Mit Drohnen erfolgreich gegen den Terror?

26. September 2012 1

Dr. Thomas Tartsch zeigt, warum der unbemannte Krieg der USA nur bedingt funktioniert und was die deutsche Bundeswehr davon lernen sollte

Ein Predator Unmanned Aerial Vehicle (UAV) der US-Luftwaffe

Forscher der US-amerikanischen Universitäten Stanford und New York veröffentlichten vor einigen Tagen eine qualitative Studie über den Einsatz von Drohnen, also unbemannten Fluggeräten im Krieg gegen den Terror. Unter anderem werfen sie der US-Regierung eine (zu) hohe Zahl an Kollateralschäden vor. 1 Wie ich schon Ende 2009 in meinem Buch über den kleinen Dschihad geschrieben habe, muss die erste Regel im Rahmen von Counterinsurgency (Aufstandsbekämpfung) lauten: „Die Zahl getöteter Dschihadisten muss immer höher sein als die Zahl ziviler Kollateralschäden.“

Solange man nicht bereit ist, genügend infanteristische Kräfte für den Bodenkrieg bereitzustellen, solange werden auch zukünftige Einsätze erfolglos bleiben, da man nicht gewillt ist, eine gewisse Anzahl von Gefallenen in Kauf zu nehmen, deren Anzahl am Anfang des Einsatzes höher liegen kann als im Verlauf des gesamten Einsatzes, da man als Besatzungstruppen zunächst erreichen muss, von der Bevölkerung als Schutzmacht anerkannt zu werden, um dann die Trennung von Aufständischen und Zivilbevölkerung angehen zu können.

Da die Bundeswehr ihre infanteristischen Kräfte schon im Verlauf der früheren Transformationsprozesse faktisch halbiert hat, ist sie auf absehbare Zeit nicht in der Lage, in kommenden Einsätzen personal- und kostenintensives Counterinsurgency durchzuführen und durchzuhalten. Mal ganz abgesehen vom derzeitigen Fehlen einer umfassenden Strategie für die Durchführung von Counterinsurgency als vernetzer und übergreifender Ansatz.

Lesen Sie auch das Diskussions-Papier von Dr. Thomas Tartsch zum Thema:

Dieser Mangel ist zurückzuführen auf die nicht gegebenen fachlichen Ressourcen innerhalb der Bundeswehr, die Kenntnisse in dieser Thematik besitzen und sich etwa mit Legitimation und Kampfdroktinen des gewaltsamen Dschihadismus beschäftigen. Dabei wird die Bundeswehr schon aufgrund des Einsatzzieles – der Sicherung des freien Zuganges zu den knapper werdenden Rohstoffressourcen – vermehrt auf lokal und international ausgerichtete dschihadistische Gruppen treffen, die, wie in Afrika, selbst mit einer dschihadistischen Form des Nationbuildung innerhalb von bestehenden Failed States begonnen haben und somit größer werdende Territorien kontrollieren.

Selbst wenn die Bundeswehr bewaffnete Drohnen anschaffen und einsetzen würde, bestünde kaum die Gefahr einer exzessiven Nutzung dieser Waffe in Analogie zur derzeitigen Strategie der Obama-Administration (neben der Führung des Führung des Shadow War in knapp 80 Ländern der Welt), da auf die politische Stimmungslage der Bevölkerung Rücksicht genommen werden muss und selbst die Vereinigten Staaten sich ein Involvieren in einen lang anhaltenden Low Intensity Conflict (LIC) wie in Afghanistan finanziell nicht mehr leisten können.

Vielmehr wird durch die quantitativ steigende Anzahl bewaffneter Drohneneinsätze gegen Dschihadis mit gleichzeitig steigender Zahl ziviler Kollateralschäden die oben angeführte erste Regel für eine erfolgreiche Counterinsurgency gebrochen. Damit treibt man aber die Zivilbevölkerung faktisch in die Arme der Dschihadis, da diese als Schutzmacht gegen die ausländischen Aggressoren angesehen werden, womit die dschihadistische Propaganda von den „Juden und Kreuzfahrern“, die das Dar al-Islam (Gebiet des Islam) besetzen und alle Muslime töten wollen, auf fruchtbaren Boden fällt.

Damit wiederum lässt sich der Dschihad gegen westliche Truppen als Verteidigungsdschihad legitimieren, sprich als individuelle und nicht delegierbare Pflicht (Fard al-Ayn). Ein Legitimationsmuster, welches seit dem Afghanistan Krieg von 1979-1989 immer Wirkung erzielen konnte. Von den Araber-Afghanen im Dschihad gegen sowjetische Truppen über al-Qaida bis zum salafitischen Islam in Deutschland, der in Teilen Züge einer neuen islamischen Jugendkultur angenommen hat.

Der selektive Einsatz bewaffneter Drohnen kann generell eine sinnvolle Ergänzung darstellen, die aber nie die das klassische infanteristische Handwerk ersetzen wird, wodurch zunächst eine quantitative Aufstockung dieser Truppenteile (Panzergrenadiere, Jäger, Gebirgs- und Fallschirmjäger) zur Führung des Bodenkrieges in kommenden Einsätzen erfolgen müsste, was durch den weiter schrumpfenden Militärhaushalt derzeit eher als unwahrscheinlich anzusehen ist. Vielmehr wird der bei der Bundeswehr zu konstatierende eklatante Mangel an Man- und Firepower durch das Schlagwort der Smart Defence zur Entlastung des Militäretats elegant umschrieben, da die Vereinigten Staaten durch ihre interessenpolitische Zentrierung auf den pazifischen Raum nicht mehr bereit sind, die Hauptlast militärischer Einsätze im Rahmen der NATO zu tragen. 2

Wie die Bundeswehr – und alle europäischen Streitkräfte insgesamt – mit noch weniger finanziellen Mitteln zukünftige Einsätze in weit entfernten Gebieten durchführen sollen, bleibt hierbei wohl ein Geheimnis der jeweiligen politischen und militärischen Führung, was für die Bundeswehr auch durch die Anschaffung und den Einsatz bewaffneter Drohnen nicht gelöst werden kann, wenn ansonsten alle anderen Ressourcen nur in unzureichender Quantität vorhanden sind.

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