Menschenrechte im Islam?

20. März 2012 4

Arnd Hinze mit einem Vergleich zwischen der UN-Menschenrechts-Charta und ihrem islamischen Pendant

Das Logo der UN-Menschenrechte

Vor kurzem habe ich in Leipzig einen Vortag über die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam (KEMR) und die Organisation Islamischer Zusammenarbeit (OIC) gehalten. Bei diesem Vortrag habe ich einen tabellarischen Vergleich der KEMR und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) der Vereinten Nationen (UN) vorgenommen (CT-Interview). Obwohl mehrere Menschenrechtsorganisationen wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGMR), Human Rights Watch usw. die KEMR massiv kritisieren, gibt es noch keinen direkten Vergleich der einzelnen Paragrafen. Ein solcher soll deswegen hier einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden.

ACHTUNG: Eine überarbeitete und erweiterte Fassung dieses Artikels ist im Forschungs- und Dokumentationsprojekt www.islamdebatte.de erschienen (März 2013).

Hintergrund der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam

Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam wurde 1990 auf der 19. Außenministerkonferenz der Organisation Islamischer Zusammenarbeit (OIC) beschlossen. Der OIC gehören 57 Länder an und sie dominiert den UN-Menschenrechtsrat. Die OIC wird von westlichen Menschenrechtlern massiv für ihren Versuch kritisiert, Kritik an autoritären Staaten zu unterbinden sowie für ihre Unterstützung der Leugnung des Völkermordes an den Armeniern in der Türkei, ihren offenen Antisemitismus, 1 die selektive Thematisierung der Verfolgung von Religionen und Ethnien, die Anwendung des Begriffs Terrorismus auf religionskritische Äußerungen und für Resolutionen, in denen sie ein weltweites Verbot der Diffamierung von Religion fordert. 2006 beschloss die OIC Strategien zu erarbeiten, die sich gegen anti-islamische Medienberichterstattung richten. Bekannt geworden ist dieser Vorstoß als Istanbul Prozess. 2

