortet auf den Beitrag „Das Ende des Liberalismus (?)“

Libertär als Abgrenzung zum amerikanischen (sozialdemokratischen) Liberalism – Bild: Reinhard Grieger / pixelio.de

Vor einigen Tagen veröffentlichte Felix Strüning hier einen Beitrag zum Liberalismus, ein meiner Meinung nach ernstzunehmender Versuch, den Liberalismus und ein Verständnis von Freiheit in der politischen Landschaft von heute zu verorten. Sehr interessant sind hier die Ergebnisse der Allensbach-Befragung und auch das abgebildete Wertequadrat gibt einiges her; um die Spannungsfelder Freiheit, Verantwortung, Beliebigkeit und Anarchie auszuloten. Allerdings fehlt in den Allensbach Vorgaben die wichtigste Definition von Freiheit und damit die Grundlage des Liberalismus/Libertarismus an sich: Freiheit als die Abwesenheit von Zwang!

Völlig richtig zeigt der Artikel, welche verqueren Vorstellungen von Liberalismus und Libertarismus durch die Reihen sogenannter Intellektueller geistern. Die angeführte Bezeichnung des PI-Schreibers Michael Stürzenberger im erwähnten Sezession-Beitrag von Martin Lichtmesz als Liberaler ist natürlich sachlich falsch. Stürzenberger ist als etatistischer Verordnungsliebhaber und islamkritischer Demagoge einzuordnen – keinesfalls aber als ein „liberaler Islamkritiker“.

Sehr berechtigt auch die formulierte Kritik am heute real existierenden Liberalismus, der, wie auch der Libertarismus, als wohlfeile akademische Idee keinen Sinn macht, sondern mit verantwortlichem Handeln im Hier und Jetzt einhergehen muss und einen praktischen Bezug zur Realpolitik herstellen sollte. Freiheit bedeutet zwar vornehmlich; frei zu sein von Zwang; aber eben auch Verantwortung und nötigenfalls wehrhafte Verantwortung für die Grundlagen unser Leben frei – und zwar frei von Zwang und selbstbestimmt – leben zu können.

In die Besprechung der Allensbach-Ergebnisse und die weiteren Ausführungen zum Wertequadrat haben sich aber sehr beliebte, zugleich gravierende und gerne kolportierte Fehler zum Verständnis des Libertarismus eingeschlichen, die ich hier kurz kommentieren möchte.

Richtig ist, dass die „Freiheit von sozialer Not“ als Verständnis von Freiheit sehr kurz gegriffen ist. Natürlich wird von den 24 Prozent, die dies als ihr Verständnis von Freiheit angaben, damit einem verständlichen Wunsch Ausdruck verliehen, aber in seiner Konsequenz ist dieses Freiheitsverständnis kein wertebasiertes. Es fordert sogar genau das Gegenteil von dem was Liberalen wichtig ist: nämlich einen starken Staat der für alle sorgen oder mit Regelungen und Normierungen die sozialistische Gleichheit, die vielgerühmte „soziale Gerechtigkeit“, herstellen möge. Eine Sichtweise, die, wie richtig beschrieben, mit Freiheit und Selbstverantwortung komplett unvereinbar ist.

Völlig unhaltbar und sachlich falsch ist dagegen folgender Kommentar Strünings zu einer weiteren Gruppe der Befragten (21%):

…diese befürwortet schließlich eine dritte Variante von Freiheit, nämlich tun und lassen zu können, was einem beliebt. Auch diese Position ist nicht mit dem zuerst diskutierten Begriff der Freiheit durch Verantwortung zu vereinen. Denn diese als „Libertinage“ oder „libertär“ zu bezeichnende Haltung unterschlägt die maßgebliche Grenze der Freiheit, die selbige eines anderen nicht einzuschränken. Und dies wird relevant, sobald mehr als ein Mensch an einem Ort lebt, ganz zu schweigen vom politischen Gemeinwesen. Tun und lassen zu können, was man will, entbindet per definitionem von der Verantwortung für das eigene Handeln, erst recht gegenüber anderen.“

Es fällt mir schwer zu verstehen, woher der immer wieder auftauchende Irrtum und Vorwurf kommt, dass „libertär“ verantwortungslos oder sozial autistisch bedeute. Im Gegenteil. Der Begriff „libertär“ kommt in seiner aktuellen Verwendung aus Amerika und meint dort „klassisch liberal“. Natürlich gibt es auch ein paar linke Chaos-Anarchisten, die den Begriff für sich missbrauchen. Tatsächlich ist aber die Freiheit aller von Zwang(!) und deren Rechte als Individuum (!) wesentlicher Bestandteil libertären Denkens.

