Selbsternannte Widerstandskämpfer

4. April 2012 0

Wie Gentrifizierungs-Gegner die Mitte Berlins für Investoren verderben

Das Guggenheim Museum in New York – Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

In Berlin-Kreuzberg entlädt sich in diesen Tagen ein skurriler Streit: Das BMW Guggenheim Lab soll für einige Monate auf einer brachliegenden Fläche aufgebaut werden. In New Yorck war es ein Erfolg.

BMW und die Guggenheim Fundation haben dabei vergessen, wo sie hin wollen: Nach Kreuzberg. Einem Bezirk in dem gefühlte 50 Prozent Angst davor haben, aus ihren günstigen Wohnungen verdrängt zu werden, weil der Wandel eben auch nicht vor Kreuzberg halt macht. Die Daimler AG, die sich im Rahmen des Mediaspree-Projekts an der O2-World ansiedeln wollte, hat bereits den Widerstandswillen der Kreuzberger zu spüren bekommen. Der Mercedes-Stern über Kreuzberg, ein unerträglicher Gedanke für die Kreuzberger, die nicht einmal einen Führerschein besitzen. Auch Coca-Cola hat seine Pläne, sich in Friedrichshain anzusiedeln wieder aufgegeben.

Wie weit selbsternannte Gentrifizierungs-Gegner gehen, zeigt jetzt der Guggenheim-Gegner David Kaufmann. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte er, „BMW kann froh sein, wenn es dabei bleibe.“ Damit bezog er sich auf mögliche Farbbeutelanschläge und andere Arten der Sachbeschädigung. Farbbeutelwürfe bezeichnet er als „noch ein sehr mildes Mittel“.

Und die Einschüchterungsversuche haben gewirkt: BMW und das Guggenheim Lab knickten vor dem gallischen Dorf Kreuzberg ein, suchen jetzt nach einem neuen temporären Quartier.

Welches Signal damit ausgestrahlt wird, ist vielen wohl noch nicht klar: Das Zentrum von Berlin wird für die dringend benötigen Großinvestoren immer unattraktiver. Die Angst um das eigene Eigentum und die Sicherheit der Mitarbeiter vor gewalttätigen Übergriffen lässt sie einen weiten Bogen um Friedrichshain-Kreuzberg machen. Noch, muss man sagen. Der Wandel macht auch vor Kreuzberg und Friedrichshain nicht halt. In den nächsten Tagen wird das Ostkreuz ein Stück weiter sein, auf seinem Weg zu einem der wichtigsten Berliner Bahnhöfe. Gewerbetreibende und Dienstleister werden sich ansiedeln. Sie werden eine neue Lebensqualität in diesen Teil Berlins bringen, der seit Jahrzehnten unbekannt war.

Berlin darf sich nicht durch die Einschüchterungsversuche einiger selbsternannter Widerstandskämpfer einschüchtern lassen, sondern muss an seine Chancen denken. Und BMW denkt offenbar genau so, lässt sich nicht niederkriegen, sondern versucht es jetzt in Prenzlauer Berg.

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