Tabellarischer Vergleich KEMR 3

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam Anmerkungen
Artikel 1 AEMR:Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren […] Entspricht Artikel 1 KEMR:[…]Alle Menschen sind gleich an Würde, Pflichten und Verantwortung […] Menschen sind gleich an Würde, nicht an Rechten
Entspricht Artikel 1 KEMR:[…]Der wahrhafte Glaube ist die Garantie für das Erlangen solcher Würde […] Niemand ist den anderen überlegen, außer an Frömmigkeit […] Die Gleichheit an Würde gilt nur eingeschränkt. Frömmigkeit und der wahre Glaube ist Vorraussetzung für die Würde eines Menschen. Vgl. Artikel 10 KEMR.
Artikel 3:Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der PersonArtikel 5:Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafen unterworfen werden Entspricht Artikel 2 KEMR:[…]Es ist verboten, einem Anderen das Leben zu nehmen außer wenn die Scharia es verlangt […] Solange Gott dem Menschen das Leben gewährt muss es nach der Scharia geschützt werden […] Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird garantiert […] Es ist verboten dieses Recht zu verletzen, außer wenn ein von der Scharia vorgeschriebener Grund vorliegt Alle Rechtsschulen der Scharia fordern das Abtrennen von Händen und Füßen bei Diebstahl, Todesstrafe oder Peitschenhiebe bei Ehebruch und die Todesstrafe für Apostaten (Vgl. Internationale Gesellschaft für Menschenrechte)
Artikel 2:Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach […] Geschlecht, […] Religion […]Artikel 7:Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich[…] Entspricht Artikel 6 KEMR:Die Frau ist dem Mann an Würde gleich, sie hat Rechte und auch Pflichten, sie ist rechtsfähig […] Die Frau ist dem Mann an Würde gleich, nicht an Rechten
Artikel 16:1. Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse, Staatsangehörigkeit oder Religion das Recht zu heiraten und eine Familie zu gründen. […] Entspricht Artikel 5 KEMR:[…] Männer und Frauen haben das Recht zu heiraten und sie dürfen durch keinerlei Einschränkungen aufgrund von Rasse, Hautfarbe und Nationalität davon abgehalten werden. Heirat kann aufgrund von Religion bzw. Atheismus verhindert werden.
Artikel 16:2. Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen Ehegatten geschlossen werden. […] Fehlt vollständig.
Artikel 18:Jeder hat das Recht auf Gedankens, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln […] Fehlt vollständig.Stattdessen existiert Artikel 10 KEMR:Der Islam ist die Religion der reinen Wesensart. Es ist verboten, irgendeine Art von Druck auf einen Menschen auszuüben oder seine Armut oder Unwissenheit auszunutzen um ihn zu einer  anderen Religion oder zum Atheismus zu bekehren. Es gibt keine Religionsfreiheit. Apostasie ist verboten. Vgl. Artikel 1 KEMR.
Artikel 19:Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. Entspricht Artikel 22 KEMR:a) Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, soweit er damit nicht die Grundsätze der Scharia verletzt[…]c) Information […] darf nicht dafür eingesetzt und missbraucht werden, die Heiligkeit und Würde der Propheten zu verletzen […] und […] [den] Glauben zu schwächen. Nur positive Informationen über Religion dürfen konsumiert und verbreitet werden.
Artikel 26:2. Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muss zum Verständnis […] zwischen […] Religionen beitragen […] Entspricht Artikel 9 KEMR:a) […] Die Menschen müssen die Möglichkeit haben sich mit der Religion des Islams […] auseinanderzusetzen.b) [Familie, Schule, Universitäten, die Medien] […] sorgen […] dafür […] dass [der] Glaube an Gott gestärkt wird.
Artikel 24 KEMR:Alle Rechte und Freiheiten, die in dieser Erklärung genannt wurden, unterstehen der islamischen Scharia.Artikel 25 KEMR:Die islamische Scharia ist die einzig zuständige Quelle für die Auslegung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung Alle Rechtsschulen der Scharia fordern das Abtrennen von Händen und Füßen bei Diebstahl, Todesstrafe oder Peitschenhiebe bei Ehebruch und die Todesstrafe für Apostaten.

Weitere Details zur KEMR bei EuropeNews.dk.

Notes:

  1. Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Organisation_of_Islamic_Cooperation#Antisemitism
  2. Weitere Hinweise zur Entstehung der KEMR bei EuropeNews.dk
  3. Die aufgeführten Fakten entstammen hauptsächlich Gewissen und Freiheit, Nr 36, 1991 sowie offiziellen der UN-Dokumentation.

4 Comments »

  1. Breitmeier, Adolf 23. März 2012 at 20:16 - Reply

    Eigentlich ist die Erklärung der Kairoer Menschenrechte völlig überflüssig und aus Sicht eines aufgeklärten Menschen das Papier nicht wert, auf der sie steht. Anders sieht das für einen gläubigen Mohammedaner, einem Moslem (Gottergebener oder Frommer) aus. Für ihn sind alle menschengemachten Gesetze ungültig, nur das von Mohammed verkündete Wort des Mondgötzen Allah, Herr des Sirius und Vater von drei (verleugneten) Töchtern gilt. Ohne Ausnahme. Da ist es müßig, darüber zu diskutieren. Es ist so, und entweder man akzeptiert und toleriert die Ausbreitung des Islams, oder man stemmt sich dagegen. Aber es gilt in beide Richtungen: Was eine Kultur nicht assimiliert, das vernichtet sie. Und der Islam hat wissenschaftlich nachweisbar bei seiner Ausbreitung 270 Millionen Menschen das Leben gekostet, aber natürlich hat nicht jeder Eroberer Buch geführt über die Vernichtung lebensunwerten Lebens.
    Nach islamischer Lesart ist jeder, der sich gegen die Ausbreitung des Islams ausspricht ein Verbrecher – und die darf man bestrafen. Wie da ein Dialog mit einem von der Vernunft her positvem Ergebnis entstehen soll, ist mir schleierhaft.

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