„Weg vom Bittsteller-Gefühl“

5. April 2012 0

CT-Interview mit Sabine Schwab: Wie funktionieren erfolgreiches Fundraising und Spendensammeln

Geld einwerben will gelernt sein – Bild: Katharina Bregulla / pixelio.de

Vereine und Initiativen können nicht nur öffentliche Fördermittel beantragen, sondern z.B. auch bei anderen Stiftungen einwerben. Wie das funktioniert und noch viele andere Tipps zum Fundraising haben Sabine und Gerhard Schwab in ihrem Förderratgeber zusammengetragen. Für die neue Citizen Times Ratgeberreihe CT-Praxis versuchte Felix Strüning Sabine Schwab die besten Tricks zu entlocken.

Citizen Times: Frau Schwab, Sie und Ihr Mann beraten Projekte und Vereine beim Fundraising. Was ist Ihr wichtigster Tipp?

Sabine Schwab: Weg von diesem Bittsteller-Gefühl – Sie werden gebraucht, Vereine z.B. als Projektträger für Stiftungen.

Citizen Times: Wer kann überhaupt finanzielle Mittel bei anderen beantragen?

Sabine Schwab: Das kommt auf Ausgangslage und Ziel an. Schulen zum Beispiel gelten als Institutionen, für eine Antragstellung bei Stiftungen brauchen sie in der Regel einen Förderverein oder anderen Verein, der idealerweise auch gemeinnützig ist.

Citizen Times: Und was sind die wesentlichen Unterschiede, ob ich öffentliche Fördermittel beantrage oder bei einer Stiftung anfrage?

Sabine Schwab: Öffentliche Fördermittel sind meist abhängig von der jeweiligen Haushaltslage und den Förderschwerpunkten. Deshalb als Tipp: Verfolgen Sie politische Trends, bei Stiftungen, also bürgerlich rechtsfähigen, sind die Förderzwecke aus der Satzung ersichtlich.

Citizen Times: In Ihrem Förderratgeber thematisieren Sie auch die Möglichkeiten von EU-Fördergeldern. Wie muss man aufgestellt sein, um dort erfolgreich Mittel einwerben zu können?

Sabine Schwab: Bei zu kleinen Einrichtungen und Projekten raten wir davon ab. Bei den Eigenanteilen kommen schnell hohe Summen zusammen, die oft über Kredite erbracht werden, demgegenüber dauern die Zeiten bis zur letzen Bezuschussung sehr lang. Das muss man aushalten können. Es bedarf bei vielen Förderprogrammen auch mehrerer Partner aus Europa und weiteren Ländern.

Citizen Times: Seit zwei Jahren geben Sie Ihr Wissen in Seminaren weiter. Wer kommt hauptsächlich zu Ihnen und was will er wissen?

Sabine Schwab: Wir beraten zum einen Verbände, Organisationen, Kleine und Mittlere Unternehmen. Die meisten haben bereits erste Fundraisingerfahrung, sind aber unzufrieden, weil z.B. die Ansprache potenzieller Sponsoren unklar war oder sie sich selbst nicht im Klaren darüber sind, wen sie warum ansprechen. Die Fragen hier sind in der Regel, „Warum funktioniert es nicht?“ und „Wie geht es besser?“. Es kommen aber auch Firmen zu uns, die selbst sponsern, aber unzufrieden mit dem Einsatz ihrer Mittel sind und keine oder nur unzureichende Gegenleistung erhalten haben. Hier können wir prüfen, wo Sponsoring sinnvoll eingesetzt werden kann.

Daneben haben wir spezielle Angebote für Schulen, Kita’s, Fördervereine, soziale und kulturelle Vereine und Verbände, Kunst- und Kultureinrichtungen entwickelt.

Citizen Times: Wie sieht so eine Fortbildung konkret aus?

Sabine Schwab: Wir informieren und trainieren die Teilnehmer u.a. in der Antragstellung für Projekte bei privaten Stiftungen öffentlichen Rechts. Zu uns kommen die Engagierten, das heißt Lehrkräfte, Eltern, Erzieherinnen und die vielen Aktiven in der Vereinsszene aus Kultur, Politik und sozialer Arbeit. In der Regel wollen sie wissen, wie sie die Kletterwand finanziert bekommen oder die Fahrtkosten für den Schüleraustausch oder die Honorare für die Künstler im Schulprojekt. Im Seminar lernen sie, dafür Projektanträge zu entwickeln. Wir wollen nicht vorrangig mit Teilnehmergebühren arbeiten, deswegen sind wir auch weiterhin offen für Bildungsträger, die sich freuen, dieses Angebot ins Programm aufzunehmen.

Citizen Times: Mal ganz persönlich: Was war Ihr größter Fundraisingerfolg?

Sabine Schwab: Der war definitiv in unserer eigenen Vereinszeit, als nach mehreren kleinen Projekten das erste Kulturevent mit über 10.000 Euro bezuschusst bekommen haben. Da brach eine Hemmschwelle. Da wurde uns klar, egal ob 500, 5.000 oder 50.000 Euro beantragt und bewilligt werden, die formalen Voraussetzungen sind grundsätzlich gleich.

Persönliche Sponsoren- und Fundraising-Beratung von Sabine und Gerhard Schwab erhalten Sie über Gom Fundraising. Oder Sie bestellen den Förderratgeber als eBook oder Buch (15 bzw. 19,50 Euro).

Politische Initiativen und Organisationen können sich außerdem in organisatorischen, strukturellen und rechtlichen Fragen durch die Gustav Stresemann Stiftung beraten lassen.

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