Der Übergang zum Islamismus

9. März 2012 2

Dr. Thomas Tartsch über die salafitische Gruppe „Die Wahre Religion“ und ihr Gefährdungspotential

Proteste gegen den umstrittenen salafitischen Islamprediger Pierre Vogel in Koblenz 2011 – Foto: Schängel (CC-Lizenz/Wikipedia)

Sie nennen sich Die Wahre Religion (DWR), betreiben Webseiten wie Haus des Qurans und missionieren nahezu täglich an Infoständen mit gleichzeitigen Verteilaktionen des Korans in Fußgängerzonen. 1 Schon im Sommer 2011 wurden Da’wah-Aktivitäten (Ruf zum Islam) der salafitischen Gruppierung bekannt. Diese Missionierung wendet sich primär an glaubensschwache Muslime. Doch trotz der virulenten Gefährdungslage durch DWR für Muslime, die den Salafiten nicht folgen (wozu insbesondere Schiiten, Aleviten und Ahmadiyya gehören, die für Gruppen wie DWR Feindbilder darstellen)  und Nichtmuslime, ignorieren Politik und Medien Expertisen wie die folgende des Politikwissenschaftlers Dr. Thomas Tartsch. 2

Salafiyya

Der Begriff Salafiyya umfasst als Oberbegriff ein breites Spektrum von reformistischen Gruppen im Islam, die sich an den as-Salaf as-Ṣāliḥ, den „Altvorderen von Madina“ im Sinne der ersten drei muslimischen Generationen orientieren, um in deren Geist eine „reine islamische Gemeinschaft“ zu errichten, wobei nur die heiligen Quellen Koran und Sunna (Prophetentradition) anerkannt werden.

Hierbei reicht das Spektrum salafitischer Gruppen von gewaltlosen und Da´wah („Ruf zur islamischen Lebenspraxis“ als Missionierung unter Nichtmuslimen und „glaubensschwachen“ Muslimen) betreibenden Gruppen bis zu gewaltaffinen Gruppen, die den gewaltsamen kleinen Dschihad glorifizieren und zur Teilnahme an diesem aufrufen. 3 Somit kann Salafismus nicht immer mit Gewalt gleichgesetzt werden.

Der salafitische Islam besitzt aber neben der Wesensverwandtheit zum puristischen Islamverständnis der saudi-arabischen al-Muwaḥḥidūn (besser bekannt unter der Fremdbezeichnung ihrer Gegner al-Wahhābīya) auch teilweise starke Überschneidungen zur Ideologie des hybriden und dezentralistisch organisierten Dschihadnetzwerkes Qaidah al Dschihad, welches trotz der Tötung von Usama Ibn Ladin weiter existieren wird.

Das Landesamt für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen (LfV-NRW) definiert aus diesem Grund Salafismus folgendermaßen: 4

Der Salafismus ist seiner Konzeption nach eine religiös-fundamentalistische Strömung des Islams. Die grundlegenden Quellen des Islams – der Koran und die Überlieferungen des Propheten Muhammad (die Sunna) – sind seine unveränderbaren Grundfesten. Anpassungen der Islamauslegung an veränderte gesellschaftliche und politische Gegebenheiten werden durch Salafisten als ‘unislamische Neuerungen’ (arab. bid’a) kategorisch abgelehnt und führen – so die Vorstellung – zwangsläufig zum ‘Unglauben’. Der salafistische Islam an sich ist zwar fundamentalistisch, jedoch nicht extremistisch im Sinne einer Ideologie.“ 5

Somit stellen vor dem Hintergrund verstärkter salafitischer Aktivitäten in Deutschland diejenigen salafitischen Gruppen ein Gefährdungspotential dar, die die Einführung des Gesetzes (šarīʿah) in seiner Gesamtheit aktiv als „Islamisierung von unten“ anstreben, womit nicht nur die Ritenpraxis (al-ʿibādāt), sondern auch die Rechtsbeziehungen (al-muʿāmalāt) eine lebensweltliche Gültigkeit und Anwendbarkeit erlangen sollen, wobei im angestrebten islamischen Gemeinwesen die šarīʿah auch für Nichtmuslime Anwendung findet. Nichtmuslime können nach der šarīʿah nur neben der islamischen Gemeinschaft als rechtlich mindere ḏimmī existieren, die für ihren vertraglich geregelten „Schutzstatus“ einen jährlichen Tribut (Dschizja) entrichten müssen, dabei aber langfristig zum Aussterben verurteilt sind, da schon nach klassischer islamischer Lehre Rechtleitung (Islam) und der „Halbglaube“ (Albrecht Noth) der Juden und Christen nicht nebeneinander bestehen können.

