Zentrale Rolle der Anarchosyndikalisten

15. April 2012 1

Beim Linksextremismus wird fälschlicherweise fast immer nur von Autonomen gesprochen

Frankfurt am Main – Ort der letzten gewalttätigen Anarchosyndikalistendemo – Bild: Karsten Dustin Hoffmann

Während der schweren Ausschreitungen bei der Frankfurter Antikapitalismus-Demonstration am 31. März 2012 wurden 15 Polizisten verletzt, einer davon so schwer, dass er mehrere Tage auf der Intensivstation behandelt werden musste. Mehrere Vermummte hatten den Beamten – der keine Schutzausrüstung trug –  niedergeschlagen, getreten, auf ihn eingeprügelt und ihm schließlich eine unbekannte Chemikalie ins Gesicht gespritzt.

Wer einen Blick auf das Spektrum der Demonstrationsanmelder wirft, wird feststellen, dass die M31-Gruppen (für 31. März) zumeist dem anarchosyndikalistischen Spektrum zuzurechnen sind. Das ist im Grunde nicht verwunderlich, verfügt doch gerade diese Strömung über die notwendigen Organisationsstrukturen, um derartige Demonstrationen zu organisieren und international dafür zu werben. Verwunderlich ist dagegen, dass kaum jemand von der Existenz des anarchosyndikalistischen Spektrums weiß. Es sollte der Politikwissenschaft zu denken geben, dass ausgerechnet zu diesen Akteuren in den vergangenen zwanzig Jahren kaum Literatur veröffentlicht wurde.

Der Anarchosyndikalismus stellt eine Mischform aus anarchistischen und gewerkschaftlich-organisierten – teilweise kommunistischen – Ansätzen dar. Er entstand bereits Ende des 19. Jahrhunderts und verlor mit dem Ende der Weimarer Republik seine dominante Stellung unter den sozialrevolutionären Gruppen. Anarchosyndikalisten streben nach einer herrschaftsfreien Gesellschaft, in der die Organisation des menschlichen Miteinanders über freiwillige Zusammenschlüsse von Arbeitern (Gewerkschaften) erfolgt, deren Untergliederungen Syndikate genannt werden. Genau dadurch unterscheiden sie sich von anderen Anarchisten: Sie setzen in ihrer Agitation auf eine feste Organisationsform, die international aufgestellt ist – das macht die Strömung im Vergleich zu den Autonomen besonders schlagkräftig.

Bild: Karsten Dustin Hoffmann

Der größte Zusammenschluss in Deutschland ist die Freie ArbeiterInnen Union (FAU). Sie verfügt bundesweit über einige hundert Mitglieder und ist mit der Internationalen ArbeiterInnen Assoziation (IAA) verbunden. Die Organisationen setzen auf Mittel des Arbeitskampfes wie (wilde) Streiks, Besetzungen, Boykotts, Massendemonstrationen und Sabotage. Parteiarbeit stehen sie dagegen skeptisch gegenüber. Kontakt suchen sie zu subkulturellen Linksextremisten, bei deren Demonstrationen sich Anarchosyndis meist in der ersten Reihe finden. Mit ihren schwarz-roten FAU-Fahnen erwecken sie dabei häufig den Eindruck, der gesamte Demonstrationszug setze sich aus Angehörigen ihrer Organisation zusammen. Dabei macht ihr Spektrum nur etwa zehn Prozent der Aktivisten im subkulturellen Bereich aus.

Die Schwarze Katze (auch: wild cat, sab cat, sabot cat) ist das Erkennungszeichen der FAU-IAA. Ein wilder Streik, also ohne Autorisierung der Gewerkschaften, wird im Englischen als wildcat strike bezeichnet. Die drohende Körperhaltung der Katze soll Aktionsbereitschaft zum Ausdruck bringen. Anarchosyndis setzen auf die Intensivierung krisenhafter Situationen, die eine Revolution auslösen können. Gewalt kann aus ihrer Sicht ein Mittel zur Herbeiführung revolutionärer Verhältnisse sein. Das haben sie am 31. März deutlich zum Ausdruck gebracht.

Literatur: Harald Bergsdorf/Rudolf van Hüllen: Linksextrem – Deutschlands unterschätzte Gefahr? Zwischen Brandanschlag und Bundestagsmandat, Paderborn 2011.

One Comment »

  1. harald hunsinger 16. April 2012 at 11:24 - Reply

    Da können Sie aber, Herr Hoffmann, froh sein dass über den Anarchosyndikalismus & die FAU soviel auf Wikipedia bzw. im Selbstverständnis der FAU auf deren Website zu finden sind! halbe Stunde internet „recherche“ und schwuppsdiwupps können Sie sich mit angeblichem Hintergundwissen als der bessere Extremismusexperte präsentieren; btw.: haben sie sich von den einzelnen TeilnehmerInnen der Demo, die in den einschlägig beschriebenen Aktionen verwickelt waren, eigentlich den FAU mitgliedsausweis zeigen lassen?

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