Die fatale Krisenpolitik der EZB

23. August 2012 1

Jörg Schallehn erklärt warum Zentralbanken die Sparer ausbeuten und das Geldsystem nicht verstanden haben

Frisch gedrucktes Geld, aber für wen? – Bild: s.media / pixelio.de

In der deutschen Ausgabe des The Wall Street Journal erschien kürzlich ein interessanter Artikel zum Thema wie die Politik die Sparer enteignet, wenn die Zentralbanken an der Zinsschraube drehen. Bei der Lektüre wird allerdings schnell deutlich, dass die komplexen Wirkzusammenhänge des Geldsystems völlig im Dunkeln bleiben. Denn um zu verstehen, was es mit den im Artikel berichteten niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf sich hat, müssen zunächst einige sehr wichtige Grundlagen geklärt werden:

    1. Die EZB und jede andere Zentralbank ist das oberste Kontrollorgan von Staaten oder Staatsgemeinschaften in Bezug auf das Geldwesen eines Landes bzw. einer Währungsgemeinschaft, wie in unserem Falle dem Euro. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Währung der Länder zu schützen und damit das Kapital des Bürgers. Dazu ist Unabhängigkeit eine wesentliche Voraussetzung.
    2. Währung kann abgeleitet werden aus dem Wort „Gewähr“ und dies wiederum bedeutet, „ich verpflichte mich (Versprechen) zu einer bestimmten Qualität (Vertrauen)“. Das Wort „Währung“ steht also im weitesten Sinne in einem Wirkzusammenhang mit Verantwortung und einem Versprechen.
    3. Nun stellt sich die Frage: Wem gegenüber geht eine Zentralbank eine Qualitätsveranwortung und -verpflichtung ein? Die Antwort ist klar: Gegenüber dem Staat und der Staat ist das Volk. Denn die Gesamtheit der Bürger bewirkt durch ihre Leistung den guten Ruf eines Staates: je höher die Qualität der Leistung, desto besser der „Ruf“ bzw. die „Gewähr“ eines Staates. Diesen Ruf im Geldwesen zu wahren, ist also die Kernaufgabe der Zentralbank.
    4. Dies gilt übrigens für alle Arten von Leistungen. Wenn die Leistung eines Staates zum Beispiel nur Terror hervorbringt, hat niemand Lust, dort Urlaub zu machen, sei das Land auch noch so schön. Das Land wird über kurz oder lang verarmen. In diesem Fall hat eine Zentralbank wenig Einfluss, denn sicherheitspolitische Aspekte können nur durch die Regierung gelöst werden.

Soweit konnte bisher sicherlich jeder mitgehen. Also kommen wir nun zum Eingemachten:

  1. Der entscheidende nächste Gedankenschritt ist also die Frage danach, wie Geld wirklich entsteht. Jedenfalls nicht in der Druckerpresse! Denn diese ist nur Mittel zum Zweck.
  2. Meine Annahme ist, dass Leistung und Geld in einem direkten Wirkzusammenhang stehen. Konkret bedeutet dies, das Geld ausschließlich durch eine Leistung entsteht, die eine Nachfrage hat, also von jemanden gebraucht wird. Dass es eine Nachfrage gibt, zeigt immer ein entsprechender Vertrag mit einem Anbieter oder Nachfrager z.B. der Liefer-, Arbeits- oder Dienstvertrag.
  3. Wenn jemand eine Leistung abruft, die er selbst nicht erbringen kann, entsteht immer eine Verbindlichkeit. Diese Verbindlichkeit wird immer durch eine Ware oder andere Dienstleistung oder als Zwischenschritt durch Geld ausgeglichen. Es gibt keinen anderen Weg!
  4. Damit ist Geld ist ein Zwischenschritt bzw. eine fiktiver Ausdruck einer realen Verbindlichkeit des Marktes, verbunden mit dem Recht (Gutschein), sich aus dem Markt das zu nehmen, was er braucht. Erst, wenn er die Ware bzw. Dienstleistung aus dem Markt genommen hat, ist der Tausch abgeschlossen und die Verbindlichkeit getilgt. Geld ermöglicht auf diese Weise den Waren- bzw. Dienstleistungstausch auf der ganzen Welt, ohne dass der Erbringer einer Leistung den Nutzer seiner Leistung kennen muss und ohne dass der Erbringer warten muss, bis er von seinem Abnehmer eine entsprechende Gegenleistung erhält.
  5. So wird Geld zu einer Quittung, die dem Empfänger bestätigt, dass er eine Leistung erbracht hat, die gebraucht wurde. Gleichzeitig ist in dieser Quittung auch das Recht enthalten, eine gleichwertige Leistung (Qualität) für die eigenen Bedürfnisse aus dem Markt zu nehmen.
  6. Damit ist die Zentralbank das oberste Kontrollorgan von Gelddokumenten (Quittungen und Rechten), und sie wacht darüber, dass ein Mißbrauch so gut wie möglich ausgeschlossen wird.
  7. Gelddrucken und Kreditvergabe ohne entsprechende Sicherheit gehören zu den offensichtlichsten Mißbrauchstatbeständen. Wenn ich Leistungen aus dem Markt nehmen würde und kein echtes Recht nachweisen kann, dann nennt das Gesetz dies Diebstahl!