Dies ist so zu interpretieren, als dass die šarīʿah als das von Allah den Menschen auferlegte Gesetz zu definieren ist, welches diesen in Form des Koran und der nachkoranischen Sunna als Gesamtheit des islamischen Normensystems übergeben wurde, die die Grundlage der ganzheitlichen islamischen Lebensführung (Dīn) bildet.

Berufen können sich Salafiten hierbei auf den Koran, da gemäß sūrat(u) l-anʿām: 57 [6:57] alle Rechtsbestimmungen allein bei Allah liegen: „…ini l-ḥuk’mu illā lillahi“ (annähernde Bedeutung im Deutschen: „…alle Rechtsbestimmung[en] liegt/[liegen] allein bei Allah“).

Insbesondere die Einführung des islamischen Strafrechts und hier primär die Geltung der Körperstrafen für ḥudūd Delikte (Grenzdelikte) bildet einen Schwerpunkt der Agitation salafitischer Gruppen wie „Einladung zum Paradies“ (EZP) um den Konvertiten Pierre Vogel oder die radikalere salafitische Gruppe Die Wahre Religion (DWR).

Die ḥudūd Delikte bezeichnen die Überschreitung einer der von Allah direkt gezogenen Grenzen des Zusammenlebens der islamischen Gemeinschaft, deren innerer Frieden und Zusammenhalt verletzt wird wie bei Zinā (Unzucht als außereheliche Sexualität), die Steinigung als Strafe nach sich zieht. 6

Damit treten diese salafitischen Gruppen in einen Widerspruch zum säkularen und pluralistisch-freiheitlich ausgerichteten Verfassungsstaat, dessen Legitimationsgrundlagen durch die Aufklärung aus einem religiösen Begründungszusammenhang herausgelöst wurden und wo nur ein von Menschen geschaffenes Recht gelten kann – und keine angestrebte Nomokratie mit einer Wertigkeitslehre, wo Rechte, Pflichten, soziale, rechtliche und politische Stellung von der Angehörigkeit zur Islamauslegung der jeweiligen salafitischen Prägung bestimmt wird.

Das zweite Kennzeichen radikaler salafitischer Gruppen ist die Gegnerschaft nicht nur gegenüber den Kafirun („Verhüller der Wahrheit“, womit im Islam alle Nichtmuslime bezeichnet werden), sondern auch zu anderen islamischen Gruppen wie den Schiiten und den Sonderfällen der Aleviten und Ahmadiyya, auf deren Sonderstatus hier nicht näher eingegangen werden kann.

Die Arabistin Claudia Dantschke führt hierzu aus:

[…] Kennzeichnend für diese Strömung (Salafismus, eig. Einfügung) ist die Abwertung all derjenigen, die nicht ihrer dogmatischen Islaminterpretation folgen sowie die extreme Ablehnung der Schiiten und des Schiitentums als “Sekte” und “Abweichung vom Islam”. Die damit eingeleitete Spaltung des Islam soll überwunden und rückgängig gemacht werden“. 7

Darüber hinaus geht Die Wahre Religion, wo vor dem Hintergrund ihres Ende 2010 in Wien durchgeführten Islamseminares andere Muslime als „Munafiqun“ (Heuchler) bezeichnet wurden, da das Seminar nach Protesten nicht, wie zunächst geplant, im „Islamischen Zentrum Wien“ in Wien-Ottakring stattfinden konnte, welches bis zum heutigen Tag mit „Einladung zum Paradies“ verlinkt ist. 8

Dafür fand das Seminar zumindest teilweise in den Räumen eines türkischen Sprachinstitutes statt, welches als „AKP Kaderschmiede“ in Wien gilt und Anfang Mai 2011 vom türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül besucht wurde. 9

