Der Lauf der Gentrifizierung

23. Februar 2012 0

Niemand hat einen Anspruch darauf, in einer der besten Wohnlagen Berlins zu wohnen

Berlin hat beliebte und weniger beliebte Wohnlagen – Bild: Wikipedia (gemeinfrei)

In der Nord-Neuköllner Donausstraße steht der Umzugswagen. Die Halteverbotsschilder stehen schon seit Wochen und kündigen den Umzug an. Die Szene ist nicht gerade einmalig an diesem kalten Februarmorgen. Überall im Kiez stehen hier und dort die Umzugswagen oder Halteverbotsschilder kündigen ihr baldiges Kommen an. Wieder wird eine Familie das große Mehrfamilienhaus verlassen. Der Eigentümer wird es sanieren lassen und es zahlungskräftigeren Mietern anbieten. Was hier passiert, regt seit Monaten die Gemüter auf – dabei besteht gar kein Anlass zur Sorge.

Auf der einen Seite ist Berlin im Kommen. Investoren und Analysten sehen in Berlin teilweise sogar ein neues Silicon Valley. Künstler und junge Unternehmer zieht es in die Stadt, sie alle brauchen Wohnraum, sie alle wollen irgendwo am Wochenende ausgehen. Auf der anderen Seite kämpft Berlin mit einem anderen Problem: 40,8 Prozent der Geburten fanden im vergangenen Jahr in der Unterschicht statt. Die Ausgaben im sozialen Bereich explodieren: Im Haushalt des Bezirks Neukölln fehlten beispielsweise 4 Mio. Euro, weil die Kosten für die Hilfe zur Erziehung aus dem Rahmen gefallen sind.

Berlin wird also in Zukunft auf Arbeitskräfte aus anderen Bundesländern und anderen Ländern angewiesen sein. Wer sich mit Gewalt, wie es einige linke Chaoten und Trittbrettfahrer tun, in den Weg stellt, verkennt leider die die Realitäten.

Der Staat wird in der Wohnungsfrage nicht ordnungspolitisch eingreifen müssen. Viel mehr darf der freien Entwicklung der Arbeitsmärkte und damit auch den Wohnungsmärkten nicht zu sehr durch staatliche Regulierung der Riegel vorgeschoben werden.

Sicherlich: Verlierer gibt es immer. Verlierer des wirtschaftlichen Aufstiegs Berlins sind Hartz-IV-Empfänger, Rentner und andere mit geringem Einkommen. Sie werden aus ihren Heimatbezirken im Berliner Zentrum getrieben – zugunsten zahlungskräftigerer Neu-Berliner. Wer sich dann über den vom Jobcenter bezahlten Umzugswagen vor dem Wohnblock beim Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung beschwert, verkennt hier die Realität:

Niemand hat einen Anspruch darauf, in einer der besten Wohnlagen Berlins zu wohnen. Das gilt erst recht, wenn das Jobcenter für die Miete aufkommt. Vielmehr muss man einfach akzeptieren, dass Städte unheimlich dynamische Gebilde sind, die sich weiterentwickeln und deshalb auch nicht vor Veränderung haltmachen.

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