Ein Fünftel Multikulti?

19. September 2012 0

Statistisches Bundesamt: Zahl der Personen mit Migrationshintergrund nimmt 2011 leicht zu, vor allem durch hier Geborene mit deutscher Staatsbürgerschaft

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat heute die Ergebnisse des Mikrozensus 2011 für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund vorgelegt. Insgesamt lebten im vergangenen Jahr rund 16 Millionen Personen mit einem Migrationshintergrund im engeren Sinn in Deutschland, das waren 216.000 mehr als im Jahr 2010. Dadurch stieg im gleichen Zeitraum auch die gesamte Bevölkerung um knapp 40.000 Personen auf 81,754 Millionen. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund nahm demzufolge leicht von 19,3 Prozent auf 19,5 Prozent zu. Davon sind 7,2 Mio. (8,8% der Bevölkerung) Ausländer, einen deutschen Pass haben 8,8 Mio. (10,7% der Bevölkerung). 1

Die meisten Personen mit Migrationshintergrund stammen aus der Türkei (18,5%), gefolgt von Polen (9,2%), der Russischen Föderation (7,7%) und Italien (4,9%). Kasachstan ist mit 5,8% das einzige wichtige nicht-europäische Herkunftsland. Mit 1,4 Mio. kommen die meisten (Spät-)Aussiedler aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion – vor allem aus der Russischen Föderation (612.000) und aus Kasachstan (575.000); daneben sind Polen (579.000) und Rumänien (213.000) wichtige Herkunftsländer.

Die in Deutschland geborenen „Menschen ohne eigene Migrationserfahrung“ haben sich – wie schon im Vorjahr – weiterhin in ihrer Zusammensetzung verändert. Die Zahl der hier geborenen Deutschen mit Migrationshintergrund hat sich gegenüber 2010 um 171.000 auf 3,8 Mio. bzw. 4,6 Prozent der Bevölkerung erhöht. Somit ist diese Personengruppe für die Zunahme der Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland insgesamt hauptverantwortlich.

Europa ist für die Migration in Deutschland quantitativ besonders bedeutsam: es stellt 69,3 Prozent der Zuwanderer („Menschen mit eigener Migrationserfahrung“), 32,5 Prozent von ihnen kommen aus den 27 Mitgliedsländern der Europäischen Union.

Personen mit Migrationshintergrund sind deutlich jünger als jene ohne Migrationshintergrund (35,2 gegenüber 46,1 Jahre), weitaus häufiger ledig (45,8 gegenüber 38,8%), und der Anteil der Männer unter ihnen ist höher (50,3% gegenüber 48,8%). 15,4 Mio. von ihnen leben im früheren Bundesgebiet und in Berlin (96,3 gegenüber 81,4%), 598 000 in den neuen Ländern ohne Berlin (3,7 gegenüber 18,6%). Bei den unter 5jährigen stellen Personen mit Migrationshintergrund inzwischen 34,9% der Bevölkerung.

Personen mit Migrationshintergrund leben in etwas größeren Haushalten als Personen ohne (Haushaltsgröße: 2,4 gegenüber 2,0). Sie leben seltener allein (12,7% gegenüber 21,3%), die klassische Familie mit Eltern und Kindern kommt bei ihnen häufiger vor (57,5% gegenüber 37,2%). Ehepaare ohne Kinder, Alleinerziehende oder alternative Lebensformen sind bei ihnen dagegen erheblich seltener. Personen mit Migrationshintergrund unterscheiden sich auch weiterhin deutlich hinsichtlich der Bildungsbeteiligung von jenen ohne Migrationshintergrund; 14,1% haben keinen allgemeinen Schulabschluss und 40,6% keinen berufsqualifizierenden Abschluss (Personen ohne Migrationshintergrund: 1,8% bzw. 15,9%), wobei in allen Fällen die sich noch in schulischer und beruflicher Ausbildung Befindenden unberücksichtigt bleiben.

Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 65 Jahren sind etwa doppelt so häufig erwerbslos als jene ohne (9,3% gegenüber 4,9% aller Erwerbspersonen) oder gehen ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach, z.B. einem Minijob (12,7% gegenüber 8,6% aller Erwerbstätigen). Erwerbstätige mit Migrationshintergrund sind fast doppelt so häufig als Arbeiterinnen und Arbeiter tätig als Erwerbstätige ohne Migrationshintergrund (38,8% gegenüber 21,2%). Angestellte und Beamte sind unter ihnen entsprechend seltener. Erwerbstätige mit Migrationshintergrund gehen ihrer Tätigkeit vor allem im produzierenden Gewerbe, im Handel und Gastgewerbe nach.

Notes:

  1. Die Angaben zur derzeitigen bzw. früheren Staatsangehörigkeit sind nicht mit den Vorjahren vergleichbar, da erst ab dem Berichtsjahr 2011 die Deutschen mit beidseitigem Migrationshintergrund ihren kulturellen Wurzeln zugeordnet werden, sofern beide Eltern die gleiche (derzeitige bzw. frühere) Staatsangehörigkeit besitzen. Dadurch erhöht sich die Zahl der Personen mit Migrationshintergrund nach Staatsangehörigkeiten insgesamt sowie die der Deutschen ohne eigene Migrationserfahrung; die Zahl der Fälle ohne Angabe sinkt entsprechend. Durch diese Änderungen können beispielsweise rund 0,5 Mio. mehr Personen mit türkischen Wurzeln ausgewiesen werden: Dabei handelt es sich um hier geborene Deutsche, deren Eltern beide aus der Türkei stammen. In den Vorjahren war diese Personengruppe unter „ohne Angabe zur Staatsangehörigkeit“ ausgewiesen.

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