Eine globale Leitkultur?

21. Februar 2012 2

Rezension zu Joachim Gauck: Freiheit. Ein Plädoyer

Joachim Gauck, designierter Bundespräsident der Deutschen – Bild: Michael Lucan/pixeldost

Das Timing muss schon als eine (ungewollte) Meisterleistung bezeichnet werden: Am Sonntag einigen sich alle demokratischen Parteien des Bundestages auf Joachim Gauck als Kandidaten für den nächsten Bundespräsidenten – und am nächsten Morgen erscheint der schmale Band des designierten Staatsoberhauptes unter dem schlichten Titel Freiheit. Eine publizistische Meisterleistung, die sich zumindest für den Verlag lohnen dürfte. Inhaltlich überzeugt Gaucks kurzes Plädoyer hingegen nicht wirklich, bewegt es sich doch allzu sehr auf Allgemeinplätzen.

Man solle keinen philosophischen Text erwarten, schreibt der Autor einleitend, er sei nur ein Zeitzeuge, ein Liebhaber der Freiheit. Und genau dieses Programm zieht sich durch den gesamten Essay: Es ist ein nettes Stück über Freiheit, Verantwortung und Toleranz, eine Mahnung von einem, der gesehen und erlebt hat, was Unfreiheit bedeutet und wie wenig die meisten aus ihrer Freiheit machen, wenn sie sie denn haben. Das Aufbegehren gegen den DDR-Sozialismus sei aus philosophischer Perspektive einfach gewesen, so Gauck. Es war offensichtlich, wovon man frei sein wollte. Doch als sich nach der Wende die Frage stellte, wofür die errungene Freiheit zu nutzen sei, hatten viele der Revolutionäre keine Antworten. Und bevor man sich versah, waren die Vertreter der alten Macht wieder auf den entscheidenden Positionen.

Mit diesem Unterschied zwischen Freiheit von und Freiheit zu bzw. dem Unvermögen der meisten, letztere zu definieren, berührt Gauck die tiefgreifende philosophische Frage nach negativer Freiheit und positiver Freiheit – jedoch leider ohne weiter darauf einzugehen. „Negative Freiheit bedeutet Herrenlosigkeit, positive Freiheit bedeutet, sein eigener Herr zu sein“, versuchte der Kieler Philosophieprofessor Wolfgang Kersting 2009 in seinem Werk Verteidigung des Liberalismus dieses Verhältnis näher zu beschreiben und schränkte zugleich wieder ein, dass die Unterscheidung keine rein perspektivische sein könne. Denn „die Abwesenheit von Fremdbestimmung ist nicht hinreichend für Selbstbestimmung“, vielmehr müssten beim selbstbestimmten Individuum weitere Faktoren zusammenkommen, vor allem die finanziellen Mittel sowie die emotionale wie kognitive Fähigkeit, anders ausgedrückt, durch Erziehung und Bildung erlangte Unabhängigkeit und Mündigkeit.

Es ist aber genau dies, was den DDR-Bürgern – oder DDR-Insassen, wie Gauck sie nennt – verwehrt bleiben sollte. Denn der Sozialismus in all seinen Spielarten will vor allem, dass die Menschen abhängig sind vom Kollektiv, dass sie eben kein selbstständiges Individuum werden. Und hier genau setzt Gauck dann wieder an, wenn er die erlangte Freiheit mit der einhergehenden Verantwortung in Beziehung setzt. Wir dürften nicht warten, bis das Glück des Lebens auf uns zu käme, bis der Weg der (positiven) Freiheit irgendwann glasklar vor uns liege. Stattdessen gelte es, „Ja zu sagen zu den vorfindlichen Möglichkeiten der Gestaltung und Mitgestaltung. Wenn wir uns derart zu der in uns wohnenden Fähigkeit und zu der uns umgebenden Wirklichkeit verhalten, dürfen wir dies als Verantwortung bezeichnen. Ich nenne die Freiheit der Erwachsenen ‚Verantwortung‘.“

Diese Verantwortung sei nichts, was uns irgendjemand von außen geben könne, weder Philosoph noch Politiker. Sie sei vielmehr eine grundsätzliche Eigenschaft des Menschen, deren Verlust auch den Verlust unser selbst bedeuten würde: „Entscheidend ist die Teilhabe an der Macht oder die Unterwerfung unter die Macht, die uns zu Bürgern oder zu Nichtbürgern macht.“ Es sind solche Worte, die Gauck zum Liebling des Volkes, zum bereits bei der letzten Wahl des Bundespräsidenten unangefochtenen Kandidaten der Menge machten.

