Update: Kampfbegriff Islamophobie

18. Januar 2012 2

Die Deutschen und ihre Einstellungen gegenüber Muslimen im GMF-Survey 2011

Moscheen symbolisieren für viele das Vorrücken des Islams. Hier der Rohbau der DITIB-Zentralmoschee Köln-Ehrenfeld (April 2011) – Bild: Raymond – Raimond Spekking / Wikipedia

Rund anderthalb Jahre ist die Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Deutschland schafft sich ab jetzt her. Doch wie steht es heute um die – auf das Buch folgende – Debatte und vor allem: Hat sich deswegen die Haltung der Deutschen gegenüber dem Islam und den Muslimen geändert? Zeigt der langfristige Blick einen Bewusstseinswandel bei den Deutschen in Bezug auf den Islam?

Seit zehn Jahren befragt das Langzeitforschungsprojekt zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF-Survey) unter dem Label der sogenannten Vorurteilsforschung die Deutschen nach ihrer Meinung gegenüber Gruppen wie Homosexuellen, Juden, Arbeitslosen und eben auch Muslimen. Man kann das gesamte Procedere dieser Forschung nmatürlich für sehr fragwürdig halten, vor allem von einfachen Fragen auf grundsätzliche Haltungen zu schließen. Dennoch kann auch der kritische Leser einiges Gewinnbringendes erkennen.

Die Ablehnung von Muslimen bzw. dem Islam wurde im GMF-Survey die ersten Jahre als Islamophobie bezeichnet, 2010 wurde erfolgte ein plötzlicher Begriffswechsel zur Islamfeindlichkeit. Man hatte wohl auch bei den GMF-Forschern erkannt, dass von einer Phobie, also einer unbegründeten Angst kaum zu sprechen ist. 2011 äußerte sich nun einer der GMF-Forscher im Rahmen der Deutschen Islamkonferenz (DIK) dahingehend, dass eigentlich von Muslimfeindlichkeit auszugehen sei, da sich die Ablehnung gegen die Gläubigen und nicht gegen den Islam als Religion richte. Was eine völlige Falschbehauptung ist und so im GMF-Survey niemals bewiesen werden konnte, wie der Autor an anderer Stelle ausführlich nachgewiesen hat.

Nun wurden im GMF-Survey über alle Jahre hinweg nur zwei Fragen mit Bezug auf den Islam gestellt. Die eine bezieht sich eher auf ein Gefühl des Unwohlseins, einer Art Überfremdung (Abb. 1). Die andere stellt eher eine politische Forderung dar (Abb. 2). Beide sind jedoch eher allgemeiner Natur und beziehen sich z.B. nicht auf die Ablehnung von muslimischen Nachbarn etc.

Bei beiden Fragen sank die Zustimmung 2011 wieder ab, nachdem 2010 (die Umfrage fand vor der Sarrazin-Debatte statt) etwas höhere Werte gemessen wurden. 1 Um die vermeintliche Islamfeindlichkeit zu messen, werden im GMF-Survey immer die Mittelwerte der Zustimmung (Antworten „eher“ oder „voll und ganz“) herangezogen. Um die Entwicklung der Meinung in der Bevölkerung aber differenzierter verfolgen zu können, werden hier alle vier Antwortmöglichkeiten für den Beobachtungszeitraum dargestellt. 2

Abbildung 1: Gefühlsmäßige Ablehnung von Muslimen/dem Islam in Deutschland

Wie man sehen kann, gab es im letzten Jahr vor allem eine Verschiebung bei den beiden abwägenden Antworten („eher“ bzw. „eher nicht“) zugunsten der letzteren. Der Anteil derjenigen, die sich eher nicht bedroht fühlen, stieg massiv an. Diese Nuancen lassen sich in der Mittelwertsdarstellung in den GMF-Survey-Veröffentlichungen, z.B. Deutsche Zustände, leider nicht nachvollziehen.

Abbildung 2: Politische Forderung gegen Muslime in Deutschland

Bei det konkreteren Frage nach politischen Forderungen lässt sich über die Jahre hinweg nur wenig Veränderung feststellen. Gesellschaftliche Diskussionen, wie die Sarrazin-Debatte scheinen also nicht die von den Vorurteilsforschern und einigen Politikern gerne aufgebauschten Auswirkungen zu haben.

Bis zum Jahr 2007 hatte man im GMF-Survey auch nach der Vereinbarkeit von westlicher und muslimischer Kultur gefragt. Hier war vor allem auffällig, dass der Anteil derjenigen, die voll und ganz bejahten, konstant niedrig blieb. Nun wurde die Frage 2011 wieder aufgegriffen. Deutlich angestiegen ist in den letzten vier Jahren vor allem der Anteil vorsichtig optimistischen Befragten, während die ganz pessimistischen wieder weniger wurden. Der größte Teil der Deutschen bleibt jedoch eher kritisch bezüglich der Vereinbarkeit von Islam und westlicher Welt. Ganz ähnliche Werte ergaben sich dann auch bei einer Vergleichsfrage, die 2011 das erste Mal gestellt wurde (beide Abbildung 3).