Der Prediger „Abu Bilal“ von Die Wahre Religion, der einer der Referenten des Seminars in Wien war, äußert sich hierzu im angegebenen Link ausführlich zu den Munafiqun. 10 Die Bezeichnung als Munafiqun hat weitreichende Bedeutung, da die Munafiqun als „Nicht Muslime“ in den Augen von radikalen Salafiten auch durch den gewaltsamen kleinen Dschihad bekämpft werden können, was die gleiche Bedeutung beinhaltet wie die Erklärung von Takfīr (Entlassung in den Unglauben) gegenüber anderen Muslimen, das Kennzeichen der extrem salafitischen Takfīri Gruppen, zu denen auch die Attentäter der Anschläge von Madrid 2004 gehört haben und die derzeit in Ägypten die koptischen Christen vernichten wollen.

Somit richtet sich die Agitation von salafitischen Gruppen wie Die Wahre Religion nicht nur gegen die Kafirun (Nichtmuslime), sondern primär gegen die Munafiqun (Muslime anderer Glaubensrichtungen, „Kulturmuslime“ und säkular eingestellter Muslime), wobei die Salafiten bestimmen, wer Muslim ist und wer nicht.

Das gilt auch innerhalb des islamistischen Spektrums, da eine nicht geringe Anzahl von deutschsprachigen salafitischen Anhängern Gruppen des „taktischen Islamismus“ wie die türkisch-sunnitische Millî Görüş Bewegung (Gemeinschaft Abrahams (Millet-i Ibrahim), die dem Weg des Propheten als islamische Religionsgemeinschaft folgt) und die deutschen Ableger der sunnitisch-arabischen al-ichwān al-muslimūn (Muslimbruderschaft) verachten, weil deren Mutterorganisationen sich in westlich orientierten Formen für eine „Islamisierung von oben“ organisiert haben, die in der islamischen Welt bis in die Neuzeit unbekannt waren. Davon zeugen vielfältige und teils heftig geführte Diskussionen in einschlägigen Internetforen von Anhängern der verschiedenen Gruppen untereinander.

Auch in Herten kann man vor dem Hintergrund aktueller Konflikte die ansässigen Moscheevereine von DİTİB und des Verband Islamischer Kulturzentren e.V. (VIKZ) nicht mit Die Wahre Religion gleichsetzen. Dort geht es um die Frage der Rückbindung und der Erhaltung der monogamen Staatsloyalität der in Deutschland lebenden türkischstämmigen Muslime zum türkischen Staat im Rahmen der Re-Islamisierungspläne von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan (DİTİB) und die Diskussion um die integrationsfördernde Wirkung von Schülerwohnheimen (VIKZ).

Nicht aber um die Verherrlichung und die Förderung der Bereitschaft zur Teilnahme am gewaltsamen kleinen Dschihad, wodurch Die Wahre Religion im Januar 2011 durch ihr in Mayen/NRW abgehaltenes Islamseminar bekannt wurde und in den Fokus der Sicherheitsbehörden geriet.

Die Wahre Religion und der Aufruf zur Teilnahme am kleinen gewaltsamen Dschihad

Während dieses Seminars hatte der vor seiner Konversion als Gangsta Rapper „Deso Dogg“ bekannte Abu Malik (Klarname: Denis Mamadou Cuspert) einen Nasheed vorgetragen, indem er nicht nur zur Unterstützung der Muğāhidun (die den Dschihad ausübenden) etwa in Form von Dua 11 aufrief, sondern auch zur Teilnahme als Muğāhid am gewaltsamen Dschihad in Chorassan: 12

„Bei einem sogenannten “Islamseminar” der als besonders radikal geltenden Gruppe Die Wahre Religion in der Eifelstadt Mayen sang der einstige Musiker “Deso Dogg” die Zeile: “Wandert aus, wandert aus! Usbekistan, Afghanistan, wir kämpfen in Chorassan!” Chorassan ist eine historische Bezeichnung für ein Gebiet in Zentralasien, das unter anderem im heutigen Afghanistan liegt. Bei der mehrtägigen Veranstaltung zum Jahreswechsel sang der gebürtige Berliner außerdem: “Inschallah, inschallah, wir kämpfen, fallen, Schuhada, den Feind im Auge, bismillah”. Das bedeutet: “So Allah will, wir kämpfen, fallen als Märtyrer, den Feind im Auge, im Namen Allahs.” Im Anschluss an das Lied jubelten die rund 50 Besucher des “Seminars” und riefen: “Allahu akbar” (“Allah ist größer”).“ 13

