Der Mahdi und seine Rakete

21. Januar 2012 6

Die Meinung der Anderen: N. G. Pressburg meint, Ahmadinedschad bereitet die Ankunft des Erlösers vor

Muhammad Ahmad war einer, der sich für den Mahdi hielt. Seine Kriegszüge im Sudan führten letztlich zur aktuellen Teilung in einen islamischen und einen christlichen Teil.

Der 12. Juli 2012 ist kein Datum, das sich die Meisten vormerken werden. Für denjenigen, die sich auf die Ankunft des Erlösers auf Erden vorbereiten wollen, ist es jedoch ein wichtiger Termin. Die Rede ist von einer Bewegung, deren prominentester Repräsentant Mahmoud Ahmadinedschad ist, der Präsident der Islamischen Republik Iran. Thema der nun 8. Tagung in Teheran: Die Vorbereitung zur Rückkehr des Mahdi (Offizielle Website).

Der Erlöser hat einen zentralen Stellenwert in den semitischen Religionen. Zugrunde liegt die apokalyptische, grundsätzlich pessimistische Sichtweise, nach der die Ungerechtigkeit und Verderbtheit der Welt nur mehr durch einen göttlichen Akt aufzulösen sei. Vollstrecker ist der mit gottähnlichen Vollmachten auf die Welt geschickte Erlöser oder Mahdi.

Im Christentum ist der Erlöser Jesus, der am Jüngsten Tage zur Erde zurückkehren wird um Gericht zu halten. Auch im Koran ist Jesus der Mahdi, aber trotzdem bleibt im sunnitischen Islam die Person des Mahdi recht diffus. Es gab bereits Dutzende sunnitischer Mahdis, der letzte hauchte sein Leben am 21. November 1979 aus, als er in der Überzeugung seiner Unverletzlichkeit eine Handgranate aufhob, die gegen ihn geschleudert worden war. Dies geschah bei der Besetzung der Großen Moschee in Mekka durch eine salafistische Gruppe, die der Gottlosigkeit im Königreich und auf der Welt ein Ende bereiten wollte. Mahdi Mohammed Abdullah hatte prophezeiungsgemäss an der Südostecke der Kaaba, beim Schwarzen Stein, Aufstellung genommen, als ihn sein Schicksal ereilte.

Der 12. Imam ist seit dem Jahr 941 verschollen

Ihre extremste Ausformung erfährt die Mahdierwartung im schiitischen Islam und hier ist der Mahdi eindeutig definiert: Es ist der 12. Imam Mohammed al-Mahdi, der im Jahr 941 unter ungeklärten Umständen verschwand. Aber er wird nach schiitischer Meinung wieder kommen um Gerechtigkeit zu schaffen und dem richtigen Glauben die Weltherrschaft zu übertragen. Präsident des Iran ist der verschollene Imam nach der Verfassung von 1979 bereits, die Ayatollahs sind lediglich Statthalter bis zu seiner Rückkehr.

Khomeini legte noch einen Zahn zu, indem er postulierte, man dürfe sein Rückkehr nicht geduldig abwarten, wie es bis dahin Usus war, sondern man müsse sie beschleunigen: Der Mahdi kann nach der schiitischen Lehre nämlich nur inmitten eines Chaos erscheinen. Chaos zu erzeugen sei deshalb eine gottgefällige Tat, denn sie beschleunige das Heraufziehen des islamischen Zeitalters.

Der Erlöser kann nur inmitten des Chaos erscheinen

Unter den beiden Nachfolgern Khomeinis, Rafsandschani (1989 – 1997) und Chatami (1997 – 2005) hatte das Mahdikonzept keine politische Bedeutung. Das änderte sich schlagartig mit der Präsidentschaft Mahmoud Ahmadinedschads. Er erhob die Mahdierwartung zum politischen Konzept. Nach seinem ersten Auftritt vor der UN-Vollversammlung im Jahre 2006 berichtete der Präsident, er sei von einem seltsamen Lichtschein umgeben gewesen; seine Delegation bestätigte, ein grünes Licht sei von ihm ausgegangen, kaum habe er die Basmala (koranische Eröffnungsformel) ausgesprochen.

Im selben Jahr noch wünschte Ahmadinedschad bei einer Rede in Kermanschah der Christenheit fröhliche Weihnachten, denn „der Tag ist nahe, an dem Jesus an der Seite des verschollenen Imams wiederkehren wird.“ Seitdem gab es keine programmatische Rede Ahmadinedschads mehr, in der er nicht auf die immer näher rückende Ankunft des Mahdi eingegangen wäre. Er machte wiederholt klar, dass „die Nuklearkraft Teil der Vorbereitung zur Rückkehr des Verborgenen ist“ .

Jesus wird die Evangelien zurückziehen

Das Rückkehrereignis ist für die Mahdi-Bewegung mit dem Präsidenten an der Spitze von globaler Bedeutung. Wie Ahmadinedschad ausführte, werde mit dem Mahdi gleichzeitig Jesus erscheinen und beide werden nach Mekka reisen. Nach gemeinsamer siebenmaliger Umrundung der Kaaba, werde der Mahdi Jesus in der richtigen Art des Betens unterweisen und dieser werde dann die Evangelien durch den Koran ersetzen. Zugleich werden alle Menschen zum Islam konvertieren und der – schiitische – Islam werde die einzige Religion auf Erden sein. Die Langstreckenrakete, die Ahmadinedschad 2010 der Welt vorstellte, hieß, Sie werden es schon ahnen, Mahdi.