Abbildung 3: Vereinbarkeit von Islam und Westen

In dieser letzten Befragung des GMF-Survey 2011, wurde auch erstmals eine Aussage darüber getestet, dass die hier lebenden Muslime unsere Freiheiten und Rechte bedrohen. Die hohe Zustimmung von über drei Viertel der Befragten zeigt einen deutlichen Wandel im Bewusstsein der Deutschen, vor allem in Anbetracht der oben diskutierten gefühlten Ablehnung. Zum Vergleich kann man eine Frage heranziehen, die 2002, 2003 und 2005 gestellt wurde, ob der Islam seine Macht in Deutschland vergrößern wolle. Diese Einschätzung teilten damals nur rund 20 Prozent weniger als heute (in Abb. 4 für 2005).

Abbildung 4: Bedrohung durch den Islam

Dass sich die Frage 2011 auf die Muslime bezieht und nicht auf den Islam als Ideologie (wie 2002, 2003 und 2005), ist wohl dem Versuch geschuldet, hier mehr auf die Ablehnung von Menschen im Sinne der Vorurteilsforschung abzuzielen, obwohl alle vorherigen Umfragen-Intervalle keinen konsistenten Zusammenhang zwischen z.B. Fremdenfeindlichkeit und Ablehnung des Islams feststellen konnten.

Fazit

Die gefühlte Ablehnng des Islams bleibt in Deutschland konstant niedrig und hat gegenüber dem Vorjahr wieder leicht abgenommen. Der befürchtete Einfluss von sogenannten Populisten oder aufgeheizten Debatten ist nicht deutlich zu erkennen. Die Deutschen bleiben offensichtlich gelassen.

Auffallend ist eine sehr kritische Haltung von drei Viertel der Befragten, was die Wirkung des Islams auf unsere Freiheiten und Rechts angeht. DIes deckt sich mit älteren Befunden, die vor allem zeigten, dass die Deutschen den Islam mit Unterdrückung bzw. Benachteiligung von Juden (im Besonderen), Ungläubigen (im Allgemeinen), Homosexuellen und Frauen in Verbindung bringen.

Die gesamten Auswertungen zum GMF-Survey 2011 können hier nachgelesen werden:

Wilhelm Heitmeyer (Hg.): Deutsche Zustände. Folge 10. Berlin: Suhrkamp, 2011, 336 Seiten, 15 Euro. (Rezension folgt)

Notes:

  1. Statistisch signifikant ist allerdings nur die Abnahme der Zustimmung bei der ersten Frage.
  2. Die Daten wurden dem Autor dankenswerter Weise vom Team des GMF-Survey zur Verfügung gestellt.

2 Comments »

  1. gerd 21. Januar 2012 at 22:42 - Reply

    Fusion erfolgreich vollzogen und den Fortgang der Allianz der Mitte erhalten!!

    DEUTSCHE KONSERVATIVE im Aufwind

    Während einer gemeinsamen Bundesmitgliederversammlung haben die Deutsche Konservative Partei und die Allianz der Mitte – ADM am 14.01.12 in Berlin auf Bundesebene einen Fusionsvertrag unterzeichnet.
    In der anschließenden Vorstandswahl wurden gewählt:

    Dieter Jochim (Berlin) als Vorsitzender.

    Ihm zur Seite stehen die Stellvertreter/in

    Herr Bernd Leusmann (Baden-Württemberg),

    Frau Erika Lohe (Niedersachsen),

    Frau Ursula Saul (Schleswig-Holstein) und

    Herr Bernd-Michael Wloch (Nordrhein Westfalen).

    Herr Hans Weide (ehemaliger Bundesvorsitzender der ADM) übernahm das Ehrenamt des Vorsitzenden des Schiedgerichtes.

    „Diese Fusion ist erst der Anfang“ erklärt der Vorsitzende in seiner Begrüßungsrede. Es werden weiter Gespräche mit Gruppierungen und kleineren Parteien mit ähnlicher Identifikation geführt mit dem Ziel, bundesweit einen Gegenpol zu den Etablierten zu bilden. Die schwindenden Mitgliederzahlen bei den etablierten Parteien, so Dieter Jochim weiter, zeigen deutlich, dass eine starke konservative Kraft in der deutschen Parteienlandschaft fehlt.

    Auf die Frage nach dem weiteren Vorgehen der Deutschen Konservativen erklärt Dieter Jochim, dass zunächst zeitnah in allen Bundesländern Landesverbände neu gegründet oder – falls bereits vorhanden – diese neu etabliert werden. Mit der Fusion mit der ADM konnten die Deutschen Konservativen wertvolles Mitgliederpotential gewinnen.

    „Unser Ziel ist es, an der Bundestagswahl und an der Europawahl in allen Bundesländern anzutreten“ führt Dieter Jochim weiter aus. „Unsere Mitglieder sind motiviert und einsatzbereit und daher haben wir gute Chancen, bei kommenden Wahlen einen ordentlichen Prozentsatz zu erzielen und auch zu erreichen“.

    In den kommenden Wochen wird nun in BadenWürttemberg der neue gemeinsame Landesvorstand gewählt. Anschließend werden die Kandidaten zur Bundestagswahl gewählt. Unsere Stammtische werden in gewohnter Weise fortgeführt (siehe Termine).

    http://www.adm-partei.de/
    http://www.deutschekonservative.de/

  2. Robert 23. Januar 2012 at 05:46 - Reply

    Trau keiner Statistik, die Du niocht selber gefaelscht hast. Diese Daten sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.

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