Dies läuft konform mit meiner damals verfassten Einschätzung der Wirkung des Nasheed, die mit Angabe des Links Anfang Januar an Medien und Sicherheitsbehörden versandt wurde:

Gerade unter den anwesenden (teilweise sehr jungen) Muslimen, die das Islamseminar der salafitischen Gruppe Die Wahre Religion in Mayen besucht haben, können durch solche Aufrufe nicht nur antiwestliche Feindbilder implantiert werden, sondern es kann auch zur Teilnahme am kleinen Dschihad mobilisiert werden, der in diesen Gruppen als gerechtfertigter Verteidigungsdschihad propagiert wird. Der gewaltsame kleine Dschihad wandelt sich damit zu einer individuellen und nicht delegierbaren Pflicht (Fard al-Ayn), womit jeder Muslim verpflichtet ist, dem Ruf zum Dschihad zu folgen, um das Dār(u) l-Islām (Haus des Islam) von den Nichtmuslimen zu befreien, die islamisches Gebiet angegriffen und besetzt haben.

Wann dies gegeben ist, entscheidet keine islamische Autorität, sondern „glaubensstarke Muslime“ (hier Die Wahre Religion) selber, die von einem Anhängerkreis als dazu befugt betrachtet werden. Es liegt damit im Bereich der Möglichkeit, dass durch solche Agitation gerade junge (und in den letzten anderthalb Jahren verstärkt türkischstämmige) Muslime und Konvertiten u.a. ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet aufbrechen, um sich dort ausbilden zu lassen, um in Afghanistan, Tschetschenien oder nach ihrer Rückkehr in die westlichen Staaten den Dschihad im urbanen Gebiet auszuüben.

Es fragt sich, wie lange Die Wahre Religion noch solche Islamseminare durchführen kann, da auch Ende 2010 ein solches Seminar (ohne Deso Dogg) in Wien stattfand? Derzeit stellen solche Islamseminare von salafitischen Gruppen die größte Gefährdung im Bereich des ‘militanten Islamismus’ dar.“

Dies umso mehr, als Anhaltspunkte dafür bestehen, dass Die Wahre Religion mit der derzeit aggressivsten deutschsprachigen dschihadistischen Webseite www.islambruederschaft.com verbunden ist. 14

Zusammenfassung

Die salafitische Gruppe Die Wahre Religion kann am äußersten Rand innerhalb des islamistisch-salafitischen Spektrums in Deutschland angesiedelt werden, da Übergänge und Schnittstellen zum militanten und pan-islamisch ausgerichteten Islamismus bestehen.

Auch wenn die Prediger von Die Wahre Religion in der Regel bei ihren Islamseminaren nicht immer so offen wie Abu Malik zur Unterstützung und zur Teilnahme am gewaltsamen kleinen Dschihad aufrufen, müssen solche Veranstaltungen im Rahmen von Dschihadisierungsprozessen gesehen werden, da im Umfeld solcher Veranstaltungen mit dschihadistischen „Talentspottern“ zu rechnen ist, die junge Muslime und Konvertiten durch persönliche „Face to Face Kontakte“ an dschihadistische Gruppen binden wollen. In einer Analogie zum Bereich des politischen Extremismus kann man hier von einer „Durchlauferhitzer Funktion“ der Islamseminare sprechen, da der Besuch eines solchen Seminares als erster Schritt in eine dschihadistische Karriere dienen kann, wenn auch nicht muss.

Auch im Vorfeld des militanten Islamismus müssen die Aktivitäten von Die Wahre Religion als desintegrativ eingestuft werden, da sie jungen Muslimen und Konvertiten nicht nur im Rahmen der Reduktion von religiöser Komplexität eine sehr einfache und simplifizierende Islamauslegung mit gebundener Lesart von Koran und Sunna anbietet, die durch eine explizite Freund-Feind Dichotomie gekennzeichnet ist: Freunde sind die Salafiten von Die Wahre Religion, Feinde sind die Kafirun und die Munafiqun.