Wir halten also fest, dass eine Zentralbank zum Quittungs- und Rechteverwalter aller erbrachten Leistungen eines Volkes wird, also der Werterhaltung im Sinne einer Qualitätssicherung dient. Die Geschäftsbanken, die originär diese Quittungen und Rechte sammeln, also von Sparern die Guthaben verwalten, verleihen diese weiter, an jemanden, der sich schon heute im Markt bedienen möchte, ohne über ausreichend Rechte zu verfügen (Kreditnehmer). Der Sinn und Zweck dieser Vorgehensweise ist, den Waren und Dienstleistungskreislauf aufrecht zu erhalten.

Die Zentralbank hat diesen Vorgang und Prozeß genau und neutral zu beobachten, da dieser Vorgang und Prozess Risiken in sich birgt, die den Sparer schlechter stellen könnte (Fürsorgepflicht). Der Kreditnehmer erwirbt mit dem Kredit Wirtschaftsgüter oder Dienstleistungen aus dem Markt, auf die der Sparer – zumindest theoretisch – verzichtet hat. Der Kreditnehmer ist bereit Zinsen zu zahlen, weil er heute ein Geschäft tätigt, dass aus seiner Sicht morgen weniger Ertrag verspricht. Die Tilgung an sich ist neutral, die Zinsen der Preis dafür, dass er heute bekommt, was er sich erst in Zukunft leisten könnte, indem er sparen würde. Bei einem Unternehmer ist also der vermutete Ertrag in seiner Kalkulation höher, als der Zins, den er an die Bank zahlt. Die Differenz ist sein Verdienst, also seine Leistung.

Die Bank ihrerseits, lediglich Sammelstelle und Vermittler von Rechten, gibt von den Zinsen etwas an den Sparer ab. Sollte der Kredit ausfallen, haftet der Kreditnehmer, wenn dieser ausfällt, die Bank, die so den Sparer schützt. Dies sind die grundsätzlichen Wirkzusammenhänge. Alles was darüber hinaus geht, sind kaufmännische Erwägungen von Risiko und Chance.

Wie die Zentralbank die Sparer schröpft

Wenn nun eine Zentralbank all diese und weitere Wirkzusammenhänge außer acht läßt und nicht regulierend eingreift, sondern darüber hinaus zusätzlich Geld druckt – Quittungen und Rechte aus dem Nichts „erschafft“-, werden Leistung und Gegenleistung über ein gesundes Maß verwässert. Der Sparer, der Kredite erst ermöglicht, wird nicht mehr geschützt, sondern seiner Leistung (Geldwert) beraubt. Denn die Geldmenge erhöht sich, ohne dass dieser Vermehrung eine Leistung zugrunde liegt.

