Empörend! Oder?

30. Januar 2012 0

Die Meinung der Anderen: Jörg Schallehn über Banken, die an Staatsanleihen doppelt und dreifach verdienen

Giftiger Stachel: Scorpio maurus palmatus – Bild: Guy Haimovitch / Wikipedia

An zwei aktuellen Artikeln großer deutscher Zeitungen lässt sich gut aufzeigen, dass die vermeintlich guten Nachrichten über die erfolgreichen Auktionen zur Platzierung von Staatsanleihen aus Italien, Spanien, Portugal und Deutschland einen giftigen Stachel haben.

So wird in einem FAZ-Artikel Bundesbank in der Klemme über Prof. Sinn z.B. nicht erklärt, dass die Banken sich billiges Geld zu einem Prozent Zinsen von der EZB (500 Milliarden) geliehen haben, dieses Geld in den Kauf von Staatsanleihen der oben genannten Staaten investiert haben und von diesen Staaten 2,8 bis 6% Zinsen erhalten. Diese Staatsanleihen werden dann der EZB als Sicherheit hinterlegt und so die Möglichkeit geschaffen, nochmals neues Geld aufzunehmen. Ein gutes Geschäft für die Kasino-Banken, solange die Anleihe nicht ausfällt. Dass das nicht passiert, dafür wird die EZB sorgen, wenn nicht, der Steuerzahler.

„Die Euro-Rettung zeigt erste Erfolge“, schreibt Die Zeit. Dieser Erfolg ist aber nur scheinbar. Weiteres Ungemach liegt in der Tatsache verborgen, dass die Staaten mit dem „frischen Geld“, dass indirekt von den Zentralbanken der Eurostaaten kommt und nicht wie jeder Normalbürger denkt, von institutionellen Anlegern (Banken, Versicherungen), alte Schulden und Zinsen bezahlen, also alte Staatsanleihen, die abgelaufen waren. Mit den alten Staatsanleihen wurden u.a. Güter gekauft und finanziert, die z.B. aus Deutschland, dem Export-Weltmeister kommen.

Somit finanziert jeder fleißige Bürger in Deutschland und Europa indirekt die Waren, Dienstleistungen und Güter, die der europäische Unternehmer bereits in Europa verkauft hat. Denn die Zentralbank ist eine staatliche Einrichtung, die ihre Bonität ausschließlich der Tatsache verdankt, dass es fleißige, ehrliche Bürger gibt, die Leistungen erbringen, die Einkommen generieren, dieses Einkommen löst Steuern aus und so Geld, das in die Staatskassen fließt. Damit wird der Bürger zur finanzierenden Bank von Dienstleistungen und Waren. Diese Bank ist die Zentralbank. Diese verwendet das Geld nicht, um es in den Wirtschaftskreislauf (z.B. für Innovation und Bildung oder Infrastruktur und Klimaschutz oder alternative Energiegewinnung) zu geben, sondern in den Finanzkreislauf, um das Kasino-Bankensystem aufrecht zu erhalten. Die Banken zahlen 1 Prozent und verdienen an den Staatsanleihen 1,8 bis 5 Prozent Marge (d.h. 1% zahlen sie, 2,8-6% erhalten sie).

Die führenden Köpfe (Menschen) haben sich eine Plattform geschaffen, wo unendlich viel Geld durchläuft, die ihre Bilanzen gut aussehen läßt, dadurch sich die Berechtigung erwerben hohe Gehälter zu zahlen und wenn es besonders gut läuft, noch ein vielfaches an Boni. Die Verbindlichkeiten befinden sich dann nicht in ihren Bilanzen, wenn doch, werden diese falsch bewertet, sondern mehr und mehr in den Bilanzen der Zentralbanken (siehe Grafik im FAZ-Artikel).

Die Zentralbanken sind, wie eben erklärt Bonitäts-Sammelbecken, die ihre eigene Bonintät dem Staatsbürger zu verdanken haben. Da dieser kranke Kapitalismus niemals funktionieren wird, kommt es irgendwann zu einem Kapitalschnitt und Abwertung der Währung. Der Ehrliche, Fleißige und Rentner wird der Dumme sein, denn er wird dann nicht nur Steuern gezahlt haben, sondern auch noch sein Gespartes abgeben müssen. In den Zeitungen werden wir lesen, dass auch der Superreiche betroffen ist. Mit Hilfe einer relativen Zahl in Prozent soll der Bürger beruhigt werden. Es macht aber einen Unterschied, ob ich 20% von 100 behalte oder 20% von 10.000…

Stephane Hessel (unten im Video-Inerview) hat es mit seiner Protestschrift „Empört Euch“ und seinem Aufruf „Engagiert Euch“ auf den Punkt gebracht: Der Bürger ist der Staat und die Politiker haben den Auftrag vom Bürger die Freiheit und den Wohlstand zu bewahren. Wenn die Politiker, also vom Volk gewählte Menschen diesem Auftrag nicht mehr gerecht werden, sondern durch Lobbyismus die Fleißigen, Ehrlichen und Renten „ausrauben“ kann sich der Bürger seine Stimme wieder zurückholen.

Zuerst erschienen unter www.OekoHuman.org.

Leave A Response »