Vielmehr wird auch ein Gemeinschaftserlebnis angeboten, welches durch gruppendynamische Prozesse zur Konstruktion einer neuen sozialen Identität als Salafist dient. Der salafitische „Newborn-“ oder „Reborn-“Muslim zieht sich aus der Gesamtgesellschaft und der bisherigen Lebensumwelt zurück, da er seine Identitätsvergewisserung innerhalb der sich von den Kafirun und Munafiqun abgrenzenden salafitischen Subgemeinschaft bezieht, wobei es nicht auszuschließen ist, dass er sich zur Teilnahme am gewaltsamen kleinen Dschihad entschließt. Entweder im Ausland oder als Angehöriger des indigenen „Homegrown Terrorism“, der sich in den letzten Jahren als neue Erscheinung des religiös motivierten Terrorismus seit den Anschlägen des 11.09.2001 in jedem westlichen Land gebildet hat. 15

Gerade in Anbetracht der steigenden Attraktivität des Salafimus in Nordrhein-Westfalen, wo dieser die am schnellsten wachsende Religionsauslegung unter jungen Muslimen darstellt, ist ein entschlossenes Handeln im Rahmen einer ganzheitlichen Strategie notwendig. Das LfV-NRW warnt vor diesen Tendenzen, wobei ausdrücklich Die Wahre Religion als eines der prägenden salafitischen Personen-Netzwerke mit Schwerpunkt in Köln genannt wird. 16

Insgesamt gesehen können die beobachteten Verteilaktionen von Flugblättern durch (zumindest) Anhänger der Gruppierung Die Wahre Religion als Vorstufe für weitere Aktivitäten im Stadtgebiet von Herten (und dem Kreis Recklinghausen insgesamt) eingeordnet werden, die zu einer Desintegration junger Muslime führen kann, wenn Salafiten im Zeitablauf aktive Da´wah Arbeit vor Ort betreiben.

Ebenso besteht die Möglichkeit der psychischen Radikalisierung durch den Konsum der vielfältigen Audio- und Videodateien auf der Homepage von Die Wahre Religion, deren Internetadresse auf den verteilten Flugblättern angegeben ist, da sich die digitalisierte salafitische Cyber-Umma zu einem bevorzugten propagandistischen Instrument entwickelt hat, mit dem insbesondere junge Muslime erreicht werden können.

Neben der Beobachtung dieser Aktivitäten durch das zuständige Kommissariat des polizeilichen Staatsschutzes, im Rahmen der präventiven Aufgabenerfüllung und der öffentlichen Sensibilisierung für die Thematik, kann der Nährboden salafitischer Gruppen letzten Endes aber nur durch die Muslime selbst ausgetrocknet werden. Dies hat ein islamischer Religionspädagoge mir gegenüber letzten Herbst nach unserer Anhörung als Fachvertreter im Landtag von Oberösterreich über die Notwendigkeit und Gebotenheit eines Vollverschleierungsverbotes im öffentlichen Raum im persönlichen Gespräch geäußert. Somit sind auch die Moscheevereine in Herten aufgerufen, sich von salafitischen Lehren zu distanzieren und Aufklärungsarbeit zu betreiben, damit junge Muslime nicht in den Islamismus und Dschihadismus abgleiten, wobei diese Aufgabe eine rein innerislamische Auseinadersetzung mit salafitischen Lehren darstellt, die von Nichtmuslimen nicht zu beeinflussen ist.

