Moderne Demonstrations-Methoden

16. Januar 2012 3

Ordnung muss sein: Denkt Euch selbst was aus!

Schuhe symbolisieren in der islamischen Welt den Dreck der Straße – sie zu werfen, heißt Protest und Verachtung – Bild: Kai Niemeyer / pixelio.de

Ministerpräsident Kretschmann wurde vergangene Sonnabend nicht gerade freundlich empfangen: Stuttgart 21-Gegner zeigten dem ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik den Schuh. Einer warf, verfehlte Kretschmann, traf stattdessen einen seiner Leibwächter.

Die Szene erinnerte mich an andere Geschehnisse. Es waren eindrucksvolle Bilder, die einen aufgebrausten Mob in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zeigten. Dutzende von Schuhen flogen gegen die große Leinwand, auf der eine Ansprache des damaligen Präsidenten Husni Mubarak gezeigt wurde.

In der islamischen Welt gilt der Schuh als etwas Schmutziges: An ihm haftet der Dreck der Straße. Darum ist es auch verboten ihn in der Moschee zu tragen. Schon im Eingangsbereich vieler Moscheen stehen wandhohe Regale, in denen die Schuhe einsortiert werden.

Wer von einem Schuh getroffen wird, der wurde mit dem Dreck der Straße gestraft. Es ist eine sehr krasse Form, seine Verachtung gegenüber einer anderen Person zum Ausdruck zu bringen. Statt sich aber in der islamischen Welt Protestformen abzuschauen, sollten die hiesigen Demonstranten etwas einfallsreicher werden. Nicht mal das Zelten auf öffentlichen Plätzen ist eine deutsche Erfindung. Und wenn ich neue Demonstrationsmethoden verlange, dann meine ich damit nicht das sogenannte Schottern, sondern friedliche Wege, um für etwas einzustehen.

3 Comments »

  1. Prof.Kantholz 16. Januar 2012 at 13:59 - Reply

    „Nicht mal das Zelten auf öffentlichen Plätzen ist eine deutsche Erfindung.“

    Ich bin mir nicht mal sicher, ob es überhaupt eine typisch deutsche Protestform gibt. Wir sind eben ein sehr geduldiges (und manchmal könnte man meinen: sehr dummes) Völkchen.

    Wenn das mal nicht generell unser Fehler ist.

    Die Parabel von dem Frosch im Kochtopf dürfte bekannt sein…

  2. Fairmaster 16. Januar 2012 at 15:12 - Reply

    Der Autor sollte mal lernen, zu recherchieren. Die Schuh-Nummer ist eine deutsche Angelegenheit – siehe Bundschuh-Bewegung (Bauernkriege)

  3. Prof.Kantholz 17. Januar 2012 at 07:32 - Reply

    Der Bundschuh war meines Wissens kein Zeichen von Verachtung, sondern von Zusammengehörigkeit zwischen den Bauern und ihrer Abgrenzung gegenüber den Stiefeln der Herren und Ritter.

    Im Übrigen ist es denkbar, dass sich zwei ähnliche „Traditionen“ in verschiedenen Kulturen zu verschiedenen Zeiten mit verschiedener Bedeutung entwickeln.

Leave A Response »