Das Unverständnis Gaucks darüber, dass „die Freude des Westens an einer bewahrenden und schützenden Freiheit kaum spürbar“ ist, treibt freiheitliche Denker freilich schon seit Jahrzehnten um. „Im Wettbewerb um die moralische Unterstützung der Völker der Welt ist das Fehlen einer starken Überzeugung ein großer Nachteil. […] Wenn wir in dem großen Streit der Ideen Sieger bleiben wollen, müssen wir uns zuerst selbst im klaren darüber sein, woran wir glauben; wir müssen wissen, was wir verteidigen und erhalten wollen; und noch mehr verlangt unser Verhältnis zu den anderen Völkern eine klare Formulierung unserer Ideale.“ Diese Worte schrieb Friedrich August von Hayek bereits 1960 in seinem Werk Die Verfassung der Freiheit. „Es ist wichtig zu begreifen, dass wir der Toleranz nicht dienen, wenn wir unser Profil verwässern, sondern indem wir uns umgekehrt unserer eigenen Werte vergewissern“, schreibt Gauck 2012. Es hat sich also nicht viel an den Voraussetzungen für die Freiheit geändert, mag man meinen. Zwar ist der Kommunismus als vermeintlicher dritter Weg mit dem Zusammenbruch des Ostblocks endgültig demaskiert, aber durch die Ideologie des Multikulturalismus ist der freie Westen von einer inneren Zersetzung befallen, die die von außen kommenden Bedrohungen, also hauptsächlich die Ideologie des Islam, nur zu gut zu nutzen wissen.

Es bleibt zu hoffen, dass Gauck nicht die Fehler seines Vorgängers im Amt wiederholt, dass Würde und Werte statt Appeasement und (falsche) Moral das Staatsoberhaupt schmücken. Freiheit, Verantwortung, Toleranz können dafür den richtigen Dreiklang bilden. Bleibt Gauck der von Merkel und linken Ideologen Unabhängige und macht er sein Buch zum Programm, könnte der Freiheit in unserem Land wieder eine bessere Zeit bevorstehen. Vielleicht wird sie ja doch irgendwann das, was Gauck sie gerne nennt: eine globale Leitkultur.

Joachim Gauck (2012): Freiheit. Ein Plädoyer. München: Kösel Verlag (Randomhouse), 64 Seiten, 10 Euro. Kaufen bei Amazon. 

2 Comments »

  1. OWL 21. Februar 2012 at 10:57 - Reply

    Die Islam Führer in derBRD Verwaltungsorganisation sind jetzt schon am jaulen das Gauck der verkehrte für das Amt wäre,die haben jetzt schon Angst das Gauck das Deutsche Volk wachrütteln könnte.
    Ich hoffe nur das Gauck sich vom Parteien Kartell und insbesondere nicht von der Deutschlandhasser Partei Nr.1 Dünnschiss90/Die Grünen von seinen Auffassungen abbringen läst!

  2. Georgi T. 23. Februar 2012 at 17:56 - Reply

    Parteichefin Gesine Lötzsch nannte Gauck einen „Kandidat der kalten Herzen“.
    In der Ausgabe vom 22. 02.2012 berichtete SPIEGEL ONLINE: “Linke liebäugeln mit Nazijägerin Klarsfeld als Kandidatin. Die Nazijägerin Beate Klarsfeld könnte auf Vorschlag der Linken gegen Joachim Gauck als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten antreten”.
    Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei DIE LINKE, gemeinsam mit einer ehemaligen RAF-Terroristin, diskutierten und propagierten vor kurzem einen neuen Weg zum Kommunismus.
    In der Prager Erklärung zum Gewissen Europas und Kommunismus vom 3. Juni 2008, Prag, Senat des Parlaments der Tschechischen Republik (www.de.wikipedia.org/wiki/Prager_Erkl%c3%a4rung)
    wird unmissverständlich darauf hingewiesen:
    Eingedenk der Würde und der demokratischen Zukunft unseres europäischen Hauses,
    . in der Erwägung, dass Gesellschaften, die ihre Vergangenheit vernachlässigen, keine Zukunft haben,
    . in der Erwägung, dass Europa nicht vereint werden kann, wenn es nicht in der Lage ist, seine Geschichte zu vereinen, Kommunismus und Nationalsozialismus als gemeinsames Erbe zu erkennen und eine ehrliche und tiefgreifende Debatte über sämtliche totalitären Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts zu bewirken,
    . dass, die kommunistische Ideologie direkt verantwortlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist,
    . in der Erwägung, dass es erhebliche Gemeinsamkeiten zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus in ihrem schrecklichen Charakter und ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit bestehen,
    . in der Erwägung, dass viele der Täter, die Verbrechen im Namen des Kommunismus begangen haben, noch nicht vor Gericht gestellt worden sind und ihre Opfer noch nicht entschädigt sind,
    glauben wir, dass Millionen von Opfern des Kommunismus und ihre Familien Anspruch auf Gerechtigkeit, Mitgefühl, Verständnis und Anerkennung für ihr Leiden haben, in der gleichen Weise wie die Opfer des Nationalsozialismus moralisch und politisch anerkannt worden sind.

    Es ist sehr ratsam, bevor DIE LINKE ihre Nazijäger ins Rennen schickt, zu klären und die Öffentlichkeit aufzuklären, welche Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Namen der kommunistischen Ideologie verübt worden sind, und wohin ihr “neuer Weg zum Kommunismus” führt.

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