Thomas Tartsch (2008): Da’wa und Jihad – Islamischer Fundamentalismus und Jihadismus. Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland? Eine vertiefende Analyse unter Einbeziehung aktueller und empirischer Daten, Europäischer Universitätsverlag, 34.90 Euro. CT-Rezension

Notes:

  1. Z.B.  in Erfurt, Villingen-Schwenningen, Frankfurt, Hannover, Recklinghausen (NRW), aber auch in Österreich und verstärkt in der Schweiz. Termine siehe:  http://diewahrereligion.tv/hausdesqurans/?page_id=238.
  2. Der Politikwissenschaftler Dr. Thomas Tartsch erstellte die folgende Analyse 2011 für den Bürgermeister der Stadt Herten (NRW), sie liegt inzwischen auch dem Bundesinnenministerium vor. Citizen Timesmacht die Expertise aufgrund ihrer grundsätzlichen Bedeutung hiermit auch der Öffentlichkeit zugänglich.
  3. Ǧihād/Dschihad: Hier im Sinne des kleinen Dschihad definiert als jede gewaltlose und gewaltsame äußerste Anstrengung auf dem Weg Allahs zur Einführung des gesamten Gesetzes (šarīʿah) und der Ausweitung islamischer Herrschaft, wobei Niya (fromme Absicht) gegeben sein muss.
  4. al-Muwaḥḥidūn: „Bekenner der Einheit, Einzigartigkeit und Einheitlichkeit Allahs“
  5. Landesamt für Verfassungsschutz NRW (2010): „Salafismus – von einer religiösen Strömung zur politischen Ideologie“, unter: http://www.im.nrw.de/sch/doks/vs/salafismus_aktuell.pdf
  6. Siehe hierzu Pierre Vogel (2011) „Sind Steinigungen zeitgemäß“?, You Tube, unter: http://www.youtube.com/watch?v=fyHyHKCAXiE&feature=related
  7. Claudia Dantschke (2007): „Die muslimische Jugendszene“, Bundeszentrale für politische Bildung, unter: http://www.bpb.de/popup/popup_druckversion.html?guid=ZOEWPE.
  8. Islamisches Zentrum Wien – Links, erster Link linke Seite, unter: http://www.islamiccentre.at/links.html
  9. Die Presse.com (2011): „Abdullah Gül besucht “AKP-Kaderschmiede” in Wien“, 03.05.2011, unter: http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/655251/Abdullah-Guel-besucht-AKPKaderschmiede-in-Wien
  10. „Das Instrument Islam (Seminar Wien) – Abu Bilal“, You Tube, unter: http://www.youtube.com/watch?v=fQY1UbzJ2PQ&feature=related.
  11. Dua: (Bitt-)Gebet, welches jederzeit gesprochen werden kann und wofür keine rituelle Reinheit erforderlich ist
  12. Der Nasheed kann angesehen werden (ab Min. 9.30) unter: „DAWAFFM – Islamseminar in Mayen 2010/2011“, You Tube, unter: http://www.youtube.com/watch?v=xTe9FEGxlSQ. Nasheed: agitatorisches Lied, welches zur Mobilisierung eingesetzt und in der Regel ohne Instrumentalbegleitung vorgetragen wird, weil nach verbreiteter salafitischer Ansicht Musik ḥarām (verboten) ist.
  13. RP. Online (2011): „”Deso Dogg” preist den Tod im Dschihad. Berliner Ex-Rapper ruft zum “Heiligen Krieg” auf“, 12.01.2011, unter: http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/Berliner-Ex-Rapper-ruft-zum-Heiligen-Krieg-auf_aid_951833.html#comments.
  14. Siehe dazu die ausführliche Ausarbeitung von Herrn Oberst Mag. Dr. Oliver Dengg vom Institut für Human- und Sozialwissenschaften – Landesverteidigungsakademie des österreichischen Bundesheeres (2011): „Islambruederschaft.com. Bekenntnisse eines radikal-islamischen Online-Netzwerkes“, unter: http://www.bundesheer.at/pdf_pool/publikationen/08_isb_01_isb.pdf.
  15. Zum „Homegrown Terrorism“ siehe meine im Jahr 2008 erstellte Analyse „Tellurischer Partisan & urbaner Jihadist – Psychogramm des „homegrown terrorism“ “, unter: http://tooltest.info/tartsch/2011/02/12/tellurischer-partisan-urbaner-jihadist-psychogramm-des-%E2%80%9Ehomegrown-terrorism%E2%80%9C/
  16. „Verfassungsschutz: Zahl der Salafismus-Anhänger in NRW steigt“, Presseartikel, 29.03.2011, unter: http://www.cibedo.de/zollitsch_tuerkei000000020100134.html.

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