In seiner alten, ursprünglichen Bedeutung ist „Anarchie“ als „Herrschaftsfreiheit“ natürlich sehr eng dem libertären Denken verbunden, in seiner aktuellen allgemeinen Bedeutung und Verwendung als Bezeichnung für eine rücksichtslos-chaotische Laissez-Faire-Haltung ist der Begriff hingegen nicht geeignet den Libertarismus zu definieren. Es zeigt sich, dass eine akademische Begriffsbestimmung schwierig ist, weil sich meist irgendwo ein Theoretiker finden lässt, der den Begriff wieder etwas anders definiert.

Schaut man sich aber in der aktuellen klassisch liberalen/libertären Szene einmal um, findet man gewisse  Gemeinsamkeiten des Selbstverständnisses moderner klassisch Liberaler oder Libertärer:

  • Libertären ist Freiheit ein Wert an sich und wird vor allem verstanden als die Abwesenheit von Zwang.
  • Ein Bewusstsein dafür, dass jeder sich selbst gehört und über sich selbst bestimme. Die Betonung des „Naturrechts“ d.h. individuelle Menschen- und Freiheitsrechte als unverhandelbar. Diese sind auch nicht durch den Staat oder eine „demokratische Mehrheit“ zu verletzen.
  • Die Favorisierung der Freiheit des Marktes und die Betonung der Vertragsfreiheit als Grundlage des Zusammenlebens.
  • Ein Verständnis der Finanz- und Wirtschaftspolitik, das sich aus der Österreichischen Schule der Nationalökonomie speist. Bedeutende Vertreter und Denker sind hier Hayek, Mises, Rothbard, Baader und andere…

Diese Gemeinsamkeiten machen wohl das aus, was man heute als „libertär“ bezeichnen kann, mehr als jede noch so wohlfeil formulierte akademisch-historische Abhandlung. Was „libertär“ sicher nicht heißt, ist Verantwortungslosigkeit! Im Gegenteil beinhaltet ein libertäres Verständnis der Welt ein gesteigertes Bewusstsein für die grundlegenden Menschenrechte, hier oft auch Naturrecht genannt, die die unverhandelbare Grundlage unseres Zusammenlebens sind. „Verantwortung“ als Abstraktum sollte hier aber noch unbedingt näher definiert werden, benutzen doch die meisten Etatisten die „Verantwortung“ den „Menschen“ und besonders der „Natur“ gegenüber als Vorwand zu umfassender Bevormundung und Regulierung, als Rechtfertigung für steigende Unfreiheit.

Über die Rolle des Staates herrscht unter Libertären hingegen keine Einigkeit. Einige befürworten einen schlanken oder „minimalen“ Staat, der die Sicherheit seiner Bürger, das Eigentum und das Recht beschützt. Andere lehnen den Staat völlig ab und befürworten eine reine Privatrechtsgesellschaft. Allen gemein ist das Verständnis vom Staat als Gewaltapparat und ständigen Verletzer von Eigentumsrechten in Form von Zwangssteuern und sonstigen Abgaben. DieseS soll deshalb entweder ganz abgeschafft, zumindest aber doch auf ein verträgliches Maß zurechtgestutzt werden.

Auch zur Demokratie gibt es in der Szene widersprüchliche Auffassungen: Als „Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit“ wird unser demokratisches System von einigen Libertären sehr problematisch gesehen. Viele jedoch halten es jedoch für das mit allen Abstrichen beste existierende System und befürworten hier umfassende Reformen unserer demokratischen Verfahren hin zu direkter Demokratie und konsequenter Subsidiarität.

Eine knappe aber recht deutliche Definition des Begriffs „Libertär“ hat Das Libertariat, eine moderne Gruppe libertärer Blogger und liberalen Propagandisten veröffentlicht:

  1. Libertarismus ist die Idee und Praxis der Freiheit des Menschen.
  2. Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen und deshalb Eigentümer seiner Selbst.
  3. Diese objektive Tatsache drückt sich im überstaatlichen Naturrecht aus, in den universellen Menschenrechten.
  4. Jede Vereinigung von Menschen, darunter auch und vor allem der Staat, die die Punkte 2 und 3 in Frage stellt, ist illegitim und letztlich – wie es der Hl. Augustinus formulierte – eine kriminelle Organisation.
  5. Der Libertarismus strebt die Umwälzung all jener politischen und sozialen Verhältnisse an, die den Menschen deformieren und aus ihm eine geknechtete und verächtliche Kreatur machen.
  6. Libertarismus ist die Herrschaft des Rechts.