Der Sparer muss heute mehr Geld zahlen, da die Waren und Dienstleistungen im Vergleich zu gestern teurer geworden sind (Inflation). Das Warten wird so zur Falle des Sparers. Auf der anderen Seite steht der Kreditnehmer, der Waren in den Markt bringt und durch die Preissteigerung seine Rendite erhöhen kann, mit dem Effekt, dass er seinen Kredit schneller zurückführen kann. Letzten Endes zahlt der Sparer die Rechnung, die durch eine falsche Politik der Zentralbank entsteht. Denn die Haftung haben nicht die hochbezahlten Manger der Zentralbank, sondern der Sparer.

Wer genau rechnet, wird bemerken, dass dieser Inflationseffekt bei Waren des täglichen Bedarfs schon heute zwischen sieben und acht Prozent liegt, und keinesfalls wie meist propagiert bei ca. zwei Prozent. Die Preise haben sich seit Einführung des Euros mehr als verdoppelt. Der Sparer zahlt also heute für das gleiche Produkt doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Sein Guthaben hat sich allerdings im gleichen Zeitraum nicht verdoppelt, wodurch seine Leistung im Nachhinein abgewertet wird. Der Gewinner ist der Kreditnehmer, da dieser unter dem Strich weniger zurückzahlt.

Gelddrucken geht auch anders

Wichtig zu wissen ist auch, dass Geld immer dann gedruckt wird, wenn Kredite ohne Haftung des Kreditnehmers vergeben werden. Denn wenn dieser nicht mit seinem Kapital haftet und damit keinen Verlust zu befürchten hat, wenn er den Kredit nicht zurückzahlt, springt in der Regel ein Dritter ein: der steuerzahlende Bürger. Die Manager von Banken wissen nämlich, dass wenn sie sich bei der Kreditvergabe verkalkulieren, der Staat und die EZB die Bank als „systemrelevant“ einstufen, die gerettet werden muss.

Fazit Eins

Manager in Zentralbanken machen sich zum Mitspieler von Managern in Banken und Bankmanager zu Mitspielern von Managern in Konzernen, um folgenden  Enteignungskreislauf aufrecht zu erhalten:

Erster Schritt der Enteignung: Im aktuellen Beispiel des Artikels im The Wall Street Journal gibt die Zentralbank Kredite zu billigen ein Prozent Zinsen an Banken. Dafür kaufen diese Banken Staatsanleihen, die kein  Sparer mehr haben will und die deswegen ca. fünf bis sieben Prozent Zinsen abwerfen. Als Ergebnis steigen die Gewinne der Banken kurzfristig. Dieses Geld fehlt jedoch dem Staat (der die Staatsanleihen ausgab) in seinem Haushalt und der Bürger muss zwangsweise auf staatliche Leistungen verzichten. Mit anderen Worten: Die Differenz zwischen dem einen Prozent Zinsen der Zentralbank und den fünf bis sieben Prozent Zinsen der Banken stünde rechtlich dem Volk zu!

Zweiter Schritt der Enteignung: Die Manager der Banken erhalten für diese Geschäfte eine hohe Vergütung. Sollte die Bank in die Schieflage kommen, wird der Staat gerufen und der Steuerzahler zahlt solange, bis der Bürger auch kein Geld mehr zum Leben hat, siehe Griechenland.

Dritter Schritt der Enteignung: Auf diese Weise fließt Geld (Quittung und Recht) solange von den Fleißigen und Vertrauensvollen an die Machthaber, bis eine Währungsreform oder eine Revolution dieses Spiel vorrübergehend stoppt.

Fazit Zwei

Wie dieser letzte (oft zu Gewalt führende bzw. durch Gewalt umgesetzte) Schritt zu verhindern ist, habe ich vor einigem Monaten auf meiner Webseite OekoHuman beschrieben. Ich nahm damals bereits die derzeitigen Umverteilungsgedanken mancher Politiker vorweg, allerdings mit ganz anderer Konsequenz.

Fazit Drei

Wer das alles für überzogen hält oder mir nicht glaubt, möge bitte einen Blick auf den immer sehr lesenswerten Blog querschuesse.de werfen und dort insbesondere den Artikel zur Einkommens- und Vermögenskonzentration lesen.

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