„Effizienz, Effektivität und Nachhaltigkeit“

16. April 2012 0

So spenden die Deutschen – im Gespräch mit Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat

Wer spendet wie? – Bild: Damaris / pixelio.de

Spenden einzusammeln ist für viele Organisationen tägliche Notwendigkeit. Um dabei erfolgreich zu sein, sollten politisch Aktive wissen, wie und wofür typischer Weise gespendet wird. Der Deutsche Spendenrat e.V. gibt jedes Jahr die Bilanz des Helfens heraus, in der solche Fakten anhand einer Umfrage gesammelt werden. Geschäftsführerin Daniela Felser erklärt im CT-Praxis-Interview das Spendenverhalten in Deutschland und auf was Organisationen Wert legen sollten, um Spender langfristig zu binden.

Citizen Times: Frau Felser, laut der kürzlich veröffentlichten Bilanz des Helfens 2012 spenden immer weniger Menschen, dafür greifen diese öfter in die Tasche. Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Daniela Felser: Noch immer stehen die Menschen über 60 Jahre für mehr als die Hälfte des gesamten Spendenaufkommens in der Bundesrepublik. Der Großteil dieser Spender spendet an zwei oder mehr Spendenorganisationen. Dieser Teil der Bevölkerung hat die sogenannten Aufbaujahre in Familie und Beruf im Wesentlichen abgeschlossen, so dass mehr finanzielle Ressourcen bestehen und vermehrt gemeinnützig gehandelt werden kann. Zudem spenden viele, die vorher ehrenamtlich engagiert waren und dies aufgrund ihres Alters nicht mehr können, nunmehr Geld anstatt von Zeit.

Citizen Times: Gut ein Fünftel der Spenden wird im Dezember gesammelt. Woran liegt diese Häufung: Sind die Menschen zu Weihnachten mildtätiger oder handelt es sich um bestimmte Zwecke?

Daniela Felser: Weihnachten ist das Fest der Liebe. Die Menschen denken in dieser Zeit vermehrt über das Schicksal anderer nach und sind mildtätiger. Der überwiegende Teil der Spenden wird im Rahmen der humanitären Hilfe geleistet, insbesondere die Hilfe für Kinder wächst dabei von Jahr zu Jahr.

Daniela Felser – Bild: Deutscher Spendenrat e.V.

Citizen Times: Rund drei Viertel des Spendenvolumens fließt in humanitäre Zwecke. Können Sie konkretisieren, was das bedeutet?

Daniela Felser: Humanitäre Hilfe ist ein vielfältiges Gebiet. Der überwiegende Teil setzt sich aus Spenden für die Kirche oder für eine Religionsgemeinschaft sowie für die Hilfe für Kinder zusammen. Zur humanitären Hilfe gehört im Wesentlichen aber auch die Not- und Katastrophenhilfe sowie die Krankheit- und Behindertenhilfe.

Citizen Times: Religiös gebundene Menschen spenden überdurchschnittlich viel – hauptsächlich für ihre Religionsgemeinschaft?

Daniela Felser: Wir haben die GfK beauftragt zunächst das Spendenverhalten religiös gebundener Menschen zu analysieren. Tatsächlich spenden diese überdurchschnittlich mehr, als Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören. Dies gilt für alle Altersgruppen. Ob diese überwiegend ihrer Religionsgemeinschaft spenden ist nicht im Rahmen der Bilanz des Helfens abgefragt worden.

Citizen Times: Unterscheiden sich Spender, die z.B. regelmäßig etwas geben von Gelegenheitsspendern z.B. bei Naturkatastrophen?

Daniela Felser: Über die Spender über 60 Jahre haben wir schon gesprochen. Die „Neuspender“, welche überwiegend aus der mittleren Altersgruppe kommen, spenden vermehrt anlassbezogen, z.B. aufgrund von Naturkatastrophen und gehen dem Spendenmarkt dann leider auch wieder verloren.

Citizen Times: Was können Organisationen tun, um Spender langfristig zu binden? Also mal über die Gemeinnützigkeit hinaus…

Daniela Felser: Transparenz wird in Zukunft immer wichtiger für die Organisationen werden, um langfristig Spender zu binden und Vertrauen aufrecht zu erhalten. Denn nur Offenheit, Wahrhaftigkeit und Klarheit schaffen Glaubwürdigkeit. Dabei gilt es nicht „Alles“ zu veröffentlichen, sondern die vorhandenen Informationen systematisch und verständlich für den Spender darzustellen, vorzugsweise auf einer übersichtlichen Website. Die Informationen sollten die Arbeit und den Erfolg der Organisation darstellen, ggf. auch Probleme bei deren Umsetzung. Effizienz, Effektivität und Nachhaltigkeit sind Schlüsselworte, die die Spender vermehrt im Blick haben, wenn sie sich entscheiden, ob sie an eine Organisation Geld spenden. Die Veröffentlichungen von Projektberichten, Jahres- und Tätigkeitsberichten sowie finanzieller Jahresabschlüsse sind daher unverzichtbare Grundvoraussetzungen. Zusätzliche Informationen, wie die Veröffentlichung der aktuellen Satzung, des Freistellungsbescheids sowie des Registerauszug sind dabei ebenso wichtig.

Um Spender zu binden bedarf es jedoch noch mehr. Hierzu gehört besonders der persönliche Kontakt, welcher z.B. in der freundlichen und kompetenten Beantwortung von Fragen, die umfassend, zeitnah und verständlich erfolgt, zu sehen ist. Nicht zu vergessen ist jedoch auch die Beachtung der ethisch-moralischer Werte sowie der Trennung von Leitungs- und Aufsichtsgremien – der Governance.

Die Mitgliedsorganisationen im Deutschen Spendenrat e.V. haben sich hierzu im Rahmen der Neuen Grundsätze verpflichtet und stehen somit für Seriosität und Transparenz im Spendenwesen.

Die Bilanz des Helfens 2012 gibt weitere Aufschlüsse über Spendenvolumen und den Entwicklungen der letzten Jahre.

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