Eine klare und in ihrer Kürze sehr treffende Definition eines modernen Libertarismus, die im Detail natürlich auf die realen Verhältnisse angewandt und weiter bestimmt werden muss.

Was man tatsächlich grundlegend kritisieren kann und da kritisiere ich ebenso wie Strüning die „Libertären und Liberalen“, ist eine Neigung sich ein „libertäres Utopia“ zu denken und die Realpolitik komplett als Zwangsveranstaltung zu verurteilen. Man hat die Neigung; sich in Zirkeln und Clubs zu Gesprächskreisen zu treffen und die philosophisch feinsinnigen und stringenten Sichtweisen zu genießen, ohne sie in tatsächlichen Bezug zum real existierenden Leben zu setzen. Oder falls doch, diese nicht in politisches Handeln münden zu lassen. Die Neigung einiger Exoten der Szene zu Verschwörungstheorien – siehe die WTC Truth Bewegung oder die große Verschwörung des Welt-Finanz-Kapitals, bisweilen garniert mit einer feinen Note von Antisemitismus – ist ebenfalls nicht angetan dem Libertarismus zu Ansehen zu verhelfen.

Auch bei kritischen Themen wie unserem Umgang mit dem Islam oder dem Support Israels wird es oft eng bei diesem Klientel. Aber eben nicht bei allen, bei weitem nicht: Freiheit und Verantwortung als Einsicht in die Notwendigkeiten gehören für viele Libertäre zusammen. Genau wie das Naturrecht als Grundlage unseres Zusammenlebens, wie Mitgefühl und soziales Bewusstsein. Wir Menschen sind für die meisten Libertären per se soziale Wesen, der Libertäre ist kein „asozialer Egoist“ und im besten Fall auch kein verantwortungsloses Weichei das sich um unbequeme Stellungnahmen drückt. Daher wären Libertäre in der Allensbach Befragung mit allen Einschränkungen eher bei der größten Gruppe der 54 Prozent, die sich für „Freiheit und Verantwortung“ aussprachen, einzusortieren.

Eins der Hauptanliegen der Libertären, die Reform unseres Finanzsystem – weg vom Scheingeld hin zu Marktgeld oder Golddeckung – und die Freiheit des Marktes ohne staatliche Eingriffe, Subventionen oder Protektionismus, sind in ihrem Kern verantwortungsvoll und sozial gedacht und haben als Ziel den größtmöglichen Wohlstand für die größtmögliche Zahl von Menschen. Roland Baader, einer der bedeutendsten und genialsten liberalen Denker unserer Zeit fordert das Gleichgewicht zu halten zwischen dem „libertären Ideal“ als Leitstern unseres Handelns und den real zu gehenden Schritten in Richtung Liberalisierung der Welt. Soviel zum gefühlt ewigen Thema der „total-egal-Libertären“.

Des Weiteren findet sich noch ein gravierendes und gerne von linken Liberalismus-Kritikern vorgebrachtes Missverständnis im besprochenen Artikel:

In Anlehnung an Adam Smith argumentieren Libertäre hier gerne mit der „unsichtbaren Hand“, die die spontane Ordnung des freien Marktes reguliere. Dabei handelt es sich aber um nichts anderes, als eine quasi-religiöse Transzendierung der Verantwortung, um den eigenen Egoismus auszuleben.“

Dazu ist festzustellen, dass nicht nur von einigen Libertären so argumentiert wird, sondern dass die erwähnte „unsichtbare Hand“ Teil einer wissenschaftliche Sichtweise ist, die unter anderem von dem Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek gefestigt wurde. Weitere angesehenE Wirtschaftswissenschaftler und Ökonomen vertreten diese Theorie. Zu nennen sind hier z.B. Ludwig Mises, Murray Rothbard oder Roland Baader. Aktuell outen sich gerade Herr Polleit, Chef Volkswirt der Degussa und sogar Dr. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank (!), als Anhänger der sogenannten „Österreicher“. Nichts exotisches also. Tatsächlich hat es keine andere wirtschaftswissenschaftliche Sichtweise bis heute geschafft, unsere Krisen und ihre Ursachen so exakt und treffend voraus zu sagen und zu benennen, wie eben diese.

