Counterinsurgency: Neue Strategien gegen den Jihad

27. August 2012 0

Diskussions-Papier der Stresemann Stiftung: Ohne Kenntnisse des islamischen Rechts versagt der Westen im Krieg gegen den Terrorismus

Die globale Bedrohung durch den Jihadismus erfordert ein strategisches Umdenken – Gerd Altmann / pixelio.de

Islamisch legitimierter Terrorismus fordert nicht nur im Nahen und Mittleren Osten regelmäßig Todesopfer. Denn der Jihadismus zielt auf Strukturen des zivilen Raums, die trotz anhaltender massiver Einschränkungen der Bürgerrechte auch in Zukunft nicht zu schützen sein werden. Anlässlich des anstehenden Truppenabzugs auf Afghanistan fordert ein Diskussionspapier der Stresemann Stiftung ein Umdenken beim „Krieg gegen den Terror“.

„Der urbane Jihadist ist ein neuer Typus des global handelnden, mobilen und entgrenzten Akteurs, der an keinerlei Regeln des gehegten Krieges mehr gebunden ist“, erläutert Dr. Thomas Tartsch, Autor der Expertise über die sogenannte Counterinsurgency (COIN, dt.: Aufstandsbekämpfung). „Damit unterscheidet sich die Global Jihadist Movement vom defensiven Kriegsverhalten des klassischen Partisanen ebenso, wie vom sozialrevolutionären und ethnisch-nationalistischen Terrorismus, der sich vor allem gegen Repräsentanten des bekämpften System richtete.“

Mit militärischen Mitteln sei diesem Krieg der vierten Generation, vor allem in seiner indigenen Form „homegrown terrorism“ meist nicht beizukommen. Stattdessen ginge es um die Kooperation von zivilen Geheimdiensten und Sicherheitskräften der Polizei, so der Sozialwissenschaftler weiter. Die Neuausrichtung der COIN-Strategie als Bündel militärischer, politischer und ökonomischer Maßnahmen habe dabei vor allem der ideologischen Legitimation des Feindes Rechnung tragen.

„Militärische und sicherheitspolitische Akteure müssen das islamische Kriegs-, Fremden- und Völkerrecht verstehen, wenn sie in den gegenwärtigen und zukünftigen Konflikten mit dem Islam erfolgreich sein wollen“, betont Tartsch. Zumal sich die deutsche Regierung offiziell vom Ziel des Demokratieexportes im Rahmen zukünftiger militärischer Einsätze verabschiedet habe. Deutschland müsse sich stattdessen auf den Zugang zu wichtigen Ressourcen konzentrieren und auf den Krieg zur Raumhaltung. „Schon Machiavelli erkannte, dass man Kriege nicht einfach beenden kann, weil dann Raum verloren geht.“

Das Diskussions-Papier kann bei der Stresemann Stiftung als PDF heruntergeladen werden.

Weitere Diskussions-Papiere der Stresemann Stiftung beschäftigen sich etwa mit dem Kampfbegriff „Islamophobie“ (Englisch: Polemic Term „Islamophobia“) oder beleuchten Intrinsische Hindernisse des islamischen Finanzwesens (English: Instrinsic Barries of Islamic Finance in Germany).

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