Kompromisse sind überflüssig

Die Unruhen in der arabischen Welt sind in den iranischen Medien ein weiteres Zeichen für die unmittelbar bevorstehende Wiederkunft. Ein von der Staatsführung Khamenei/Ahmadinedschad  sanktioniertes Video gibt darüber Auskunft (s.u.). Ahmadinedschad, kann sich in einer Win-Win-Situation fühlen, aus der heraus man keine Kompromisse eingeht. Kommt es zum Krieg, ist der Menschheit geholfen, kommt es nicht zum Krieg, kann Ahmadinedschad in Ruhe das Chaos nach seinen Vorstellungen vorbereiten. Sofern die iranische Opposition diesem Wahn nicht ein vorzeitiges Ende bereitet.

N. G. Pressburg ist Autor des Buches: Good Bye Mohammed. Das neue Bild des Islam. Auf seiner Webseite finden sich weitere Texte, vor allem zur islamischen Frühgeschichte.

Passend dazu auf Citizen Times:

6 Comments »

  1. Rationalist64 25. Januar 2012 at 21:14 - Reply

    Ich habe mir die verlinkte Website von Norbert Pressburg einmal angesehen – sehr informativ und empfehlenswert!

    Sollte sich die auch von Pressburg vertretene Theorie erhärten, dass der Islam aus einem vor-trinitarischen, monophysitischen Christentum hervorgegangen ist, sind die Konsequenzen noch gar nicht absehbar. Dies betrifft keineswegs nur dem Islam. Die christlich-fundamentalistische Islamkritik wäre dann ebenfalls am Ende. Bisher verwenden evangelikale Christen große Mühe darauf nachzuweisen, dass der Islam aus der altarabisch-heidnischen Anbetung eines Mondgottes hervorgegangen sei, die mit dem christlich-jüdischen Gott daher nichts zu tun habe.

    Sollte sich dagegen herausstellen, dass der Islam tatsächlich eine archaische, ungezähmte Form des Christentums ist (oder zumindest aus ihr hervorgegangen ist), dann richten sich alle Argumente, die gegen den Islam vorgebracht werden, letztlich auch gegen das Christentum. Dann wäre alles, was wir am Islam kritisieren, gewissermaßen in der historischen „DNA“, dem „Erbgut“ des Christentums latent miteingespeichert und kann unter ungünstigen Umständen wieder re-aktiviert werden.

    Die Sache verspricht, spannend zu werden.

    • Pressburg 15. Februar 2012 at 13:13 - Reply

      „dann richten sich alle Argumente, die gegen den Islam vorgebracht werden, letztlich auch gegen das Christentum“

      Nicht ganz. Denn es gab ja zwei Traditionen. Die ursprünglich koranische Tradition, die vor „Mohamed“ entstanden ist und mit diesem nichts zu tun. Diese altkoranische Tradition ist christlich.

      Es kam aber dann zur „Islamisierung“, das heisst der ursprünglichen Theologie wurden Verhaltensnormen aufgesetzt. Das sind in etwa die „medinischen Suren“ die sich grundsätzlich von den früheren unterscheiden, aber, weil sie jünger sind, von den Islamgelehrten als die gültigen angesehen werden (sie widersprechen oft genug fundemantal früheren Suren).
      Also, das „islamische Gepräge“ kam viel später hinzu, in der islamischen Tradition als „Muhamad“ personifiziert.

      Konsequenzen hat diese Forschung allerdings ganz enorme für die westlichen Kirchen, sprich Rom.
      Diese Forschungen dokumentieren nämlich, wie weit sich die römische Kirche vom (judenchristlich/syrischen) urchristlichen Ursprung in Wirklichkeit entfernt hat.

      Ich denke nicht, dass-vor die Fragen von damals gestellt- sich ein r.k.Theologe heute für das in Wirklichkeit griechisch-heidnische Konstrukt der Dreifaltigkeit erwärmen könnte.

  2. Ukumo Khalid 1. März 2012 at 12:34 - Reply

    Hello friends, may I get the English (or Arabic) translation of this article please? I have a special intrest to know about Muhamamad Ahmmad Elmahdi. Thanks in advance.

  3. Jahid 29. August 2012 at 01:31 - Reply

    Es scheint so das der Islam und der Prophet Mohammad euch sehr interessiert,um ihn schlecht dar zu stellen!?
    wenn es nur ne erfindung ist….wieso konvertieren immer mehr Christen zum Islam???
    Soll doch jeder seine Religion leben.
    muss man so ein Buch schreiben:-)?
    die frage ist für wem ist dieses buch gedacht?
    für die Christen,juden,budisten,moslems….?
    welche relegion ist nun die richtige???
    dann müsste man ja eigentlich gegen alle relegionen Bücher schreiben:-)!

    na ja…mögre gott euch rechtleiten!

    • tester 11. September 2012 at 18:15 - Reply

      Möge Gott Ihnen eingeben sich zu einem Deutschkurs anzumelden!

Leave A Response »