Die „unsichtbare Hand“ meint tatsächlich nichts anderes als den Vorgang der Selbstregulierung in natürlichen oder „unregulierten“ Zusammenhängen. Das ist keine „mystische Überhöhung“ sondern eine Beschreibung des Vorgangs der natürlichen Selbstregulierung des Marktes basierend auf Menschen die aufgrund ihrer vorhandenen Bedürfnisse für und mit Menschen produzieren und handeln. Angebot und Nachfrage. Ein höchst sozialer Vorgang. Ursache und Wirkung. Ein Verständnis der Welt, dass von Vertrauen in und Liebe zu den Menschen, ihrer ökonomischen Vernunft und ihrer Freiheit geprägt ist. Der Erfahrung geschuldet, dass das Nützliche, den Vorteil für alle bringende, sich so letztlich durchsetzt.

Auch wenn Strüning vom freien Markt und seiner Selbstregulierung als angebliches Alibi „den eigenen Egoismus auszuleben“ schreibt, handelt es sich um ein typisch linkes Stereotyp, das die Vertragsfreiheit, die Freiheit des Handels sowie des Marktes grundsätzlich missversteht.

Zum einen ist festzustellen, dass ein gesunder Egoismus gesund ist, d.h. es ist zu begrüßen, dass jeder für sich verantwortlich ist und für sich sorgt. Zum anderen ist die Natur des Menschen nicht grundsätzlich asozial, wir leben nicht als Einzelwesen. Man fragt sich unwillkürlich was für ein Menschenbild hinter so einer Aussage steht.

Die dem Liberalismus bisweilen unterstellte „soziale Kälte“ speist sich aus der Tatsache, dass hier das menschliche Zusammenleben auf rationale und unideologische Weise betrachtet wird. Für gefühlsduselige Romantisierungen oder moralische Überhöhung z.B. eines Nanny-Staates ist dort in der Tat kein Platz. Der Libertäre weiß, dass Menschen nur freiwillig und aus Überschuss bereit sind anderen zu helfen. Wo immer der Staat erzwungen Umverteilungen vornimmt gedeihen Neid und Eifersucht, bestimmt aber keine wie auch immer geartete „soziale Gerechtigkeit“. Zudem befreien die „milden Gaben“ die Menschen nicht, sondern halten sie in Abhängigkeit und Unselbstständigkeit fest. Daher sehen Liberale/Libertäre staatliche Wohlfahrtsprogramme und unser überbordendes Sozialsystem sehr kritisch. Mitgefühl und sinnvolle Hilfe jenseits staatlichen Zwangs aber nicht.

Wo Menschen Verträge eingehen, miteinander (!) handeln, produzieren, von und für einander kaufen und verkaufen ist für jeweils beide Parteien im Einvernehmen gesorgt, hier braucht es keine weitere Intervention oder Regulierung um „Gerechtigkeit“ herzustellen. Was gewollt ist und Vorteil bringt, setzt sich durch.

Fazit: ich teile die allgemeine Kritik des Autors am real existierenden Liberalismus, der vor allem in Form der FDP in Deutschland zur reinen Klientelpolitik verkommen ist und mit den originären freiheitlichen Werten und Lehren nichts mehr am Hut hat. Freiheit, Verantwortung und sogar Wehrhaftigkeit gehören zusammen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass die Liberalisierung des Waffenrechts auch ein kernlibertäres Anliegen ist!

Enttäuschend an diesem Text ist das zu Tage tretende grundsätzliche Missverständnis von „libertär“ als potentiell rücksichtslos, die x-te Wiederholung typisch linker Stereotypen vom freien Markt als „egoistisch“ und die Disqualifizierung natürlicher Selbstregulierung als „quasi-religiöse Transzendierung“ also als mystischer Quatsch bis hin zum sich am Horizont abzeichnenden „Raubtierkapitalismus“.

Bemerkenswert finde ich das Wertequadrat, auch wenn es die Spannungsfelder in meinen Augen nur bedingt abbildet und die Vorstellung der Ergebnisse der Allensbach-Studie, an der aber das Fehlen der in meinen Augen wichtigsten Definition von Freiheit, als die „Abwesenheit von Zwang“ zu bemängeln ist.

