Parteienpfilz im Staatsfernsehen

18. Januar 2012 2

Österreich: Protest gegen Postengeschacher bei Öffentlich-Rechtlichen Medien

Screenshot: Die Einleitung des Protestfeilms der ORF-Redakteure auf Youtube

Wie Welt-Online berichtet, kämpfen zahlreiche Redakteure des österreichischen Staatsfernsehens ORF gegen „barocken Parteienfilz“. Auch in den deutschen Öffentlich-Rechtlichen redet die Politik bekanntlich ein gewichtiges Wörtchen mit, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht.

„Parteipolitische Einflussnahme im Hinterzimmer“

Einer, der davon ein Liedchen singen kann, ist der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, der gegenüber Welt-Online erklärte: „In Österreich hat der Parteienfilz eine barocke Kultur entwickelt“. Dort habe die Debatte längst eine viel größere Öffentlichkeit erreicht. In Deutschland hingegen werde „parteipolitische Einflussnahme im Hinterzimmer ausgefochten“, was zeige, dass sich Politker hierzulande zumindest noch für ihr Handeln schämen würden.

In Österreich hat nun eine Reihe von Neubesetzungen im ORF dazu geführt, dass sich mehrere Redakteure des Senders mit einem Protestvideo auf Youtube an die Öffentlichkeit wandten. Das Video (siehe unten) verzeichnete 24 Stunden nach dem Hochladen bereits zirka 270.000 Aufrufe.

„Der ORF gehört den Österreicherinnen und Österreichern“

Mittlerweile hat die Debatte auch die Politik selbst erreicht: zu erst wandte sich der ORF-Redaktionsrat in einem Schreiben an das zuständige Aufsichtsgremium, den Stiftungsrat. Darin wird unter anderem gefordert, die „wie immer geartete Fortsetzung unternehmensschädigender Postenvergabe“ sofort zu unterbinden.

Daraufhin beschäftigte sich sogar das österreichische Parlament mit der Angelegenheit. Damit ist die Debatte ausgerechnet bei denen angelangt, gegen die sich die Kritik im Kern richtet. In dem Video heißt es unter anderem: „Vom Gesetzgeber fordern wir Rahmenbedingungen, die die Unabhängigkeit des ORF stärken. Dazu gehören unter anderem ein völlig neues Aufsichtsgremium und ein verbessertes Redakteursstatut. Der ORF gehört den Österreicherinnen und Österreichern – nicht den Parteien.“

Ausnahmslos die politischen Interessen des Parteienblocks

Auch in Deutschland ist der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk alles andere als unabhängig. Im Gegenteil, nicht nur die politisch motivierte Entlassung Brenders, sondern allen voran der unsagbar einseitige Umgang der Medien mit Thilo Sarrazin im vorletzten Jahr, gleichwohl das inszenierte Interview mit Christian Wulff vor wenigen Wochen, haben exemplarisch vorgeführt, dass das deutsche Staatsfernsehen fast ausnahmslos die politischen Interessen des Parteienblocks bedient.

Das Protestvideo der ORF-Redakteure:

2 Comments »

  1. Nicht die Aishe 18. Januar 2012 at 16:44 - Reply

    Wie sehr wirtschaftliche Interessen bei den Medien auch in Deutschland entscheiden, sieht man an der Zusammenlegung von Redaktionen. Dies geschieht immerhin in einer Größenordnung, dass Redaktionszusammenlegungen eine Rolle spielten in der „Rangliste der Pressefreiheit “, die jährlich von der internationalen Organisation „Reporter ohne Grenzen“ erstellt wird. Denn wirtschaftliche Interessen haben den freien Journalismus, den tatsächlich vorhandenen Drang zur Aufklärung schon lange vertrieben. Wir sollten und müssen den den Ruf nach einer unabhängigen Medienlandschaft, in Deutschland so laut werden lassen, dass der Aufbau einer wirklich unabhängigen Presse möglich wird.

  2. Stefan Wehmeier 20. Januar 2012 at 14:18 - Reply

    Um verstehen zu können, warum ein geistiger Tiefflieger wie Thilo Sarrazin heute bei einem Millionenpublikum auf eine gewisse Zustimmung stößt, muss man nicht nur das Phänomen Nationalsozialismus, sondern die ganze Kulturgeschichte der halbwegs zivilisierten Menschheit verstehen, die nicht aus der Vernunft, sondern aus der Religion entstand. Und mit einem hatte Karl Marx Recht, auch wenn er als Ökonom keine Leuchte war: Die Religion ist das „Opium des Volkes“. Allerdings ist der „Unglaube“ gegenüber dieser schlimmsten aller Drogen wirkungslos, weil Gott existiert – als ein künstlicher Archetyp im kollektiv Unbewussten, der auf subtile Weise unser Verhalten, unsere tiefsten Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste steuert. Befreien kann man sich davon nur, wenn man das „Programm Genesis“ erkannt und verstanden hat (Erkenntnisprozess der Auferstehung aus der religiösen Verblendung):

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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