Deutungshoheit über den Islam

6. Februar 2012 0

Ordnung muss sein: Über die Dreistigkeit, über andere bestimmen zu wollen

Die islamische Mitfahrzentrale Muslimtaxi – für Gläubige und Bekehrungswillige, in jedem Fall aber mit Geschlechtertrennung (Screenshot)

Sie laufen mit Stöckelschuhen über Berlins Straßen, tragen enge Röhrenjeans, erlauben ihrem Schöpfer Allāh einen tiefen Einblick in ihren Ausschnitt und haben das Kopftuch eng um ihren Kopf gewickelt. Auf Neuköllner Schulhöfen müssen sich diese Musliminnen die übelsten Beleidigungen über sich ergehen lassen; die eher aus dem Sprachjargon der Hamburger Reeperbahn stammen dürften, als von Berliner Schulhöfen. Oftmals von männlichen Muslimen gedemütigt und gekränkt gehen diese Mädchen ihren freien und selbstbestimmten Weg zwischen Islam und Moderne.

Zum Islam gehört es, sich gegenseitig auf Verfehlungen und das richtige Verhalten eines wahren Muslims hinzuweisen. So spricht man Brüder und Geschwister im Islam auf ihr religiöses Fehlverhalten an, weist sie zu recht, oder lobt sie: Vorbildliche Schwester! Dem Gründer der islamischen Mitfahrzentrale Muslimtaxi, der 24-jährige Student Selim Reid, liegt das offenbar sehr am Herzen und so erklärte er seine Motive im Interview mit der taz: „Meine Fürsorge ist auch islamisch bedingt: Wir Muslime passen untereinander auf uns auf, wir sind Geschwister im Glauben und unterstützen uns gegenseitig.“ Ja, aufpassen, dass jeder die Regeln des Islams einhält und sich keinen Risiken hingeben muss: „Ich biete eine einfache Möglichkeit an, bei der ich das Fremdgehrisiko weitgehendst eingrenze.“

Doch diese Deutungshohheit verkehrt meist in eine perverse Form: Einzelne nehmen sich das Recht, zu entscheiden, wer Muslim sei und wer nicht. Doch woher nehmen sich andere Gläubige das Recht und den Anspruch, über andere Gläubige zu urteilen? Nehmen es sich tief eingefleischte Vegetarier heraus, über das Vegetariersein anderer zu entscheiden? Gibt es einen hoheitlichen Akt, der durchlaufen werden muss, um Muslim zu sein, bis auf dem islamische Glaubensbekenntnis oder eben die Geburt? Muss ein Verwaltungsakt erlassen werden, der einem bestätigt, Vegetarier zu sein?

Nein, all das gibt es nicht. Aber es gibt die Ummah, die islamische Glaubensgemeinschaft, die zusammenhalten muss und sich eben auch in das Selbstbestimmungsrecht jeder Person einmischt.

Nichts anders ist es, wenn deutsche Islamverbände, islamischen Terroristen das Muslim-Sein absprechen, weil ja die Tat der Terroristen völlig unislamisch gewesen sei und nur auf einer falschen Interpretation des Koran und ihres Auftrags beruhen. Das erinnert an die – fast als Beleidigung auffassbare – Aussage, bei einigen Islamkritikern würde es sich um selbsternannte Islamkritiker handeln. Dies rührt daher, dass Islamverbände gerne annehmen, um Islamkritiker zu sein, müsse man entweder Muslim sein, oder mehr oder weniger islamische Wurzeln haben, oder wenn man das schon nicht vorweisen kann, wenigstens Islamwissenschaften studiert haben. Eine andersartige langfristige Beschäftigung oder ein falsches Studium reicht eben nicht aus, um Islamkritiker zu sein.

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