Zum besseren Verständnis libertären Denkens empfiehlt sich das Buch Der Streik von Ayn Rand, ich würde auch Texte von Roland Baader, Ludwig Mises und sogar Ron Paul empfehlen (auch wenn ich nicht in allem seiner Meinung bin).

Grundsätzlich stellt sich eine akademische Bestimmung und Definierung des „Libertarismus“ als schwierig dar. Wahre Freiheit als Wert und politische Idee bedeutet für viele tatsächliche Freiheit und Verantwortung im Leben und in der „Gesellschaft“. Im Handeln sowohl im politischen als auch im Markt bedeutet dies ein hohes Maß an Verantwortung, Ethik und Zwischenmenschlichkeit, so dass die üblichen Vorwürfe an den klassischen Liberalismus/Libertarismus sich ad absurdum führen und sich diese eher als die Lehren der Zivilisation und Freiheit zeigen, denn als exotische Randerscheinung von Ideologen die die Idee der Freiheit intellektuell abstrakt überhöhen.

Zu überlegen wäre die Verwendung der Bezeichnung „Freisinnig“ für die oben skizzierte Haltung, weil diese nicht durch politische und weltanschauliche Traditionen und Abhandlungen vorbelastet ist. Tatsächlich verwenden die heutigen klassisch Liberalen den Begriff „libertär“ eben aus diesem Grunde. Aber auch dieser ist erklärungs- und definitionsbedürftig, hier könnte „Freisinnig“ eine adäquate sprachliche Lösung bieten. Der von Strüning schon lange vorgeschlagene Begriff „Realliberal“ trifft inhaltlich gut und wäre eine neue Alternative, kommt aber in seiner Verwendung eckig und trocken daher. In Anlehnung an den großen Erfolg von Ron Paul in den USA bevorzuge ich nach wie vor den Begriff „libertär“ auch wenn er von Zeit zu Zeit in Deutschland erklärt werden muss. Sein Beispiel zeigt, dass die „Libertarians“ keine gesellschaftliche Randerscheinung sein müssen und die Idee der Freiheit durchaus in der Lage ist viele anzusprechen wenn geschafft wird einen konkreten Bezug zur Lebenswirklichkeit der Menschen aufzuzeigen.

Eine wirksame Verteidigung der Freiheit muss daher notwendig unbeugsam, dogmatisch und doktrinär sein und darf keine Zugeständnisse an Zweckmäßigkeitserwägungen machen.“ (F.A. Hayek)

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass die klassisch Liberalen, die Libertären, die Wertkonservativen (was Libertäre oft sind) und sonstige den Zwang und Kollektivismus ablehnenden, freiheitsliebenden Kräfte in Deutschland und Europa sich der Wichtigkeit der Freiheit bewusst werden und aufstehen, ihren Mund aufmachen und die Tendenzen Europas in neuem Kollektivismus und neuer Diktatur aufzuwachen zusammen entschieden entgegen treten. Denn: „Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut!“ (Perikles)

Zu guter Letzt noch ein Tipp zur Einführung in klassisch liberales/libertäres Denken, die Radio-Interviewreihe Streiflichter des Lebens mit Roland Baader (Streaming und Download der Radiofeatures).

2 Comments »

  1. Stefan Wehmeier 20. Oktober 2012 at 23:56 - Reply

    Die Lösung der Sozialen Frage

    Die erste Voraussetzung für absolute soziale Gerechtigkeit ist, dass alle Wirtschaftsteilnehmer zuallererst eigennützig handeln.

    Die zweite Voraussetzung ist eine makroökonomische Grundordnung, in der es automatisch das Beste für alle bedeutet, wenn jeder Einzelne nur das Beste für sich anstrebt.

    Aus der eingeschränkten Perspektive einer noch fehlerhaften Grundordnung, in der die zweite Voraussetzung nicht erfüllt ist, wird die erste Voraussetzung nicht verstanden.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/09/von-den-drei-verwandlungen.html

  2. Harry 14. Februar 2013 at 23:09 - Reply

    Ich habe schon viel libertäre Literatur gelesen (u.a. sämtliche Bücher v. Roland Baader, aber auch LVM u.a.). Aber dies hier ist die für mich mit Abstand beste Zusammenfassung und Aufklärung über die Irrtümer von libertärem Gedankengut, die ich bisher gelesen haben!
    V.a. als Grundlage für Diskussionen SEHR, SEHR nützlich.
    Dafür ganz, ganz lieben Dank Andreas!

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